{"id":1088,"date":"2014-08-04T14:34:57","date_gmt":"2014-08-04T14:34:57","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=1088"},"modified":"2014-08-04T14:37:28","modified_gmt":"2014-08-04T14:37:28","slug":"selbst-die-palaestinenser-im-gazastreifen-hassen-doch-nicht-die-juden-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=1088","title":{"rendered":"&#8222;Selbst die Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen hassen doch nicht die Juden der Welt!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>So wie in Bremen sind auch in Frankfurt in den letzten zwei Wochen die Wogen hoch gegangen. Einer Demonstration gegen den israelischen Gaza-Krieg folgte eine Demo gegen den Antisemitismus. Offenbar hat es in der Redaktion der Frankfurter Rundschau<!--more--> (die mal linksliberal genannt werden konnte), Diskussionen um ihre unbedingte Pro-Israel-Linie gegeben. Gestern erschien jedenfalls ein Interview mit <em>Abraham Melzer,<\/em> einem Verleger (Joseph-Melzer-Verlag), der in Israel aufgewachsen ist und dort auch seinen Milit\u00e4rdienst ableistete, und der in diesem <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/frankfurt\/antisemitismus--es-geht-um-israel--nicht-um-die-juden-,1472798,28021332.html\" target=\"_blank\">Interview zur Antisemitismus-Diskussion<\/a> erstaunlich einfache und klare Worte fand.<\/p>\n<p>Die Frage, ob jetzt der Antisemitismus wieder in Frankfurt aufflamme, beantwortete er so: <em>&#8222;Unvern\u00fcnftige gibt es \u00fcberall. Es gibt nat\u00fcrlich auch Antisemiten in Deutschland. Ich bin aber der Ansicht, dass die Haltung &#8211; ich unterstelle jetzt einmal, dass die T\u00e4ter aus einem muslimischen Kontext kommen &#8211; der Moslems in Frankreich und Deutschland nichts mit Antisemitismus im wissenschaftlichen und fachlichen Sinne des Begriffs zu tun hat. Diese Antihaltung gegen\u00fcber Israelis und Juden ist eine Folge des Nahost-Konflikts. Und in diesem geht es nicht um Religion, sondern um das Land. Selbst die Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen hassen doch nicht die Juden der Welt. Ich bin emp\u00f6rt und ver\u00e4rgert \u00fcber das Unrecht, das man diesen Leuten antut, wenn man sagt, sie seien Antisemiten. Die Pal\u00e4stinenser waren keine Antisemiten und sie sind heute keine. Sie hassen nicht die Juden, sie hassen die Israelis und dazu haben sie reale Gr\u00fcnde. In meinen Augen ist das ein gewaltiger Unterschied.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Herrn Melzer wird dann im Interview vorgehalten, dass es doch Demonstrationen gegeben h\u00e4tte, auf denen &#8222;Kinderm\u00f6rder Israel&#8220; oder &#8222;Blutsauger Israel&#8220; skandiert worden w\u00e4re. <em>&#8222;Das ist schlimm&#8220;<\/em>, so seine Antwort, <em>&#8222;Aber man kann doch nun nicht so tun, als ob wir vor einem neuen Holocaust stehen. Ich habe jedenfalls nicht diesen Eindruck und ich lebe ja auch in diesem Land. Irre gibt es immer, das ist klar. Aber die j\u00fcdische Gemeinde in Deutschland muss das verkraften. Wenn jetzt gesagt wird, dass viele Juden auf gepackten Koffern sitzen, ist das in meinen Augen ein bisschen \u00fcbertrieben.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Melzer schildert dann einen Vorfall aus seiner Milit\u00e4rzeit in Israel. Eines nachts h\u00e4tte ihnen ihr Offizier befohlen, ihre Waffen zu packen und in ein 20 Kilometer entferntes arabisches Dorf zu fahren. Dort sollten sie, die Soldaten, alle Menschen, Alte, Frauen und Kinder aus den H\u00e4usern treiben und auf dem Marktplatz des Dorfes zusammentreiben. Dort h\u00e4tten sie dann die Menschen drei Stunden warten lassen, ohne ihnen irgend etwas mitzuteilen. Und w\u00e4ren dann wieder weggefahren. <em>&#8222;Ich bin dann zu meinem Offizier und habe ihn gefragt, was los war. Da hat er uns gesagt, dass wir das von Fall zu Fall machen, um den Arabern das Leben bitter zu machen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Was so unverst\u00e4ndlich ist und so grausam erscheint, habe sogar interessanterweise einen biblischen Hintergrund: <em>\u201eDas Leben verbittern\u201c<\/em> w\u00e4re ein Sprichwort aus der Bibel. Das w\u00fcrde in Israel jedes Kind kennen. <em>&#8222;Da steht, dass die \u00c4gypter den Juden das Leben bitter gemacht haben. Und am Ende haben wir unter der F\u00fchrung Moses\u2019 \u00c4gypten verlassen. Die Israelis glauben also, dass sie, weil die \u00c4gypter ihnen vor 5000 Jahren das Leben bitter gemacht haben, das Recht haben, sich heute so gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern zu verhalten. Die israelische Gesellschaft ist den meisten Menschen hier v\u00f6llig fremd. Sie ist unheimlich rassistisch, chauvinistisch und nationalistisch.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Abraham Melzer hielt (angek\u00fcndigt) gestern in Frankfurt einen Vortrag zum Nahost-Konflikt im Saalbau Bockenheim. Veranstalter: Die LINKE in Frankfurt. Etwas \u00c4hnliches w\u00fcrde man sich auch in Bremen w\u00fcnschen. Aber, wie es derzeit im Landesverband der LINKEN aussieht, bleibt das wohl eher ein frommer Wunsch. Ebenso, dass in der Redaktion des Weserkuriers diskutiert werde, ob nicht auch in diesem Blatt etwas gem\u00e4\u00dfigtere Meinungen \u00fcber den Nahost-Konflikt ver\u00f6ffentlicht werden k\u00f6nnten. Bremen ist eben nicht Frankfurt.<br \/>\n<em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n<p>Das ganze Interview aus der <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/frankfurt\/antisemitismus--es-geht-um-israel--nicht-um-die-juden-,1472798,28021332.html\" target=\"_blank\">Frankfurter Rundschau v. 3. August 2014 hier.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So wie in Bremen sind auch in Frankfurt in den letzten zwei Wochen die Wogen hoch gegangen. Einer Demonstration gegen den israelischen Gaza-Krieg folgte eine Demo gegen den Antisemitismus. 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