{"id":11112,"date":"2022-02-15T07:24:17","date_gmt":"2022-02-15T07:24:17","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=11112"},"modified":"2022-02-16T07:35:47","modified_gmt":"2022-02-16T07:35:47","slug":"ueber-ein-volk-ohne-staat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=11112","title":{"rendered":"\u00dcber ein Volk ohne Staat"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\"><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/22-02-16-muriel-asseburg-buch-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-11113 size-medium\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/22-02-16-muriel-asseburg-buch-2-192x300.jpg\" alt=\"\" width=\"192\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/22-02-16-muriel-asseburg-buch-2-192x300.jpg 192w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/22-02-16-muriel-asseburg-buch-2-654x1024.jpg 654w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/22-02-16-muriel-asseburg-buch-2-300x470.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/22-02-16-muriel-asseburg-buch-2-768x1202.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/22-02-16-muriel-asseburg-buch-2-981x1536.jpg 981w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/22-02-16-muriel-asseburg-buch-2.jpg 1246w\" sizes=\"auto, (max-width: 192px) 100vw, 192px\" \/><\/a>Die Nahost-Expertin Muriel Asseburg, die am <a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?ai1ec_event=dr-muriel-asseburg-unloesbar-der-konflikt-zwischen-israelis-und-palaestinenserinnen&amp;instance_id=43\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">24. Februar 2022 auf einer Zoom-Veranstaltung des AK Nahost Bremen<\/a> sprechen wird, erz\u00e4hlt in ihrem neuen Buch &#8222;Pal\u00e4stina und die Pal\u00e4stinenser \u2013 Eine Geschichte von der Nakba bis zur Gegenwart&#8220; eine andere Geschichte \u00fcber das Land zwischen Mittelmeer und Jordan-Fluss. Es geht um Kriege, Aufst\u00e4nde und Friedensinitiativen und \u00fcber die pal\u00e4stinensische Selbstverwaltung.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Balfour-Deklaration von 1917 ist nat\u00fcrlich der Ausgangspunkt ihrer Analyse. Ein britischer Au\u00dfenminister verspricht hier einem britischen Zionisten den Aufbau eines Staates in einem Gebiet, in dem zu \u00fcber 90 Prozent Nichtjuden leben. Mit dem Untergang des osmanischen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg \u00fcbernahm \u2013 allen heeren Grunds\u00e4tzen des V\u00f6lkerrechts vom Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker zum Trotz &#8211; nicht etwa die lokale Bev\u00f6lkerung die politische Herrschaft in Pal\u00e4stina, sondern die vom V\u00f6lkerbund eingesetzte britische Mandatsmacht. <!--more--><\/p>\n<p class=\"western\">Matthias Bertsch hat das Buch im <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/palaestina-muriel-asseburg-schreibt-ueber-ein-volk-ohne-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschlandfunk am 04.10.2021<\/a> besprochen. Sein Kommentar: &#8222;Der j\u00fcdisch-arabische oder israelisch-pal\u00e4stinensische Konflikt, der im Zentrum des Buches steht, leidet von Anfang an unter einer Asymmetrie: Auf der einen Seite eine hoch motivierte und organisierte Bewegung, mit guten diplomatischen Beziehungen auf internationaler Ebene, deren Ziel ein souver\u00e4ner Nationalstaat nach europ\u00e4ischem Vorbild ist, auf der anderen eine Bev\u00f6lkerung, die zwar vor Ort verwurzelt ist, aber sich \u00fcberhaupt erst in Abgrenzung zum zionistischen Projekt als Nation zu verstehen beginnt. Das ist alles nicht neu. Neu dagegen sind manche hier aufgef\u00fchrte Details, die den Auf- und Ausbau des j\u00fcdischen Staates begleiteten, zum Beispiel die Pl\u00fcnderungen w\u00e4hrend des israelischen Unabh\u00e4ngigkeitskrieges 1947 bis `49, in dessen Verlauf rund 750.000 Araber vertrieben wurden.&#8220;<\/p>\n<p class=\"western\">Der Deutschlandfunk bem\u00e4ngelt eine &#8222;eingeengte Perspektive&#8220; Buches. Obwohl gut recherchiert und faktenreich geschrieben, beschr\u00e4nke sich das Buch von Muriel Asseburg &#8222;auf das dominante pal\u00e4stinensische Narrativ: Israel als siedlungskolonialistisches Projekt&#8220;, gegen das Widerstand legitim sei. Das sei nicht falsch, aber der j\u00fcdische Staat sei mehr. &#8222;Er ist auch R\u00fcckkehr- und Zufluchtsort am Ende einer langen Geschichte, vor allem einer Verfolgungsgeschichte, f\u00fcr deren furchtbaren H\u00f6hepunkt nicht die Pal\u00e4stinenser, sondern wir Deutschen verantwortlich sind. Ohne den erg\u00e4nzenden Blick, der den unbedingten Kampfes- und \u00dcberlebenswillen der j\u00fcdischen Seite mit einbezieht, wird es keine Perspektive f\u00fcr eine gemeinsame Zukunft beider V\u00f6lker zwischen Mittelmeer und Jordan geben \u2013 egal ob Ein- oder Zweistaaten-L\u00f6sung. Doch dieser Blick entl\u00e4sst Israel nicht aus seiner Verantwortung als Besatzungsmacht.&#8220;<\/p>\n<p class=\"western\">Wibke Diehl kommt in ihrer Besprechung in der <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/420623.pal%C3%A4stina-%C3%BCberrumpelte-mehrheit.html?sstr=muriel%7Casseburg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jungen Welt vom 14.Februar 2022<\/a> zu einer etwas anderen und positiveren Beurteilung des Buches. Auf etwa 270 Seiten liefere Asseburg &#8222;eine n\u00fcchterne, zugleich aber auch schmerzvolle Analyse der Geschichte der Pal\u00e4stinenser, ohne vor der Behandlung von insbesondere in Deutschland sehr konfliktbehafteten Themen zur\u00fcckzuschrecken. Sie gibt den Pal\u00e4stinensern ein Gesicht als \u00bbHandelnde in ihrer eigenen Geschichte\u00ab \u2013 etwas, das in der vorhandenen Literatur zum Thema allzu oft fehlt. Zugleich l\u00e4sst sie keinen Zweifel daran, dass die Besatzung den Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinensern seit Jahrzehnten verwehrt, tats\u00e4chlich selbstbestimmt zu agieren. Asseburg beschreibt die dem Nahostkonflikt von Beginn an innewohnende Asymmetrie zwischen einer zielorientierten, gut organisierten und mit dem Versprechen der Balfour-Deklaration auf einen eigenen Staat ausgestatteten zionistischen Bewegung auf der einen und einer \u00fcberrumpelten, sich als Nation im \u00bbeurop\u00e4ischen Sinne\u00ab erst herausbildenden, aber in dem umk\u00e4mpften Land tief verwurzelten Mehrheitsbev\u00f6lkerung auf der anderen Seite.&#8220;<\/p>\n<p class=\"western\">Asseburg verweise auch auf vertane Friedenschancen, etwa durch die arabische Initiative von 2002, die Israel f\u00fcr einen R\u00fcckzug auf die Grenzen von 1967 Frieden und Normalit\u00e4t angeboten h\u00e4tten. Vom damaligen US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump sei schlie\u00dflich durch die durch ihn initiierten \u00bbNormalisierungsabkommen\u00ab zwischen Israel und Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Marokko und Sudan eine v\u00f6lkerrechtsbasierte L\u00f6sung endg\u00fcltig untergraben worden.<\/p>\n<p class=\"western\">&#8222;Spannend ist Asseburgs Darstellung aktueller Debatten. Sie r\u00e4umt mit dem \u2013 nicht nur von israelischen Politikern kultivierten \u2013 Mythos auf, auf pal\u00e4stinensischer Seite f\u00e4nden sich keine Partner f\u00fcr Frieden, und stellt unmissverst\u00e4ndlich klar, dass Israel weder vorhat, die Besatzung noch die Diskriminierung der Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenser zu beenden. Sie postuliert, dass sich dadurch eine \u00bbkomplexe Einstaatenrealit\u00e4t\u00ab herausgebildet habe und eine Umsetzung der Zweistaatenl\u00f6sung faktisch nicht mehr m\u00f6glich sei. Die auch in ihren Augen durchaus kritikw\u00fcrdige Hamas als Gespr\u00e4chspartner komplett auszuschlie\u00dfen, h\u00e4lt Asseburg f\u00fcr falsch. Die BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen) und deren Hintergr\u00fcnde beschreibt sie trotz der \u00e4u\u00dferst hitzigen Debatte sachlich.<\/p>\n<p class=\"western\">Muriel Asseburg f\u00fcllt eine L\u00fccke in der deutschen Literatur zum Nahostkonflikt, indem sie die pal\u00e4stinensische Perspektive kenntnisreich darstellt. Hilfreich sind ganz speziell auch die Kurzportr\u00e4ts pal\u00e4stinensischer Pers\u00f6nlichkeiten aus Politik, Kultur und Wissenschaft, die Asseburg \u00fcber das Buch verteilt hat. Eine umfangreiche Literaturliste und Kartenmaterial runden das Bild ab und bieten die M\u00f6glichkeit f\u00fcr ein weiter in die Tiefe gehendes Verst\u00e4ndnis, das das Buch allein aufgrund seines begrenzten Umfangs nicht bieten kann.&#8220;<\/p>\n<p class=\"western\">Muriel Asseburg: Pal\u00e4stina und die Pal\u00e4stinenser. Eine Geschiche von der Nakba bis zur Gegenwart. C. H. Beck, M\u00fcnchen 2021, 365 Seiten, 16,95 Euro<br \/>\n<em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nahost-Expertin Muriel Asseburg, die am 24. 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