{"id":11157,"date":"2022-03-12T09:05:33","date_gmt":"2022-03-12T09:05:33","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=11157"},"modified":"2022-03-14T10:26:37","modified_gmt":"2022-03-14T10:26:37","slug":"von-israel-lernen-heisst-putin-besiegen-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=11157","title":{"rendered":"Von Israel lernen, hei\u00dft Putin besiegen lernen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_11160\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11160\" class=\"wp-image-11160 size-medium\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/22-03-12-Volodymyr_Zelensky-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/22-03-12-Volodymyr_Zelensky-225x300.jpg 225w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/22-03-12-Volodymyr_Zelensky-768x1024.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/22-03-12-Volodymyr_Zelensky-300x400.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/22-03-12-Volodymyr_Zelensky.jpg 792w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><p id=\"caption-attachment-11160\" class=\"wp-caption-text\">Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyi. Foto: wikimedia commons. Ukrinform TV<\/p><\/div>\n<p>(am 14.03.2022 \u00fcberarbeitet) &#8222;Von Israel lernen, hei\u00dft Putin besiegen lernen&#8220; &#8211; so ist ein sehr interessanter <a href=\"https:\/\/de.qantara.de\/inhalt\/ukraine-krieg-von-israel-lernen-heisst-putin-besiegen-lernen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel vom 08.03.2022 auf der Website &#8222;Quantara&#8220; \u00fcberschrieben.<\/a> Der Artikel widmet sich den vielf\u00e4ltigen historischen und aktuellen Verbindungen zwischen Israel und der Ukraine. Die Website &#8222;Quantara&#8220; will &#8222;zum Dialog mit der islamischen Welt beitragen&#8220; &#8211; und wird vom Ausw\u00e4rtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Bei seiner Vereidigung am 20. Mai 2019 nannte der ukrainische Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyi Israel als Vorbild im Hinblick auf die Verteidigung der Ukraine &#8211; was in Tel Aviv und Jerusalem f\u00fcr Schlagzeilen sorgte.<\/p>\n<p>Selenskyj ist 1978 als Sohn j\u00fcdischer Eltern in der s\u00fcdukrainischen Stadt Kriwoj Rog geboren. <!--more-->(Die Industriestadt ist im deutschsprachigen Raum bekannt geworden durch den Roman &#8222;Die Fahne von Kriwoj Rog&#8220; von Otto Gotsche und den gleichnamigen Defa-Film von Kurt Maetzig.) Selenskyi beschw\u00f6rt oftmals in seinen Ansprachen die historische Verbundenheit von Juden und Ukrainern sowie die Parallelen zwischen den Staaten Israel und der Ukraine. <em>&#8222;Wir wissen, wie es ist, keinen eigenen Staat zu haben. Wir wissen, was es bedeutet, den eigenen Staat und das eigene Land mit der Waffe in der Hand zu verteidigen, selbst um den Preis des eigenen Lebens. Ukrainer wie Juden sch\u00e4tzen die Freiheit, und sie arbeiten gleicherma\u00dfen daran, dass die Zukunft unserer Staaten nach unseren Vorstellungen gestaltet wird und nicht nach denen, die andere f\u00fcr uns wollen. Israel ist f\u00fcr die Ukraine oft ein Vorbild.\u201c<\/em> Er w\u00fcnsche sich, so Selenksy, dass die Ukrainer schnell zu einer &#8222;selbstbewussten Nation&#8220; zusammen geschmiedet werden &#8211; so schnell und so erfolgreich wie Israel. Bewundernd blicke man, so hei\u00dft es in dem Bericht von &#8222;Quantara&#8220;, darauf, wie es den Juden gelungen sei, eine moderne Nation und einen modernen Staat aufzubauen.<\/p>\n<p class=\"western\">Inzwischen, so der Bericht von &#8222;Quantara&#8220;, widmen sich mehrere vom Westen unterst\u00fctzte Nichtregierungsorganisationen und Denkfabriken in der Ukraine diesem Thema. N\u00e4mlich was die Ukraine vom Zionismus und von Israel lernen k\u00f6nnte und sollte.<\/p>\n<ul>\n<li class=\"western\">2016 ver\u00f6ffentlichte das von der EU-Kommission mitfinanzierte <a class=\"western\" href=\"https:\/\/case-ukraine.com.ua\/en\/\">Kiewer &#8222;Zentrum f\u00fcr sozial\u00f6konomische Forschung\u201c (CASE Ukraine) <\/a>einen Bericht mit dem Titel &#8222;Einige Lehren aus Israel f\u00fcr die Ukraine\u201c. In diesem Papier hei\u00dft es einleitend, man solle sich an Israel allein schon deshalb ein Beispiel nehmen, weil das Land in einen langj\u00e4hrigen milit\u00e4rischen Konflikt mit dem Donbass verwickelt sei. Man bewundere die Juden, weil und wie es ihnen gelungen sei, &#8222;eine moderne Nation und einen modernen Staat aufzubauen&#8220;.<\/li>\n<li class=\"western\">2018 veranstaltete die <a class=\"western\" href=\"http:\/\/neweurope.org.ua\/en\/\">Kiewer Denkfabrik &#8222;New Europe Center\u201c<\/a>, die sich mit der ukrainischen Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik befasst und auch vom deutschen Ausw\u00e4rtigen Amt unterst\u00fctzt wird, die Konferenz &#8222;Die Erfahrung der israelischen Staatsbildung: Lehren f\u00fcr die Ukraine\u201c.<\/li>\n<li class=\"western\">In der Organisation <a href=\"https:\/\/ukrainianjewishencounter.org\/en\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Ukrainian Jewish Encounter\u201c<\/a> bem\u00fche man sich seit Jahren um die Ann\u00e4herung von Juden und Ukrainern. Im Beratergremium der Organisation sind so bekannte Historiker vertreten wie Timothy Garton Ash, Timothy Snyder und Omer Bartov. Snyder gelte als der wohl prominenteste gelehrte F\u00fcrsprecher des ukrainischen Nationalismus in der westlichen Welt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Interessant ist aber auch, was in dem &#8222;Quantara&#8220;-Artikel nicht zur Sprache kommt. N\u00e4mlich die heute gern verschwiegene Tatsache, dass rechtsgerichtete ukrainische Nationalisten direkt am Holocaust und an Massakern an der polnischen Zivilbev\u00f6lkerung w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges beteiligt waren. Und dass sie einen ukrainischen Staat proklamierten, der von Juden, Polen und Russen entsprechend der faschistischen Ideologie ges\u00e4ubert werden m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Was ist also heute mit den ultrarechten und traditionell faschistischen und antisemitischen Kreisen, auf die sich Selenskyi bezieht? Was ist aus ihrem traditionellen Antisemitismus geworden? Offenbar hat hier eine v\u00f6llige Verkehrung stattgefunden. Heute bewundern die Rechtsextremisten (wie in Deutschland und den USA bekanntlich ebenfalls!) den Judenstaat und stimmen einen Lobgesang auf das rassistische israelische Nationalit\u00e4tsgesetz an.<\/p>\n<div id=\"attachment_11175\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11175\" class=\"wp-image-11175 size-medium\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/22-03-14-bandera-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/22-03-14-bandera-300x200.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/22-03-14-bandera-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/22-03-14-bandera-768x511.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/22-03-14-bandera-451x300.jpg 451w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/22-03-14-bandera.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-11175\" class=\"wp-caption-text\">Stepan Bandera Torchlight procession 2020 in Kiew. Foto: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication<\/p><\/div>\n<p>In diesem ideologischen Mischmasch spielt der &#8222;F\u00fchrer&#8220; (Prowidnyk) Stepan Bandera eine herausragende Rolle. Er schloss sich schon 1929 der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) an und wurde 1933 zu deren Providnyk gew\u00e4hlt. Die OUN suchte und fand die Verbindung zu den anderen faschistischen Bewegungen in Europa: zu Mussolini, der kroatischen Ustascha und den deutschen Nationalsozialisten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Maidan-Putsches 2014 in Kiew wurde Bandera zur Identifikationsfigur. F\u00fcr ihn wurden in der Westukraine als dem Vork\u00e4mpfer der Freiheit in den letzten Jahren Denkm\u00e4ler und Museen errichtet. In der Ost- und Zentralukraine allerdings ist die Erinnerung an die 30er und 40er Jahre noch lebendig, und Bandera wird hier eher als Verr\u00e4ter, Massenm\u00f6rder und Faschist wahrgenommen. Diesen gegens\u00e4tzlichen Erinnerungen liegen sowohl die nicht aufgearbeitete Geschichte der Stalin-Zeit, des Holocausts und des Faschismus als auch der seit 2014 andauernde Konflikt mit Russland zugrunde.<\/p>\n<p>Der am 15. Oktober 1959 in M\u00fcnchen ermordete Stepan Bandera ist offenbar eine komplexe historische Figur. Auf Wikipedia und in dem <a href=\"https:\/\/seniora.org\/politik-wirtschaft\/ukraine\/stepan-bandera-und-die-gespaltene-erinnerung-an-die-gewalt-in-der-ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Essay von Grzegorz Rossolinski-Liebe (&#8222;Stepan Bandera und die gespaltene Erinnerung an die Gewalt in der Ukraine&#8220;<\/a>) auf Seniora.org kann man viele weitere Informationen und differenzierte Einsch\u00e4tzungen finden.<\/p>\n<p>Sympathien genie\u00dft in den rechten Kreisen der Ukraine auch der Anf\u00fchrer der revisionistischen Zionisten Vladimir (Zeev) Jabotinsky. Wie <a href=\"https:\/\/de.qantara.de\/inhalt\/ukraine-krieg-von-israel-lernen-heisst-putin-besiegen-lernen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Quantara v. 08.03.2022<\/a> berichtete, stammt Jabotinsky aus der Ukraine und sei in jungen Jahren ein gl\u00fchender ukrainischer Patriot und entschiedener Gegner einer Russifizierung des Landes gewesen. Aus Jabotinskys revisionistischer Bewegung sei sp\u00e4ter in Israel die Likud-Partei hervorgegangen, deren langj\u00e4hriger Vorsitzender Netanjahu sich als Ministerpr\u00e4sident energisch f\u00fcr die Festigung der israelisch-ukrainischen Beziehungen eingesetzt habe.<\/p>\n<p>Der ukrainische Pr\u00e4sident Selenskyi allerdings ist unzufrieden mit der Unterst\u00fctzung durch die jetzige israelische Regierung. Israel verfolge leider einen Zick-Zack-Kurs. Im UN-Sicherheitsrat habe es nicht f\u00fcr die Resolution gegen den russischen Einmarsch in die Ukraine gestimmt, sondern sich der Stimme enthalten. In der UN-Vollversammlung habe Israel dann aber f\u00fcr eine Verurteilung Russlands votiert. Der Grund f\u00fcr die vorsichtige Zur\u00fcckhaltung Israels liege begr\u00fcndet in der teilweisen Zusammenarbeit zwischen Israel und Russland in Syrien.<\/p>\n<p>Der jetzige israelische Premierminister Naftali Bennet hat nun einen in Israel umstrittenen Vermittlungsversuch gestartet. Er ist am 5. M\u00e4rz 2022 erst nach Moskau und dann nach Berlin geflogen, hat mit Wladimir Putin und mit Olaf Scholz gesprochen sowie anschlie\u00dfend mit Emmanuel Macron und Joe Biden telefoniert. Wie Richard C. Schneider, der angesehene ehemalige ARD-Korrespondent in Israel, im <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/naftali-bennett-israels-premierminister-und-der-ukraine-krieg-der-mediator-a-cd82d3b2-9438-4915-ab80-cd93563e916b\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spiegel v. 11.03.2022<\/a> zu berichten wusste, habe sowohl Putin ein Angebot gemacht als auch Selenskyi m\u00f6gliche Zugest\u00e4ndnisse angedeutet. &#8222;Man wolle neutral bleiben und keine Nato-Mitgliedschaft anstreben, auch mit Blick auf den Status der separatistischen &#8218;Volksrepubliken&#8216; von Donezk und Luhansk deutete er Kompromissbereitschaft an.&#8220; Das w\u00fcrde nat\u00fcrlich den russischen Vorstellung schon sehr nahe kommen und ein Verhandlungskompromiss in greifbare N\u00e4he r\u00fccken. Aber wie es aussieht, hat der Westen zur Zeit jedenfalls kein Interesse an Kompromissen.<br \/>\nS<em>\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(am 14.03.2022 \u00fcberarbeitet) &#8222;Von Israel lernen, hei\u00dft Putin besiegen lernen&#8220; &#8211; so ist ein sehr interessanter Artikel vom 08.03.2022 auf der Website &#8222;Quantara&#8220; \u00fcberschrieben. Der Artikel widmet sich den vielf\u00e4ltigen historischen und aktuellen Verbindungen zwischen Israel und der Ukraine. Die &hellip; <a href=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=11157\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-11157","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11157","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11157"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11157\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11184,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11157\/revisions\/11184"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11157"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11157"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11157"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}