{"id":1155,"date":"2014-08-13T06:04:19","date_gmt":"2014-08-13T06:04:19","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=1155"},"modified":"2014-08-13T06:51:44","modified_gmt":"2014-08-13T06:51:44","slug":"beschwerde-an-den-rundfunkrat-ueber-radio-bremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=1155","title":{"rendered":"Beschwerde an den Rundfunkrat \u00fcber Radio Bremen"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Sie z\u00fcndeln in vollem Bewusstsein.&#8220; Und: &#8222;Immer vorneweg: Testosteron gepeitschte junge M\u00e4nner, verhetzt, aus jeder Pore dampfend vor Hass.&#8220; So hie\u00df es in einem Kommentar von <a href=\"http:\/\/www.radiobremen.de\/politik\/themen\/kommentarisraelpalaestina100.html\" target=\"_blank\">Jochen Grabler auf Radio Bremen am 22. Juli 2014<\/a>, einen Tag vor der <a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=944#more-944\" target=\"_blank\">gro\u00dfen Pal\u00e4stina-Demonstration<\/a>, die dann mit \u00fcber 5000 Teilnehmern v\u00f6llig friedlich ablief. Diese &#8222;ungeheuren Behauptungen&#8220;, in denen &#8222;die Organisatoren und Teilnehmer der Demonstration in \u00fcbelster Weise diffamiert, denunziert, ja kriminalisiert werden&#8220;, haben die Journalisten\u00a0 Beate Krafft-Sch\u00f6ning und Arn Strohmeyer veranlasst, beim Rundfunkrat von Radio Bremen Beschwerde einzulegen. <a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/14-08-13-beschwerde-an-rundfunkrat.doc\" target=\"_blank\">Der ganze Brief hier. <\/a>Der Brief ist am 8. August 2014 abgeschickt worden.<!--more--><\/p>\n<p>An den Rundfunkrat von Radio Bremen \u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0Bremen, den 7.8.2014<br \/>\nAnstalt des \u00d6ffentlichen Rechts<br \/>\nDiepenau 10<br \/>\n28195 Bremen<\/p>\n<p>Betr.: Beschwerde \u00fcber den Kommentar von Jochen Grabler \u201eSie z\u00fcndeln in vollem Bewusstsein\u201c am 23.07.2014<\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,<br \/>\nwir m\u00f6chten uns bei Ihnen &#8211; den Mitgliedern des Rundfunkrates von Radio Bremen &#8211; \u00fcber den Kommentar von Jochen Grabler \u201eSie z\u00fcndeln in vollem Bewusstsein\u201c am 23.07.2014 im Programm von Radio Bremen beschweren. Um die Situation zu beschreiben, die zu diesem Kommentar f\u00fchrte: F\u00fcr den 23.07.2014 hatten verschiedene islamische und andere Bremer Gruppen ( Deutsch-Pal\u00e4stinensische Gesellschaft, Bremer Friedensforum, Nahostforum Bremen) zu einer Demonstration gegen Israels Bombardierung des Gaza-Streifens aufgerufen, die damals schon Hunderte von Toten gefordert hatte. Mit der Polizei waren im Vorfeld der Demonstration genaue Absprachen getroffen wurden, die auch peinlichst eingehalten wurden. Es gab keinerlei Zwischenf\u00e4lle bei dieser Demonstration und der Kundgebung. Die Einsatzleitung der Bremer Polizei hat sich ausdr\u00fccklich bei den Organisatoren f\u00fcr die gute Zusammenarbeit bedankt.<\/p>\n<p>Ganz im Stil der BILD-Zeitung, die einen Tag vor der Demonstration in ihrer Bremer Ausgabe eine \u201eHass-Demo\u201c angek\u00fcndigt hatte, behauptete der Radio-Bremen-Journalist Jochen Grabler in einem Kommentar vor der Demonstration in Bremen, dass die Veranstalter hier \u201ez\u00fcndelten\u201c. Er schildert dann Zust\u00e4nde, wie sie im \u201eDritten Reich\u201c bei der sogenannten \u201eKristallnacht\u201c 1938 von den Nazis in Szene gesetzt wurden. Zitate aus dem Kommentar: \u201eUm es mal auf den Punkt zu bringen: Wenn sich jetzt Andersdenkende nicht vor die T\u00fcre wagen, wenn &#8211; was Allah, der Christengott und Jahwe am besten gemeinsam verh\u00fcten m\u00f6gen &#8211; Bremer Juden auf offener Stra\u00dfe angegriffen und gejagt werden, wenn Gesch\u00e4fte gest\u00fcrmt werden, weil irgendwer behauptet, sie seien in j\u00fcdischer Hand, wenn der Holocaust geleugnet, Fahnen des Heiligen Krieges hoch gehalten werden, Hitler gepriesen, die Juden ins Gas gew\u00fcnscht, wenn Hakenkreuze in Davidsternen vorgezeigt werden, dann wissen wir heute schon, wer diese Giftspritze angesetzt hat: Frau Krafft-Sch\u00f6ning und ihre Friedensfreunde.\u201c (Die Journalistin Beate Krafft-Sch\u00f6ning war eine der Organisatoren\/innen der Demonstration.)<\/p>\n<p>Weiter hei\u00dft es in dem Kommentar von Jochen Grabler: \u201eImmer vorneweg: Testosteron gepeitschte junge M\u00e4nner, verhetzt, aus jeder Pore dampfend vor Hass. Aber selbstredend demonstrieren sie nur f\u00fcr Frieden und Gerechtigkeit. Denn stets kommen die Aufrufe zu solchen Demonstrationen mit dem gleichen naiv-doofen Augenaufschlag daher. Wie jetzt in dem Bremer Aufruf: \u201aDie Veranstalter sind ausdr\u00fccklich daran interessiert, dass Menschen aller Nationalit\u00e4ten und Religionen an dieser Demonstration f\u00fcr den Frieden teilnehmen.\u2018\u201c Nach einer grunds\u00e4tzlichen Rechtfertigung des Demonstrationsrechts hei\u00dft es weiter: \u201eAber wenn nun der Krieg um Gaza so in unsere St\u00e4dte getragen wird, dass sich Menschen anderer Meinung nicht mehr an die \u00d6ffentlichkeit wagen, und dass Angeh\u00f6rige einer Religion um Leib und Leben f\u00fcrchten m\u00fcssen, dann ist die Grenze der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit weit \u00fcberschritten. Weil die Menschenw\u00fcrde unantastbar ist. Das sind die hohen, h\u00f6chsten G\u00fcter, mit denen auch die Bremer Friedensfreunde gerade spielen. Sie z\u00fcndeln in vollem Bewusstsein. Daf\u00fcr gibt es keine mildernden Umst\u00e4nde.\u201c<\/p>\n<p>Das sind ungeheure Behauptungen. Hier werden die Organisatoren und Teilnehmer der Demonstration in \u00fcbelster Weise diffamiert, denunziert, ja kriminalisiert &#8211; im Grunde mit SA-Schl\u00e4gern auf eine Stufe gestellt. Wir fragen uns, wie ein solcher Kommentar in einer \u00d6ffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalt m\u00f6glich ist. Die Aussagen dieses Kommentars sprechen in vielen Punkten dem Kodex des Deutschen Presserates Hohn: Ziffer 1: Achtung vor der Wahrheit, Wahrnehmung der Menschenw\u00fcrde und wahrhaftige Unterrichtung der \u00d6ffentlichkeit; Ziffer 2: Zur Recherche geh\u00f6rt die unverzichtbare journalistische Sorgfaltspflicht; Ziffer 3: Bei der Beschaffung von Daten, Nachrichten und Informationen d\u00fcrfen keine unlauteren Methoden angewendet werden; Ziffer 8: blo\u00dfe Sensationsinteressen rechtfertigen keine identifizierende Berichterstattung; Ziffer 9: es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen Menschen in Wort und Bild in ihrer Ehre zu verletzen.<\/p>\n<p>Wir weisen noch einmal darauf hin, dass es bei der Bremer Demonstration keinerlei Zwischenf\u00e4lle gegeben hat &#8211; in diesem Sinne haben auch der Weser-Kurier am 24.07 und die FAZ am 28.7. berichtet. Es ist auch \u00fcberfl\u00fcssig zu sagen, dass diese Demonstration sich nicht gegen \u201eJuden\u201c richtete, sondern gegen Israels Vorgehen im Gaza-Streifen, das nach neuesten Informationen (Stand: 6.08.2014) 1860 Pal\u00e4stinensern das Leben gekostet hat (davon 70 &#8211; 80 Prozent Zivilisten), 400 Kinder kamen zu Tode, weitere 10 000 Pal\u00e4stinenser wurden verletzt. Auf israelischer Seite wurden drei Zivilisten get\u00f6tet und 68 Soldaten. Allein diese Zahlen belegen, wie asymmetrisch diese Auseinandersetzung war und ist.<\/p>\n<p>Wir werfen Herrn Grabler vor, dass er in seinem Kommentar Zust\u00e4nde herbeiredet, die es in Bremen nicht gibt und die es hoffentlich auch nie wieder geben wird. Was er den Organisatoren und Teilnehmern vorwirft, n\u00e4mlich zu \u201ez\u00fcndeln\u201c, macht er selbst in \u00fcbelster Weise. Als Kronzeugen f\u00fcr unsere Beschwerde f\u00fchren wir den sehr renommierten Holocaust- und Antisemitismus-Forscher Professor Wolfgang Benz an (er war viele Jahre der Leiter des Zentrums f\u00fcr Antisemitismus-Forschung an der TU in Berlin). Er hat in mehreren Interviews in den Tagen, an denen die Demonstrationen stattfanden, gesagt, dass es unsch\u00f6ne und zu verurteilende Vorf\u00e4lle bei diesen Demonstrationen gegeben habe, dass er aber kein Ansteigen des Antisemitismus in Deutschland sieht. (Siehe Interviews: ZEIT-online 22.07.2014; TAZ.de 23.07.2014)<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten Sie bitten, den Kommentar von Jochen Grabler auf das sch\u00e4rfste zu verurteilen. Wir werden unsere Beschwerde auch an den Intendanten von Radio Bremen und den Deutschen Presserat leiten.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Beate Krafft-Sch\u00f6ning und Arn Strohmeyer<\/p>\n<p>Beate Krafft-Sch\u00f6ning (Journalistin)<br \/>\nFontane Stra\u00dfe 3<br \/>\n27711 Osterholz-Scharmbeck<br \/>\nTel. 04791-898070<\/p>\n<p>Arn Strohmeyer (Journalist, fr\u00fcher Bremer Nachrichten und Weser Kurier)<br \/>\nAkazienstra\u00dfe 48<br \/>\n28197 Bremen<br \/>\nTel. 0421-4989210<br \/>\nemail: arn.strohmeyer@web.de<\/p>\n<p>Bremer Friedensforum<br \/>\nVilla Ichon<br \/>\nGoetheplatz 4<br \/>\n28203 Bremen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Sie z\u00fcndeln in vollem Bewusstsein.&#8220; Und: &#8222;Immer vorneweg: Testosteron gepeitschte junge M\u00e4nner, verhetzt, aus jeder Pore dampfend vor Hass.&#8220; So hie\u00df es in einem Kommentar von Jochen Grabler auf Radio Bremen am 22. 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