{"id":11728,"date":"2023-08-18T08:28:16","date_gmt":"2023-08-18T08:28:16","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=11728"},"modified":"2023-08-18T08:28:16","modified_gmt":"2023-08-18T08:28:16","slug":"israel-palaestina-debatte-in-deutschland-der-elephant-im-raum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=11728","title":{"rendered":"Israel-Pal\u00e4stina Debatte in Deutschland &#8211; &#8222;Der Elephant im Raum&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Israel-Palaestina-Debatte-in-Deutschland\/!5950121\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-11730 size-medium\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/23-08-18-taz-artikel-300x276.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"276\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/23-08-18-taz-artikel-300x276.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/23-08-18-taz-artikel-768x706.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/23-08-18-taz-artikel-326x300.jpg 326w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/23-08-18-taz-artikel.jpg 1002w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Es ist Zeit, \u00fcber Israel-Pal\u00e4stina mit radikaler humanistischer Vernunft zu sprechen. Ein Manifest aus den USA zur Zukunft Israels macht es vor.<\/p>\n<p>Von: Charlotte Wiedemann (<a href=\"https:\/\/taz.de\/Israel-Palaestina-Debatte-in-Deutschland\/!5950121\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in der Taz v. 15.08.2023<\/a>)<\/p>\n<p>Etwas nicht wahrzunehmen, obwohl es in n\u00e4chster N\u00e4he geschieht, ist kein singul\u00e4r israelisches Ph\u00e4nomen. Was die Psychologie einen Blind Spot nennt, markiert in diesem Fall allerdings eine ausgedehnte Konfliktgeografie. \u00dcber den Umstand, dass unter der Milit\u00e4rherrschaft im Westjordanland regelm\u00e4\u00dfig Minderj\u00e4hrige ins Gef\u00e4ngnis gesteckt werden, sagt eine j\u00fcdische Anw\u00e4ltin: \u201eDas geschieht in nur 30 Fahrminuten Entfernung von unseren friedlichen Schlafzimmern, und doch wissen die meisten Israelis nichts davon.\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Nichtsehen und Nichtwissen wurden einge\u00fcbt \u00fcber mehr als ein halbes Jahrhundert. Das verdr\u00e4ngte, beschwiegene Unrecht der Besatzung sei nun der sprichw\u00f6rtliche \u201eElephant in the Room\u201c. So lautet der Titel eines Manifests, das \u2013 aus den USA kommend \u2013 im Ringen um Israels Zukunft einen radikaldemokratischen, egalit\u00e4ren Ton setzt. Bisher haben sich 1.500 \u00fcberwiegend j\u00fcdische WissenschafterInnen der Erkl\u00e4rung angeschlossen. Ein Kernsatz lautet: \u201eEs kann keine Demokratie f\u00fcr Juden in Israel geben, solange Pal\u00e4stinenser unter einem Regime der Apartheid leben.\u201c<\/p>\n<p>Diesen Begriff, der in Deutschland oft einen Antisemitismusvorwurf nach sich zieht, haben viele Unterst\u00fctzer des Manifests vorher nicht benutzt; sie reagieren nun auf eine ver\u00e4nderte Realit\u00e4t, warnen vor Annexion und ethnischen S\u00e4uberungen als dem ultimativen Ziel des justiziellen Staatsstreichs. Der Initiator der Erkl\u00e4rung, der Holocaust-Historiker Omer Bartov, erinnert im Gespr\u00e4ch daran, wie im Europa des 20. Jahrhunderts die zun\u00e4chst randst\u00e4ndigen faschistischen Bewegungen in Regierungen gelangt sind: \u201eDies ist der gegenw\u00e4rtige Moment in Israel. Es ist be\u00e4ngstigend.\u201c<\/p>\n<p>Seiner Sichtweise haben sich weitere prominente Shoah-Historiker und Historikerinnen angeschlossen, sogar Saul Friedl\u00e4nder hat unterzeichnet. Allm\u00e4hlich kommen auch Deutsche hinzu, j\u00fcdisch wie nichtj\u00fcdisch, etwa Sybille Steinbacher, Direktorin des Fritz-Bauer-Instituts. Wer die bisherigen Gr\u00e4ben der Debatte kennt, kann den Eindruck gewinnen, dass hier gerade etwas Neues geschieht. In den USA konstatiert die Washington Post eine Verschiebung des Diskurses; ob das auch f\u00fcr Deutschland gilt, wird sich zeigen.<\/p>\n<p>Scholz und die deutsch-israelische Konsensdiplomatie<br \/>\nZu den konkreten Forderungen des Manifestes z\u00e4hlt, die Straflosigkeit Israels auf internationaler Ebene zu beenden \u2013 die deutsche Politik steht bisher f\u00fcr das genaue Gegenteil. J\u00fcngst blockierte Kanzler Scholz sogar ein Gutachten des Ausw\u00e4rtigen Amts, das auf Ersuchen des Internationalen Gerichtshofs die Besatzung v\u00f6lkerrechtlich bewertete. Letztere illegal zu nennen, darf nicht offizielle deutsche Position werden. Nur im geschlossenen R\u00f6hrensystem deutsch-israelischer Konsensdiplomatie kann es als Lehre aus der Geschichte gelten, Unrecht nicht beim Namen zu nennen.<\/p>\n<p>Und der Boden wird absch\u00fcssiger, auf dem die deutsche Politik die bisherige Balance zu halten versucht. Dem deutschen Botschafter in Tel Aviv wurde F\u00f6rderung von Terrorismus vorgeworfen, weil er an einem Gedenkakt teilnahm, wo j\u00fcdische und pal\u00e4stinensische Familien gemeinsam um get\u00f6tete Angeh\u00f6rige trauerten. Rechtsradikale l\u00e4rmten vor der Botschaft: \u201eDeutschland, du hast deine Lektion nicht gelernt.\u201c Der Vorfall illustriert, wie eng der politische Spielraum in Israel geworden ist und wie allt\u00e4glich der Missbrauch von Holocaust-Erinnerung.<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter wurde der Hinterbliebenen-Gruppe Parents Circle, die f\u00fcr Vers\u00f6hnung wirbt, der Zutritt zu israelischen Schulen verboten: Opfer der Streitkr\u00e4fte zu betrauern entehre die Armee, besch\u00e4dige den Staat. So wird Trauer zu Terror, und mittrauernde Juden sind nationale Verr\u00e4ter.<\/p>\n<p>Die Besatzung t\u00f6te die Demokratie, das sagte der Religionsphilosoph Jeschajahu Leibowitz schon 1992, nach 25 Jahren Okkupation. Es k\u00f6nne nicht demokratisch sein, Millionen Menschen b\u00fcrgerliche und politische Rechte vorzuenthalten. \u201eDiese Herrschaft wirkt auch nach innen, sie korrumpiert.\u201c Hochbetagt rief er Soldaten zur Befehlsverweigerung auf.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Israel-Palaestina-Debatte-in-Deutschland\/!5950121\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>der vollst\u00e4ndige Artikel in der Taz v. 15.08.2023<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Zeit, \u00fcber Israel-Pal\u00e4stina mit radikaler humanistischer Vernunft zu sprechen. Ein Manifest aus den USA zur Zukunft Israels macht es vor. 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