{"id":12286,"date":"2024-02-23T19:16:26","date_gmt":"2024-02-23T19:16:26","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=12286"},"modified":"2024-02-23T19:16:26","modified_gmt":"2024-02-23T19:16:26","slug":"sie-essen-gras-in-gaza-wissen-die-menschen-das-nicht-in-tel-aviv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=12286","title":{"rendered":"Sie essen Gras in Gaza. Wissen die Menschen das nicht in Tel Aviv?"},"content":{"rendered":"<p>Hier ein Brief von Nirit Sommerfeld, der vielleicht dazu beitr\u00e4gt zu verstehen, dass in Israel die unvorstellbaren Grausamkeiten, die israelische Soldaten und Soldatinnen in Gaza bis auf den heutigen Tag begehen, geduldet, akzeptiert, unterst\u00fctzt, begr\u00fc\u00dft werden. Und nur von einem ganz kleinen Teil der israelischen Gesellschaft abgelehnt werden. Wer Nirit Sommerfeld nicht kennt: sie ist eine israelische K\u00fcnstlerin (S\u00e4ngerin, Texterin, Komponistin), die in Deutschland lebt und sich \u201e<a title=\"B\u00fcndnis f\u00fcr Gerechtigkeit zwischen Israelis und Pal\u00e4stinensern\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/B%C3%BCndnis_f%C3%BCr_Gerechtigkeit_zwischen_Israelis_und_Pal%C3%A4stinensern\">B\u00fcndnis f\u00fcr Gerechtigkeit zwischen Israelis und Pal\u00e4stinensern<\/a>\u201c engagiert. Hier der erste Teil ihres langen Briefes. <a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/de\/briefe-von-nirit\/posts\/b5d8f421-251c-4612-8ef6-132bc5b729b1?utm_campaign=steady_sharing_button\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der ganze Brief hier.<\/a><!--more--><\/p>\n<hr>\n<h1>Israelis verstehen<\/h1>\n<p>Sie, die \u00fcberlebt haben, sind aus dem Norden geflohen, wenn sie noch gehen konnten. Sie sind weiter nach S\u00fcden gezogen, wenn sie noch Beine und Arme hatten, und haben diejenigen getragen, deren Gliedma\u00dfen oft ohne Narkose und Schmerzmittel amputiert wurden. Ihnen wurde eine safe zone versprochen, aber in Wahrheit sind sie nirgendwo sicher. Ihnen wurden auch andere Versprechungen gemacht: dass kein Stein auf dem anderen bliebe, dass man sie ausmerzen w\u00fcrde, vernichten und vertreiben wie Tiere, ihnen Treibstoff f\u00fcr ihre Generatoren entziehen, ihnen den Zugang zu Lebensmittel und Wasser verweigern. Diese Versprechen werden gehalten.<\/p>\n<p>Das Internet ist voll von Berichten und Videos von nicht enden wollenden schweren Bombenangriffen auf Gaza und ihre verheerenden Folgen. Seit dem 7. Oktober sind dort \u00fcber 36.000 Menschen get\u00f6tet worden, wenn man die rund 8.000 dazu z\u00e4hlt, die als \u201evermisst\u201c gelten und die vermutlich verletzt unter Schutt auf ihren langsamen Tod warten oder mittlerweile verwesen. Dazu kommen an die 70.000 Verletzte, denen von einstmals 36 Krankenh\u00e4usern keines mehr voll funktionsf\u00e4hig zur Verf\u00fcgung steht. Wer nicht tot oder verwundet ist, hat sein Zuhause, Freunde und Verwandte verloren, leidet Hunger und ist auf der Flucht innerhalb des eigenen Gef\u00e4ngnisses. Das betrifft etwa 90% aller Menschen in Gaza. Fast zwei Millionen Menschen. \u00dcber die H\u00e4lfte von ihnen Kinder. In Gaza droht die weltweit gr\u00f6\u00dfte Hungerkatastrophe, bereits jetzt sind neun von zehn Kindern unterern\u00e4hrt. Krankheiten grassieren, vor Epidemien wird gewarnt.<\/p>\n<p>Am 10. Februar 2024 hat Benjamin Netanyahu die Evakuierung von 1,4 Millionen Menschen aus Rafah, dem s\u00fcdlichen Gazastreifen, angeordnet. Evakuierung bedeutet: in die W\u00fcste schicken. Auf die \u00e4gyptische Sinai-Halbinsel. Anderthalb Millionen Menschen, die innerhalb des Gazastreifens bereits mehrfach vertrieben wurden, nachdem ihre Vorfahren 1947\/48 bereits als Vertriebene aus den umliegenden D\u00f6rfern dorthin deportiert wurden.<\/p>\n<p>Die Mehrheit der Weltgemeinschaft ist dar\u00fcber entsetzt. Das zeigt eine Abstimmung in den Vereinten Nationen zu einem sofortigen Waffenstillstand, bei der 153 L\u00e4nder daf\u00fcr stimmten, 10 dagegen. 23 L\u00e4nder enthielten sich, darunter auch Deutschland. In Deutschland geht die Mehrheitsmeinung der Bev\u00f6lkerung sicher nicht konform mit der Meinung der deutschen (= israelischen) Regierung und der allermeisten Medien, die immer noch vom \u201eRecht Israels auf Selbstverteidigung\u201c schwadronieren. Aber was denken Israelis? Steht wirklich die Mehrheit der j\u00fcdischen Israelis hinter dem Regierungskurs des \u201eKrieg bis zum totalen Sieg (\u00d6ffnet in neuem Fenster)\u201c?<\/p>\n<p>Die allermeisten Israelis wissen nicht, was in Gaza derzeit wirklich passiert. Klingt nicht plausibel, ist aber so. Die allermeisten Israelis sehen den ganzen Tag fern oder lesen, wie viele andere Leute auch, die Schlagzeilen in den Sozialen Medien, so wie der Algorithmus es ihnen vorgibt. Hier wie dort erfahren sie, dass ganz Gaza bev\u00f6lkert ist von Terroristen; manche von ihnen w\u00fcrden Zivilisten, Krankenh\u00e4user und UN-Einrichtungen f\u00fcr ihre terroristischen Zwecke missbrauchen. Ihr einziger Lebenszweck sei es, Juden, vor allem israelische, zu vernichten. Diese Sichtweise basiert auf jahrzehntelang gelieferten Informationen, die Israelis durch Medien und Regierung, aber auch in Schulen und bei den meisten sozialen Interaktionen angeboten werden. Dabei lernen sie, dass Araber (von Pal\u00e4stinensern ist eigentlich nie die Rede) Juden hassen, wir wiederum sie hassen und dass sich daran niemals etwas \u00e4ndern werde. Sie lernen, dass Araber ungebildet seien, immer nur Hass und Rache im Schilde f\u00fchren, keine eigene Kultur kennen und nicht mal ihre Kinder so sehr lieben, wie sie uns hassen. Das hatte Golda Meir uns schon vor \u00fcber 50 Jahren gelehrt, das f\u00fchrte sie als Begr\u00fcndung daf\u00fcr an, dass es niemals Frieden mit den Arabern geben werde, solange sie uns mehr hassen als ihre Kinder zu lieben.<\/p>\n<p>Der Schock des 7. Oktober hat s\u00e4mtliche Traumata der j\u00fcdischen Israelis aktiviert. Zweifels ohne steckt in uns allen die generationen\u00fcbergreifende Erinnerung an Vertreibung, Ausgrenzung und Vernichtung. Zweifels ohne gab es dar\u00fcberhinaus in den vergangenen 75 Jahren seit Staatsgr\u00fcndung f\u00fcr j\u00fcdische Israelis dramatische und traumatische Erlebnisse von Gewalt, sei es bei den zahllosen Kriegen und Milit\u00e4reins\u00e4tzen oder bei Terroranschl\u00e4gen auf zivile Ziele. Dabei haben alle israelischen Regierungen immer daf\u00fcr gesorgt, dass zwei Grunds\u00e4tze im israelischen Bewusstsein manifestiert wurden:<br \/>\n1. Wir sind immer die Opfer, die angegriffen werden.<br \/>\n2. Es gibt weder einen historischen Kontext noch jedwede Rechtfertigung f\u00fcr Gewaltausbr\u00fcche; sie werden ausschlie\u00dflich aus Hass gegen uns entfacht.<\/p>\n<p>Die grausamen, in diesem Ausma\u00df nie da gewesenen Gewalttaten der Hamask\u00e4mpfer am 7. Oktober haben diese Grundannahmen best\u00e4tigt. Israelis haben den realen Schmerz, den ganz Israel kollektiv erfasst hat, auch individuell wirklich empfunden. Ohne Ausnahme kennt jede und jeder Israeli jemanden, der direkt von den Angriffen am 7. Oktober betroffen war. S\u00e4mtliche regierungsnahen Medien \u2014 und bis auf die Tageszeitung Haaretz sind s\u00e4mtliche Medien regierungsnah \u2014 haben ununterbrochen daf\u00fcr gesorgt, dass grausame Bilder des Horrors israelische Wohnzimmer, Tablets und Handys erreichten. Dazu geh\u00f6rten auch Nachrichten von enthaupteten Babys, die im Nachhinein zweifelsfrei als Falschmeldungen identifiziert wurden, aber bis heute in den K\u00f6pfen der Menschen stecken. Diese Nachrichten- und Bilderflut blieb nicht ohne Effekt. Selbst offene, liberale, progressive Israelis sind bis heute, vier Monate danach, nicht in der Lage, die Situation mit etwas Abstand zu betrachten. Kaum jemand ist bereit, in anderen Medien, sprich dem Internet, nach Informationen zu suchen, die ein anderes Bild von Gaza erzeugen k\u00f6nnten als das einer dunklen kollektiven Terrorzelle.<br \/>\n[&#8230;] <a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/de\/briefe-von-nirit\/posts\/b5d8f421-251c-4612-8ef6-132bc5b729b1?utm_campaign=steady_sharing_button\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der ganze Brief hier<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier ein Brief von Nirit Sommerfeld, der vielleicht dazu beitr\u00e4gt zu verstehen, dass in Israel die unvorstellbaren Grausamkeiten, die israelische Soldaten und Soldatinnen in Gaza bis auf den heutigen Tag begehen, geduldet, akzeptiert, unterst\u00fctzt, begr\u00fc\u00dft werden. 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