{"id":12313,"date":"2024-02-26T19:48:24","date_gmt":"2024-02-26T19:48:24","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=12313"},"modified":"2024-02-27T08:05:09","modified_gmt":"2024-02-27T08:05:09","slug":"im-vorhof-der-hoelle-wenn-menschen-hunde-und-katzen-essen-muessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=12313","title":{"rendered":"Im Vorhof der H\u00f6lle. Wenn Menschen Hunde und Katzen essen m\u00fcssen\u2026 Der Skandal auf der Berlinale"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_12314\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/24-02-25-berlinale-screenshot-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12314\" class=\"wp-image-12314 size-medium\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/24-02-25-berlinale-screenshot-1-300x209.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"209\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/24-02-25-berlinale-screenshot-1-300x209.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/24-02-25-berlinale-screenshot-1-1024x712.jpg 1024w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/24-02-25-berlinale-screenshot-1-768x534.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/24-02-25-berlinale-screenshot-1-432x300.jpg 432w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/24-02-25-berlinale-screenshot-1.jpg 1427w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12314\" class=\"wp-caption-text\">screenshot heute journal (ZDF) v. 25.02.2024<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_12316\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/24-02-25-berlinale-screenshot-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12316\" class=\"wp-image-12316 size-medium\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/24-02-25-berlinale-screenshot-3-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/24-02-25-berlinale-screenshot-3-300x168.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/24-02-25-berlinale-screenshot-3-1024x575.jpg 1024w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/24-02-25-berlinale-screenshot-3-768x431.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/24-02-25-berlinale-screenshot-3-1536x863.jpg 1536w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/24-02-25-berlinale-screenshot-3-500x281.jpg 500w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/24-02-25-berlinale-screenshot-3.jpg 1754w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12316\" class=\"wp-caption-text\">screenshot heute journal (ZDF) v. 25.02.2024<\/p><\/div>\n<p>Bei der Preisverleihung auf der Berlinale 2024 geschah Ungeheuerliches. Und unsere &#8222;Qualit\u00e4tsmedien&#8220; tobten. Die Filmemacher Basel Adra (pal\u00e4stinensischer Aktivist) und Yuval Abraham (israelischer Journalist) und Ben Russel (Regisseur) forderten auf offener B\u00fchne unter gro\u00dfem Beifall des Publikums: &#8222;Keine Waffen mehr an Israel&#8220; und &#8222;Wir brauchen einen Waffenstillstand und das Ende der Besatzung.&#8220; Ben Russel hatte es sogar gewagt, mit Pal\u00e4stinensertuch zu erscheinen. Und das heute-Journal (ZDF) berichtete \u00fcbrigens am 25. Februar abends ziemlich sachlich dar\u00fcber.&nbsp;<\/p>\n<p>Arn Strohmeyer hat dar\u00fcber einen Artikel geschrieben.<\/p>\n<hr>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Aber Kritik an solchen Zust\u00e4nden im Gazastreifen ist in Deutschland \u201eAntisemitismus \/&nbsp; Eklat auf der Berlinale<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Arn Strohmeyer<\/b><\/span><\/span><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Feuilletonisten brauchen immer ihre kleinen Sensationen. Es ist ja sonst nicht so viel los in der Kulturszene. Und da ist \u201eAntisemitismus\u201c immer ein willkommener Aufreger. Die letzte Documenta hatte da schon einiges zu bieten und jetzt gottseidank das internationale Filmfestival <\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>Berlinale<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> in der Hauptstadt. Da war der Preistr\u00e4ger Ben Russell doch wahrhaftig mit einem Pal\u00e4stinensertuch auf die B\u00fchne gekommen. Er und seine Kollegen forderten ein Ende des Mordens im Gazastreifen. Sogar das Wort \u201eGenozid\u201c ist da gefallen und H\u00f6hepunkt der Schande f\u00fcr das Filmfest: Im Publikum wurde f\u00fcr diesen Auftritt sogar kr\u00e4ftig applaudiert.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Der regierende B\u00fcrgermeister Kai Wegner reagierte scharf, sprach von einer \u201euntragbaren Relativierung\u201c [er meinte wohl zum Holocaust] und von \u201eAntisemitismus\u201c. Solche Vorf\u00e4lle d\u00fcrften sich auf der Berlinale nicht wiederholen. Die deutschen Medien waren sich wieder einmal einig: ein schlimmer Fall von Antisemitismus! Der prominente Publizist David Baum ereiferte sich vor allem \u00fcber das Wort \u201eGenozid\u201c und wollte das mit einer Definition belegen. \u201eDer Begriff ist genau definiert. Wer V\u00f6lkermord begeht, will eine ethnische Gruppe, die sich durch Sprache, Religion und Tradition definiert, ausrotten. Das Ziel Israels und seiner milit\u00e4rischen Operation ist es, die vom Iran gesteuerten Islamisten der Hamas unsch\u00e4dlich zu machen und seine 130 Geiseln zu befreien\u201c, schrieb er.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Nun kann man \u00fcber Begriffe trefflich streiten. Renommierte V\u00f6lkerrechtler sprechen l\u00e4ngst von V\u00f6lkermord im Gazastreifen, weil Israel das bei solchen Auseinandersetzungen wichtige Kriterium der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit \u00fcberhaupt nicht beachtet. Und au\u00dferdem: Wenn Israel wirklich nur die Hamas ausschalten und die Geiseln befreien will, musste es dann den ganzen Gazastreifen in ein Tr\u00fcmmerfeld verwandeln, 30 000 Menschen umbringen (davon 12 000 Kinder!) \u2013 die Tausenden Toten, die ungeborgen noch unter den Tr\u00fcmmermassen liegen, nicht mitgerechnet. Und muss Israel, die Menschen, die bisher das Gl\u00fcck hatten, zu \u00fcberleben, Bedingungen aussetzen, die Augenzeugen als die \u201eH\u00f6lle\u201c bezeichnen: kein Wasser, keine Lebensmittel, keine Arzneimittel und medizinische Hilfe und kein Dach mehr \u00fcber dem Kopf. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die amerikanisch-pal\u00e4stinensische Schriftstellerin Susan Abulhawa hatte jetzt Gelegenheit, von der \u00e4gyptischen Seite aus in den Gazastreifen einzureisen. Sie spricht in ihrem Bericht nicht mehr von einem \u201eV\u00f6lkermord\u201c, sondern von einem \u201eHolocaust\u201c. Sie schreibt: \u201eZuerst haben die Menschen das Futter von Pferden und Eseln gegessen, aber das ist jetzt vorbei. Jetzt essen sie die Esel und Pferde. Einige essen streunende Katzen und Hunde, die ihrerseits verhungern und sich manchmal von menschlichen \u00dcberresten ern\u00e4hren, die auf den Stra\u00dfen liegen, wo israelische Scharfsch\u00fctzen auf Menschen schossen, die es wagten, in die N\u00e4he ihrer Zielfernrohre zu kommen. Die Alten sind bereits verhungert und verdurstet.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Wenn die israelische Armee wirklich nur die T\u00e4ter der Hamas jagen will, warum zerst\u00f6rt sie dann H\u00e4user, Schulen, Moscheen, Krankenh\u00e4user, Bibliotheken, Universit\u00e4ten, Kulturzentren und Freizeiteinrichtungen? Ja, sogar Friedh\u00f6fe? Die Absicht ist klar: Hier soll eine ganze Kultur \u2013 ihre Geschichte, Erinnerungen, festgehalten in Archiven und B\u00fcchern \u2013 ausgel\u00f6scht werden. Die Zionisten sind immer so gegen die Pal\u00e4stinenser vorgegangen, sie praktizieren es auch diesmal wieder. Deshalb ist der Begriff Genozid hier durchaus angebracht. \u201eV\u00f6lkermord ist die vors\u00e4tzliche Zerst\u00f6rung der Menschlichkeit der anderen\u201c, schreibt Susan Abulhaba,<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Sich hinter ein solches barbarisches Vorgehen zu stellen und Kritik daran als \u201eAntisemitismus\u201c zu bezeichnen, sagt viel \u00fcber das politische und kulturelle Niveau in diesem Land aus. Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, wenn es sich denn wirklich um einen solchen handelt, ist selbstverst\u00e4ndlich. Aber es ist h\u00f6chste Zeit, einen Antisemitismus-Begriff zu hinterfragen, der vollst\u00e4ndig an die Interessen Israels gebunden ist, diesen Staat vor Kritik sch\u00fctzen soll und jedes milit\u00e4rische Verbrechen dieses Staates deswegen guthei\u00dft. So wird Unmoral zur Moral gemacht und auch noch als \u201eHumanit\u00e4t\u201c glorifiziert, weil man ja den \u201eTerrorismus\u201c bek\u00e4mpft. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">H\u00e4tte Israel seit Jahrzehnten nicht gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern eine Eroberungs-, Besatzungs- und Unterdr\u00fcckungspolitik betrieben, sondern eine auf Vers\u00f6hnung und Frieden ausgerichtete Politik, brauchte es heute keinen \u201eTerrorismus\u201c zu bek\u00e4mpfen. Das deutsche Verstehen und die deutsche Liebe zu Israel m\u00fcssen Grenzen haben. Es gilt zu unterscheiden, wo das Recht auf die v\u00f6lkerrechtlich zugesicherte Selbstverteidigung endet und die Rache und die Barbarei beginnen. Eine solche Differenzierung hat mit Antisemitismus gar nichts zu tun.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Eine solche Selbstverst\u00e4ndlichkeit sollte man auch in Zukunft auf der Berlinale aussprechen k\u00f6nnen, will sie nicht jeden humanen Anspruch verlieren!<br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">26.02.2024<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Preisverleihung auf der Berlinale 2024 geschah Ungeheuerliches. Und unsere &#8222;Qualit\u00e4tsmedien&#8220; tobten. 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