{"id":12531,"date":"2024-04-18T05:32:28","date_gmt":"2024-04-18T05:32:28","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=12531"},"modified":"2024-04-18T05:40:49","modified_gmt":"2024-04-18T05:40:49","slug":"ramadan-empfang-im-rathaus-nur-in-bremen-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=12531","title":{"rendered":"Ramadan-Empfang im Rathaus \u2013 nur in Bremen m\u00f6glich?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/bremerfriedensforum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/230415-SOE04926.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1435 alignleft\" src=\"https:\/\/bremerfriedensforum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/230415-230415-SOE04926-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1436 alignleft\" src=\"https:\/\/bremerfriedensforum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/230415-230415-SOE04932-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"><br \/>\n<\/a>Am 15. April hatte in Bremen der B\u00fcrgermeister der Hansestadt die muslimischen Vereine, die Vertreter aller muslimischen Ethnien sowie zahlreiche G\u00e4ste aus den anderen Religionsgemeinschaften und aus Politik und Gesellschaft zum traditionellen Ramadan-Empfang in die pr\u00e4chtige obere Rathaushalle geladen. Durch das Programm f\u00fchrte <strong>Merve Nur Kilin\u00e7-\u00c7ak\u0131r<\/strong>. Sie ist die Tochter des fr\u00fcheren Vorsitzenden der Schura Bremen, Mehmet Kilin\u00e7 und die Schwester von Ebubekir Kilin\u00e7, der vielen in Bremen inzwischen bekannt sein d\u00fcrfte, weil er seit einigen Wochen die gro\u00dfen von der Pal\u00e4stinensischen Gemeinde organisierten Kundgebungen und Demonstrationen (&#8222;Free Gaza! Free Palestine!&#8220;) moderiert. Merve Nur Kilin\u00e7-\u00c7ak\u0131r pr\u00e4sentierte sich als junge, gut ausgebildete Muslimin, die souver\u00e4n und charmant die Versammlung leitete. Beeindruckend ihre Bemerkungen \u00fcber die Integration der Muslime in die Gesellschaft, die nicht nur einfach akzeptiert sein sondern aktiv mitgestalten wollen &#8211; und das auch k\u00f6nnen! Wie \u00fcblich wurde zu Beginn eine Koran-Rezitation vorgetragen.<!--more--><\/p>\n<p>Es folgte die Rede des Hausherren, seines Zeichens Pr\u00e4sident des Senats und in Personalunion Senator f\u00fcr Angelegenheiten der Religionsgemeinschaften,<strong> Andreas Bovenschulte<\/strong>. Seit 1998 habe dieser Empfang seinen festen Platz im gesellschaftlichen Leben dieser Stadt. Zuversichtlich meinte er: &#8222;Unser interreligi\u00f6ser Dialog funktionert auch in schwierigen Zeiten. Wir kommen zusammen, wir reden miteinander. Das ist die Grundlage f\u00fcr ein gutes Zusammenleben.&#8220; Dazu geh\u00f6re f\u00fcr ihn die Abwehr jeder gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, gegen antimuslimischen Rassismus ebenso wie gegen Antisemitismus. Bovenschulte blieb zwar in seinen Ausf\u00fchrungen sehr allgemein &#8211; wie \u00fcblich in Festreden -, unterhielt sich dann aber beim anschlie\u00dfenden Empfang fast eine Stunde lang mit jungen Vertretern der pal\u00e4stinensischen Gemeinde, die demonstrativ ihre Kufiya (das Pal\u00e4stinensertuch) um die Schultern trugen und den B\u00fcrgermeister \u00fcber ihre Sorgen und Probleme in dieser Stadt informierten.<\/p>\n<p>Danach ergriff f\u00fcr die &#8222;Islamische F\u00f6deration Bremen e.V.&#8220; wiederum eine junge Muslima das Wort.<strong> Hilal Akan<\/strong> konstatierte in den letzten Jahren deutliche Fortschritte in der Akzeptanz der Muslime in dieser Gesellschaft. W\u00e4hrend \u00fcberall in Deutschland noch \u00fcber das Kopftuch-tragen debattiert w\u00fcrde, w\u00e4re das in Bremens Schulen mittlerweile selbstverst\u00e4ndlich. Allerdings w\u00fcrde sie sich w\u00fcnschen, dass es eines nicht allzu fernen Tages auch Richterinnen und Polizistinnen mit Kopftuch g\u00e4be.<\/p>\n<p>Mit einer gewissen Spannung aufgenommen wurde die Gru\u00dfadresse von <strong>Grigori Pantijelew<\/strong> von der J\u00fcdischen Gemeinde Bremen. Er schlug sehr vers\u00f6hnliche T\u00f6ne an, begr\u00fc\u00dfte die Anwesenden auf arabisch und meinte mit Blick auf die heiligen religi\u00f6sen Schriften (Bibel und Koran), dass ja eigentlich beide, Muslime und Juden, der Herkunft nach Geschwister seien. Weil geschrieben stehe, dass Isaak, der Sohn von Abraham und Sahra, einer der Stammv\u00e4ter des Volkes Israel sei. Und Ismael, der Sohn von Abraham und Hagar, einer der Stammv\u00e4ter aller Muslime. Und, fuhr Pantijelew fort, man k\u00f6nne sich doch nur w\u00fcnschen, dass Muslime und Juden sich besser verst\u00fcnden als seinerzeit, vor vielen tausend Jahren, Isaak und Ismael. Die Zeiten w\u00e4ren zur Zeit sehr schwierig und noch schwieriger w\u00e4re es, dar\u00fcber zu sprechen. Nach dem 7. Oktober 2023, als der Gaza-Krieg begann, habe er einen Anruf von Murat \u00c7elik von der Schura Bremen erhalten, der auch wenige Tage sp\u00e4ter in die j\u00fcdische Gemeinde gekommen sei und sich am Friedensgebet &#8222;mit guten und verst\u00e4ndnisvollen Worten&#8220; beteiligt h\u00e4tte. Vieles w\u00e4re nicht sch\u00f6n, und es g\u00e4be viel zu besprechen. Aber es k\u00e4me darauf an, die Sprachlosigkeit zwischen den Religionsgemeinschaften zu \u00fcberwinden und den Dialog aufrecht zu erhalten. Es fiel auf, dass der Vertreter der J\u00fcdischen Gemeinde auf das gegenw\u00e4rtige Israel mit keinem Wort einging. Auch in das Klagelied, dass der Antisemitismus in Deutschland immer mehr zun\u00e4hme, stimmte er nicht ein. Wichtig waren f\u00fcr ihn der interreligi\u00f6se Dialog und die Verst\u00e4ndigung. Man merkte, dass er vor diesem Publikum keinen Konflikt wollte. Er erhielt lebhaften Beifall.<\/p>\n<p>Die Begr\u00fc\u00dfung durch den Schriftf\u00fchrer und theologischen Leiter der Bremischen Evangelischen Kirche, <strong>Bernd Kuschnerus<\/strong>, war dagegen erwartungsgem\u00e4\u00df blass. Kein konkretes Wort, keinen konkreten Kommentar der Kirche zum Nahost-Konflikt war von ihm zu vernehmen. Nur von Dialog und Verst\u00e4ndigung war wieder und wieder die Rede.<\/p>\n<p>Ganz anders der derzeitige Vorsitzende der Schura, <strong>Murat \u00c7elik<\/strong>, der wie schon beim \u00f6ffentlichen Fastenbrechen auf dem Marktplatz eine Woche zuvor deutliche Worte zum Gaza-Krieg fand. Viel zu inflation\u00e4r w\u00fcrde in Deutschland mit dem Vorwurf des Antisemitismus umgegangen, wenn es um die konkrete Kritik an der Politik des israelischen Kriegskabinetts ginge. Menschenrechte und das V\u00f6lkerrecht m\u00fcssten gleicherma\u00dfen f\u00fcr alle Menschen gelten. Die Schura formuliere mit aller Deutlichkeit ihre Erwartung an die Bundesregierung und an die Landesregierungen, sich f\u00fcr einen sofortigen Waffenstillstand, einen sofortigen Stopp der Waffenlieferungen, f\u00fcr eine \u00d6ffnung der Zug\u00e4nge f\u00fcr humanit\u00e4re und medizinische Hilfe nach Gaza einzusetzen.<\/p>\n<p>Einige j\u00fcngere Mitglieder der Pal\u00e4stinensischen Gemeinde Bremen e.V. f\u00fchrten, wie schon erw\u00e4hnt, nach dem Empfang ein l\u00e4ngeres Gespr\u00e4ch mit B\u00fcrgermeister Andreas Bovenschulte. Dabei waren sie erst mit Versp\u00e4tung ins Rathaus reingelassen worden, weil die Polizei am Eingang zun\u00e4chst ihre Pal\u00e4stinensert\u00fccher moniert hatte.<\/p>\n<p>Es war ein kommunkationsreicher Abend. Mit viel gutem Willen auf allen Seiten. Wenn auch viel von dem, was an Konflikten in Bremen vorhanden ist, unter den Teppich gekehrt wurde, so wurden doch &#8211; alles in allem &#8211; erfreuliche Zeichen gesetzt. Dass der B\u00fcrgermeister der Hansestadt Bremen zum Ramadan ins Rathaus einl\u00e4dt, zum Dialog auffordert und ihn auch selber praktiziert &#8211; das ist aus den anderen gro\u00dfen St\u00e4dten in Deutschland bisher nicht berichtet worden. Vor allem in Berlin w\u00e4re das bei dem aufgeheizten Klima um den Pal\u00e4stina-Kongress undenkbar.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: die Bremer Medien &#8211; wir haben ja nur zwei &#8211; waren wieder ein Trauerspiel und berichteten (fast) \u00fcberhaupt nichts \u00fcber den Ramadan-Empfang. Der Weser Kurier widmete dem Event k\u00fcmmerliche 20 Zeilen in einer schmalen Spalte (am 16.04.2024), und Radio Bremen berichtete \u00fcberhaupt nichts.<br \/>\n<em>Detlef Griesche und S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 15. 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