{"id":13128,"date":"2024-09-28T07:29:17","date_gmt":"2024-09-28T07:29:17","guid":{"rendered":"https:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=13128"},"modified":"2024-09-28T07:32:04","modified_gmt":"2024-09-28T07:32:04","slug":"mitri-raheb-die-zahl-der-christen-in-gaza-wird-immer-kleiner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=13128","title":{"rendered":"Mitri Raheb: die Zahl der Christen in Gaza wird immer kleiner"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/21-04-20-mitri-raheb_ji.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-10553\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/21-04-20-mitri-raheb_ji-300x296.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/21-04-20-mitri-raheb_ji-300x296.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/21-04-20-mitri-raheb_ji-768x759.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/21-04-20-mitri-raheb_ji-304x300.jpg 304w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/21-04-20-mitri-raheb_ji.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Liebe Mitglieder, liebe Leserinnen, liebe Leser,<br \/>\nIm Gazastreifen wird die Zahl der Christinnen und Christen auf Grund des Krieges immer kleiner. Das hat der pal\u00e4stinensische lutherische Pfarrer und Theologe Mitri Raheb bei einem \u00d6sterreich-Besuch gesagt. Pal\u00e4stinensische Kirchenvertreter f\u00fchlten sich im Stich gelassen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Pfarrer: \u201eWohl Letztes Kapitel von Christentum in Gaza\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Eine Delegation des \u201eObersten Pr\u00e4sidialausschusses f\u00fcr Kirchenangelegenheiten des Staates Pal\u00e4stina\u201c h\u00e4lt sich derzeit in \u00d6sterreich auf, um \u00fcber die verheerenden Auswirkungen des Krieges auf die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung zu berichten. Der Tenor: Das Leid der Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenser und im Besonderen auch die immer schwierigere Situation der christlichen Minderheit k\u00fcmmere den Westen kaum. Auch die Kirchen im Westen w\u00fcrden viel zu wenig Engagement f\u00fcr ihre Glaubensgeschwister im Heiligen Land zeigen.<\/p>\n<p>Wien ist die erste Station der pal\u00e4stinensischen Delegation, wie deren Leiterin Amira Hanania sagte. Man wolle letztlich nicht um mehr oder weniger als um Gerechtigkeit und Frieden werben. Die Delegation wird auch noch in die Slowakei, nach Ungarn, Slowenien und Kroatien reisen.<\/p>\n<p><strong>Pfarrer: \u201eDie Welt schaut weg\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der Delegation geh\u00f6rt auch Pfarrer Raheb an. Die Situation in Gaza sei verheerend, die Delegation spricht von mehr als 41.000 tote Pal\u00e4stinenser, darunter mehr als 16.000 Kinder, 100.000 Verwundete, \u201eund die Welt schaut weg\u201c, so Raheb. Ein Aspekt des Dramas: \u201eDas ist wohl das letzte Kapitel des Christentums in Gaza. \u201cEtwa 1.200 Christinnen und Christen lebten vor dem Krieg in Gaza, f\u00fcnf Prozent wurden bisher get\u00f6tet, 30 Prozent konnten ausreisen. Die christliche Minderheit werde immer kleiner. Dabei sei Gaza in den ersten Jahrhunderten ein bedeutendes Zentrum des Christentums gewesen, so der Pfarrer.<\/p>\n<p><strong>Muslime und Christen gleicherma\u00dfen betroffen<\/strong><\/p>\n<p>Rund 50.000 einheimische Christen leben noch im Westjordanland, davon die H\u00e4lfte in und um Bethlehem, f\u00fchrte Raheb weiter aus. Was wenige wissen: 86 Prozent des Landes von Bethlehem st\u00fcnden unter israelischer milit\u00e4rischer Kontrolle, die Pal\u00e4stinenser k\u00f6nnten nur \u00fcber 14 Prozent verf\u00fcgen. Raheb berichtete zudem von zunehmenden \u00dcberf\u00e4llen j\u00fcdischer Siedler auf pal\u00e4stinensische D\u00f6rfer und von Vandalismus, der von Siedlern und dem israelischen Milit\u00e4r gleicherma\u00dfen ver\u00fcbt werde.<\/p>\n<p>Immer neue und willk\u00fcrliche Checkpoints w\u00fcrden es der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung fast unm\u00f6glich machen, von einem Ort zum n\u00e4chsten zu gelangen. So seien einige D\u00f6rfer im Westen von Bethlehem derzeit g\u00e4nzlich abgeschnitten. Andere Stra\u00dfen d\u00fcrften nur von 9.00 bis ca. 14.00 Uhr von den Pal\u00e4stinensern benutzt werden, damit die j\u00fcdischen Siedler ungehindert ihre Arbeitspl\u00e4tze erreichen und nach Hause zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Raheb: \u201eWir sind eingesperrt wie in einem Kaninchenstall.\u201c Das alles betreffe muslimische wie christliche Pal\u00e4stinenser gleicherma\u00dfen.<\/p>\n<p>Die pal\u00e4stinensischen Kirchenvertreter orten eine Doppelmoral des Westens im Blick auf den Krieg im Heiligen Land. Der lutherische Geistliche Raheb formulierte es drastisch: \u201eDie internationale Gemeinschaft l\u00e4sst das pal\u00e4stinensische Volk im Stich. Gelten die Menschenrechte nur f\u00fcr wei\u00dfe, blonde und blau\u00e4ugige Menschen?\u201c<\/p>\n<p><strong>Strukturelle Gewalt der Siedler<\/strong><\/p>\n<p>Der anglikanische Priester Fadi Diab berichtete, dass auch alle kirchlichen Einrichtungen in Gaza \u2013 Kirchen, ein Krankenhaus, die christliche Universit\u00e4t, eine Schule und ein Kulturzentrum \u2013 von Israel bombardiert worden seien. Zur Situation im Westjordanland sagte der Geistliche, dass es bei den \u00dcbergriffen und \u00dcberf\u00e4llen der j\u00fcdischen Siedler um strukturelle Gewalt gehe und nicht nur um individuelle kriminelle Vergehen. Er sei auch selbst vor noch nicht allzu langer Zeit bei der Autofahrt zwischen zwei Orten von j\u00fcdischen Siedlern \u00fcberfallen worden.<\/p>\n<p>Diab: \u201eDie Menschen hier f\u00fchlen sich einfach im Stich gelassen.\u201c Und: \u201eOhne Gerechtigkeit wird es keinen Frieden geben.\u201c Gerechtigkeit sei die Voraussetzung f\u00fcr Frieden im Heiligen Land.<\/p>\n<p><strong>Pater: \u201eVerheerende&#8220; Situation in Bethlehem\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der aus Kroatien stammende Franziskaner Sandro Tomasevic lebt seit vielen Jahren im Heiligen Land, vor allem in Bethlehem. Die sozio\u00f6konomische Situation der Bev\u00f6lkerung dort sei \u201everheerend\u201c. Der Tourismus, von dem die Mehrheit der Menschen existenziell abh\u00e4ngig ist, sei v\u00f6llig zum Erliegen gekommen. 70 christliche Familien h\u00e4tten das Land bereits verlassen, so Tomasevic.<\/p>\n<p>Der Ordensmann berichtete zudem von zunehmenden \u00dcbergriffen j\u00fcdischer Extremisten gegen als Christen erkennbare Geistliche in der Altstadt von Jerusalem. Diese Entwicklung habe schon l\u00e4ngere Zeit vor dem aktuellen Krieg begonnen.<\/p>\n<p><strong>Gegen Gewalt, von wem auch immer<\/strong><\/p>\n<p>Pfarrer Raheb erg\u00e4nzte zur Situation in Jerusalem, dass die israelische Regierung bestrebt sei, m\u00f6glichst viele christliche Immobilien in der Altstadt in ihren Besitz zu bekommen. Der pluralistische Charakter Jerusalems sei in Gefahr. Einhellig appellierten alle Kirchenvertreter an die Verantwortlichen der Kirchen im Westen, auf ihre Regierung Einfluss zu nehmen. Es brauche verst\u00e4rkten Druck auf Israel, damit es in einem ersten Schritt zumindest zu einem Waffenstillstand kommt. \u201eJeder Waffenstillstand rettet Leben\u201c, so Raheb. Und Delegationsleiterin Hanania erg\u00e4nzte: \u201eAls Christen sind wir gegen Gewalt, von wem auch immer sie ausgeht.\u201c<\/p>\n<p><strong>Krieg seit fast einem Jahr<\/strong><\/p>\n<p>Der Krieg Israels gegen die pal\u00e4stinensische Terrororganisation Hamas dauert seit fast einem Jahr an. Radikale Hamas-Terroristen hatten am 7. Oktober 2023 einen Angriff auf die israelische Zivilbev\u00f6lkerung ver\u00fcbt, bei dem rund 1.200 Menschen get\u00f6tet, verletzt und etwa 250 verschleppt wurden. Etwa 100 israelische Geiseln befinden sich noch immer im Gazastreifen, wie viele noch leben, ist unbekannt.<\/p>\n<p>Israels Krieg gegen die Hamas forderte bisher allerdings mehrere Tausend zivile Todesopfer und Verletzte. Zudem wurde fast die gesamte Infrastruktur im Gazastreifen zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Quelle: Deutsch-Pal\u00e4stinensische Gesellschaft e.V. Zur Sache 18-2024<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Mitglieder, liebe Leserinnen, liebe Leser, Im Gazastreifen wird die Zahl der Christinnen und Christen auf Grund des Krieges immer kleiner. Das hat der pal\u00e4stinensische lutherische Pfarrer und Theologe Mitri Raheb bei einem \u00d6sterreich-Besuch gesagt. Pal\u00e4stinensische Kirchenvertreter f\u00fchlten sich im &hellip; <a href=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=13128\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-13128","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13128","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13128"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13128\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13134,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13128\/revisions\/13134"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13128"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13128"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13128"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}