{"id":13258,"date":"2024-10-18T06:06:59","date_gmt":"2024-10-18T06:06:59","guid":{"rendered":"https:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=13258"},"modified":"2024-10-18T06:06:59","modified_gmt":"2024-10-18T06:06:59","slug":"charlotte-wiedemann-ein-kommentar-zur-kundgebung-fuer-einen-gerechten-frieden-in-palaestina-und-israel-vor-dem-bundeskanzleramt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=13258","title":{"rendered":"Charlotte Wiedemann: ein Kommentar zur Kundgebung &#8222;F\u00fcr einen gerechten Frieden in Pal\u00e4stina und Israel&#8220; vor dem Bundeskanzleramt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/24-10-18-friedensdemo-Handzettel-A5_web.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-13261 size-medium\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/24-10-18-friedensdemo-240x300.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/24-10-18-friedensdemo-240x300.jpg 240w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/24-10-18-friedensdemo-819x1024.jpg 819w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/24-10-18-friedensdemo-300x375.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/24-10-18-friedensdemo-768x960.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/24-10-18-friedensdemo.jpg 1080w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a>Heute, am 18. Oktober 2024 findet die Kundgebung &#8222;F\u00fcr einen gerechten Frieden in Pal\u00e4stina und Israel&#8220; vor dem Bundeskanzleramt in Berlin statt. Aufgerufen haben viele zivilgesellschaftliche Organisationen. Darunter ist auch die Deutsch-Pal\u00e4stinensische Gesellschaft (DPG), die auch mit ihrem Pr\u00e4sidenten Nazih Musharbash einen Redner stellt. Der Kundgebung ist zu w\u00fcnschen, dass viele dem Aufruf folge &#8211; und dass auch in den Medien dar\u00fcber berichtet wird.<\/p>\n<p><strong>Trotzdem die Frage: warum ist ein solcher Aufruf nicht schon viel fr\u00fcher erfolgt? Ein ganzes Jahr der Morde, Vertreibungen und Zerst\u00f6rungen ist jetzt vergangen!<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Hier Ausz\u00fcge aus einem brillanten und treffsicheren Kommentar von Charlotte Wiedemann in der <a href=\"https:\/\/taz.de\/!6040006\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Taz vom 16.10.24<\/a> mit dem Titel: <strong>&#8222;<span class=\"is-flex headline typo-r-head-meinung-detail\">Zaghafte Strukturen einer radikalen Demokratie.&nbsp;<\/span>Die Gaza-Proteste zu kritisieren ist leicht. Deutschland hat die Bewegung bekommen, die es verdient: Die einen schreien, weil die anderen schweigen.&#8220; <\/strong>Der Kommentar von Charlotte Wiedemann ist auf die Verh\u00e4ltnisse in Berlin gem\u00fcnzt, die in vielerlei Hinsicht sehr viel konfrontativer sind als in Bremen. Trotzdem: es ist genau das, was wir auch in Bremen seit geraumer Zeit beobachten und kopfsch\u00fcttelnd zur Kenntnis nehmen.&nbsp;<\/p>\n<p>Sie schreibt:<\/p>\n<p>Lange habe ich auf diesen Moment gewartet. Am Freitag wird ein ansehnliches B\u00fcndnis zivilgesellschaftlicher, humanit\u00e4rer und humanistischer Kr\u00e4fte vor dem Kanzleramt Forderungen vertreten, die so selbstverst\u00e4ndlich wie unerh\u00f6rt sind: &#8218;Menschenleben d\u00fcrfen nicht mit zweierlei Ma\u00df gemessen werden. Pal\u00e4stinensisches Leben ist genauso kostbar wie israelisches Leben.&#8216; Und deshalb bitte keine doppelten Standards bei den Menschenrechten und im V\u00f6lkerrecht.<\/p>\n<p>Warum hat es fast ein Jahr gedauert, bis solche schlichten Grunds\u00e4tze universellen Zusammenlebens mit Selbstbewusstsein auf einen zentralen Platz der Republik getragen werden? Weil wir ein trauriges, feiges, verlogenes Land geworden sind. Weil in diesem Jahr viele Hoffnungen zertreten wurden, nicht zuletzt die Hoffnung auf eine gelingende Einwanderungsgesellschaft. Weil wir eine defekte Demokratie sind, von oben wie von unten.<\/p>\n<p>Hier also meine pers\u00f6nliche kleine Bilanz eines Jahres der zerronnenen Gewissheiten. Nachdem die deutsche Politik mit dem V\u00f6lkermord an Juden und J\u00fcdinnen die Unterst\u00fctzung einer Kriegsf\u00fchrung begr\u00fcnden konnte, die andere Teile der Welt als Genozid betrachten, ist auf wenig mehr Verlass. [&#8230;]<\/p>\n<p><strong>An die Vulnerablen delegiert<\/strong><br \/>\nDies alles sind keine Zeichen von St\u00e4rke, sondern von Schw\u00e4che. Sie zeigen eine Gesellschaft, die nicht in der Lage ist, ein erwachsenes, reifes Gespr\u00e4ch mit sich selbst und der Welt zu f\u00fchren. Wir sehen ein Land, das so l\u00e4cherlich wie traurig Jagd auf Pappkartons mit \u201eFrom the River to the Sea\u201c-Slogans macht, anstatt eine kluge Diplomatie zu entwerfen gegen\u00fcber der politisch l\u00e4ngst verflochtenen Realit\u00e4t zwischen Fluss und Meer.<\/p>\n<p>Die Gaza-Proteste auf den Stra\u00dfen sind mit allem, was an ihnen zu kritisieren ist, wie ein Spiegelbild der Mentalit\u00e4t des Mainstreams. Zynisch formuliert: Deutschland hat genau die Bewegung bekommen, die es verdient. Darin sind viele migrantisch, viele ohne deutschen Pass, manche staatenlos, die meisten sehr jung und viele mit prek\u00e4ren Jobs.<\/p>\n<p>An diese sozial und juristisch vulnerable Minderheit haben die Kartoffel-Deutschen delegiert, was ihnen selbst hin und wieder gut zu Gesicht stehen w\u00fcrde: einen Einspruch wagen gegen das nicht enden wollende T\u00f6ten von Zivilisten.<\/p>\n<p>Von Beginn der Proteste an wurden viele Demonstranten wie Kriminelle auf Freigang behandelt, nun vermummen sich viele von ihnen und liefern so die erw\u00fcnschten Bilder: Unsere Banlieue, da traut sich nur Polizei in Kampfmontur hinein.<\/p>\n<p>Ach, wie leicht ist es, sich zu \u00fcberheben \u2013 \u00fcber eine Bewegung, die schreit, auch in Misst\u00f6nen, weil all jene schweigen, die gefahrlos sprechen k\u00f6nnten, mit dem guten Job, der richtigen Hautfarbe, dem sicheren Pass. Und weil sich nicht einmal eine Hand ausstreckt, um zu signalisieren: Ich lehne eure Parolen ab, aber ich verstehe euren Schmerz.<\/p>\n<p><strong>Die Gaza-Proteste sind mit allem, was an ihnen zu kritisieren ist, ein Spiegelbild des Mainstreams<\/strong><br \/>\nDie Bewegung auf der Stra\u00dfe ist mit steigenden Todeszahlen in Gaza (und nun im Libanon) kaum gr\u00f6\u00dfer geworden, nur verzweifelter. Gewachsen ist indes etwas anderes: eine Szene derer, die der Einschr\u00e4nkung der Meinungsfreiheit, der deutschen Heuchelei und Selbstgerechtigkeit mit anderen Mitteln widersprechen, als K\u00fcnstlerinnen, Anw\u00e4lte oder Wissenschaftler. Die Aktivsten unter ihnen sind, neben Pal\u00e4stinast\u00e4mmigen, nicht zuf\u00e4llig oft Juden\/J\u00fcdinnen.<\/p>\n<p>So ist etwas im Entstehen, das seinerseits ein Produkt dieses gr\u00e4sslichen Jahres ist: Gegen eine missbr\u00e4uchliche Geschichtspolitik von oben entstehen zaghafte Strukturen einer radikalen Demokratie und universalistischen Erinnerungskultur von unten. Ich hoffe, dass ich mich damit nicht t\u00e4usche.<\/p>\n<p>Und als Nachtrag w\u00e4re vielleicht noch dies zu bedenken: Ein Staat, der so au\u00dfer Rand und Band gegen eine Minderheit vorgeht, die keinerlei Lobby im \u00f6ffentlichen Raum hat, ist potenziell gef\u00e4hrlich f\u00fcr alle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute, am 18. Oktober 2024 findet die Kundgebung &#8222;F\u00fcr einen gerechten Frieden in Pal\u00e4stina und Israel&#8220; vor dem Bundeskanzleramt in Berlin statt. Aufgerufen haben viele zivilgesellschaftliche Organisationen. 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