{"id":1352,"date":"2014-09-15T09:58:30","date_gmt":"2014-09-15T07:58:30","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=1352"},"modified":"2014-09-15T09:58:30","modified_gmt":"2014-09-15T07:58:30","slug":"kritische-juedische-stimmen-zur-demo-des-zentralrats-der-juden-am-14-september-2014-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=1352","title":{"rendered":"Kritische &#8211; j\u00fcdische &#8211; Stimmen zur Demo des Zentralrats der Juden am 14. September 2014 in Berlin"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.zentralratdjuden.de\/de\/article\/4930.steh-auf.html\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Aufruf zur Demonstration\" alt=\"\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/14-09-15-zentralrat.jpg\" width=\"200\" \/><\/a>Die Kundgebung des Zentralrats der Juden unter dem Motto &#8222;Steh auf! Nie wieder Judenhass!&#8220; wurde von vielen politischen und gesellschaftlichen Gruppen unterst\u00fctzt. Hauptrednerin war die Bundeskanzlerin Angelika Merkel. Der Zentralrat durfte daneben <a href=\"http:\/\/www.zentralratdjuden.de\/de\/article\/4954.bundespr%C3%A4sident-gauck-ehrengast-bei-zentralrats-kundgebung-steh-auf-nie-wieder-judenhass-gro%C3%9Fe-zahl-an-unterst%C3%BCtzern.html\" target=\"_blank\">nach eigener Auskunft<\/a> &#8222;CDU und CSU, SPD, Gr\u00fcne, FDP und Linke samt ihrer Stiftungen sowie den Deutschen Fu\u00dfball-Bund, die Deutsche Fu\u00dfball Liga, den Deutschen Olympischen Sportbund, den Deutschen Gewerkschaftsbund, die Deutsch-Israelische Gesellschaft, den Koordinierungsrat der Gesellschaften f\u00fcr Christlich-J\u00fcdische Zusammenarbeit, Aktion S\u00fchnezeichen Friedensdienste und die Wall AG zu (den) Unterst\u00fctzern z\u00e4hlen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Du sollst nicht Kritik an der Politik Israels mit Antisemitismus verwechseln!&#8220;<\/strong> Gegen dieses Gebot journalistischer Sorgfaltspflicht wurde auf der Kundgebung allerdings vielfach und in voller Absicht versto\u00dfen. Dazu hier zwei kritische Stimmen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>&#8222;Reden wir dar\u00fcber,<\/strong> was Antisemitismus wirklich ist: Rassismus. Angriffe auf Synagogen und Schulen. Gewalt gegen L\u00e4den, die Juden geh\u00f6ren. Antisemitische Vorurteile, Hasstiraden oder Anp\u00f6beln auf der Stra\u00dfe.<\/p>\n<p><strong>Reden wir dar\u00fcber,<\/strong> was Antisemitismus nicht ist. Freies Denken. Kritik an Menschenrechtsverletzungen, Massakern und Kriegsverbrechen. Opposition gegen den Staat Israel, seine Politik und Verbrechen gegen das pal\u00e4stinensische Volk. Gegen Unrecht aufzutreten kann nicht antisemitisch sein.<\/p>\n<p><strong>Sagen wir,<\/strong> wer Juden wirklich sind. Menschen. Leute mit eigenen Meinungen, verschiedenen Weltanschauungen und Ansichten.<\/p>\n<p><strong>Sagen wir,<\/strong> was Juden nicht sind. Zionistische Ideologie und Praxis. Der Staat Israel. Die israelische Armee. Eine Masse von Leuten mit exakt derselben Ideologie und Politik, unf\u00e4hig zum unabh\u00e4ngigen freien Denken.<\/p>\n<h2>Antisemitismus ist Rassismus<\/h2>\n<p>Wir stehen Seite an Seite mit unseren muslimischen Schwestern und Br\u00fcdern im Kampf gegen Islamophobie. Wir stehen Seite an Seite mit unseren Roma und Sinti Schwestern und Br\u00fcdern gegen Rassismus und institutionelle Gewalt. Wir glauben daran, dass Solidarit\u00e4t und aktive Zusammenarbeit mit anderen Minderheiten in Deutschland und Europa der einzig realistische Weg zur Abschaffung von Rassismus in all seinen Formen, einschlie\u00dflich Antisemitismus, ist.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir Antisemitismus ausrotten? Mit Aufkl\u00e4rung, Sichtbarmachung und Zivilcourage. Indem wir den Kern antisemitischen Denkens in den K\u00f6pfen der Leute angehen, jenseits von simplen Zensuren dessen, was \u201eman nicht sagen darf\u201c.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir Antisemitismus nicht ausrotten? Durch Gleichsetzung von Juden mit Zionismus, dem Staat Israel oder seiner Politik. Durch den Anspruch auf ein fernes Land als \u201eeinen sicheren Hafen f\u00fcr Juden\u201c und durch Aufrechterhalten der gef\u00e4hrlichen Idee, dass Juden nur au\u00dferhalb Europas wirklich sicher sein k\u00f6nnen. Durch die Aufforderung, dass Leute Israel unterst\u00fctzen sollen, um ein \u201eKoscher\u201d-Zertifikat zu erhalten, anstatt Antisemitismus zu thematisieren.<\/p>\n<p>Erinnern wir uns an geschichtliche Verantwortung. Deutschland liefert Waffen an Israel. Das dient lediglich der Sicherheit der Waffenindustrie. F\u00fcr die Menschen bedeutet es nur neues Blutvergie\u00dfen. F\u00fcr Deutschland bedeutet es Verantwortung f\u00fcr neue Kriegsverbrechen. Schluss mit milit\u00e4rischer und politischer Hilfe f\u00fcr Massaker und schwere Menschenrechtsverletzungen: das w\u00e4re geschichtlich verantwortliches Handeln.<\/p>\n<p>Wir wehren uns gegen Rassismus, egal ob er sich gegen uns oder gegen andere richtet<br \/>\nnicht-zionistische Juden und J\u00fcdinnen&#8220;<br \/>\nV.i.S.d.P Iris Hefets<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.juedische-stimme.de\/?p=1621\" target=\"_blank\">Gemeinsames Flugblatt der &#8222;J\u00fcdischen Stimme f\u00fcr gerechten Frieden in Nahost&#8220; und der Gruppe der &#8222;Nicht-zionistischen Juden und J\u00fcdinnen&#8220;<\/a><\/p>\n<p><strong>Die &#8222;J\u00fcdische Stimme f\u00fcr gerechten Frieden in Nahost&#8220; hat au\u00dferdem ein eigenes Flublatt herausgebracht:<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Es geht nicht um Antisemitismus. Es geht um die Frage: Sympathie mit Menschenrechten oder mit Israels Politik?<\/p>\n<p>Israels ma\u00dfloser Versuch, die Hamas als Vertretung Pal\u00e4stinas ein f\u00fcr allemal zu liquidieren, treibt in Deutschland einen schon lange schw\u00e4renden Widerspruch auf die Spitze: Sympathie f\u00fcr Menschenrechte oder f\u00fcr Israel? Unsere Politiker reagieren schablonenhaft, und die j\u00fcdische Gemeinschaft wirkt ratlos; gemeinsam rufen sie \u00bbHilfe, Antisemitismus!\u00ab.<\/p>\n<p>Aber wenn heute der Begriff \u00bbAntisemitismus\u00ab verwendet wird, vernebelt er mehr als er erkl\u00e4rt. Denn die \u00bbantisemitische\u00ab pseudowissenschaftliche \u00bbRassenkunde\u00ab \u2013 im \u00bbDritten Reich\u00ab an allen Schulen gelehrt \u2013, der viele unserer Angeh\u00f6rigen und fast das ganze europ\u00e4ische Judentum zum Opfer fielen, ist heute kein Thema mehr.<\/p>\n<p>Trotzdem gibt es weiter Ha\u00df gegen Juden. Dabei geht es nicht um \u00dcberlegenheit der \u00bbarischen\u00ab gegen die \u00bbsemitische Rasse\u00ab, sondern um allgemeine Vorurteile gegen Minderheiten und speziell um Angst vor einer \u00bbj\u00fcdischen Weltverschw\u00f6rung\u00ab. Wenn aber in unserem wohlhabenden und lange von Krieg verschonten Land Menschen Juden hassen, weil sie sie als Teil einer \u00bbWeltverschw\u00f6rung\u00ab ansehen, so ist das offensichtlich unangemessen. Jedoch bei Menschen, deren Familien vor 67 Jahren enteignet und vertrieben wurden und die bis heute in Lagern, als B\u00fcrger zweiter Klasse in Israel, als ungern Geduldete in Jerusalem, als Ghettoisierte in der Westbank und als hilflos Gefangene in Gaza leben, ist Wut auf Israel \u00e4u\u00dferst verst\u00e4ndlich. Kann man es diesen Menschen verdenken, wenn sie \u00bbIsrael\u00ab mit \u00bbJuden\u00ab gleichsetzen? Es ist doch Israel selbst, das als \u00bbj\u00fcdischer Staat\u00ab anerkannt werden will!<\/p>\n<p>Die j\u00fcdische Gemeinschaft in Deutschland und unsere Politiker m\u00fcssen deutlich machen, da\u00df Israel nicht mit Juden gleichzusetzen ist. Europa, dessen Judenha\u00df zur Gr\u00fcndung Israels in Arabien f\u00fchrte, bekommt nun durch Israels Starrsinn diesen Ha\u00df auf Israel hierher zur\u00fcckimportiert. Und wenn wir nicht dagegen angehen, kann daraus neuer Ha\u00df gegen Juden werden.<\/p>\n<p>Aber wie kann man dagegen angehen? Diese verst\u00e4ndliche Wut auf Israel wird man eben nicht durch \u00bbAntisemitismus\u00ab-Rufe zum Verschwinden bringen, sondern indem man die Ursachen dieser Wut behebt: Enteignung, Vertreibung, Besatzung, Diskriminierung. Da Israel nicht freiwillig Kompromisse sucht, mu\u00df es durch Sanktionen dazu bewegt werden. Deutsche Politiker sollten das an f\u00fchrender Stelle in der EU tun, denn sonst setzen sie eine deutsche Tradition fort: Mitl\u00e4ufer, die gegen besseres Wissen nichts gegen Unrecht tun.<\/p>\n<p>Diejenigen Deutschen, die heute die pal\u00e4stinensische Position unterst\u00fctzen (und laut Umfragen weniger Vorurteile gegen Juden haben als die Unterst\u00fctzer Israels), setzen dagegen die Tradition der Menschlichkeit fort, die sich vor 75 Jahren im Widerstand gegen Unrecht zeigte. Entsprechend dieser Tradition der Menschlichkeit sollten wir Israel dr\u00e4ngen, die Pal\u00e4stinenser f\u00fcr jahrzehntelang ihnen angetanes Unrecht um Verzeihung zu bitten.&#8220;<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.juedische-stimme.de\/\" target=\"_blank\">Flugblatt f\u00fcr die Kundgebzung in Berlin am 14.09.14<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kundgebung des Zentralrats der Juden unter dem Motto &#8222;Steh auf! 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