{"id":13783,"date":"2024-12-17T07:51:27","date_gmt":"2024-12-17T07:51:27","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=13783"},"modified":"2024-12-17T07:54:23","modified_gmt":"2024-12-17T07:54:23","slug":"syrien-ohne-assad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=13783","title":{"rendered":"Syrien ohne Assad"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/weltnetz.tv\/story\/3138-wenig-aussicht-auf-frieden-syrien\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-13784 size-medium\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/24-12-17-syrien-ohne-assad-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/24-12-17-syrien-ohne-assad-300x169.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/24-12-17-syrien-ohne-assad-768x432.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/24-12-17-syrien-ohne-assad-500x282.jpg 500w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/24-12-17-syrien-ohne-assad.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Freude und Hoffnung von Millionen aus Syrien geflohener Menschen \u00fcber das Ende der mehr als ein halbes Jahrhundert andauernden \u00c4ra der Assad-Familie kann man verstehen. Aber ob sich ihre W\u00fcnsche nach Heimkehr oder die bei europ\u00e4ischen Politikern blitzschnell gefassten R\u00fcckf\u00fchrungspl\u00e4ne bald realisiere lassen, ist keineswegs ausgemacht.<!--more--> Denn Syrien bleibt vorerst ein Schauplatz verschiedener und zum Teil stark divergierender Interessen ausl\u00e4ndischer M\u00e4chte. Daher ist es verfr\u00fcht anzunehmen, die Sehnsucht vor allem der daheimgebliebenen Bev\u00f6lkerung nach Frieden und Beendigung der sanktionsbedingten Aushungerung und Mangelwirtschaft k\u00f6nne sich nun rasch erf\u00fcllen. &nbsp;<\/p>\n<p>Dass leicht motorisierte Rebellengruppen von Norden, S\u00fcden und Osten verbl\u00fcffend rasch in den noch bestehenden Rumpfstaat vordringen konnten, war vor allem deshalb m\u00f6glich, weil Baschar al-Assad seinen Abgang ins russische Exil durch eine m\u00f6glichst geordnete Transition \u2013 unter anderem nach Konsultationen mit den Golfstaaten vorbereitete. Er hatte Armee und Polizei &nbsp;angewiesen, keinen Widerstand mehr zu leisten. Seiner tapfer im Amt bleibenden Regierung und ihren Ministerien hatte er empfohlen, den Eroberern Zusammenarbeit anzubieten, um exzessive Gewalt und administratives Chaos einzud\u00e4mmen. Als erster Erfolg dieser \u00dcbergangsstrategie ist zu verbuchen, dass Ahmed Hussein al-Sharah \u2013 bislang unter dem Namen Mohammed al-Jolani als Anf\u00fchrer von Hayat Tahrir al-Sham (HTS) bekannt \u2013 bereits eine Amnestie f\u00fcr Soldaten verk\u00fcndet hat. Ob die aus der radikal-islamistischen Nusra-Front hervorgegangene HTS, die in den USA und der Europ\u00e4ischen Union noch als Terrorgruppe gelistet ist, sich zum Aufbau einer lupenreinen Demokratie entschlie\u00dfen wird, beziehungsweise in ihrem k\u00fcnftige Einflussgebiet wenigstens den in Assads Staat gesicherten Laizismus anbietet, muss sich noch zeigen.<\/p>\n<p>Unwahrscheinlich ist, dass ganz Syrien als demokratisch gel\u00e4uterter souver\u00e4ner Einheitsstaat neu ersteht. Die schon lange durch Bewaffnung und milit\u00e4risches Training diverser internationaler Rebellengruppen an seiner Zerst\u00fcckelung arbeitenden Staaten \u2013 T\u00fcrkei, Israel und die von Gro\u00dfbritannien assistierten USA \u2013 verfolgen keine v\u00f6llig identischen Interessen. Am ehesten ist das bei den USA, England und Israel der Fall, die dessen Sicherheit f\u00fcr am besten gew\u00e4hrleistet halten, wenn es von schwachen, mit innerem Chaos k\u00e4mpfenden Staaten umgeben ist. Deshalb unterst\u00fctzten die USA die kurdischen Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebungen durch eigene Truppen, die mit der Besetzung der wichtigsten \u00d6lfelder Syriens das Assad-Regime von existentiellen Energiequellen abschnitt. Indem die USA durch einen St\u00fctzpunkt am Grenz\u00fcbergang Al-Tanf die seit der Antike bestehende Handelsstra\u00dfe vom Iran \u00fcber den Irak nach Syrien blockierten, behinderten sie auch die \u2013 f\u00e4lschlich immer wieder beschworene \u2013 Waffenhilfe aus dem Iran. Dessen Unterst\u00fctzung bestand im wesentlichen aus entsendeten Milit\u00e4rspezialisten. Von Israel ist bekannt, dass es nicht nur durch Bombardements angeblich iranischer Einrichtungen fortlaufend in den Syrienkonflikt eingegriffen hat. Au\u00dferdem versorgte es jenseits des Golan operierende Rebellengruppen mit Waffen, Proviant und medizinischer Behandlung. Auch diese Gruppen sind jetzt in Richtung Damaskus vorgedrungen und es wundert nicht, wenn einige Medien meldeten, dass sich unter ihnen Angeh\u00f6rige der Israel Defense Forces befinden. Auf jeden Fall beansprucht Israel k\u00fcnftig eine neue, weit \u00fcber den Golan reichende Pufferzone.&nbsp;<\/p>\n<p>Die kurdische Sache ist wom\u00f6glich wieder das erste \u201eBauernopfer\u201c &nbsp;der Eskalation. Recip Tayyip Erdogan war es wohl, der die vorl\u00e4ufige L\u00f6sung des Syrienkonflikts angesto\u00dfen hat, um die unvorhersehbare Nahost-Politik Donald Trumps vor vollendete Tatsachen zu stellen. Er schickte die unter seiner Kontrolle stehenden Rebellen in Syriens abgespaltener Nordprovinz Idlib nicht nur gen Damaskus, sondern auch in den Kampf gegen bereits wochenlang vorher stark bombardierte kurdische Stellungen. Die T\u00fcrkei will auf Biegen und Brechen das Entstehen eines unabh\u00e4ngigen kurdischen Staatsgebildes verhindern. Sie plant ganz offiziell, drei Millionen syrischer Fl\u00fcchtlinge auf Gebieten anzusiedeln, die von Kurden bewohnt werden. Erdogan befindet sich aber nicht nur im Dissens mit dem amerikanisch-kurdischen Projekt, sondern stellt sich, jedenfalls seinem eigenen Volk gegen\u00fcber, auch energisch gegen Israels Besatzungspolitik in Gaza und im Westjordanland. Da noch nicht abzusehen ist, wie sich Ahmed Hussein al-Sharah endg\u00fcltig zum Pal\u00e4stinakonflikt positionieren wird, erkl\u00e4rt sich, dass Israel seit dessen Einnahme von Damaskus die Bombardements von Waffendepots und Waffenfabriken intensiviert hat. Die Regierung von Benjamin Netanjahu zweifelt nicht grundlos, ob sich die neuen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse in Syrien mittelfristig wirklich zu ihren Gunsten entwickeln.<\/p>\n<p>Von einer Befriedung des Landes kann also keine Rede sein. Vielmehr ist es zu einem internationalen Schlachtfeld geworden, zum Teil des bef\u00fcrchteten und sich offenbar unaufhaltsam ausweitenden Gro\u00dfkonflikts im Nahen Osten.&nbsp;<\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigung): <a href=\"https:\/\/weltnetz.tv\/story\/3138-wenig-aussicht-auf-frieden-syrien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">welnetz.tv vom 17.12.2024<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freude und Hoffnung von Millionen aus Syrien geflohener Menschen \u00fcber das Ende der mehr als ein halbes Jahrhundert andauernden \u00c4ra der Assad-Familie kann man verstehen. 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