{"id":13829,"date":"2024-12-30T15:09:26","date_gmt":"2024-12-30T15:09:26","guid":{"rendered":"https:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=13829"},"modified":"2024-12-30T15:20:21","modified_gmt":"2024-12-30T15:20:21","slug":"shir-hever-das-bild-der-militaerischen-erfolge-beginnt-risse-zu-zeigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=13829","title":{"rendered":"Shir Hever: &#8222;Das Bild der milit\u00e4rischen Erfolge beginnt, Risse zu zeigen&#8220;"},"content":{"rendered":"<div class=\"row mt-5\">\n<div class=\"col-md-8 mx-auto\">\n<header>\n<div class=\"kicker\">\n<div>\n<p><em><em><em><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/24-12-04-shir-hever-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-13835 size-medium\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/24-12-04-shir-hever-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/24-12-04-shir-hever-300x300.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/24-12-04-shir-hever-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/24-12-04-shir-hever-768x768.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/24-12-04-shir-hever-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/24-12-04-shir-hever-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Vorbemerkung: &#8222;Israel kann zur Zeit kaum gehen vor Kraft&#8220; &#8211; das meinte Michael L\u00fcders bei seinem Vortrag im B\u00fcrgerzentrum Vahr am 27. Oktober (<a href=\"https:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=13307\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bericht hier<\/a>). Shir Hever ist da anderer&nbsp; Meinung. <\/em><\/em><\/em><span style=\"color: #000000; font-weight: bold;\">Jahresr\u00fcckblick 2024. Heute: Israel. Das Bild der milit\u00e4rischen Erfolge des Landes beginnt, Risse zu zeigen<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<address class=\"author mt-1\">Von Shir Hever<\/address>\n<\/header>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"row\">\n<div class=\"col d-flex flex-column\">\n<div class=\"content order-md-2\">\n<div class=\"row\">\n<div class=\"col-md-8 mx-auto\">\n<p>Eine in israelischen Zeitungen und Fernsehsendern erz\u00e4hlte Geschichte wird auch von westlichen Medien aufgegriffen: Israel ist ein Imperium auf dem Vormarsch, und Netanjahu ist der unbesiegte Anf\u00fchrer einer unaufhaltsamen Armee.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!--more-->Nach der Zerschlagung der Hamas in Gaza habe Israel die Hisbollah im Libanon mit einem Pager-Angriff am 18. September, gefolgt von Attentaten auf die F\u00fchrung, zerst\u00f6rt. Die Attacke auf den Iran am 27. Oktober habe das Land schutzlos gegen\u00fcber k\u00fcnftigen Luftangriffen gemacht. Und nach dem Sturz von Baschar Al-Assad in Syrien und der Eroberung von Teilen des Landes durch Israel habe man alle milit\u00e4rischen Einrichtungen der syrischen Armee zerst\u00f6rt. Der fr\u00fchere Leiter der Siedlerorganisation Yesha Council, Israel Harel, empfahl in einem Beitrag f\u00fcr die israelische Zeitung <em>Haaretz<\/em>&nbsp;sogar, dass Israel \u2013 eine \u00bbVilla im Dschungel\u00ab \u2013 die Arbeit zu Ende bringen und alle Sykes-Picot-Staaten beseitigen sollte.<\/p>\n<div class=\"row\">\n<div class=\"col d-flex flex-column\">\n<div class=\"content order-md-2\">\n<div class=\"row\">\n<div class=\"col-md-8 mx-auto\">\n<p>Diese Geschichte erinnert an den zynischen Sketch von Hanoch Levine, der sich \u00fcber die Euphorie Israels nach dem sogenannten gro\u00dfen Sieg von 1967 im \u00bbSechstagekrieg\u00ab lustig macht. Doch wie viel davon ist Realit\u00e4t, und wie viel ist Propaganda? Eine israelische Zeitung ver\u00f6ffentlichte j\u00fcngst eine Karikatur von Ministerpr\u00e4sident Benjamin Netanjahu als Napoleon auf einem Pferd (in Anlehnung an das ber\u00fchmte Gem\u00e4lde \u00bbBonaparte beim \u00dcberschreiten der Alpen\u00ab von Jacques-Louis David), der eine Amnestie f\u00fcr den von Emmanuel Macron ausgestellten IStGH-Haftbefehl gegen ihn in der Hand h\u00e4lt. Selbst diese Karikatur, die sich \u00fcber Netanjahus Gr\u00f6\u00dfenwahn lustig macht, f\u00e4llt dessen Propaganda zum Opfer: Macron ist nicht f\u00fcr den Internationalen Strafgerichtshof zust\u00e4ndig, und die Aussage, der israelische Premier genie\u00dfe Immunit\u00e4t, ist eine L\u00fcge, die Netanjahu f\u00fcr innenpolitische Zwecke ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Ein guter Ansatzpunkt, um das Narrativ zu \u00fcberpr\u00fcfen, ist vielleicht der Zustand der israelischen Armee, die schon seit Monaten unter einem erheblichen Mangel an Soldaten leidet. Der fr\u00fchere Verteidigungsminister Joaw Gallant warnte zwar im Juli, dass Israel dringend 10.000 weitere Soldaten ben\u00f6tige. Doch er wurde im November entlassen, bevor er auch die Ultraorthodoxen zum Dienst zwingen konnte. Die ultraorthodoxe Bev\u00f6lkerung in Israel hat nach wie vor nicht die Absicht, in der Armee zu dienen. Und nachdem das israelische Verteidigungsministerium Offiziere und Soldaten eindringlich davor gewarnt hatte, in Staaten zu reisen, die Mitglied des Internationalen Strafgerichtshofs sind, weigern sich Tausende von Soldaten und Offizieren aus Angst vor Strafverfolgung dem Milit\u00e4rdienst im Gazastreifen. Es gibt sogar F\u00e4lle bei denen Soldaten und Offiziere mit Hilfe israelischer Botschaften aus verschiedenen L\u00e4ndern herausgeschmuggelt worden sind, um einer Verhaftung zu entgehen. Ein anonymer israelischer Reservist \u00e4u\u00dferte sich im Dezember gegen\u00fcber&nbsp;<em>Haaretz<\/em>&nbsp;ausf\u00fchrlich \u00fcber die gebrochene Moral der Soldaten. Die Einheiten d\u00fcnnten aus, da Soldaten desertierten, das Land verlie\u00dfen oder nach Hunderten von Tagen aktiven Dienstes emotional und k\u00f6rperlich zusammenbr\u00e4chen.<\/p>\n<p>Dem israelischen Sozialwissenschaftler Yagil Levy zufolge flammt der Widerstand im Gazastreifen jedes Mal wieder auf, sobald das Milit\u00e4r aus einem Gebiet abzieht. Israel habe keine Strategie und keinen Plan, wie und wann es sich aus all den eroberten Gebieten zur\u00fcckziehen solle. Dennoch stelle die \u00d6ffentlichkeit keine Fragen. Wenn Soldaten im Kampf get\u00f6tet w\u00fcrden, berichteten die Zeitungen \u00fcber ihren Tod als einen \u00bbUnfall\u00ab, um das falsche Narrativ zu st\u00fctzen, dass Israels Feinde besiegt seien.<\/p>\n<div class=\"row Anzeige Ad-300\">\n<div class=\"portfolio-item col text-center\">Der israelische Journalist Yaniv Kobowitz besuchte j\u00fcngst eines der Bataillone, die mit der Zerst\u00f6rung der milit\u00e4rischen Infrastruktur Syriens beauftragt sind. Die Soldaten h\u00e4tten ihm berichtet, dass sie zumeist nur geleerte Waffenlager finden und dass das syrische Milit\u00e4r viel geschw\u00e4chter sei als angenommen. Israel behauptet dennoch stolz, syrische Panzer, die Artillerie, die Luftwaffe und die Marine zerst\u00f6rt zu haben. Au\u00dfer einer Handvoll Bilder und kurzer Videos, die immer wieder in Umlauf gebracht werden, wird kein weiteres Material zur Untermauerung dieser Behauptungen vorgelegt.<\/div>\n<\/div>\n<p>Diese nationalistische Propaganda ist unhaltbar. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter, wahrscheinlich nach Donald Trumps Amtsantritt im Januar, wird die Wahrheit ans Licht kommen, dass Israels strategische Errungenschaften im Krieg gr\u00f6\u00dftenteils Schall und Rauch sind. F\u00fcr Netanjahu sind es brenzlige Zeiten, da er weiterhin mit Korruptionsvorw\u00fcrfen konfrontiert ist und von einem Gericht gezwungen worden ist, auszusagen. Doch er sagte nur einen Tag lang aus und bezichtigte seine Gegner, sie seien verr\u00e4terische Linke, w\u00e4hrend er sich selbst als unerm\u00fcdlichen F\u00fchrer seines Volkes pr\u00e4sentierte.<\/p>\n<p>Am zweiten Prozesstag, dem 17. Dezember, lie\u00df sich Netanjahu entschuldigen. Medien berichteten von einer Regierungsmaschine auf dem Weg nach Zypern, woraufhin sich Ger\u00fcchte \u00fcber ein bevorstehendes Waffenstillstandsabkommen mit der Hamas verbreiteten. Einige Stunden sp\u00e4ter stellte sich allerdings heraus, dass Netanjahu sich auf den Berg Hermon in Syrien begeben hatte, um zu verk\u00fcnden, dass Israel beabsichtige, im besetzten Gebiet zu bleiben \u2013 eine reine Inszenierung also, um sich einen Tag Zeugenaussagen in seinem Prozess zu ersparen.<\/p>\n<p>Am selben Tag verabschiedete die israelische Regierung auch einen Haushaltsentwurf f\u00fcr 2025. Darin wird vorgeschlagen, das weltweite Waffenembargo, das die gr\u00f6\u00dften Lieferanten die USA und Deutschland allerdings unterlaufen, zu umgehen. Und zwar dadurch, dass die Regierung Dutzende von Milliarden in ihre R\u00fcstungsindustrie investiert, um alle Waffen und Munition, die die israelische Armee ben\u00f6tigt, im eigenen Land herzustellen. Es ist die gleiche Reaktion, die Israel 1967 auf das franz\u00f6sische Milit\u00e4rembargo gegeben hatte \u2013 getragen von einer Hybris des \u00bbtotalen Sieges\u00ab. Die Israelis haben dabei offenbar vergessen, dass sich die im Lande produzierten Waffen im Krieg von 1973 als unbrauchbar gegen die \u00fcberlegenen sowjetischen Waffen erwiesen. Damals wurde Israel von den USA gerettet, die es mitten im Krieg mit besseren Waffen versorgten.<\/p>\n<p>Die messianische Ultrarechte in Israel ist davon \u00fcberzeugt, dass Trump ein Bote Gottes sei, gekommen, um Israel zu retten und dabei zu helfen, den Gazastreifen, den Libanon und Syrien zu besiedeln. In einer Situation, in der die israelische Mittelschicht das Land verl\u00e4sst und oppositionelle Kr\u00e4fte ruhig bleiben, scheint es ihr, als ob Netanjahu nur noch bis zu Trumps Amtseinf\u00fchrung durchhalten m\u00fcsse, bevor er die Aufl\u00f6sung des israelischen Obersten Gerichtshofs anordnen und seinen Prozess beenden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Der Gerichtsbeschluss des Internationalen Gerichtshofs vom Januar, der nach der Klage von S\u00fcdafrika einen begr\u00fcndeten Verdacht des V\u00f6lkermords sieht, wurde von israelischen Zeitungen weitgehend verschwiegen. Doch nachdem sowohl Amnesty International als auch Human Rights Watch Israel des V\u00f6lkermords beschuldigt hatten, beginnt das Thema sehr langsam vom israelischen Diskurs aufgenommen zu werden. Denn wie das ber\u00fchmte Lincoln-Zitat besagt: Man kann die gesamte Bev\u00f6lkerung nicht die ganze Zeit t\u00e4uschen.<\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag): <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/490618.israel-warten-auf-trump.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Junge Welt v. 27.12.2024<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung: &#8222;Israel kann zur Zeit kaum gehen vor Kraft&#8220; &#8211; das meinte Michael L\u00fcders bei seinem Vortrag im B\u00fcrgerzentrum Vahr am 27. Oktober (Bericht hier). Shir Hever ist da anderer&nbsp; Meinung. Jahresr\u00fcckblick 2024. Heute: Israel. 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