{"id":1410,"date":"2014-10-08T06:46:01","date_gmt":"2014-10-08T04:46:01","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=1410"},"modified":"2014-10-08T06:46:41","modified_gmt":"2014-10-08T04:46:41","slug":"die-jungen-menschen-beider-seiten-sind-kriegsmuede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=1410","title":{"rendered":"\u00bbDie jungen Menschen beider Seiten sind kriegsm\u00fcde\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>Das \u00bbKomitee f\u00fcr Grundrechte und Demokratie\u00ab setzt sich f\u00fcr inhaftierten israelischen Milit\u00e4rdienstverweigerer ein. Gespr\u00e4ch mit Helga Dieter<br \/>\nInterview: Gitta D\u00fcperthal<\/p>\n<p><strong>Das \u00bbKomitee f\u00fcr Grundrechte und Demokratie\u00ab hat 1.100 Unterschriften f\u00fcr die Freilassung des Kriegsdienstverweigerers Udi Segal aus dem Milit\u00e4rgef\u00e4ngnis in Israel gesammelt. Was ist der Hintergrund dieser Kampagne?<!--more--><\/strong><\/p>\n<div>\n<p>Das Recht auf die Verweigerung des Milit\u00e4rdienstes ist f\u00fcr unsere Friedenspolitik fundamental. Udi Segal ist nun 19 Jahre alt und bereits zum vierten Mal inhaftiert \u2013 wegen desselben \u00bbDeliktes\u00ab. Er ist zudem als Teilnehmer der Aktion \u00bbFerien vom Krieg\u00ab 2013 hier in Deutschland gewesen, die ich damals koordiniert habe: In j\u00e4hrlich veranstalteten Dialogseminaren kommen junge Israelis und Pal\u00e4stinenser zusammen, die sich zu Hause nicht treffen d\u00fcrfen. In dieser Zeit entwickeln sie intensive Kontakte zu den sogenannten Feinden. Die Teilnahme erfordert Mut, in angespannter Lage k\u00f6nnte ihm dies als Kollaboration ausgelegt werden.<\/p>\n<p>In den vergangenen zw\u00f6lf Jahren haben 1.060 junge Menschen aus Israel gemeinsam mit ebenso vielen gleichaltrigen Pal\u00e4stinensern aus den besetzten Gebieten bewiesen: Sie k\u00f6nnen ohne jede Gewalt zusammen unter einem Dach leben. Auch w\u00e4hrend im Juli und August israelische Raketen in Gaza Zerst\u00f6rung und Tod brachten und Kassem-Raketen unter den Bewohnern Israels Angst und Schrecken verbreiteten: Weltweit wurde der Ruf nach zivilen Vermittlern laut. Zu dieser Zeit f\u00fchrten im Seminar 54 Leute \u00bbFriedensverhandlungen von unten\u00ab. L\u00f6sungswege wurden f\u00fcr die schwierigsten Probleme aufgezeigt, auch zur Siedlungs- und Fl\u00fcchtlingsfrage. Die jungen Menschen beider Seiten sind kriegsm\u00fcde, demzufolge zu schmerzhaften Kompromissen bereit.<\/p>\n<p><strong>Wie geht Israel mit jungen Menschen um, die Kriegsdienst verweigern?<\/strong><\/p>\n<p>Wer einberufen wird und sich weigert; muss meist kurzzeitig, etwa f\u00fcr ein oder zwei Wochen, ins Milit\u00e4rgef\u00e4ngnis. Anschlie\u00dfend bekommen sie erneut eine Einberufung. Weigern sie sich wieder, eine Uniform \u00fcberzuziehen, werden sie erneut verurteilt und inhaftiert. Ich kenne einen jungen Mann, dem das zehn Mal passiert ist. Sie haben danach kaum Chancen, im \u00f6ffentlichen Dienst zu arbeiten, k\u00f6nnen nicht Lehrer oder Erzieher werden. Eine g\u00e4ngige Art zu verweigern, besteht in Israel darin, ein \u00e4rztliches Attest einzureichen, sich quasi herauszumogeln.<\/p>\n<p><strong>Sie haben die Unterschriftenlisten mit der Forderung, Udi Segal aus dem Gef\u00e4ngnis zu entlassen, an den israelischen Botschafter in Berlin geschickt. Was erhoffen Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es problematisch, sich an den Botschafter zu wenden; und damit an den Vertreter einer Regierung, die absichtsvoll und r\u00fccksichtslos ihre Sicherheits-, Wirtschafts- und Machtinteressen kriegerisch durchsetzt \u2013 auch gegen internationales Recht. Aber die israelische Organisation \u00bbNew Profile\u00ab, die sich seit 1997 f\u00fcr Demilitarisierung der israelischen Gesellschaft einsetzt, hatte aufgerufen, bei der Botschaft zu protestieren. Wir haben uns der Kampagne angeschlossen, gleichwohl wir moralische Appelle an Machthabende f\u00fcr eher wirkungslos halten.<\/p>\n<p><strong>Warum haben Sie sich dennoch angeschlossen?<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Appell haben wir \u00fcber die Bedeutung des Milit\u00e4rdienstes im Alltagsleben und die fehlende M\u00f6glichkeit der Verweigerung in der israelischen Gesellschaft informiert. Mitten im Gazakrieg l\u00f6ste das Debatten aus. Einigen Unterzeichnern waren Udis Argumente zu einseitig und radikal. Sie meinten, vor dem Hintergrund der Rolle der deutschen Wehrmacht bei der Ermordung der Juden gelte es, als Deutscher zum Militarismus in Israel zu schweigen. Die Bef\u00fcrchtung, als Israel-Kritiker des Antisemitismus verd\u00e4chtigt zu werden, spielt dabei eine Rolle. Andere, die den Kampf der Pal\u00e4stinenser gegen die Besatzung unterst\u00fctzen, geht der Appell f\u00fcr einen Verweigerer nicht weit genug. Gleichwohl haben in der Nah-Ost-Debatte bekannte Wissenschaftler mit entsprechenden kontr\u00e4ren politischen Positionen den Appell unterschrieben. Sie unterst\u00fctzen jenseits aller Kontroversen das Recht, den Kriegsdienst zu verweigern; auch in Israel, mitten im Krieg.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.connection-ev.de\/israel-refuser-form\">www.connection-ev.de\/israel-refuser-form<\/a><\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigung): <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/inland\/%C2%BBdie-jungen-menschen-beider-seiten-sind-kriegsm%C3%BCde%C2%AB\" target=\"_blank\">junge Welt v. 06.10.14<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u00bbKomitee f\u00fcr Grundrechte und Demokratie\u00ab setzt sich f\u00fcr inhaftierten israelischen Milit\u00e4rdienstverweigerer ein. 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