{"id":14412,"date":"2025-04-23T05:54:12","date_gmt":"2025-04-23T05:54:12","guid":{"rendered":"https:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=14412"},"modified":"2025-04-22T06:01:43","modified_gmt":"2025-04-22T06:01:43","slug":"ein-ganz-anderer-blick-auf-den-7-oktober-2023-ueber-das-neue-buch-von-jacques-baud","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=14412","title":{"rendered":"&#8222;Ein ganz anderer Blick auf den 7. Oktober 2023&#8220; &#8211; \u00fcber das neue Buch von Jacques Baud"},"content":{"rendered":"<p>Israel rechtfertigt sein genozidales Vorgehen im Gazastreifen mit dem &#8222;Massaker&#8220;, das die Hamas am 7. Oktober 2023 an israelischen Juden begangen habe. Die Recherchen des Schweizer Autors Jacques Baud haben aber ergeben, dass die israelische Darstellung der Ereignisse an diesem Tag nicht dem wirklichen Geschehen entspricht. Um einen Vorwand f\u00fcr den Vernichtungsfeldzug im Gazastreifen zu haben, hat die israelische Propaganda (Hasbara) offenbar ein Horror-Bild entworfen, das mit der Wirklichkeit des Sachverhalts nicht \u00fcbereinstimmt. Arn Strohmeyer hat eine Rezension \u00fcber Jacques Bauds sehr lesenswertes Buch geschrieben, in dem er seine Version der Ereignisse schildert.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Der Schweizer Autor Jacques Baud stellt in seinem Buch Die Niederlage des Siegers die israelische Darstellung des Hamas-\u00dcberfalls in Frage\/ Landete Israel einen gro\u00dfen Propaganda-Coup?<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Darstellung Israels und der westlichen Mainstream-Medien, die auch die Politik \u00fcbernommen hat, sind die \u201eHamas-Terroristen\u201c am 7. Oktober 2023 wie die Hunnen oder Vandalen in Israel eingefallen. Nach \u00dcberwindung bzw. Zerst\u00f6rung des Grenzzauns, der die Pal\u00e4stinenser seit 2007 von der Au\u00dfenwelt abriegelte (man kann auch sagen: gefangen hielt), haben sie wie \u201ewilde Tiere\u201c (so der fr\u00fchere israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant) ein Massaker an Israelis angerichtet, dem etwa 1200 Menschen zum Opfer fielen.<\/p>\n<p>Juden nannten den \u00dcberfall der Hamas ein \u201ePogrom\u201c, es wurden sogar Assoziationen mit dem Holocaust hergestellt. \u00dcber 200 Israelis \u2013 Zivilisten und Soldaten \u2013 wurden gefangen genommen und als Geiseln in den Gazastreifen gebracht. Tage sp\u00e4ter r\u00fcckte die israelische Armee dort ein und begann mit Unterst\u00fctzung von Bombardements der Luftwaffe einen Krieg gegen die Hamas, der nach israelischer und westlicher Darstellung ein \u201eSelbstverteidigungskrieg\u201c ist.<\/p>\n<p>Der Schweizer Autor Jacques Baud stellt diese Darstellung in Frage und setzt ihr eine andere Version entgegen, die sich auf Aussagen der Hamas selbst, israelischer Augenzeugen und Journalisten sowie entlassener Geiseln st\u00fctzt. Daraus ergibt sich ein ganz anderes Bild der Ereignisse am 7. Oktober. Zun\u00e4chst merkt er an, dass die Hamas-Aktion handfeste Gr\u00fcnde gehabt hat. Neben der seit Jahrzehnten anhaltenden Unterdr\u00fcckung der Pal\u00e4stinenser mit einer brutalen Vertreibungs- und Besatzungspolitik nennt er folgende Ursachen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die st\u00e4ndige Ausweitung der Siedlungen im Westjordanland, wobei diese Siedlungspolitik ein flagranter Bruch des V\u00f6lkerrechts ist. Dazu kommt die zunehmende brutale Gewalt der Siedler gegen die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung dort.<\/li>\n<li>Die totale Blockade des Gazastreifens durch Israel, die dazu gef\u00fchrt hat, dass sich die humanit\u00e4re Krise dort sehr versch\u00e4rft hat. Zudem waren Finanzmittel ausgeblieben, sodass kaum noch Versorgungsg\u00fcter beschafft werden konnten.<\/li>\n<li>Parallel zur Versch\u00e4rfung der Besatzungspolitik hat sich die Lage der pal\u00e4stinensischen Gefangenen in israelischen Gef\u00e4ngnissen sehr verschlechtert.<\/li>\n<li>a Israel Verhandlungen \u00fcber die Gefangenen ablehnt, sah die Hamas in der Gefangenahme von Israelis \u2013 besonders von Soldaten \u2013 die einzige M\u00f6glichkeit, die eigenen Gefangenen durch einen Tauschhandel freizubekommen.<\/li>\n<li>Nationalreligi\u00f6se Juden haben durch Provokationen auf dem Haram al-Sharif in Jerusalem permanent das zweitgr\u00f6\u00dfte Heiligtum des Islam \u2013 die Al-Aqsa-Moschee und den Felsendom \u2013 entweiht. Hintergrund dieser Provokationen, die auch von der israelischen Regierung unterst\u00fctzt werden, ist der Plan der Orthodoxen, die Moschee abzurei\u00dfen und dort den dritten j\u00fcdischen Tempel zu errichten.<\/li>\n<li>Die von den USA betriebene \u201eNormalisierung\u201c des Verh\u00e4ltnisses zwischen Israel und verschiedenen arabischen Staaten, bei der die pal\u00e4stinensische Problematik \u00fcberhaupt keine Rolle spielt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aus diesen Gr\u00fcnden habe im Gazastreifen eine explosive Stimmung geherrscht. Baud schreibt: \u201eDie Operation Al-Aqsa-Flut [so nennt die Hamas ihre Aktion am 7. Oktober 2023] erinnert ein wenig an einen explodierenden Dampfkochtopf. Es ist vermutlich die Anh\u00e4ufung von Problemen, von nicht eingehaltenen Versprechen und von t\u00e4glich ver\u00fcbten \u00dcbergriffen (mit Billigung der westlichen L\u00e4nder und den Empfehlungen der Vereinten Nationen zum Trotz), die zu dieser Gewaltexplosion gef\u00fchrt haben.\u201c<\/p>\n<p>Die Hamas und die anderen beteiligten Organisationen (etwa der Islamische Dschihad) sind also nicht grundlos in Israel eingedrungen. Zudem verfolgten sie mit ihrer Aktion klare strategische Ziele: die Beendigung der Blockade des Gazastreifens und die Wiederherstellung normaler Lebensbedingungen der dortigen Bev\u00f6lkerung. Als Fernziele strebten sie weiterhin die Bildung eines pal\u00e4stinensischen Staates und die R\u00fcckkehr der von Israel vertriebenen Landsleute auf das von ihnen geraubte Land an. Die Aktion sollte vor allem aber auch auf das weltweit so gut wie vergessene Schicksal der Pal\u00e4stinenser aufmerksam machen und neue Verhandlungen f\u00fcr eine L\u00f6sung des Konflikts mit Israel ansto\u00dfen.<\/p>\n<p>Die operativen Ziele der Aktion waren: Erstens das an der Grenze zum Gazastreifen stationierte israelische Milit\u00e4r (vor allem die Division Gaza sowie die Kontrollpunkte und das Aufkl\u00e4rungszentrum) auszuschalten. Zweitens \u2013 wie bereits angef\u00fchrt \u2013 Gefangene zu machen, um sie gegen pal\u00e4stinensische H\u00e4ftlinge in Israel auszutauschen. Baud betont ausdr\u00fccklich, dass die pal\u00e4stinensischen K\u00e4mpfer nicht das Ziel verfolgten, ein \u201ePogrom\u201c an Juden zu ver\u00fcben. Das Ziel bestand nicht im T\u00f6ten von Zivilisten, sondern ein Tauschpfand f\u00fcr den Gefangenenaustausch zu bekommen.<\/p>\n<p>Die Aktion nahm dann aber einen ganz anderen Verlauf, als die Hamas sie geplant hatte. Westliche Medien \u00fcbernahmen dann kritiklos die israelische Darstellung des Geschehens. Danach handelte es sich ja um eine wilde Mordaktion. Baud beschreibt die Aktion aber als ein bis in die letzten Details durchdachtes und geplantes milit\u00e4risches Vorhaben. Es lief aber nicht durch das Vorgehen der pal\u00e4stinensischen K\u00e4mpfer aus dem Ruder, sondern durch die v\u00f6llig kopflose und unkoordinierte Reaktion des israelischen Milit\u00e4rs.<\/p>\n<p>Israels Armee hatte wegen des pal\u00e4stinensischen Widerstandes gegen die Gewalt der Siedler im Westjordanland Truppen von der Grenze zum Gazastreifen weitgehend abgezogen und sie dorthin verlegt. Sie konnte deshalb erst versp\u00e4tet auf dem Kampfplatz erscheinen. Die Kampfeinheiten \u2013 vor allem Panzer und Apache-Kampfhubschrauber \u2013 hatten bei ihrer Ankunft keine genaue Vorstellung von der Lage am Ort. Sie befanden sich ganz offensichtlich im Panikzustand. Wegen Nachrichtenunterbrechungen (die Hamas-K\u00e4mpfer hatten die Verbindungen zerst\u00f6rt), war keine exakte Befehlsgebung m\u00f6glich, sie erfolgte \u00fcber zivile Handys.<\/p>\n<p>Wegen der Un\u00fcbersichtlichkeit der Lage schossen die Kampfhubschrauber auf alles, was sich bewegte \u2013 unterschiedslos auf Pal\u00e4stinenser und israelische Soldaten. Die Israelis wandten dabei ihre Hannibal-Doktrin an, das hei\u00dft, es wird auch auf die eigenen Leute geschossen, wenn die Gefahr besteht, dass sie in die H\u00e4nde des Feindes fallen. So wurde also befohlen, auf alle Fahrzeuge zu schie\u00dfen, auch wenn man annahm, dass sich israelische Geiseln darin befanden. Die Hubschrauber schossen auch auf H\u00e4user, in denen sich pal\u00e4stinensische K\u00e4mpfer mit gefangengenommenen Geiseln verschanzt hatten.<\/p>\n<p>Was sich auf dem Kampfplatz abspielte, kann man durch das unkoordinierte Eingreifen der israelischen Armee offenbar nur als totales Chaos bezeichnen. Baud beschreibt die Situation so: \u201eEs ist also m\u00f6glich, dass die Hamas-K\u00e4mpfer an jenem Tag Kriegsverbrechen ver\u00fcbt haben. Aber alles deutet darauf hin, dass die Panik der jungen israelischen Soldaten, die nicht wirklich von ihren Vorgesetzten gef\u00fchrt wurden, wahrscheinlich der wahre Grund f\u00fcr das Massaker des 7. Oktober sind. Alles spricht somit daf\u00fcr, dass die Hamas eine geplante und vorbereitete Milit\u00e4raktion durchf\u00fchrte, die gegen Ziele des Besatzungsarmee gerichtet war.\u201c<\/p>\n<p>Die Vorw\u00fcrfe, dass die Hamas ein \u201ePogrom\u201c geplant und vors\u00e4tzlich Kriegsverbrechen begangen hat, weist Baud zur\u00fcck. F\u00fcr diese Verbrechen (Folter, Vergewaltigungen, Ermordung von Babies usw.) konnten keine glaubw\u00fcrdigen Zeugen aufgeboten werden. Auch ein offizielles 45min\u00fctiges Video, das Israel \u00fcber den 7. Oktober produziert und an alle israelischen Vertretungen im Ausland geschickt hat, konnte die Vorw\u00fcrfe nicht belegen. Zudem k\u00f6nnen die Zerst\u00f6rungen, die der Hamas vorgeworfen werden, gar nicht von ihr stammen, weil sie mit sehr schweren Waffen ausgef\u00fchrt wurden, die die Hamas gar nicht besitzt.<\/p>\n<p>Auch die Darstellung, dass die Hamas allein f\u00fcr die Toten des Musikfestivals bei dem Kibuzz verantwortlich ist, weist der Autor zur\u00fcck. Das Ziel der pal\u00e4stinensischen K\u00e4mpfer sei nicht das Musik-Festival gewesen, sondern der direkt daneben liegende Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt Reim. Auch hier schossen die israelischen Apache-Hubschrauber ziellos in die Menge und t\u00f6teten viele junge Leute. Die Leichen, die man dort fand, waren bis zur Unkenntlichkeit verkohlt, sodass sie schwer identifiziert werden konnten. Es waren ganz offenbar aber auch viele Hamas-K\u00e4mpfer darunter.<\/p>\n<p>Baud geht ausf\u00fchrlich auch auf den israelischen Rachefeldzug im Gazastreifen ein, der zur v\u00f6lligen Zerst\u00f6rung des Gebietes und zu einem Genozid an der Bev\u00f6lkerung dort f\u00fchrte. Die Fakten sind weitgehen bekannt, deshalb soll hier nicht auf sie eingegangen werden. Interessant und aufschlussreich ist aber die Bilanz, die der Autor \u00fcber die Geschehnisse am 7. Oktober zieht.<\/p>\n<p>Er schreibt: \u201eUnsere Wahrnehmung des Konflikts baut auf der Vorstellung auf, die Hamas habe am 7. Oktober die schlimmsten Gr\u00e4ueltaten ver\u00fcbt. Wir wissen, dass das israelische Narrativ ein Vorgehen st\u00fctzen soll, das eindeutig gegen die pal\u00e4stinensische Zivilbev\u00f6lkerung gerichtet ist. Aber im Laufe der Wochen und anhand von Zeugenberichten erfahren wir ebenfalls, dass die meisten Toten des 7. Oktober nicht von \u201aPogromen\u2018 herr\u00fchren, wie unsere Propagandisten behaupten, sondern von Schusswechseln zwischen den israelischen Soldaten und den Hamas-K\u00e4mpfern. Und wir wissen, dass die Feuerkraft der israelischen Waffen in Kombination mit einer mangelhaften Kampff\u00fchrung die Ursache f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der beobachteten Zerst\u00f6rungen ist.\u201c<\/p>\n<p>Die Darstellung des Autors, die er aus verschiedenen seri\u00f6sen Quellen zusammengesetzt hat, scheint glaubw\u00fcrdig zu sein, weil sie auch in sich schl\u00fcssig ist. Baud fordert eine aus internationalen Experten zusammengesetzte Untersuchungskommission, die letzte Gewissheit \u00fcber die Ereignisse dieses Tages verschaffen soll, soweit das \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist. Israel wehrt sich aber gegen eine solche Untersuchung mit allen Mitteln, was allein schon \u00e4u\u00dferst verd\u00e4chtig ist. Die im Westen verbreitete und akzeptierte Version des Geschehens ist die offizielle israelische Darstellung, und man wei\u00df, zu welchen Verf\u00e4lschungen und Verzerrungen der Realit\u00e4t die israelische Propaganda (Hasbara) f\u00e4hig ist. Im Krieg ist ohnehin die Wahrheit immer der erste Verlierer. Was in diesem Fall hei\u00dft: Israel hat den \u00dcberfall der Hamas als grauenhaftes Massaker \u201emenschlicher Tiere\u201c beschrieben, um eine Rechtfertigung f\u00fcr seinen Rachefeldzug und Genozid im Gazastreifen zu haben.<\/p>\n<p>Die Hauptschuld nicht nur an dem Geschehen am 7. Oktober gibt der Autor neben Israels brutaler Politik gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern auch dem Westen insgesamt \u2013 und damit in erster Linie den USA und Deutschland. Denn diese Staaten lassen Israel, das sich im Nahen Osten wie ein Berserker auff\u00fchrt, gew\u00e4hren. Sie zwingen den zionistischen Staat nicht, sich an das V\u00f6lkerrecht, die Menschenrechte und die Israel betreffenden UNO-Resolutionen zu halten. Diese Missachtung des internationalen Rechts ist f\u00fcr Baud die eigentliche Ursache des Konflikts, und sie n\u00e4hrt den auch gewaltsamen Widerstand der Pal\u00e4stinenser, der, wenn er sich nicht gegen Zivilisten richtet, v\u00f6lkerrechtlich v\u00f6llig legal ist.<\/p>\n<p>Baud formuliert das so: Die permanenten V\u00f6lkerrechtsverletzungen Israels haben letzten Endes einen rechtlosen Raum geschaffen. Wieso sollte also ein nicht-staatliches Gebilde [wie der Gazastreifen und das Westjordanland] ein Recht achten, das die Besatzungsmacht selbst st\u00e4ndig missachtet? In der Tatsache, dass Israel v\u00f6llig ungestraft, also in v\u00f6lliger Freiheit seine das V\u00f6lkerrecht verachtende Politik betreiben kann, weil der Westen keinen Druck aus\u00fcbt und auch keine Strafen oder Sanktionen androht, sieht Baud neben Israels Untaten den Hauptgrund f\u00fcr das Ansteigen des Antisemitismus in der Welt. Wer kann ihm da widersprechen?<\/p>\n<p>Diese Aussage macht zugleich deutlich, wie vergeblich der Kampf gegen Antisemitismus im Westen ist, solange dieser Israel gew\u00e4hren l\u00e4sst. Baud beschreibt die Wandlung des Antisemitismus-Begriffs in dem treffenden Satz: \u201eFr\u00fcher bezeichnete der Begriff \u201aAntisemitismus\u2018 einen krankhaften Hass auf Juden, heute wird dieser Begriff verwendet, wenn man gegen die Bombardierung von Frauen und Kindern aufbegehrt.\u201c<\/p>\n<p>Der Autor sieht, egal wie der Krieg in Gaza ausgeht, die Pal\u00e4stinenser als Sieger, wie es auch der Titel seines Buches ausdr\u00fcckt, und Israel als Verlierer. Denn die Israelis bewerten ihren milit\u00e4rischen \u201eSieg\u201c nach dem Ausma\u00df der Zerst\u00f6rungen und der Zahl der Toten \u2013 eben im Erfolg, den Feind zu vernichten. Die Pal\u00e4stinenser verstehen unter Sieg aber vor allem einen Sieg \u00fcber sich selbst. Deswegen kann eine Niederlage auch ein Sieg sein, denn allein der Widerstandswille \u2013 und sei der Gegner auch noch so \u00fcberlegen \u2013 ist bereits ein Sieg. Nur so l\u00e4sst sich die Langlebigkeit und Beharrlichkeit des pal\u00e4stinensischen Widerstandes erkl\u00e4ren. Ein Faktum, das die Israelis offensichtlich unf\u00e4hig sind zu begreifen. Anders gesagt: Was Israel milit\u00e4risch gewinnt, das verliert es politisch. Israels Taktik ist also zum Scheitern verurteilt.<\/p>\n<p>Der Autor kann keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft f\u00fcr den Nahen Osten machen. Er sieht die einzige Chance f\u00fcr einen Frieden in der Region darin, dass Israel sich an die von allen anerkannten Regeln h\u00e4lt, also V\u00f6lkerrecht und Menschenrechte akzeptiert. Erst dann sei Israels Sicherheit garantiert. Sein Vorgehen, allein auf Gewalt zu setzen, m\u00fcsse scheitern: Heute sei der pal\u00e4stinensische David dabei, den israelischen Goliath zu besiegen.<\/p>\n<p>In Deutschland \u00fcbernehmen Politik und Mainstream-Medien zumeist kritiklos das israelische Narrativ von den Ereignissen dort. Bauds exzellentes Buch r\u00e4umt mit dem im Westen \u00fcblichen von Vorurteilen, Projektionen und Ideologie gepr\u00e4gten Blick auf Israel und seinen Konflikt mit den Pal\u00e4stinensern gr\u00fcndlich auf und ersetzt ihn durch eine \u00e4u\u00dferst realistische Sichtweise auf den zionistischen Staat. Auf den 7. Oktober angewandt hei\u00dft das: Wenn Bauds Darstellung der Ereignisse stimmt (und das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, eine international durchgef\u00fchrte Untersuchung ist unbedingt erforderlich und m\u00fcsste den letzten Beleg erbringen), dann hat Israel mit seiner Version dem Westen und der ganzen Welt einen monstr\u00f6sen Propaganda-Coup aufgetischt, der ganz seinen Interessen entspricht, in der internationalen Politik aber gro\u00dfen Schaden angerichtet hat. Das ist unverantwortlich, weil die Pal\u00e4stinenser f\u00fcr ein sehr legitimes Anliegen k\u00e4mpfen. Sie haben ein Recht, mit ihrer Sicht der Dinge auch geh\u00f6rt zu werden. Daf\u00fcr ist Bauds Buch ein hervorragendes Beispiel.<\/p>\n<p>Jacques Baud: Die Niederlage des Siegers. Der Hamas-Angriff \u2013 Hintergr\u00fcnde und Folgen, Westend Verlag Frankfurt\/ Main, ISBN 978-3-86489-468-8, 32 Euro<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Israel rechtfertigt sein genozidales Vorgehen im Gazastreifen mit dem &#8222;Massaker&#8220;, das die Hamas am 7. Oktober 2023 an israelischen Juden begangen habe. 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