{"id":14453,"date":"2025-04-29T13:36:29","date_gmt":"2025-04-29T13:36:29","guid":{"rendered":"https:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=14453"},"modified":"2025-04-29T13:54:48","modified_gmt":"2025-04-29T13:54:48","slug":"ein-brief-von-abed-schokry","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=14453","title":{"rendered":"Ein Brief von Abed Schokry"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-14459\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/25-04-29-abed-schokry_ji-300x276.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"276\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/25-04-29-abed-schokry_ji-300x276.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/25-04-29-abed-schokry_ji-768x706.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/25-04-29-abed-schokry_ji-326x300.jpg 326w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/25-04-29-abed-schokry_ji.jpg 1017w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><em>Heute erreichte uns sein ersch\u00fctternder Brief \u00fcber die immer hoffnungsloser werdende Lage in Gaza. Abed Schokry hat f\u00fcnf Kinder und lebte in Gaza w\u00e4hrend des Krieges, bis ihm nach vielen M\u00fchen die Ausreise zuerst nach \u00c4gypten und dann nach Deutschland gelang.<\/em><\/p>\n<hr>\n<p>Bonn am 28 April 2025<br \/>\nSehr geehrte Damen und Herren, Liebe Freundinnen und Liebe Freunde,<\/p>\n<p>Oft werde ich gefragt, wie es mir geht. <!--more-->Es geht mir gut, wenn ich daran denke, dass<br \/>\nich hier materiell \u201ealles\u201c habe, was ich zum Leben ben\u00f6tige. Es geht mir aber seelisch gar nicht gut, denn meine Familie, die Familie meiner Frau, unsere Verwandten, Nachbarn, alle sind noch in Gaza und ihnen geht es gar nicht gut. Ich bin oft sprachlos, wortlos, verzweifelt, hoffnungslos und deprimiert.<\/p>\n<ul>\n<li>Die aktuelle Lage<\/li>\n<li>Die israelische Zeitung Haaretz<\/li>\n<li>In Gaza<\/li>\n<li>Die UNRWA<\/li>\n<li>Die Presse<\/li>\n<li>Die aktuelle Lage<\/li>\n<\/ul>\n<p>Viele Menschen au\u00dferhalb des Gazastreifens k\u00f6nnen immer noch nicht glauben, was in Gaza passiert, oder denken, es beschr\u00e4nke sich auf eine bestimmte Region Die Wahrheit? Der Krieg hat Gaza von Norden bis S\u00fcden zerst\u00f6rt und der Gazastreifen ist heute nicht mehr, was er fr\u00fcher war. In Gaza gibt es kein \u201eLeben\u201c mehr, nur noch Elend, Tod und \u201e\u00dcberlebensversuche\u201c. H\u00e4user sind zu Tr\u00fcmmern geworden. Stra\u00dfen sind zu Gr\u00e4bern geworden. Strom, Wasser, Erdgas, Brennstoffe, Internet usw. sind zu Erinnerungen und verlorenen Luxusg\u00fctern geworden. Krankenh\u00e4user lahm gelegt und zerst\u00f6rt. Schulen, sie sind zu Notunterk\u00fcnften geworden oder wurden zerst\u00f6rt. Strom?&nbsp; Gibt es fast nicht mehr.<\/p>\n<p><em>(\u00dcbrigens: Abed Schokry sprach in Bremen am 25. Februar 2025 auf Einladung der Pal\u00e4stinensischen Gemeinde und der Deutsch-Pal\u00e4stinensischen Gesellschaft im Kultursaal der Arbeitnehmerkammer. <\/em><a href=\"https:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=14169\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Ein Videobericht hier.)<\/em><\/a><\/p>\n<p>\uf0b7<strong> Die israelische Zeitung Haaretz<\/strong><br \/>\nDie israelische Zeitung Haaretz schrieb vor einigen Tagen ihrem Leitartikel mit dem<br \/>\nTitel &#8222;Genug des Aushungerns&#8220;: \u201eUnter der Schirmherrschaft der Regierung in Israel und der Trump-Administration hat sich die Politik des Aushungerns von \u00fcber zwei Millionen Menschen vollst\u00e4ndig normalisiert. W\u00e4hrend Israel im ersten Kriegsjahr noch gelegentlich beteuerte, der Krieg richte sich nicht gegen Zivilisten im Gazastreifen und man bem\u00fche sich, deren Grundbed\u00fcrfnisse zu decken, ist das Aushungern in den letzten Monaten zu einer offen erkl\u00e4rten Politik und sogar einem Grund f\u00fcr Prahlerei geworden. Das Leid und der Tod, die durch die Aushungerungspolitik im Gazastreifen verursacht werden, tragen keines der Kriegsziele voran. Der Tod von Kindern durch Unterern\u00e4hrung und Krankheiten wird weder zur Freilassung der Geiseln f\u00fchren noch die Hamas schw\u00e4chen. Israel muss umgehend die Versorgung des Gazastreifens mit Hilfsg\u00fctern wiederaufnehmen, und die Weltgemeinschaft muss Israel mit allen verf\u00fcgbaren Mitteln unter Druck setzen, dies zu erzwingen\u201c.<\/p>\n<p>Die Hamas wird verurteilt, weil die Geiseln unter schlechten Bedingungen leben m\u00fcssen und hungern. Ja, woher sollen denn f\u00fcr die israelischen Geiseln die Lebensmittel kommen??? Um den Krieg weiterzuf\u00fchren, nimmt Israel in Kauf, dass auch die israelischen Geiseln verhungern.<\/p>\n<p>Mehr als 18.000 Kinder wurden in dem Gazastreifen get\u00f6tet. 39.000 Waisenkinder \u2013 die gr\u00f6\u00dfte Waisenkrise der modernen Geschichte und darunter 17.000, die beide Eltern verloren haben. Jackie Khouri schrieb in Haaretz: \u201eDie Verwendung des Wortes \u201eKrieg\u201c&nbsp; zur Beschreibung der aktuellen Situation in Gaza ist irref\u00fchrend und verzerrend. Es gibt keinen Krieg in Gaza: Es gibt eine wilde Offensive, die Israel gegen Menschen f\u00fchrt, von denen die meisten in keinerlei Aktivit\u00e4ten gegen Israel verwickelt sind.\u201c<\/p>\n<p>Wasser? Leitungswasser\/ Trinkwasser, verschmutzt, salzig, nicht trinkbar. Die Menschen filtern es mit primitiven Methoden, kochen es (wenn es daf\u00fcr Energie gibt) ab oder trinken es verschmutzt, weil es keine Alternative gibt\u201c, Erdgas? Seit Monaten nicht geliefert. Die Menschen kochen mit Holz oder alles, was brennt. Die gesundheitliche Lage? Keine ausreichenden Medikamente, keine Krankenh\u00e4user, keine medizinischen Ger\u00e4te, nicht gen\u00fcgend medizinisches Personal. Die Menschen werden krank und&nbsp; warten still auf den Tod. Die Hoffnung, die wir als Bewohner\/innen von Gaza einst in verschiedene abstrakte Instanzen wie die internationale Gemeinschaft, das V\u00f6lkerrecht, das Internationale Gericht sowie die arabische und islamische Welt gesetzt hatten, entpuppte sich als blo\u00dfe Illusion.<\/p>\n<p>Wir haben diese Hoffnung aufgegeben. Die Weltgemeinschaft hat den Gaza-Test nicht bestanden und ist moralisch v\u00f6llig bankrott. Weder die islamische Welt noch die&nbsp; arabische hat ihre Aufgabe gegen\u00fcber der pal\u00e4stinensischen Zivilbev\u00f6lkerung erf\u00fcllt. Wir f\u00fchlen uns von ALLEN im Stich gelassen.<\/p>\n<p><strong>\uf0b7 In Gaza<\/strong><br \/>\nDie Menschen in Gaza sind eingeschlossen und das seit fast 18 Jahren und nun werden sie seit 18 Monaten von Bombardement und Angriffen aus der Luft, aus dem Meer und von Panzern gleichzeitig beschossen.<\/p>\n<p>Strom gibt es kaum, und wenn die Kinder versuchen die Handys ihrer Eltern aufzuladen, so besteht die gro\u00dfe Gefahr, dass sie angegriffen werden. So wurde ein Kind durch einen israelischen Luftangriff sehr stark verletzt. Es war das einzige Kind seiner Eltern. Ob es \u00fcberleben wird, konnten die \u00c4rzte das noch nicht sagen. Die Menschen in Gaza haben inzwischen nichts mehr zu essen und die M\u00e4rkte sind seit l\u00e4ngerer Zeit leer. Waren gibt es kaum noch. Und wenn Reste angeboten werden, sind die Preise sind astronomisch. Das Bargeld fehlt seit Beginn des verdammten Krieges&nbsp; gegen den Gazastreifen. Die finanzielle Not ist sehr verheerend, denn die Bev\u00f6lkerung hat kein Einkommen seit dem Beginn des Krieges. Ersparnisse sind l\u00e4ngst verbraucht und das Geld, was der eine oder andere irgendwie bekommt, reicht nicht aus, um sich selbst die grundlegendsten Lebensbed\u00fcrfnisse zu besorgen, wenn man sie finden&nbsp; wollte.<\/p>\n<p>Wasser wird rationiert und steht nur f\u00fcr wenige Minuten zur Verf\u00fcgung w\u00f6chentlich. Die Menschen stehen in langen Schlangen, um einen einzigen Beh\u00e4lter mit wenigen Litern Trinkwasser zu f\u00fcllen. Das Wasser reicht kaum zum Kochen und kaum zum Trinken. W\u00e4hrend der ganzen Zeit in der Schlange f\u00fcr Wasser explodiert etwas neben oder inmitten der Wartenden. Der Tod geh\u00f6rt zum Alltag und oft beneiden die Menschen in&nbsp; Gaza die, die schon get\u00f6tet worden sind, denn sie leiden nicht mehr. Die Kinder weinen&nbsp; vor Hunger und Angst. M\u00e4nner und Frauen verabschieden sich von ihren&nbsp; Liebsten unter den Tr\u00fcmmern ihrer H\u00e4user.<\/p>\n<p>Wenn das Bombardement nicht die Bev\u00f6lkerung des Gazastreifens t\u00f6tet, werden der Hunger und der Durst bzw. die Blockade das Leben kosten. Oder die Menschen sterben infolge der sehr schlechten medizinischen Versorgung. Es gibt n\u00e4mlich kaum medizinische Versorgung. \u201eWir k\u00f6nnen nur sehr eingeschr\u00e4nkte medizinische Leistungen anbieten, aufgrund des akuten Medikamentenmangels. Wenn keine&nbsp; Medikamente eingef\u00fchrt werden, werden wir viele Patientenleben verlieren.\u201cDer Leiter der medizinischen Nothilfe Organisation in Gaza-Stadt.<\/p>\n<p><strong>\uf0b7 Die UNRWA:<\/strong><br \/>\n\u201eIsrael hat die Waffenruhe beendet und eine \u00fcberraschende Welle von Luftangriffen gestartet, die Hunderte Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen get\u00f6tet haben. Und die Israelischen Beh\u00f6rden verhindern humanit\u00e4re Hilfe und kommerzielle Lieferungen am Zugang zum Gazastreifen seit dem 2. M\u00e4rz\u201c.<\/p>\n<p><strong>\uf0b7 Die Presse<\/strong><br \/>\nEs wurden 211 pal\u00e4stinensische Journalisten\/innen in Gaza get\u00f6tet. Ausl\u00e4ndische Journalisten\/innen d\u00fcrfen das Elend in Gaza nicht sehen. Israel verbietet allen ausl\u00e4ndischen Berichterstattern den Zugang. Offenbar gibt es genug zu verbergen. Es ist erstaunlich, dass die Regierungen der Welt, sich mit diesem Verbot abfinden, mit eigenen Augen zu sehen, was in Gaza geschieht. Es ist ebenso erstaunlich oder passt ins sogenannte Narrativ, dass die Berichte der pal\u00e4stinensischen Journalisten\/innen bezweifelt werden. So wird in den Nachrichten hier immer wieder betont, dass die Berichte, die Zahl der Get\u00f6teten nicht \u201eobjektiv\u201c nachpr\u00fcfbar sind, weil die Quelle von Pal\u00e4stinensern vor Ort kommt. Aber dass Israel den internationalen Medien verbietet, die Nachrichten vor Ort zu \u00fcberpr\u00fcfen, wird nicht gesagt.<\/p>\n<p>Auch die Organisation \u201eReporter ohne Grenzen\u201c protestiert nicht gegen dieses Verbot, sich ein Bild vom Leid der Menschen und von der nahezu vollkommenen Zerst\u00f6rung ihrer Lebensgrundlage zu machen. Die Anzahl der get\u00f6teten Journalisten\/innen in der&nbsp; Geschichte des 20. Und 21. Jahrhunderts:<br \/>\n&#8211; Zweiter Weltkrieg: 68<br \/>\n&#8211; Vietnam: 66<br \/>\n&#8211; Afghanistan (20 Jahre): 127<br \/>\n&#8211; Gaza: 211<br \/>\nEin dringender Appell an die Welt: Schweigt nicht zum Leid der Pal\u00e4stinenser und lasst ihre Schreie nicht ungeh\u00f6rt! Handelt endlich, damit dieser Krieg gestoppt wird. Seien Sie bitte heute die Stimme aller Pal\u00e4stinenser:innen und helfen Sie ihnen, damit das Morden aufh\u00f6rt und ein echter Frieden zustande kommt. Ich w\u00fcnschte, ich wache auf und dies ist alles nur ein Alptraum gewesen.<br \/>\nMit sehr traurigen Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nIhr<br \/>\nAbed Schokry<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute erreichte uns sein ersch\u00fctternder Brief \u00fcber die immer hoffnungsloser werdende Lage in Gaza. Abed Schokry hat f\u00fcnf Kinder und lebte in Gaza w\u00e4hrend des Krieges, bis ihm nach vielen M\u00fchen die Ausreise zuerst nach \u00c4gypten und dann nach Deutschland &hellip; <a href=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=14453\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-14453","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14453","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14453"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14453\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14464,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14453\/revisions\/14464"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14453"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14453"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14453"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}