{"id":14469,"date":"2025-05-02T06:02:54","date_gmt":"2025-05-02T06:02:54","guid":{"rendered":"https:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=14469"},"modified":"2025-05-02T06:06:10","modified_gmt":"2025-05-02T06:06:10","slug":"gaza-wird-ausgehungert-aussendungen-der-palaestinensischen-botschaft-in-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=14469","title":{"rendered":"&#8222;Gaza wird ausgehungert&#8220; &#8211; Aussendungen der Pal\u00e4stinensischen Botschaft in Wien"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hier Ausschnitte aus den Aussendungen der Wiener Botschaft &#8211; A29\/2025: Gaza wird ausgehungert.&nbsp;<\/strong><em>\u201eIch hatte, weil ich auf diese Massenanf\u00e4lle von Verletzten vorbereitet sein wollte, etwas Ketamin mitgenommen. Ich hatte zwei Spritzen Ketamin dabei, und das war alles an Sedativum, das ich hatte. Ketamin kann sowohl als Schmerz- als auch als Beruhigungsmittel eingesetzt werden. Ich musste ausw\u00e4hlen, wem ich das Sedativum geben w\u00fcrde und wem nicht. Wie man so etwas entscheidet? Ich war einfach sehr pragmatisch. Wenn ich w\u00fcsste, dass dieses Kind sterben w\u00fcrde, w\u00fcrde ich ihm kein Ketamin geben, auch wenn es furchtbare Schmerzen und Qualen litt. Der Grund daf\u00fcr war, dass ich jene Kinder, die \u00fcberleben konnten, nicht f\u00fcr den Rest ihres Lebens mit dem traumatisieren wollte, was ich ihnen antun w\u00fcrde, also w\u00fcrde ich sie sedieren und die anderen Kinder sterben lassen. Das ist eine Entscheidung, die man treffen muss, wenn man in Gaza ist. Jeden Tag.\u201d&nbsp; <\/em><!--more--><\/p>\n<p><em>\u201eIch war drau\u00dfen auf der Stra\u00dfe und habe Kindern den Brustkorb aufgeschnitten, um Thoraxdrainagen zu legen, ohne Analgesie, ohne Sedierung, ohne Schmerzmittel, ohne An\u00e4sthetikum, nur mit einem Skalpell in der Hand, um den Brustkorb der Kinder aufzuschneiden und einen Schlauch einzulegen, und wenn sie diese traumatischen Brustverletzungen haben, braucht man einen gro\u00dfen Schlauch, also ein gro\u00dfes Loch, und manchmal steckt man auch den Finger hinein. Die Kinder sind bei Bewusstsein, wenn man das tut, und es gibt keine Beruhigungs- oder Schmerzmittel, und man kann sie schreien h\u00f6ren, sie greifen nach der Hand und wollen, dass man aufh\u00f6rt. Aber man muss weitermachen. Und es ist sehr schwer, das einem Kind anzutun, aber wir mussten das bei Dutzenden von Kindern tun. Ich habe so oft geweint und mir kommen auch jetzt die Tr\u00e4nen, aber ich muss damit leben. Ich muss mit dem leben, was ich diesen Kindern angetan habe, und das ist sehr schwer f\u00fcr mich. Ich muss mit den Entscheidungen leben, die ich getroffen habe, welche Kinder ich verbluten lie\u00df und welche Kinder ich ausw\u00e4hlte, um zu versuchen, sie zu retten. Das frisst mich jeden Tag innerlich auf.\u201c<br \/>\n<\/em>Dr. Mohammed Mustafa, britisch-australischer Arzt, berichtet in einem Interview mit der australischen Journalistin Jan Fran \u00fcber seine Erlebnisse w\u00e4hrend seiner Freiwilligenmission im Al Ahli Krankenhaus in Gaza (ehe es bombardiert wurde), 24.04.2025<\/p>\n<hr>\n<ul>\n<li><strong><em>\u201eDie Mehlvorr\u00e4te der UNRWA gingen Anfang der Woche zur Neige.\u201c<br \/>\n<\/em><\/strong>Statement von UNRWA, 26.04.2025<em>&nbsp;<br \/>\n<\/em><em>\u201eDas World Food Programme hat seine Nahrungsmittelvorr\u00e4te in Gaza vollst\u00e4ndig aufgebraucht. Heute wurden die letzten verbleibenden Lebensmittelvorr\u00e4te an die Gark\u00fcchen im Gazastreifen geliefert. Es wird erwartet, dass diese K\u00fcchen in den n\u00e4chsten Tagen keine Nahrungsmittel mehr haben werden.\u201c<br \/>\n<\/em>Statement von World Food Programme, 25.04.2025<\/li>\n<li><strong><em>\u201eDas World Food Programme hat ab heute keine Nahrungsmittel mehr in Gaza.\u201c<\/em><\/strong>Statement von World Food Programme, 27.04.2025<\/li>\n<li><em>\u201eDie warmen \u201eMahlzeiten\u201c, die seit Wochen ausgegeben werden, bestehen eigentlich nur aus Reis. Manchmal gibt es ein paar Kichererbsen oder andere H\u00fclsenfr\u00fcchte aus Dosen dazu. Ich habe mir die Videoaufnahmen angesehen, in denen die Kinder unserem INARA-Team helfen, denn das tun sie immer. Und ich habe gestaunt, wie selbst die Kleinsten unter ihnen nicht einfach mit den Reistellern abhauen, sondern auch in einem so jungen Alter verstehen, dass sie teilen m\u00fcssen, dass sie \u2013 obwohl sie wissen, dass ihre Portion kaum ihren eigenen Hunger stillen wird \u2013 ein Ma\u00df an R\u00fccksichtnahme auf andere haben, das den meisten Menschen, jenen, die \u201ehaben\u201c, fehlt.&nbsp;<\/em><em><em><em><em>Gaza verhungert. Eine Mahlzeit pro Tag. F\u00fcr die meisten nur Reis. Und der geht nun zur Neige.<\/em><\/em><\/em><\/em><\/li>\n<li><em>Die Blockade muss ein Ende haben. Humanit\u00e4re Hilfe ist keine Verhandlungsmasse. Die Lastwagen stehen auf der anderen Seite der Grenze. Das ist Wahnsinn.\u201c<br \/>\n<\/em>Arwa Damon, ehemalige CNN-Korrespondentin und heute Leiterin der INARA-Hilfsorganisation, 27.04.2025<\/li>\n<li><em><em>\u201eDies ist eines der schlimmsten humanit\u00e4ren Versagen unserer Generation. Jeder einzelne Mensch in Gaza ist auf humanit\u00e4re Hilfe angewiesen, um zu \u00fcberleben. Seit die israelischen Beh\u00f6rden am 2. M\u00e4rz eine Blockade gegen alle Hilfslieferungen verh\u00e4ngt haben, ist diese Lebensader v\u00f6llig abgeschnitten. Hilfsg\u00fcter stehen bereit. Wir haben ausgebildetes medizinisches Personal. Wir haben das Fachwissen. Was wir nicht haben, ist der Zugang &#8211; oder die Garantie der israelischen Beh\u00f6rden, dass unsere Teams ihre Arbeit in Sicherheit erledigen k\u00f6nnen. Das \u00dcberleben selbst ist nun kaum noch m\u00f6glich, und das humanit\u00e4re Hilfssystem bricht zusammen.\u201c<\/em><\/em><br \/>\n<hr>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Erkl\u00e4rung von 12 Hilfsorganisationen (darunter Save the Children, Oxfam, Norwegian Refugee Council, Care International und Medical Aid for Palestinians), 17.04.2025<br \/>\n<\/strong><em>\u201eHeute \u00fcberleben die Menschen in Gaza nicht mehr. Wer nicht durch Bomben und Kugeln stirbt, stirbt langsam. Nirgendwo in Gaza ist es heute sicher. Es ist ein Krieg ohne Grenzen. Es ist nicht nur eine humanit\u00e4re Krise \u2013 es ist ein Angriff auf die W\u00fcrde der Menschen.\u201c<br \/>\n<\/em>Jonathan Whittall, Leiter des UN-OCHA-B\u00fcros in Gaza, bei einer Pressekonferenz, 27.04.2025<\/p>\n<p><em>\u201eGaza hungert nicht, Gaza wird ausgehungert. Nach Angaben des Weltern\u00e4hrungsprogramms befinden sich \u00fcber 116 Tonnen Lebensmittel direkt an der Grenze zu Gaza. Das ist genug, um eine Million Menschen vier Monate lang zu ern\u00e4hren. Aber Israel l\u00e4sst sie nicht rein. Israel l\u00e4sst die Menschen verhungern. Sie lassen Kinder verhungern. Jeder, der etwas anderes behauptet, l\u00fcgt. Und die Welt schaut einfach zu.\u201d<br \/>\n<\/em>Jesse Mechanic, amerikanischer Schriftsteller, 26.04.2025<\/p>\n<hr>\n<h1>\u00c4u\u00dferungen von israelischen Knesset-Abgeordneten<\/h1>\n<p><em>&nbsp;<\/em><em>\u201eIch werde die Menschen im Gazastreifen aushungern. Es ist unsere Pflicht, die BewohnerInnen des Gazastreifens zu vertreiben. Es gibt zehn L\u00e4nder auf der Welt, die sie haben wollen und bereit sind, sie aufzunehmen. Das ist unsere Aufgabe, jeden Tag, der hier vergeht\u2026\u201d<br \/>\n<\/em><strong>Moderator:<\/strong> \u201eKnessetabgeordneter Moshe Saada, wenn Sie im israelischen Parlament sagen: \u201eIch will die Menschen im Gazastreifen verhungern lassen\u201c, welche Folgen hat diese Aussage?\u201c<br \/>\n<em>\u201eHabe ich mich nicht klar ausgedr\u00fcckt? Es ist ganz einfach: Ich will den Gazastreifen komplett aushungern. Jeder, der Gaza verlassen will, kann in eine humanit\u00e4re Zone gehen, die wir verwalten werden. Eine Zone, die wir kontrollieren werden. Die israelische Armee wird in dieser Zone Lebensmittel verteilen\u2026\u201c<br \/>\n<\/em><strong>Moderator:<\/strong> Und wie werden Sie mit der Kritik aus aller Welt umgehen?<br \/>\n\u201e<em><em>Ganz ehrlich? Das haben wir schon einmal erlebt. Die Kritik der Welt? Vergessen Sie das, das ist nicht ernst gemeint. Wir m\u00fcssen uns um die Juden k\u00fcmmern. Es ist an der Zeit.\u201c<\/em><\/em><\/p>\n<hr>\n<h1>Der Knesset-Abgeordnete Moshe Saada (Likud) in einem Interview mit dem israelischen Fernsehsender Channel 14 News, 25.04.2025<em>&nbsp;<\/em><\/h1>\n<p><em>\u201eDie Handlungen Israels und die Unterst\u00fctzung, die das Land erh\u00e4lt, haben dem V\u00f6lkerrecht Schaden zugef\u00fcgt. L\u00e4nder wie S\u00fcdafrika, Spanien und Irland erkennen Israels Vorgehen in Gaza als V\u00f6lkermord an und unterst\u00fctzen auch die Haftbefehle des IStGH.<\/em><\/p>\n<p><em>Deutschland und \u00d6sterreich dagegen riskieren, die Geschichte zu wiederholen, die grundlegende W\u00fcrde des Menschen preiszugeben und sich an der Zerst\u00f6rung des V\u00f6lkerrechts mitschuldig zu machen. <\/em><\/p>\n<p><em>Mit dieser Realit\u00e4t m\u00fcssen wir uns auseinandersetzen, aber viele, darunter auch deutsche JournalistInnen, ignorieren das einfach.<\/em><\/p>\n<p><em>(\u2026) Das Ergebnis ist eine intellektuelle und moralische Verirrung, wie sie in Deutschland und \u00d6sterreich zu beobachten ist, wo die Menschen nicht mehr in der Lage sind zu denken oder zu f\u00fchlen. Sie sehen Pal\u00e4stinenserInnen, die kopflose Leichen von Kindern in den Armen halten, und empfinden dabei: nichts.\u201c<\/em><\/p>\n<hr>\n<h1>Pankaj Mishra, indischer Schriftsteller und Essayist, Autor von \u201eDie Welt nach Gaza\u201c, im Interview mit Elias Feroz, 24.04.2025<\/h1>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren,<br \/>\nGaza steht am Rand einer Katastrophe.<\/p>\n<p>Steigende Preise f\u00fcr \u2013 nur noch wenig vorhandenen \u2013 Grundnahrungsmittel, rasch schwindende Vorr\u00e4te an medizinischen Hilfsg\u00fctern und drastische K\u00fcrzungen bei der Verteilung der letzten, noch vorhandenen Hilfsg\u00fcter f\u00fchren im gesamten Gazastreifen zu katastrophalen Zust\u00e4nden.<\/p>\n<p>Humanit\u00e4re Organisationen wie das World Food Programme (WFP) und UNRWA, die mehr als zwei Millionen Pal\u00e4stinenserInnen in Gaza mit Lebensmitteln und Dienstleistungen versorgen, haben am 25. April die letzten Vorr\u00e4te an Mehl und anderen Lebensmitteln an die 47 Gemeinschaftsk\u00fcchen in Gaza verteilt, von deren Mahlzeiten zahllose Menschen abh\u00e4ngig sind. \u201eDiese Menschen, die von uns abh\u00e4ngig sind, drohen nun zu verhungern, wenn diese K\u00fcche geschlossen wird\u201c, berichtet Hani Abu Qasim von der Rafah Charity Kitchen dem Guardian.<\/p>\n<p>Am 27. April gab das World Food Programme bekannt, dass alle Lebensmittel aufgebraucht sind. Seit Wochen waren die Gark\u00fcchen die einzige kontinuierliche Quelle f\u00fcr Nahrungsmittelhilfe f\u00fcr die Menschen in Gaza. Obwohl sie nur die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung mit nur 25 Prozent des t\u00e4glichen Nahrungsmittelbedarfs erreichten und ohnehin nur noch Reis, Nudeln und Kichererbsen verteilt wurden, waren sie eine wichtige \u00dcberlebensgrundlage. Nicht zuletzt auch f\u00fcr die zahllosen vertriebenen Menschen, wie auch WFP-L\u00e4nderdirektor Antoine Renard gegen\u00fcber der BBC erkl\u00e4rte: \u201eMehr als 80 Prozent der Bev\u00f6lkerung wurden w\u00e4hrend des Krieges vertrieben. Und allein seit dem 18. M\u00e4rz [als die israelischen Angriffe wieder aufgenommen wurden, Anm.] sind mehr als 400 000 Menschen erneut vertrieben worden. Jedes Mal, wenn man fl\u00fcchten muss, verliert man Hab und Gut. Deshalb sind diese K\u00fcchen so wichtig f\u00fcr die Menschen, um zumindest eine grundlegende Mahlzeit zu bekommen.\u201c<\/p>\n<p>Gavin Kelleher, Leiter des humanit\u00e4ren Sektors beim Norwegian Refugee Council, berichtete der BBC aus dem Zentrum des Gazastreifens, dass die K\u00fcchen, sobald ihre Lebensmittelvorr\u00e4te aufgebraucht sind, nichts mehr liefern k\u00f6nnen: \u201eUm zu \u00fcberleben, essen die Menschen weniger, tauschen eine Packung Windeln gegen Linsen oder Speise\u00f6l oder verkaufen ihre letzten Habseligkeiten, um an Bargeld zu kommen, mit dem sie sich die letzten Reste der Lebensmittel beschaffen k\u00f6nnen.\u201c Er f\u00fcgte hinzu, dass in Gaza in einem noch nie dagewesenen Ausma\u00df gebettelt werde, die Menschen aber gar nicht mehr in der Lage seien, anderen etwas zu geben. \u201eDie Verzweiflung ist sehr, sehr gro\u00df.\u201c<\/p>\n<p>Das WFP hat auch B\u00e4ckereien unterst\u00fctzt, die erschwingliches Brot in Gaza verteilen. Bereits am 31. M\u00e4rz schlossen alle 25 vom WFP unterst\u00fctzten B\u00e4ckereien, da das Weizenmehl und der Brennstoff zum Kochen ausgegangen waren. In der gleichen Woche waren die vom WFP an Familien verteilten Lebensmittelpakete mit Lebensmittelrationen aufgebraucht.<\/p>\n<p>Die Lager der Hilfsorganisationen wurden w\u00e4hrend des Waffenstillstands, der Mitte Januar in Kraft trat und Anfang M\u00e4rz von Israel beendet wurde, gef\u00fcllt. Jetzt sind sie \u2013 wie WFP und UNRWA im Abstand von wenigen Tagen bekanntgaben \u2013 leer.<\/p>\n<p>Die Regale der Superm\u00e4rkte und Greisler sind ebenfalls fast leergefegt, und alles, was noch verkauft wird, ist f\u00fcr die gro\u00dfe Mehrheit der Bev\u00f6lkerung, die ohnehin kein Einkommen hat, zu teuer geworden. Seit dem Ende des Waffenstillstands hat sich der Preis f\u00fcr ein Kilogramm Tomaten auf sieben Euro vervierfacht, Zucker ist um das Siebenfache und Mehl um das zehn- bis 15-fache gestiegen. Fleisch oder Milchprodukte sind \u2013 wenn noch vorhanden \u2013 absolut unerschwinglich.<\/p>\n<p>Anfang letzter Woche wies das israelische Au\u00dfenministerium die Kritik des Vereinigten K\u00f6nigreichs, Frankreichs und Deutschlands an der Blockade zur\u00fcck, die diese als \u201euntragbar\u201c bezeichneten und in einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung deren sofortige Beendigung forderten. Das israelische Ministerium erkl\u00e4rte: \u201eIsrael \u00fcberwacht die Situation vor Ort, und es gibt <em>keinen<\/em> Mangel an Hilfsg\u00fctern in Gaza.\u201c<\/p>\n<p>Wie auch in den deutschsprachigen Medien immer wieder unkritisch \u00fcbernommen, behauptet das israelische Au\u00dfenministerium au\u00dferdem, es sei nicht verpflichtet, Hilfslieferungen zuzulassen, weil die Hamas diese \u201eentf\u00fchrt\u201c habe, um \u201eihre Terrormaschinerie wiederaufzubauen\u201c \u2013 eine Behauptung, f\u00fcr die keine Beweise vorgelegt wurden, die aber sch\u00e4rfstens von den internationalen Hilfsorganisationen zur\u00fcckgewiesen wurde. Auch die UNO erkl\u00e4rte, sie habe \u201eeine sehr gute Kontrollkette f\u00fcr alle Hilfsg\u00fcter, die sie geliefert hat\u201c, die auch jederzeit nachweisbar ist. Zudem stehen die Aussagen des israelischen Au\u00dfenministeriums im Widerspruch zu den Aussagen israelischer Politiker, die \u2013 wie beispielsweise der Likud-Abgeordnete Moshe Saada oder der Minister f\u00fcr Nationale Sicherheit, Itamar Ben G\u2019vir \u2013 offen dar\u00fcber sprechen, dass Gaza ausgehungert werden muss.<\/p>\n<p>Das Aushungern als Methode der Kriegsf\u00fchrung wird seit dem Urteil des N\u00fcrnberger Tribunals von 1946 als Kriegsverbrechen gewertet.<\/p>\n<p>Wie das World Food Programme in einer Stellungnahme bekannt gab, warten mehr als 116.000 Tonnen Nahrungsmittelhilfe \u2013 genug, um eine Million Menschen bis zu vier Monate lang zu ern\u00e4hren \u2013 an den Hilfskorridoren zu Gaza bereit und k\u00f6nnen sofort vom WFP und seinen Partnern f\u00fcr die Ern\u00e4hrungssicherheit nach Gaza gebracht werden, sobald die Grenzen von Israel ge\u00f6ffnet werden w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Auch bei den medizinischen Hilfsg\u00fctern herrscht ein zunehmender Engpass. \u201eAlles, von sterilen Handschuhen bis zu Leichens\u00e4cken, m\u00fcsste nachgeliefert werden\u201c, so das Internationale Komitee vom Roten Kreuz. \u201eDies ist eine st\u00e4ndige und besonders akute Herausforderung, da wir leider weiterhin eine schockierend hohe Zahl von Kranken, einschlie\u00dflich schwer verwundeter PatientInnen, verzeichnen, was den Druck auf das System erh\u00f6ht.\u201c<\/p>\n<hr>\n<h1><strong>\u00c4rzte ohne Grenzen: Auswirkungen der Blockade von medizinischen Hilfsg\u00fctern und Lebensmitteln am Beispiel von Brandopfern<\/strong><strong>&nbsp;<\/strong><\/h1>\n<p>Wie \u00c4rzte ohne Grenzen vor wenigen Tagen in einem Bericht bekannt gab, wirkt sich der Mangel an medizinischen Hilfsg\u00fctern in Gaza insbesondere auf Brandopfer \u2013 die meisten von ihnen Kinder \u2013 aus. Sie haben weder Schmerzmittel noch gen\u00fcgend N\u00e4hrstoffe, um richtig zu heilen.<\/p>\n<p>Ob durch Bombenexplosionen oder improvisierte Kochmethoden \u2013 viele Pal\u00e4stinenserInnen im Gazastreifen haben ausgedehnte Verbrennungen, die gro\u00dfe Teile ihres K\u00f6rpers bedecken \u2013 in manchen F\u00e4llen bis zu 40 Prozent der gesamten K\u00f6rperoberfl\u00e4che. Da die israelischen Beh\u00f6rden die Blockade des Gazastreifens fortsetzen und den Zugang zu lebenswichtigen Hilfsg\u00fctern und medizinischer Versorgung blockieren, m\u00fcssen viele Pal\u00e4stinenserInnen unertr\u00e4gliche Schmerzen ertragen, ohne dass ihnen geholfen werden kann.<\/p>\n<p>Seit die israelische Armee am 18. M\u00e4rz die Angriffe auf Gaza wieder aufgenommen hat, verzeichneten die Teams von \u00c4rzte ohne Grenzen einen Anstieg der Zahl der PatientInnen mit Brandverletzungen &#8211; die meisten von ihnen Kinder. Im April haben die Teams von \u00c4rzte ohne Grenzen in der von ihnen betriebenen Klinik in Gaza-Stadt durchschnittlich \u00fcber 100 PatientInnen mit Verbrennungen und Verletzungen <em>pro Tag<\/em> behandelt.<\/p>\n<p>Seit Mai 2024 haben die Teams von \u00c4rzte ohne Grenzen in der Einrichtung mehr als tausend chirurgische Eingriffe an VerbrennungspatientInnen durchgef\u00fchrt, von denen 70 Prozent Kinder waren, die meisten unter f\u00fcnf Jahren. Viele dieser Kinder wurden durch Bombenexplosionen verbrannt, andere durch kochendes Wasser oder Brennstoffe, die zum Kochen oder Heizen in Behelfsunterk\u00fcnften verwendet wurden.<\/p>\n<p>Schwere Verbrennungen erfordern eine komplexe und langfristige Behandlung, die mehrere Operationen, t\u00e4gliche Wundverb\u00e4nde, Physiotherapie, Schmerztherapie, psychologische Betreuung und eine sterile Umgebung zur Vermeidung von Infektionen umfasst.<\/p>\n<p>Nachdem jedoch \u00fcber 50 Tage lang aufgrund der Blockade keine Hilfsg\u00fcter in den Gazastreifen gelangt sind, gehen den Teams von \u00c4rzte ohne Grenzen wichtiges medizinisches Equipment wie Antibiotika, An\u00e4sthetika, chirurgisches Material und sogar grundlegende Schmerzmittel aus. Wenn die Blockade nicht bald beendet wird, werden auch die letzten Vorr\u00e4te zur Neige gehen.<\/p>\n<p>Im November 2024 war ein Versuch eines Teams von \u00c4rzte ohne Grenzen im Nasser-Krankenhaus gescheitert, ein dringend ben\u00f6tigtes klinisch-bakteriologisches Labor einzurichten, das f\u00fcr die Verabreichung der richtigen Antibiotika entscheidend ist, weil die K\u00fchlkette, die f\u00fcr die Lagerung von Proben und Vorr\u00e4ten ben\u00f6tigt wird, von israelischen Grenzbeamten st\u00e4ndig besch\u00e4digt wurde.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sind seit Beginn des Krieges nur sehr wenige Chirurgen im Gazastreifen in der Lage, komplexe Verbrennungen zu behandeln.<\/p>\n<p>\u201eDie Kinder schreien, wenn wir gezwungen sind, verbranntes Gewebe von ihrer Haut zu sch\u00e4len\u201c, berichtet Dr. Ahmad Abu Warda, Leiter der medizinischen Aktivit\u00e4ten von \u00c4rzte ohne Grenzen im Nasser-Krankenhaus. \u201eSie flehen uns an, damit aufzuh\u00f6ren, aber wenn wir das tote Gewebe nicht entfernen, k\u00f6nnen Infektionen und Sepsis zum Tod f\u00fchren. Ohne ausreichende medizinische Versorgung und angesichts der vielen PatientInnen, die wegen Brandverletzungen behandelt werden m\u00fcssen, sind wir nicht in der Lage, eine angemessene Versorgung zu gew\u00e4hrleisten. Wir verz\u00f6gern lediglich die unvermeidlichen Infektionen.\u201c<\/p>\n<p>VerbrennungspatientInnen ben\u00f6tigen nicht nur ein hohes Ma\u00df an medizinischer Versorgung, sondern auch die doppelte Kalorienzufuhr, um richtig zu heilen. Da jedoch keine Lebensmittel in den Gazastreifen gelangen, haben die PatientInnen keinen Zugang zu den ben\u00f6tigten Nahrungsmitteln, was ihre Genesung gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>\u201eDie K\u00f6rper unserer Patienten verbrauchen sich quasi selbst, um Wunden zu schlie\u00dfen, die jedoch nie heilen\u201c, berichtet ein MSF-Chirurg. \u201eDer 17-j\u00e4hrige Tayseer beispielsweise ist seit acht Monaten aufgrund seiner schweren Verbrennungen im Krankenhaus. Unter normalen Bedingungen w\u00e4re er in drei Monaten geheilt. Aber ohne Nahrung, ohne Schmerzmittel und ohne sauberes Wasser steckt er in einem Kreislauf aus fehlgeschlagenen Transplantaten, Infektionen und Verzweiflung fest.&#8220;<\/p>\n<p>__________________________________________<em>&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><em>Informationen entnommen aus:<\/em><em>&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><strong>Gaza on brink of catastrophe as aid runs out and prices soar, groups warn<\/strong><\/p>\n<p><em>Palestinians face starvation and severe malnutrition as Israel\u2019s blockade continues, say aid agencies<\/em><\/p>\n<p>Von Jason Burke und Malak A Tantesh, The Guardian, 27.04.2025<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2025\/apr\/27\/gaza-on-brink-of-catastrophe-as-aid-runs-out-and-prices-soar-groups-warn\">https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2025\/apr\/27\/gaza-on-brink-of-catastrophe-as-aid-runs-out-and-prices-soar-groups-warn<\/a><\/p>\n<p><strong>WFP runs out of food stocks in Gaza as border crossings remain closed<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wfp.org\/news\/wfp-runs-out-food-stocks-gaza-border-crossings-remain-closed\">https:\/\/www.wfp.org\/news\/wfp-runs-out-food-stocks-gaza-border-crossings-remain-closed<\/a><\/p>\n<p><strong>UN agency runs out of food aid in Gaza after Israeli blockade<\/strong><\/p>\n<p><em>The UN World Food Programme says it has depleted all its food stocks in Gaza, where Israel has blocked deliveries of humanitarian aid for seven weeks<\/em><\/p>\n<p>Von David Gritten und Mallory Moench, BBC, 26.04.2025<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/cn4wvvnzp39o\">https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/cn4wvvnzp39o<\/a><\/p>\n<p><strong>No relief, no chance of recovery for Gaza\u2019s burn patients<\/strong><\/p>\n<p><em>The lack of supplies in Gaza is prolonging the suffering of burn patients\u2014many of whom are children left without painkillers or enough nutrients to heal properly.<\/em><\/p>\n<p>Doctors Without Borders, 25.04.2025<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.doctorswithoutborders.org\/latest\/no-relief-no-chance-recovery-gazas-burn-patients\">https:\/\/www.doctorswithoutborders.org\/latest\/no-relief-no-chance-recovery-gazas-burn-patients<\/a><\/p>\n<p>__________________________________________<\/p>\n<p>In der heutigen Aussendung finden Sie drei \u00fcbersetzte Beitr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Im ersten Beitrag vom The Guardian berichtet Ghada Ageel, ehemalige \u00dcbersetzerin f\u00fcr The Guardian und heute Gastprofessorin an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Politikwissenschaft der Universit\u00e4t Alberta, \u00fcber ihren Cousin Ziyad, der \u2013 wie zahlreiche andere Familienmitglieder \u2013 von einem israelischen Bombenangriff get\u00f6tet wurde. Sie berichtet, wie Menschen im Finsteren versuchen, ihre NachbarInnen und Familienmitglieder aus den Tr\u00fcmmern zu bergen, oftmals mit den blo\u00dfen H\u00e4nden:<\/p>\n<p><em>\u201eDie meisten \u00dcberlebenden und Nachbarn mussten sich mit blo\u00dfen H\u00e4nden durch die Tr\u00fcmmer k\u00e4mpfen. Gro\u00dfe Deckenplatten waren eingest\u00fcrzt; wer darunter eingeklemmt war, hatte keine Chance. Dennoch st\u00fcrmten die Menschen ohne Unterlass in die Tr\u00fcmmer, zogen die Verwundeten heraus, hielten leblose Kinder im Arm und riefen ihre Namen in das Chaos.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im zweiten Beitrag schreibt der israelische Journalist Nir Hasson in der Haaretz \u00fcber die 15 von der israelischen Armee ermordeten pal\u00e4stinensischen Sanit\u00e4ter und die Berichte der israelischen Armee, die in so vielen, nachgewiesenen F\u00e4llen \u201eim besten Fall \u00dcbertreibungen, im schlimmsten Fall L\u00fcgen sind.\u201c Er schreibt:<\/p>\n<p><em>\u201eWarum sollte man annehmen, dass die T\u00f6tung der Sanit\u00e4ter schlimmer war oder unter ungew\u00f6hnlicheren Umst\u00e4nden erfolgte als die T\u00f6tung von sechs Menschen bei einem Luftangriff auf Deir al-Balah zwei Wochen sp\u00e4ter? Oder die zehn Mitglieder einer einzelnen Familie, die in Khan Yunis get\u00f6tet wurden, die 15 Mitglieder einer Familie, die im Viertel Shujaiyeh in Gaza-Stadt get\u00f6tet wurden, die 29 Mitglieder einer anderen Familie, die ebenfalls in Shujaiyeh get\u00f6tet wurden, oder die 37 Vertriebenen, die bei einem Brand nach einem Luftangriff auf Zelte in der \u201ehumanit\u00e4ren Zone\u201c von Al-Muwasi get\u00f6tet wurden &#8211; alles Vorf\u00e4lle der letzten elf Tage?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im dritten Beitrag finden Sie eine Folge aus der Reihe \u201eStimmen aus Gaza\u201c, aufgezeichnet von der israelischen Menschenrechtsorganisation B\u2019Tselem. Heute spricht die 21-j\u00e4hrige Shahd Salem aus dem Fl\u00fcchtlingslager Jabalya dar\u00fcber, wie zwei ihrer Br\u00fcder und sechs weitere Verwandte bei einem Bombenangriff get\u00f6tet wurden, bei dem sie selbst, ihr j\u00fcngerer Bruder und ihre Eltern verletzt wurden, von ihrer mehrfachen Flucht und Vertreibung, vom Verlust ihres Elternhauses und wie bei einem weiteren Bombenangriff ihr Verlobter und zehn seiner Verwandten get\u00f6tet wurden.<\/p>\n<p>Man kann sich anmelden, um die sehr aussagekr\u00e4ftigen Aussendungen zu abonnieren:<\/p>\n<p><em>B\u00fcro des Botschafters<br \/>\n<\/em>Vertretung des Staates Pal\u00e4stina in \u00d6sterreich, Slowenien und Kroatien und st\u00e4ndige Beobachtermission des Staates Pal\u00e4stina bei der UN und den internationalen Organisationen in Wien<br \/>\n<strong>Josefsgasse 5\/ 1080 Wien\/ Austria \/ Tel.: +43 1 408 820 315<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;Homepage: <a href=\"http:\/\/www.palestinemission.at\/\">www.palestinemission.at<\/a><\/p>\n<p>Facebook: <a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/palestinemissionvienna\">www.facebook.com\/palestinemissionvienna<\/a><\/p>\n<p>Twitter: @PalMisAUT<\/p>\n<p>Zusammenstellung: Detlef Griesche (Deutsch-Pal\u00e4stinensische Gesellschaft)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier Ausschnitte aus den Aussendungen der Wiener Botschaft &#8211; A29\/2025: Gaza wird ausgehungert.&nbsp;\u201eIch hatte, weil ich auf diese Massenanf\u00e4lle von Verletzten vorbereitet sein wollte, etwas Ketamin mitgenommen. Ich hatte zwei Spritzen Ketamin dabei, und das war alles an Sedativum, das &hellip; <a href=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=14469\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-14469","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14469","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14469"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14469\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14474,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14469\/revisions\/14474"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14469"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14469"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14469"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}