{"id":14638,"date":"2025-05-27T06:19:59","date_gmt":"2025-05-27T06:19:59","guid":{"rendered":"https:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=14638"},"modified":"2025-05-29T06:49:45","modified_gmt":"2025-05-29T06:49:45","slug":"die-recherche-und-informationsstelle-antisemitismus-rias-sehr-fragwuerdig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=14638","title":{"rendered":"Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) &#8211; sehr fragw\u00fcrdig"},"content":{"rendered":"<p><em>Dass der Antisemitismusvorwurf auf das Sch\u00e4ndlichste instrumentalisiert wird, ist leider nicht neu. Wie das im einzelnen l\u00e4uft, hat Itay Mashiach in seiner ebenso gr\u00fcndlichen wie aufschlussreichen Analyse der Aktivit\u00e4ten der <strong>Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS)<\/strong> aufgezeigt. Der Titel: &#8222;Biased &#8211; Antisemitismus-Monitoring in Deutschland auf dem Pr\u00fcfstand&#8220;. <a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/25-05-27-RIAS_German-final.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der vollst\u00e4ndige Bericht kann hier nachgelesen werden.<\/a> Im folgenden aus der Untersuchung die&nbsp;<\/em><\/p>\n<h1>Zusammenfassung<\/h1>\n<p>Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) ist die wichtigste Anlaufstelle f\u00fcr Antisemitismus in Deutschland. <!--more-->Gestartet als kleines Projekt in Berlin im Jahr 2015, hat sich die \u00fcberwiegend staatlich finanzierte Organisation zu einem bundesweiten Netzwerk entwickelt und Meldestellen in elf Bundesl\u00e4ndern eingerichtet. Zu ihren Aufgaben geh\u00f6rt die Erhebung von Statistiken, die Ver\u00f6ffentlichung von Berichten, die Beratung von Politik und Zivilgesellschaft sowie die regelm\u00e4\u00dfige Kommentierung des Ausma\u00dfes von Antisemitismus in Deutschland in nationalen sowie internationalen Medien. Eine gr\u00fcndliche \u00f6ffentliche Untersuchung der Arbeit von RIAS hat bislang nicht stattgefunden.<\/p>\n<p>Der vorliegende, umfassende Bericht des deutsch-israelischen Journalisten Itay Mashiach ist die erste kritische Analyse von RIAS und nimmt sowohl die Grundlagen ihrer Arbeitsweise als auch ihre \u00d6ffentlichkeitsarbeit genauer unter die Lupe. Hinsichtlich des wichtigen Anliegens, Antisemitismus in Deutschland zu dokumentieren,&nbsp; stellt der Bericht einen Mangel an Transparenz fest, wodurch infrage gestellt wird, ob&nbsp; RIAS \u00fcberhaupt klare und nachvollziehbare Daten liefern kann. RIAS\u2019 Methodik verschleiert durchweg den Gesamtkontext der registrierten Vorf\u00e4lle und klassifiziert diese pauschal als antisemitisch, auch auf Kosten anderer wahrscheinlicher Erkl\u00e4rungen. Dabei missbraucht RIAS Definitionen von Antisemitismus, die an sich schon umstritten sind und sich auf \u00c4u\u00dferungen zum israelischen Staat konzentrieren.<\/p>\n<p>Mit dieser Methodik ist RIAS zu verbl\u00fcffenden Schlussfolgerungen gelangt. So kategorisiert RIAS etwa, Anti-Besatzungs-Demonstrationen pensionierter&nbsp; riedensaktivist*innen, eine Theaterauff\u00fchrung \u00fcber j\u00fcdisch-arabische Beziehungen und&nbsp; sogar die Rede eines der bekanntesten Historiker Israels \u00fcber die Lehren aus dem&nbsp; Holocaust als antisemitische Vorf\u00e4lle. Ein Gro\u00dfteil der Arbeit von RIAS konzentriert sich auf die Delegitimierung pro-pal\u00e4stinensischen Engagements und die Verunglimpfung von Merkmalen pal\u00e4stinensischer Identit\u00e4t. Der vorliegende Bericht zeigt auf&nbsp; \u00fcberzeugende Weise, dass praktisch jede \u00f6ffentliche Veranstaltung von Pal\u00e4stinenser*innen in Deutschland Gefahr l\u00e4uft, in die RIAS-Statistik aufgenommen zu&nbsp; werden.&nbsp;Gleichzeitig verbreitet RIAS in Publikationen einseitige historische und politische Narrative, die Israels Milit\u00e4rbesatzung sowie die Handlungen seiner rechtsgerichteten Regierung legitimieren.<\/p>\n<p>Der Bericht zeigt weiter auf, wie RIAS\u2019 \u00dcberbetonung des \u201eisraelbezogenen Antisemitismus\u201c dazu f\u00fchrt, dass die von der extremen Rechten ausgehende Bedrohung untersch\u00e4tzt wird. So f\u00fchrte RIAS in Th\u00fcringen nur 37 Prozent der antisemitischen Vorf\u00e4lle auf einen \u201erechtspopulistischen\/rechtsextremen Hintergrund\u201c zur\u00fcck, wohingegen die Polizei 98 Prozent der von ihr im selben Jahr erfassten antisemitischen Straftaten der rechten Szene zuordnete. Diese Tendenz zur Untersch\u00e4tzung des rechten Antisemitismus erstreckt sich auch auf die Online-Aktivit\u00e4ten von RIAS, indem sie viel mehr \u00fcber \u201eisraelbezogenen Antisemitismus\u201c tweetet, als dieser in der eigenen statistischen Aufschl\u00fcsselung der politischen Motivation f\u00fcr antisemitische Vorf\u00e4lle eine Rolle spielt.<\/p>\n<p>Dieser Bias, gepaart mit einer zugrunde liegenden eternalistischen Vorstellung von Antisemitismus als singul\u00e4res Ph\u00e4nomen, das unabh\u00e4ngig von Zeit und Raum existiert, erschwert es, antij\u00fcdische Feindseligkeit und Gewalt zu verstehen, und unterl\u00e4uft damit auch die pr\u00e4ventive Arbeit gegen Antisemitismus. Itay Mashiach hat f\u00fcr den vorliegenden Report Hunderte \u00f6ffentliche und auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes angeforderte Dokumente ausgewertet, umfassende Datenanalysen unternommen sowie Interviews mit Dutzenden Expert*innen gef\u00fchrt. RIAS selbst hat es, trotz mehrfacher Anfragen, abgelehnt, mit dem Autor zu sprechen. Die Recherche und das Verfassen des Berichts wurde von Diaspora Alliance unterst\u00fctzt, einer internationalen Organisation, die sich dem Kampf gegen Antisemitismus durch die F\u00f6rderung pluralistischer und demokratischer Werte verschrieben hat. Diaspora Alliance sieht diesen Bericht als Teil umfassender Bem\u00fchungen, die Analyse und Bek\u00e4mpfung von Antisemitismus vor politischer Instrumentalisierung zu sch\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass der Antisemitismusvorwurf auf das Sch\u00e4ndlichste instrumentalisiert wird, ist leider nicht neu. Wie das im einzelnen l\u00e4uft, hat Itay Mashiach in seiner ebenso gr\u00fcndlichen wie aufschlussreichen Analyse der Aktivit\u00e4ten der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) aufgezeigt. 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