{"id":14826,"date":"2025-06-18T05:54:26","date_gmt":"2025-06-18T05:54:26","guid":{"rendered":"https:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=14826"},"modified":"2025-06-18T05:54:26","modified_gmt":"2025-06-18T05:54:26","slug":"moshe-zuckermann-offene-luegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=14826","title":{"rendered":"Moshe Zuckermann: &#8222;Offene L\u00fcgen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"ai-optimize-7 ai-optimize-introduction\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-7366\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Zuckermann-Moshe-Foto-Arne-List-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Zuckermann-Moshe-Foto-Arne-List-300x200.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Zuckermann-Moshe-Foto-Arne-List-200x133.jpg 200w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Zuckermann-Moshe-Foto-Arne-List-768x512.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Zuckermann-Moshe-Foto-Arne-List-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Zuckermann-Moshe-Foto-Arne-List-450x300.jpg 450w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Zuckermann-Moshe-Foto-Arne-List.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/strong><\/p>\n<p>Am 23. Juni kommt Moshe Zuckermann, allerdings nur \u00fcber Zoom, auf Einladung der Pal\u00e4stinensischen Gemeinde und der Deutsch-Pal\u00e4stinensischen Gesellschaft zu uns. <a href=\"https:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-admin\/post.php?post=14452&amp;action=edit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">N\u00e4here Infos hier<\/a>. Sein Thema: Die Auswirkungen der Kriege in Gaza und im Iran auf die Entwicklungen innerhalb der israelischen Gesellschaft. Zur Vorbereitung hier ein Auszug aus einem Artikel vom 14.06.2025 von <a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/offene-luegen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zuckermann aus dem Overton-Magazin.<\/a><!--more--><\/p>\n<hr>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"ai-optimize-7 ai-optimize-introduction\"><strong>Israels politische Kultur ist in den letzten Jahren bedenklich deterioriert. Die offene L\u00fcge ist zum Normalfall mutiert.<\/strong><\/p>\n<p class=\"ai-optimize-8\">Dass in der Politik gelogen wird, ist nicht neu. Die L\u00fcge liegt in ihrem Wesen. Da es in der Politik stets um Machtakkumulation und die Etablierung von Herrschaft geht&nbsp; (das ist ihre Grundvoraussetzung), diese aber immer schon auf Manipulation, nicht selten aber auch auf Gewaltanwendung basieren, d\u00fcrfen die Protagonisten der politischen Praxis das nicht offen zugeben. Sie sind darauf angewiesen, sich Ideologisches zurechtzubasteln, zu rationalisieren, zu rechtfertigen, zu l\u00fcgen, um ja nicht als L\u00fcgner dazustehen. [&#8230;]<\/p>\n<p class=\"ai-optimize-11\">Klassisch geworden ist in dieser Hinsicht das Diktum der derzeitigen Verkehrsministerin Miri Regev, die vor Jahren (damals noch Kulturministerin) in einer Kabinettssitzung, in der es um eine \u201cReform\u201d der \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien ging, unverhohlen fragte: \u201cWas n\u00fctzen uns die \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien, wenn wir sie nicht beherrschen k\u00f6nnen?\u201d In ihrer damaligen Funktion entgegnete sie bei einem Treffen mit Theaterregisseuren, die sich beklagten, von ihr finanziell beschnitten zu werden, wenn sie von ihrer politischen Linie abwichen, dass sie das tun d\u00fcrfe, weil sie 30 Mandate hinter sich wei\u00df, die Theaterleute aber keine.<\/p>\n<p class=\"ai-optimize-12\">Gleichen Geistes, wenn auch nicht ganz so direkt, geb\u00e4rdete sich die ehemalige israelische Justizministerin Ayelet Shaked, als sie sich 2019 in einem Wahlkampfspot mit einem Flakon, auf dem \u201cFaschismus\u201d stand, parf\u00fcmierte und keck dazu hauchte: \u201cF\u00fcr mich riecht es nach Demokratie.\u201d Zwar handelte es sich um ein Wahlkampf-Gimmick, das gleichwohl einen Wahrheitskern enthielt, den man allzu leicht zu \u00fcbersehen geneigt war: Die Gleichsetzung von Faschismus und Demokratie war Programm. Und darin liegt in der Tat eine der Pr\u00e4missen f\u00fcr die Hinnehmbarkeit der sich als Wahrheit gebenden L\u00fcge; sie fu\u00dft im Ressentiment der Masse gegen\u00fcber den Eliten, welches manipulativen Populismus bereitwillig in \u201cDemokratie\u201d umdeutet.<\/p>\n<p class=\"ai-optimize-13\">Bereits im Jahr 2012 bekundete Regev in einem Fernsehinterview, sie sei \u201cgl\u00fccklich, Faschistin zu sein\u201d. Heute w\u00fcrde das in Israel kaum jemanden ernsthaft aus der Fassung bringen. \u201cVerr\u00e4ter\u201d sind Linke, und wenn Faschisten sie bek\u00e4mpfen, dann sind Faschisten eben auf der \u201crichtigen Seite\u201d. Man darf sich das aber nicht als einen symmetrischen Gesinnungskampf vorstellen. Linke kommen in Israel so gut wie gar nicht mehr zu Wort. Und seit dem f\u00fcr \u201cJustizreform\u201d ausgegebenen (2023 versuchten) Staatstreich, der nur zeitweilig durch den Krieg unterbrochen worden ist und zur Zeit wieder Urst\u00e4nd feiert, sind sie endg\u00fcltig verstummt.<\/p>\n<p class=\"ai-optimize-14\">In dieser Woche hat man im Kabinett beschlossen, ein umstrittenes Gesetz, mit dem die Entlassung der Generalstaatsanw\u00e4ltin Israels,&nbsp;<em>Gali Baharav-Miara<\/em>, ins Werk gesetzt werden soll, und das vom israelischen Obersten Gerichtshof gekippt werden k\u00f6nnte, von vornherein zu immunisieren: Nahezu alle anwesenden Minister deklarierten nacheinander, einen negativen Beschluss des Obersten Gerichtshofes zu ignorieren bzw. gar nicht erst zur Debatte zuzulassen. Da k\u00f6nnen sich liberale JournalistInnen noch so dar\u00fcber echauffieren \u2013 das Wahlvolk der Regierungskoalition findet das \u201cklasse\u201d.<\/p>\n<p class=\"ai-optimize-15\">Und so suhlt sich Israels politische Kultur in einem Sumpf von ideologischen Verzerrungen, Halbwahrheiten, vor allem aber zunehmend unverhohlen artikulierten L\u00fcgen. Den Spruch, \u201cdie einzige Demokratie im Nahen Osten\u201d zu sein, schenkt man sich inzwischen dankenswerterweise, seitdem Demokratie auch bei den Gesinnungsbr\u00fcdern Netanjahus (vor allem dem m\u00e4chtigen in \u00dcbersee) keine allzu begehrenswerte politische Ware mehr darstellt. Man liebt, verehrt, um nicht zu sagen: verg\u00f6ttert, das israelische Milit\u00e4r, will aber nicht mehr \u201cdie moralischste Armee in der Welt\u201d sein. \u00dcber 53.000 Tote in Gaza, eine Anh\u00e4ufung von unz\u00e4hligen Kriegsverbrechen und auch der Vorwurf des V\u00f6lkermordes sind halt doch zu viel, selbst f\u00fcr den noch so ideologisch kontaminierten Common sense. Man behilft sich stattdessen mit der totalen Dehumanisierung der Gaza-Bewohner; es gebe da keine Unbeteiligte, auch keine Kinder, Frauen und alte Menschen \u2013 alles Terroristen der Tendenz nach, und daher auch nicht der geringsten Empathie w\u00fcrdig. Und wenn es dennoch internationale Kritik hagelt, dann handelt es sich stets darum, da\u00df \u201calle Welt gegen uns ist\u201d bzw. \u2013 besonders beliebt und allzeit abrufbar \u2013 um Antisemitismus.<\/p>\n<p class=\"ai-optimize-16\">Die gr\u00f6\u00dfte L\u00fcge seit dem 7. Oktober ist aber, dass Israel um seine Existenz k\u00e4mpft. Die Existenz Israels war durch die Hamas nie bedroht. Wie denn auch? Man sieht ja, was Hamas sich f\u00fcr die von ihr regierte Bev\u00f6lkerung im Gazastreifen eingehandelt hat. Eine damit verschwisterte L\u00fcge ist, dass der Krieg nicht zu seinem Ende kommen darf, solange die Hamas noch existiert und die von ihr gefangenen israelischen Geiseln nicht befreit worden sind. [&#8230;]<\/p>\n<p class=\"ai-optimize-18\">Was aber der fortw\u00e4hrende Krieg vor allem garantiert, ist die Verhinderung der Ausrufung einer staatlichen Untersuchungskommission \u00fcber das Desaster des 7. Oktobers. In dieser Hinsicht hat sich die L\u00fcgenpraxis bis ins Absurde gesteigert. Denn die Untersuchungskommission w\u00fcrde zutage f\u00f6rdern, dass es Netanjahus jahrelange Politik war, die Hamas (mit Katar-Geldern) gegen die PLO zu f\u00f6rdern. Stattdessen betreibt Netanjahu bereits seit Beginn des Krieges eine Kampagne gegen das Milit\u00e4r und die Geheimdienste: Sie allein seien Schuld am Fiasko des 7. Oktober; man habe ihn nicht gewarnt, die nahe Bedrohung nicht angezeigt, ihn (konspirativ) im Dunkeln \u00fcber die Gefahr belassen.<\/p>\n<p class=\"ai-optimize-19\">Selbst, wenn es stimmte, m\u00fcsste der Premierminister schon l\u00e4ngst seinen Abschied genommen haben, denn es zeugt nicht von allzu gro\u00dfer Kontrolleffizienz der ihm unterstellten Organe und Institutionen, wenn er nichts von der nahenden Katastrophe, die er ja letztlich selbst mitverursacht hat, wusste. Aber der Begriff der (ministeriellen) Verantwortung ist Netanjahu v\u00f6llig fremd. Er hat seinen Anteil an der Verantwortung f\u00fcr das gr\u00f6\u00dfte Ungl\u00fcck, das Israel seit seinem Bestehen widerfahren ist, bis heute nicht zugegeben, geschweige denn, \u00fcbernommen.<\/p>\n<p class=\"ai-optimize-20\">Wie aber kann es sein, dass Benjamin Netanjahu trotz seines offensichtlichen Versagens und der nicht zur Ruhe gelangenden L\u00fcgenpraxis noch immer im Amt ist? Es ist ziemlich klar, dass ein Staatsf\u00fchrer in Frankreich, England oder Deutschland mit nur einem Bruchteil dessen, was Netanjahu innen- und au\u00dfenpolitisch verbrochen hat, keinen Monat im Amt bleiben w\u00fcrde. Das w\u00fcrden die Medien, die \u00f6ffentliche Meinung, die Opposition und selbst die eigene Partei nicht hinnehmen k\u00f6nnen. Es gibt selbst in der politischen L\u00fcge einen gewissen Code, der zwar nichts mit Moral, eher etwas mit Interessen (im Hinblick auf k\u00fcnftige Wahlen), aber auf jeden Fall mit dem Bewusstsein davon, was zivilgesellschaftlich geht oder eben nicht geht, zu tun hat. Davon kann in Israel schon seit l\u00e4ngerem nicht die Rede sein.<\/p>\n<p class=\"ai-optimize-21\">Wie ist das zu erkl\u00e4ren? Ein Indiz f\u00fcr die Antwort findet sich im statistischen Ergebnis einer von der Hebr\u00e4ischen Universit\u00e4t gef\u00fchrten Untersuchung, demzufolge 64% der gesamten israelischen Bev\u00f6lkerung der Meinung sind, dass die Berichterstattung \u00fcber Gaza ausgewogen sei und keiner Erweiterung im Hinblick auf die dortige humanit\u00e4re Lage bed\u00fcrfe. Einen gr\u00f6\u00dferen Selbstbetrug kann man sich kaum vorstellen. Denn von allem, was sich \u00fcber die Kriegsberichterstattung in den israelischen Medien sagen l\u00e4sst, geh\u00f6rt Ausgewogenheit ganz gewiss zum Allerletzten. Das Gegenteil ist der Fall: Je mehr sich die Verw\u00fcstungsorgie der IDF steigerte und die humanit\u00e4re Krise ins Katastrophische \u00fcberging, verschanzte sich das Gros der israelischen Bev\u00f6lkerung in Larmoyanz und Selbstviktimisierung, machte sich mithin blind f\u00fcr die horrende Leiderfahrung der Gaza-Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p class=\"ai-optimize-22\">Die Politiker sind an der von ihren perfiden Sprachrohren in den Medien amplifizierten Hetze beteiligt und sahnen ab, was sie f\u00fcr ihre L\u00fcgengenpraxis brauchen \u2013 die verlogene Attit\u00fcde der Bev\u00f6lkerung, die die barbarische Politpraxis gew\u00e4hren l\u00e4sst bzw. aktiv unterst\u00fctzt und verfestigt, weil sich beide, Politiker und Bev\u00f6lkerung, gegenseitig ideologisch effizient erg\u00e4nzen. Die offene L\u00fcge ist l\u00e4ngst zum normalisierten Standard erhoben worden.&nbsp;<\/p>\n<div class=\"custom-author-box\">\n<div class=\"author-text\">\n<div class=\"author-bio\">\n<p><strong>Moshe Zuckermann<\/strong>&nbsp;wuchs als Sohn polnisch-j\u00fcdischer Holocaust-\u00dcberlebender in Tel Aviv auf. Seine Eltern emigrierten 1960 nach Frankfurt am Main. Nach seiner R\u00fcckkehr nach Israel im Jahr 1970 studierte er an der Universit\u00e4t Tel Aviv, wo er am Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas lehrte und das Institut f\u00fcr deutsche Geschichte leitete. 2018 wurde er emeritiert.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/author\/m-zuckermann\/\">Mehr Beitr\u00e4ge von Moshe Zuckermann \u2192<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 23. 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