{"id":1510,"date":"2014-11-18T17:29:17","date_gmt":"2014-11-18T16:29:17","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=1510"},"modified":"2014-11-25T08:18:03","modified_gmt":"2014-11-25T07:18:03","slug":"palaestina-solidaritaetspreis-geht-an-ingrid-rumpf-organisatorin-der-nakba-ausstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=1510","title":{"rendered":"Pal\u00e4stina Solidarit\u00e4tspreis geht an Ingrid Rumpf (Organisatorin der NAKBA-Ausstellung)"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/rumpf-ingrid-nakba-ausstellung-04-2012-06-11-1-0730.jpg\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/rumpf-ingrid-nakba-ausstellung-04-2012-06-11-1-0730.jpg\" width=\"200\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Ingrid Rumpf bei der Er\u00f6ffnung der Ausstellung &#8222;Die Nakba &#8211; Flucht und Vertreitung der Pal\u00e4stinenser 1948&#8220; in K\u00f6ln am 15.06.2012. Foto: Arbeiterfotografie<\/p><\/div>\n<p>Zum zweiten Mal wird der Pal\u00e4stina Solidarit\u00e4tspreis am 23.11.2014 in Bonn verliehen, und zwar in diesem Jahr an Ingrid Rumpf. Mit diesem Preis w\u00fcrdigt die Jury ihren\u00a0 langj\u00e4hrigen Einsatz f\u00fcr Fl\u00fcchtlingskinder im Libanon. Zudem\u00a0 leistete Frau Rumpf eine gro\u00dfartige Arbeit mit der von ihr konzipierten und durchgef\u00fchrten NAKBA-Ausstellung. Mit dieser hervorragenden Ausstellung trug sie in ganz besonderer Weise dazu bei, dass eine breite \u00d6ffentlichkeit\u00a0 sich ein Bild \u00fcber die Geschichte des pal\u00e4stinensischen Volkes machen konnte und f\u00fcr die aktuelle politische Lage sensibilisiert wurde. Dies ist eine grundlegende Bedingung um Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Situation der\u00a0 Pal\u00e4stinenser zu erhalten und somit f\u00fcr die Solidarit\u00e4t mit Pal\u00e4stina zu werben.<!--more--><\/p>\n<p>Preise gibt es viele \u2013 und jeder Preis, jede Verleihung hat einen bestimmten Grund, eine Daseinsberechtigung. Der von der Pal\u00e4stinensischen Gemeinde Deutschland (PGD)\u00a0 im Jahre 2012 ins Leben gerufene \u201ePal\u00e4stina Solidarit\u00e4tspreis\u201c ist wiederum ein besonderer Preis und hat zudem Monopol- und Premierencharakter zugleich. Der \u201ePal\u00e4stina Solidarit\u00e4tspreis\u201c wird dieses Jahr zum zweiten Mal am 21.11.2014 um 16:00 Uhr in Bonn im historischen Gemeindesaal Bad Godesberg, Kronprinzenstra\u00dfe 31, 53173 Bonn verliehen und steht unter der Schirmherrschaft der Pal\u00e4stinensischen Botschafterin Dr. Khouloud Daibis .<\/p>\n<p>Diverse Umfragen zeigen seit einiger Zeit, dass die Mehrheit der deutschen Bev\u00f6lkerung die gerechten nationalen Forderungen des pal\u00e4stinensischen Volkes nach Selbstbestimmung und Unabh\u00e4ngigkeit unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Sie zeigen auch, dass die deutsche Bev\u00f6lkerung, anders als die Mehrheit der politischen Elite hier zu Lande, der Meinung ist, dass die israelische Besatzung ein Hindernis f\u00fcr den Frieden ist und die aggressive Staatspolitik Israels den Weltfrieden gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Das war nicht immer so. Diese, seit \u00fcber 20 Jahren kontinuierlich steigende Sympathie mit dem pal\u00e4stinensischen Volk und seinem Kampf gegen Unterdr\u00fcckung und Landraub verdankt man in erster Linie den Tausenden von Sympathisanten und Friedensaktivisten hier in Deutschland, die nicht m\u00fcde werden, sich f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden im Nahen Osten einzusetzen. In Deutschland arbeiten mehr als 300 Vereine und Organisationen f\u00fcr eine gerechte L\u00f6sung der Pal\u00e4stinafrage und einen Frieden im Nahen Osten. Viele der Friedensaktivisten haben die Pal\u00e4stinafrage und die Unterst\u00fctzung des pal\u00e4stinensischen Volkes zum zentralen Punkt ihres Lebens gemacht. Das zunehmende Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Forderungen des pal\u00e4stinensischen Volkes ist auch anhand der immer positiver werdenden Berichterstattung in den diversen Medien zu erkennen.<\/p>\n<p>Dieses ist auch den deutschen Friedensaktivisten zu verdanken, die bundesweit die Mainstreammedien nicht ignorieren, sondern genau hinschauen und laut protestieren, wenn die Objektivit\u00e4t auf der Strecke bleibt.<\/p>\n<p>Die Pal\u00e4stinensische Gemeinde Deutschland e.V. (PGD) m\u00f6chte, mit dem von ihr neu geschaffenen \u201ePal\u00e4stina Solidarit\u00e4tspreis\u201c\u00a0 genau diese Menschen f\u00fcr ihren Einsatz f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden ehren. Der Preis, der mit 2000 \u20ac dotiert ist, wird alle zwei Jahre anl\u00e4sslich des internationalen Solidarit\u00e4tstages mit dem pal\u00e4stinensischen Volk an einen Aktivisten oder Journalisten, an einen Autor oder eine Gruppe bzw. Verein<br \/>\nvergeben, die sich f\u00fcr die Solidarit\u00e4t mit dem pal\u00e4stinensischen Volk und seinen nationalen Anliegen verdient gemacht hat\/haben.<\/p>\n<p>Raif Hussein<br \/>\nVorsitzender der PGD e.V.<br \/>\nFriedhofsallee 16<br \/>\n30519 Hannover<br \/>\nTel. 016099167775<br \/>\nEmail: raif@raif-hussein.de<br \/>\nHomepage: www.raif-hussein.de<br \/>\n(Pressemitteilung)<\/p>\n<p>**************************************************************************<\/p>\n<p><b>Laudatio f\u00fcr Ingrid Rumpf, Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4tspreis 2014<\/b><\/p>\n<p>von Dr. Martin Breidert, Pfarrer i.R., Bad Honnef<\/p>\n<p>Bonn, 23.11.2014, 16:00 Uhr<\/p>\n<p>Liebe Ingrid Rumpf, sehr geehrte Frau Dr. Husseini\u00a0 als Vertreterin der pal\u00e4stinensischen Botschaft,\u00a0 liebe Mitglieder\u00a0 und Freunde des Vereins \u201e<i>Fl\u00fcchtlingskinder im Libanon\u201c,<\/i> liebe Mitglieder und Freunde der Pal\u00e4stinensischen Gemeinde in Deutschland, liebe Unterst\u00fctzerinnen und Unterst\u00fctzer der Menschenrechte und des V\u00f6lkerrechts f\u00fcr Pal\u00e4stina.<\/p>\n<p>Es ist mir eine gro\u00dfe Ehre, dass ich die Laudatio f\u00fcr die diesj\u00e4hrige Preistr\u00e4gerin des Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4tspreises\u00a0 halten darf. Als ich darum gebeten wurde, fiel es mir nicht schwer, meine Zusage \u00a0f\u00fcr diese Aufgabe zu geben. Denn Ingrid Rumpf ist eine w\u00fcrdige Preistr\u00e4gerin, das haben mir viele best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Sie hat den Verein \u201e<i>Fl\u00fcchtlingskinder im Libanon e.V.\u201c<\/i> im Jahr 1996 gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Wir denken heute auch an Felicia Langer,\u00a0 die Schirmherrin\u00a0 des Vereins, die aus\u00a0 gesundheitlichen Gr\u00fcnden nicht kommen konnte. Sie setzte\u00a0 sich Jahrzehnte lang f\u00fcr die Rechte der Pal\u00e4stinenser in Israel und in den besetzten Gebieten ein.<\/p>\n<p>Das Motto des Vereins lautet \u201eEine Zukunft f\u00fcr die Kinder Pal\u00e4stinas\u201c. Der Schwerpunkt liegt auf Bildungsarbeit und auf medizinischen Projekten. Dazu geh\u00f6ren:<\/p>\n<ul>\n<li>Nachhilfekurse f\u00fcr Grundschulkinder<\/li>\n<li>F\u00f6rderkurse f\u00fcr benachteiligte M\u00e4dchen<\/li>\n<li>Ausbildung junger M\u00e4dchen<\/li>\n<li>Fortbildungsseminare f\u00fcr Erzieherinnen und Sozialarbeiterinnen<\/li>\n<li>Unterhalt von Zahnarztpraxen<\/li>\n<li>Sommercamps f\u00fcr Fl\u00fcchtlingskinder<\/li>\n<li>1 Glas Milch f\u00fcr jedes Kindergartenkind<\/li>\n<li>Ausstattung f\u00fcr die Sozialzentren in\u00a0 den Fl\u00fcchtlingslagern Schatila und Nahr Al-Bared<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Verein wird unterst\u00fctzt durch Kinderpatenschaften, Kindergartenpatenschaften\u00a0 und Gehaltspatenschaften.<\/p>\n<p>Gerade angesichts des riesigen Fl\u00fcchtlingsstroms aus Syrien hat der Verein gewaltige Aufgaben, zumal\u00a0 die deutsche und die europ\u00e4ische Politik wenig tun, aber gleichzeitig heuchlerisch sagen, es werde den Fl\u00fcchtlingen besser ortsnah geholfen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Schwerpunkt des Vereins ist die\u00a0\u00a0 \u00d6ffentlichkeitsarbeit, um \u00fcber die\u00a0 Hintergr\u00fcnde\u00a0 des Konflikts Pal\u00e4stina\/Israel zu informieren. Der Verein wei\u00df sich\u00a0 dabei der Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte, dem V\u00f6lkerrecht und der UN-Kinderrechtskonvention verpflichtet.<\/p>\n<p>Der Verein \u201e<i>Fl\u00fcchtlingskinder im Libanon e.V.\u201c hat <\/i>\u00a0ein wundersch\u00f6nes Logo. Es\u00a0 wurde von dem K\u00fcnstler\u00a0 Burhan Karkutli gestaltet, der\u00a0 zuletzt hier in Bonn lebte, ehe er\u00a0 2003 verstarb. \u00a0Das Logo zeigt\u00a0 einen Vogel, der ein Kind in einem Tuch tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Der Verein Fl\u00fcchtlingskinder im Libanon arbeitet mit der \u00a0Partnerorganisation \u201eThe National Institution of Social Care and Vocational Training\u201c zusammen, das ein \u00a0Heim\u00a0 f\u00fcr Waisenkinder \u00a0hat: \u201eBait Atfal Assumoud\u201c.<\/p>\n<p>Ich kann\u00a0 leider kein Arabisch, aber <b><span style=\"text-decoration: underline;\">ein<\/span> <\/b>Wort habe ich von Pal\u00e4stinensern gelernt: Sumud =\u00a0 Standhaftigkeit.<\/p>\n<p>Ich bin noch nicht lange in der Pal\u00e4stina-Arbeit aktiv. Eines meiner ersten Erlebnisse war ein Vortrag, den ich zur Situation der \u00a0Fl\u00fcchtlinge im Libanon h\u00f6rte. Ich war schockiert, unter welchen Bedingungen \u00a0Pal\u00e4stinenser seit Generationen in den libanesischen Fl\u00fcchtlingslagern \u00a0leben\u00a0 m\u00fcssen \u2013 ohne jede Zukunftsperspektive.<\/p>\n<p>Mehr als 750.000 Pal\u00e4stinenser wurden von Israelis vertrieben, obwohl der UN-Teilungsplan, so fragw\u00fcrdig er war, vorsah, dass es zu keinen Vertreibungen kommen sollte.<\/p>\n<p>Darum hat die UN-Resolution 194 vom 8. Dezember 1948 das R\u00fcckkehrrecht der Pal\u00e4stinenser gefordert, eine der drei Grundforderungen Pal\u00e4stinas\u00a0 neben dem Ende der Besatzung und der Freilassung aller Gefangenen.<\/p>\n<p>Die Kairos-Erkl\u00e4rung pal\u00e4stinensischer Christen und Christinnen von 2009 sagt deshalb: \u201eEs war Unrecht, dass \u00a0wir aus dem Land vertrieben worden sind. Der Westen versuchte, das Unrecht, das Juden in den L\u00e4ndern Europas erlitten hatten, wieder gutzumachen, aber diese Wiedergutmachung ging auf unsere Kosten in unserem Land. Unrecht sollte korrigiert werden; das Ergebnis war neues Unrecht.\u201c (2-3-2)<\/p>\n<p>\u201eDie Pal\u00e4stinenser sind die letzten Opfer des Holocaust.\u201c Das sagt nicht\u00a0 nur meine New Yorker j\u00fcdische Freundin Lillian Rosengarten, \u00a0die 2011 den Gazastreifen besuchte, um die Pal\u00e4stinenser bei ihrem Kampf f\u00fcr die Menschenrechte das V\u00f6lkerrecht zu unterst\u00fctzen. Wer sich wie Ingrid Rumpf der \u00a0pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlinge annimmt, fragt unwillk\u00fcrlich, wie es zu \u00a0ihrem Schicksal gekommen ist.<\/p>\n<p>So war es nur folgerichtig, dass sich Ingrid Rumpf f\u00fcr das Entstehen der Nakba-Ausstellung einsetzte. Diese Ausstellung, die mit\u00a0 Unterst\u00fctzung des Evangelischen Entwicklungsdienstes zustande kam, \u00a0wurde erfolgreich in \u00a0124 Orten gezeigt.<\/p>\n<p>Sogar eine englische und eine franz\u00f6sische Version gibt es inzwischen davon,\u00a0 sie\u00a0 wurde im Foyer des Europaparlaments in Stra\u00dfburg gezeigt. Aus Anlass des Internationalen Tages der Solidarit\u00e4t mit dem pal\u00e4stinensischen Volk\u00a0 wird die Nakba-Ausstellung sie demn\u00e4chst\u00a0 auch \u00a0im Palast der Vereinten Nationen in\u00a0 Genf\u00a0 er\u00f6ffnet.\u00a0 Herzlichen Gl\u00fcckwunsch dazu!<\/p>\n<p>Um die Ausstellung zu zeigen, \u00a0waren oft nicht nur Widerst\u00e4nde zu \u00fcberwinden, sondern auch widerliche Verleumdungen zu ertragen, auf die Du, liebe Ingrid, \u00a0immer wieder mit erstaunlicher Ruhe und Gelassenheit reagiert hast.<\/p>\n<p>Wie schwierig es ist, die Nakba-Ausstellung zu zeigen, erleben wir hier in Bonn. Seit zwei Jahren suchen wir vergeblich nach einem Raum f\u00fcr die Nakba-Ausstellung.<\/p>\n<p>Die schlichte Ausstellung, die mit wissenschaftlicher Begleitung zustande kam, \u00a0erinnert \u2013 nat\u00fcrlich einseitig, was denn sonst \u2013 an Unrecht und Vertreibung, die das pal\u00e4stinensische Volk bei der Staatsgr\u00fcndung Israels erlitten hat.\u00a0 Jubelfeiern f\u00fcr den Staat Israel gibt es mehr als genug in Deutschland, daf\u00fcr sorgt die Israel- Lobby. Aber das Schicksal der Pal\u00e4stinenser wurde und wird\u00a0\u00a0 weitgehend \u00a0totgeschwiegen.<\/p>\n<p>Als ich als junger Student in einem Kibbuz in der N\u00e4he von Sderot arbeitete, wurde uns das israelische Narrativ erz\u00e4hlt, dass ein Gro\u00dfteil des Landes menschenleer gewesen sei, und dass die wenigen Pal\u00e4stinenser, die dort lebten, freiwillig weggezogen seien. Ilan Pappe hat mich eines anderen belehrt.<\/p>\n<p>Ich zitiere noch einmal aus der Kairos-Pal\u00e4stina-Erkl\u00e4rung: \u00a0\u201eZu den wichtigsten Zeichen der Hoffnung geh\u00f6rt die Beharrlichkeit der Generationen, ihr Glaube an die Gerechtigkeit ihrer Sache und die Aufrechterhaltung der Erinnerung, die die \u201eNakba\u201c (Katastrophe) und ihre Bedeutung nicht in Vergessenheit geraten l\u00e4sst.\u201c (3 \u20133-3)<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Nicht-Pal\u00e4stinenser mag es paradox klingen: ausgerechnet die Nakba, die Katastrophe als Zeichen der Hoffnung. Liebe Ingrid, \u00a0mit der Nakba-Ausstellung erinnerst Du nicht nur an ein\u00a0 f\u00fcr Pal\u00e4stina geschichtlich bedeutsames Ereignis, Du \u00a0\u00a0ber\u00fchrst den Nerv pal\u00e4stinensischer Identit\u00e4t.<\/p>\n<p>Sich der eigenen Unrechtsgeschichte stellen &#8211; das haben wir in Deutschland gelernt. Der fr\u00fchere Botschafter Israels in Deutschland, Avi Primor, hat in seiner Rede zum 9. November gew\u00fcrdigt, dass sich die Deutschen ihrer Unrechtsgeschichte stellen. F\u00fcr die meisten Israelis\u00a0 steht eine solche Lernerfahrung noch aus.<\/p>\n<p>Ein erster Schritt w\u00e4re ein Schuldbekenntnis, so sagt es Rolf Verleger von der J\u00fcdischen Stimme f\u00fcr einen gerechten Frieden. Ein notwendiger zweiter Schritt w\u00e4re Wiedergutmachung. Doch davon ist Israel weit entfernt. Es erfriert in der Leugnung seiner schuldhaften Geschichte.<\/p>\n<p>Eine der wenigen israelischen Organisationen, die sich der dunklen Seite der Gr\u00fcndungsgeschichte Israels stellen, ist die israelische Organisation Zochrot unter Leitung von\u00a0 Eitan Bronstein. Zochrot ist hebr\u00e4isch und hei\u00dft zu Deutsch: \u00a0Gedenken, Erinnerung. Zochrot will\u00a0 bewusst an das Unrecht und an das zigtausendfache Leid erinnern, das Juden Pal\u00e4stinensern mit der Vertreibung aus ihrer Heimat angetan haben. Davon \u00a0will die israelische Mehrheitsgesellschaft nichts wissen. Aber auch viele in \u00a0der deutschen Gesellschaft, sonst w\u00fcrde es nicht immer noch \u00a0Widerstand gegen die Nakba- Ausstellung geben.<\/p>\n<p>Oft werden das israelische und das pal\u00e4stinensische Narrativ nebeneinander gestellt, scheinbar neutral oder gar vers\u00f6hnlich. Nein, es gibt nur <b><span style=\"text-decoration: underline;\">eine<\/span><\/b> gemeinsame Geschichte, eine Geschichte der kolonialistischen Eroberer, die zugleich die Geschichte der Vertriebenen und der Unterdr\u00fcckten ist. Die Nakba der Pal\u00e4stinenser ist\u00a0 die dunkle Seite der\u00a0 j\u00fcdisch-israelischen Geschichte.<\/p>\n<p>Es muss nicht nur endlich politisch zur Anerkennung der Menschenrechte und des V\u00f6lkerrechts f\u00fcr Pal\u00e4stina kommen, es muss in Israel zu einem Umdenken kommen, auch wenn wir zur Zeit davon weiter denn je entfernt sind. Die j\u00fcdischen Propheten der hebr\u00e4ischen Bibel haben immer wieder zu Umkehr gerufen. Auch heute finden sich warnende Stimmen. Wenn Israel politisch, kulturell und spirituell \u00fcberleben will, braucht es diese Sinnes\u00e4nderung.<\/p>\n<p>Diejenigen in Deutschland, die die gegenw\u00e4rtige israelische Politik schweigend hinnehmen oder gar finanziell und milit\u00e4risch unterst\u00fctzen oder diejenigen zum Schweigen bringen wollen, die in der Nachfolge der Propheten das Unrecht anprangern, helfen mit,\u00a0 dass Israel sich abschafft, wie der Israeli Gershom Gorenberg in seinem Buchtitel sagt. Ohne Gerechtigkeit f\u00fcr das pal\u00e4stinensische Volk wird es\u00a0 keine Zukunft\u00a0 f\u00fcr\u00a0 Israel geben.<\/p>\n<p>Viele\u00a0 Israelis\u00a0\u00a0 jedoch hegen in be\u00e4ngstigender Weise\u00a0 einen blinden Hass\u00a0\u00a0 gegen Pal\u00e4stinenser, die\u00a0 sie nicht als Pal\u00e4stinenser, sondern als Araber bezeichnen, so wie sie es von Kindesbeinen an in ihren Schulb\u00fcchern gelernt haben. Wer diesen Hass nicht teilt, wird schnell als Antisemit, oder sofern er oder sie Jude ist, als j\u00fcdischer Selbsthasser bezeichnet.<\/p>\n<p>Zweimal habe ich in den letzten beiden Jahren das besetzte Pal\u00e4stina bereist, mich mit vielen Menschen und Vertretern von NGOs\u00a0 beider Seiten getroffen und bei pal\u00e4stinensischen Familien gelebt, aber mir ist\u00a0 bei Pal\u00e4stinensern kaum Hass gegen Juden begegnet.\u00a0 Der\u00a0 Film <em>Within the Eye of the Storm<\/em> erz\u00e4hlt die Geschichte der Freundschaft zwischen dem Israeli Rami Elhanan und dem Pal\u00e4stinenser Bassam Aramin, die beide ihre T\u00f6chter durch t\u00f6dliche Gewalt verloren haben. Ich werde nie vergessen, wie der Pal\u00e4stinenser Bassam Aramin nach einer Filmvorf\u00fchrung in Koblenz dem Publikum sagte, durch eine Hadsch nach Mekka sei ihm \u00a0bewusst geworden, dass Rache nicht in der Hand von Menschen liegt. Ich, der christliche Pfarrer, habe von einem Muslim\u00a0 gelernt, was Feindesliebe im Sinne des j\u00fcdischen Rabbi Jesus\u00a0 hei\u00dft.<\/p>\n<p>Liebe Ingrid, Du verbindest mit\u00a0 Deinem\u00a0 Engagement f\u00fcr den Verein Fl\u00fcchtlingskinder im Libanon, den Du gegr\u00fcndet hast,\u00a0 karitative, wohlt\u00e4tige Aktivit\u00e4ten mit eindeutigen politischen Stellungnahmen durch die Nakba-Ausstellung. Beides ist gleicherma\u00dfen notwendig f\u00fcr die Zukunft des pal\u00e4stinensischen Volkes, \u00a0damit es eines Tages selbstbestimmt in Freiheit und W\u00fcrde leben kann.<\/p>\n<p>Mit dem Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4tspreis wirst Du pers\u00f6nlich ausgezeichnet, aber mit Dir werden auch\u00a0 die vielen ausgezeichnet, die mit Dir gemeinsam im Team des Vereins Fl\u00fcchtlingskinder im Libanon \u00a0engagiert sind. Die Pal\u00e4stinensische Gemeinde in Deutschland und mit ihr alle Aktivisten, die sich f\u00fcr die Rechte der Pal\u00e4stinenser einsetzen, danken Dir f\u00fcr Deinen unerm\u00fcdlichen Einsatz. Wir w\u00fcnschen Dir pers\u00f6nlich, Deiner Familie, Deiner Arbeit und \u00a0Deinem Verein Segen und viel Erfolg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum zweiten Mal wird der Pal\u00e4stina Solidarit\u00e4tspreis am 23.11.2014 in Bonn verliehen, und zwar in diesem Jahr an Ingrid Rumpf. Mit diesem Preis w\u00fcrdigt die Jury ihren\u00a0 langj\u00e4hrigen Einsatz f\u00fcr Fl\u00fcchtlingskinder im Libanon. 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