{"id":15116,"date":"2025-08-04T16:57:30","date_gmt":"2025-08-04T16:57:30","guid":{"rendered":"http:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=15116"},"modified":"2025-08-04T17:00:21","modified_gmt":"2025-08-04T17:00:21","slug":"der-spiegel-ueber-den-hunger-in-gaza-und-die-israelische-propagandaoffensive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=15116","title":{"rendered":"DER SPIEGEL \u00fcber den Hunger in Gaza und die israelische Propagandaoffensive"},"content":{"rendered":"<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">\n<p><em><a href=\"http:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/25-07-29-spiegel-artikel-screenshot.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-15119 size-medium\" src=\"http:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/25-07-29-spiegel-artikel-screenshot-265x300.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/25-07-29-spiegel-artikel-screenshot-265x300.jpg 265w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/25-07-29-spiegel-artikel-screenshot-904x1024.jpg 904w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/25-07-29-spiegel-artikel-screenshot-300x340.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/25-07-29-spiegel-artikel-screenshot-768x870.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/25-07-29-spiegel-artikel-screenshot.jpg 908w\" sizes=\"auto, (max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Was der <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/gaza-krieg-die-palaestinenser-hungern-und-israel-startet-eine-propagandaoffensive-a-8d5eb96a-0f80-4ef1-9f27-0a4cb5a60b8e\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe<\/a> (leider hinter Bezahlschranke) berichtet, ist zwar nicht neu. Aber dass \u00fcber den Genozid jetzt endlich in einem der deutschen Leitmedien (neben vielen anderen inzwischen) berichtet wird &#8211;&nbsp;<strong>das ist neu und begr\u00fc\u00dfenswert! <\/strong>Hier einige Ausz\u00fcge aus dem Artikel.<\/em><\/p>\n<p><strong><span class=\"block text-primary-base dark:text-dm-primary-base font-sansUI font-bold lg:text-l md:text-l sm:text-base lg:mb-4 md:mb-6 sm:mb-6\">Brutaler Abnutzungskrieg im Gazastreifen &#8211;&nbsp;<\/span><span class=\"font-brandUI font-extrabold lg:text-7xl md:text-5xl sm:text-4xl leading-tight\"><span class=\"align-middle\">Die Pal\u00e4stinenser hungern, und Israel startet eine Propagandaoffensive<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div dir=\"auto\">Israel zerst\u00f6rt das Hilfssystem der Uno, ersetzt es durch die militarisierte, unprofessionelle Organisation GHF \u2013 und beschuldigt dann die Vereinten Nationen, f\u00fcr den Hunger in Gaza verantwortlich zu sein. So funktioniert Desinformation.<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">\n<p><em><b>Eine Analyse von Mathieu von Rohr<\/b><\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">Eine alte Regel der Propaganda lautet: Wiederhole eine gro\u00dfe Unwahrheit oft genug \u2013 und niemand wird mehr wissen, was er glauben soll. Russland hat diese Technik perfektioniert, etwa mit der Behauptung, die \u00bbGr\u00fcnen M\u00e4nnchen\u00ab auf der Krim h\u00e4tten nichts mit Moskau zu tun. Auch Israels Regierung nutzt diese Methode \u2013 selbst unter dem Druck weltweiter Proteste gegen das Aushungern der Menschen in Gaza.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Die Botschaften, die Netanyahus Regierung sendet, sind verwirrend widerspr\u00fcchlich: Erstens gebe es gar keinen Hunger in Gaza (das ist eine L\u00fcge). Zweitens sei in Wahrheit die Uno schuld an der schlechten Versorgungslage (ebenfalls eine L\u00fcge). Drittens l\u00e4sst Israel nun wegen des internationalen Drucks pl\u00f6tzlich wieder mehr Hilfen zu. Es warf sogar selbst die winzige Menge von sieben Paletten Hilfe aus der Luft \u00fcber Gaza ab, was reine Symbolpolitik ist \u2013 und ein indirektes Eingest\u00e4ndnis, dass der Hunger real ist.<\/div>\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Die IPC-Initiative, das international anerkannte und von Uno und WHO unterst\u00fctzte Instrument zur Einstufung von Ern\u00e4hrungskrisen, warnte am Dienstag erneut in drastischen Worten: Gaza erreiche derzeit \u00bbdas schlimmste Szenario einer Hungersnot\u00ab \u2013 eine Bewertung, die sonst etwa bei Katastrophen wie in Somalia oder im S\u00fcdsudan vergeben wurde.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Es gibt keinen Zweifel, dass Israel diese Hungerkrise selbst verursacht hat. Die Aushungerung der Bev\u00f6lkerung begann bereits im M\u00e4rz, als die Regierung Netanyahu die Einfuhr von Hilfsg\u00fctern monatelang nahezu vollst\u00e4ndig blockierte, um die Hamasunter Druck zu setzen. Netanyahu sagte damals: \u00bbIsrael hat entschieden, keine Waren und Hilfsg\u00fcter mehr nach Gaza zu lassen.\u00ab<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Der m\u00e4chtige, rechtsextreme Finanz- und Siedlungsminister Bezalel Smotrich dr\u00fcckte es plastischer aus: \u00bbNicht einmal ein Weizenkorn wird nach Gaza gelangen.\u00ab Smotrich hatte schon im vergangenen Jahr gesagt: \u00bbEs w\u00e4re gerecht und moralisch richtig, zwei Millionen Menschen in Gaza auszuhungern, nur wird die Welt uns nicht lassen.\u00ab<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">Ab Mai \u00fcbertrug die israelische Regierung die Ausgabe von Hilfslieferungen der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) \u2013 einer militarisierten, intransparenten Organisation mit Verbindungen zur israelischen Armee und US-Unternehmern. Weil die GHF gegen die humanit\u00e4ren Prinzipien von Neutralit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit verst\u00f6\u00dft, verweigern Uno und Hilfsorganisationen die Zusammenarbeit: Hilfe d\u00fcrfe nicht von einer Kriegspartei kontrolliert werden. Genau das geschieht hier jedoch faktisch.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<h1 dir=\"auto\"><b>Die M\u00e4r von der Hamas und den gestohlenen Hilfslieferungen<\/b><\/h1>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">Doch warum eigentlich zerst\u00f6rte Israel das funktionierende Hilfsverteilungssystem der Uno und der mit ihr kooperierenden internationalen Hilfsorganisationen? Die Begr\u00fcndung, die immer und immer wieder pr\u00e4sentiert wurde, lautete: Die Hamas stehle systematisch Hilfsg\u00fcter von der Uno, sie finanziere sich so. Belege blieb Israel schuldig. Die Uno selbst dementierte den Vorwurf stets in aller Klarheit . [&#8230;]<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">&nbsp;<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Mit anderen Worten: Die Geschichte vom gro\u00dfen Hilfsg\u00fcterklau der Hamas ist bislang unbelegt \u2013 und wird dennoch gezielt als Propagandainstrument eingesetzt.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">Trotzdem wurde sie vielfach aufgegriffen \u2013 auch deutsche Politiker wie Frank-Walter Steinmeier oder Armin Laschet wiederholten sie. In manchen Medien floss sie in der nachrichtlichen Berichterstattung als vermeintliche Tatsache ein.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Die Behauptung diente der israelischen Regierung als Vorwand, um das Hilfsverteilsystem der Uno und der mit ihr kooperierenden Hilfsorganisationen zu ersetzen. Die GHF \u00fcbernahm nun die Hilfsverteilung, mit katastrophalen Folgen. Denn die dubiose Organisation verteilt Hilfe nur an vier milit\u00e4risch gesicherten Standorten, zu denen die Menschen teils Stunden zu Fu\u00df gehen m\u00fcssen und an denen chaotische Zust\u00e4nde herrschen. Laut Uno wurden seit Mai in Gaza mehr als 1000 Menschen beim Versuch get\u00f6tet, an Nahrung zu gelangen.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<h1 dir=\"auto\"><b>Der Beschuss der Hilfesuchenden<\/b><\/h1>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">Zahlreiche Berichte, auch eigene Recherchen des SPIEGEL , belegen: Israelische Soldaten und GHF-S\u00f6ldner schossen auf Hilfesuchende an den Ausgabestellen. Die israelische Armee gab \u00bbWarnsch\u00fcsse\u00ab zu, die Milit\u00e4rstaatsanwaltschaft hat Untersuchungen eingeleitet. Soldaten berichteten in \u00bbHaaretz\u00ab , sie h\u00e4tten auf Befehl in die Menge gefeuert \u2013 mit t\u00f6dlichen Folgen. Ein ehemaliger US-Soldat, der f\u00fcr die GHF arbeitete, berichtete der BBC , Armeeangeh\u00f6rige h\u00e4tten gezielt auf Zivilisten geschossen. Er sei Zeuge von Kriegsverbrechen geworden. [&#8230;]<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Die Daten der zust\u00e4ndigen israelischen Beh\u00f6rde zeigen einen massiven Einbruch der Essenslieferungen , seit die GHF die Verantwortung \u00fcbernommen hat. Davor gelangte wochenlang gar nichts nach Gaza. Internationale Organisationen warnen seit Monaten eindringlich. Laut Weltern\u00e4hrungsprogramm hatte vergangene Woche ein Drittel der Menschen tagelang nichts zu essen \u2013 es gab erste Tote.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">Trotz aller Zahlen bestreitet Israels Regierung weiterhin, dass in Gaza gehungert wird.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<h1 dir=\"auto\"><b>Die \u00bbPallywood\u00ab-Verschw\u00f6rungstheorie<\/b><\/h1>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">In sozialen Netzwerken l\u00e4uft gleichzeitig eine anscheinend orchestrierte Desinformationskampagne: Bilder ausgehungerter Kinder oder verzweifelt an Suppenk\u00fcchen anstehender Menschen werden grunds\u00e4tzlich als F\u00e4lschungen bezeichnet, als angeblich KI-generiert oder aus anderen L\u00e4ndern stammend; verbunden mit menschenverachtender H\u00e4me. Influencer behaupten, die Hamas kontrolliere ohnehin alles, man d\u00fcrfe gar nichts glauben, als sei die Hamas allm\u00e4chtig und steuere jedes Bild, jeden Bericht.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Und nat\u00fcrlich nutzt die Hamas die Bilder des Hungers f\u00fcr sich, was aber nur m\u00f6glich ist, weil Israel diesen Hunger erzeugt hat und der Hamas damit diese Bilder liefert.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">Gaza wird f\u00e4lschlicherweise seit Beginn des Kriegs immer wieder als Ort dargestellt, aus dem angeblich keine glaubw\u00fcrdigen Informationen kommen \u2013 obwohl es verifizierbare Berichte und Bilder gibt. Doch die Botschaft aus dem propagandistischen Paralleluniversum lautet: In Gaza gibt es keine Opfer, nur Terroristen. In sozialen Netzwerken kursiert die \u00bbPallywood\u00ab-Verschw\u00f6rung: Jedes Bild aus Gaza sei inszeniert, jede Szene manipuliert. Es ist absichtliche Entmenschlichung \u2013 mit dem Ziel, jegliches Leid zu leugnen.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Dabei werden immer wieder Fotos von Kindern thematisiert, die bereits gesundheitlich beeintr\u00e4chtigt waren, und von denen deshalb besonders krasse Fotos entstehen. Doch auch diese Kinder m\u00fcssen, mit vern\u00fcnftiger Nahrung, Spezialmilch und Medikamenten, nicht hungern. Die Frage, ob sie bereits Krankheiten hatten, ist deshalb eine reine Ablenkung: Sie m\u00fcssen nicht sterben, wenn Israel eine ordentliche Versorgung der Bev\u00f6lkerung zulassen w\u00fcrde. Zudem wurde die medizinische Versorgung in Gaza weitgehend zerst\u00f6rt . Die Uno wie Hilfsorganisationen kategorisieren Tausende Kinder als mangelern\u00e4hrt.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Die Strategie geht so: Zweifel s\u00e4en, Bilder diskreditieren, Zahlen infrage stellen \u2013 auch wenn die Fakten eindeutig sind.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Dazu passt die Diskreditierung der Uno als unabh\u00e4ngige Hilfsdienstleisterin, Beobachterin und Warnerin. Die Uno genie\u00dft in Krisenregionen weltweit hohes Ansehen bei der Katastrophenhilfe. Doch Israels Regierung beschuldigt sie faktisch, mit Terroristen unter einer Decke zu stecken.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<h1 dir=\"auto\"><b>Israels Kampagne gegen die Uno<\/b><\/h1>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">Es begann mit der Kampagne gegen die UNRWA, das Uno-Pal\u00e4stinenserhilfswerk. Israel warf einem Dutzend Mitarbeiter Beteiligung am Terror des 7. Oktober vor. Die Organisation suspendierte die Betroffenen zwar umgehend. Doch die Regierung weitete die Vorw\u00fcrfe immer weiter aus, behauptete, ein gro\u00dfer Teil der UNRWA-Mitarbeiter habe Hamas-Verbindungen \u2013 ohne wirkliche Beweise vorzulegen. Einige unabh\u00e4ngige Untersuchungen fanden zwar \u00bbNeutralit\u00e4tsprobleme\u00ab, aber keine Hinweise auf systematische Verbindungen zur Hamas. Trotzdem wurde UNRWA international diffamiert, ihre Arbeit in Israel verboten. Viele Staaten, auch Deutschland, stellten vor\u00fcbergehend ihre Zahlungen ein, um sie dann sp\u00e4ter teilweise wiederaufzunehmen. Auch in Deutschland wird seither regelm\u00e4\u00dfig behauptet, UNRWA sei quasi identisch mit der Hamas. Es ist eine Verleumdung, die keine Belege mehr braucht, weil die Propaganda l\u00e4ngst ihre Wirkung getan hat.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Nach dem Ausschalten der UNRWA, der erfahrensten Hilfsorganisation in Gaza, \u00fcbernahmen andere Uno-Organisationen selbst \u2013 bis auch sie im Mai durch die GHF verdr\u00e4ngt wurden.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Inzwischen geht Israel auch gegen OCHA vor, das Katastrophenhilfsb\u00fcro der Uno. Dessen Leiter soll kein neues Visum erhalten \u2013 weil er \u00f6ffentlich kritisiert hatte, dass Menschen beim Anstehen f\u00fcr Hilfe an GHF-Verteilstationen erschossen wurden.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">Vergangene Woche folgte die n\u00e4chste absurde Wendung: Die Regierung machte ausgerechnet die entmachtete Uno f\u00fcr fehlende Hilfe verantwortlich: Sie verbreitete Drohnenvideos von Hilfspaletten an Grenz\u00fcberg\u00e4ngen, die die Uno nicht abgeholt habe. Dabei hatte die Uno schon davor immer wieder dar\u00fcber geklagt, dass sie ihre Arbeit wegen massiver israelischer Einschr\u00e4nkungen nur beschr\u00e4nkt machen k\u00f6nne. Etwa die H\u00e4lfte aller Transportanfragen f\u00fcr G\u00fcter innerhalb von Gaza seien von der Armee abgelehnt worden, es gebe komplizierte Genehmigungsprozesse. Viele Lieferungen w\u00fcrden zudem aus Verzweiflung gepl\u00fcndert \u2013 teils unter den Augen israelischer Soldaten. F\u00fcr die Sicherheit w\u00e4re laut V\u00f6lkerrecht wohl Israel als Besatzungsmacht verantwortlich.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Die GHF und Israels Regierung versorgen die Menschen offenkundig nicht ausreichend.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<h1 dir=\"auto\"><b>Die versuchte Verantwortungsverschiebung<\/b><\/h1>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">Dennoch versuchte Israels Regierung nicht nur der Uno die Schuld f\u00fcr den Hunger zuzuschieben \u2013 sie behauptet bis heute immer noch: Es gebe in Gaza gar keinen Hunger. Nicht einmal Donald Trump wollte Premierminister Benjamin Netanyahus grotesker Verzerrung der Realit\u00e4t am Montag noch zustimmen. Auf die Frage, ob er mit Netanyahu darin \u00fcbereinstimme, dass es keinen Hunger in Gaza gebe, antwortete der US-Pr\u00e4sident: \u00bbIch wei\u00df nicht. Wenn man sich das im Fernsehen anschaut, w\u00fcrde ich sagen: nicht unbedingt. Die Kinder sehen sehr hungrig aus.\u00ab Sp\u00e4ter f\u00fcgte er hinzu: \u00bbDas ist schon ein echtes Verhungern.\u00ab<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Am Sonntag hatte Israels Regierung bereits eine Kehrtwende eingeleitet, Israels Armee k\u00fcndigte t\u00e4gliche Feuerpausen in drei Regionen an, um Hilfe zuzulassen. Die Regierung erlaubte zugleich, dass die Uno verst\u00e4rkt Hilfsg\u00fcter auf dem Landweg aus \u00c4gypten nach Gaza bringt. Der Aktionismus demonstrierte: Israel hatte selbst die Hilfe blockiert, den Hunger verursacht \u2013 und gab unter internationalem Druck nun teilweise nach.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Ein paar Tage verbesserter Hilfe werden das Problem nicht l\u00f6sen. Das GHF-System bleibt unzuverl\u00e4ssig, ineffizient \u2013 und gef\u00e4hrlich. Es muss beendet werden. Auch Hilfslieferungen aus der Luft sind unzureichend, teuer, ineffizient, darin sind sich die Hilfsorganisationen einig: Die israelische Regierung muss der Uno und den renommierten internationalen Hilfsorganisationen wieder erlauben, zuverl\u00e4ssig Hilfe \u00fcber den Landweg einzuf\u00fchren. Und nat\u00fcrlich braucht es einen dauerhaften Waffenstillstand und einen Geiseldeal \u2013 um den verheerenden Krieg zu beenden, durch den es nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbeh\u00f6rde bereits mehr als 60.000 Tote gibt und der fast den ganzen Gazastreifen zerst\u00f6rt hat.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Stattdessen hat Netanyahu gerade einen Plan in seinem Kabinett vorgeschlagen, der vorsieht, Gaza in Teilen zu annektieren \u2013 um seine Koalition mit Rechtsextremen aufrechtzuerhalten. Laut israelischen Medienberichten k\u00f6nnte dieser Plan von einer erneuten Totalblockade Gazas begleitet werden.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Diese Wahrheiten sind leicht recherchierbar, sie sind auch nicht kompliziert \u2013 und doch setzen sie sich nicht immer durch. Am Sonntag sagte im \u00bbPresseclub\u00ab die Chefkorrespondentin der Deutschen Welle, es stehe in Bezug auf die Frage, wer am Hunger schuld sei, \u00bbAussage gegen Aussage\u00ab.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">&nbsp;<\/div>\n<div dir=\"auto\">Wenn selbst erfahrene Journalisten glauben, es stehe \u00bbAussage gegen Aussage\u00ab, war die Propaganda erfolgreich. Was bleibt, ist eine Kampagne der Schuldverschiebung \u2013 auf Uno, Helfer, Hungernde.<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was der SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe (leider hinter Bezahlschranke) berichtet, ist zwar nicht neu. Aber dass \u00fcber den Genozid jetzt endlich in einem der deutschen Leitmedien (neben vielen anderen inzwischen) berichtet wird &#8211;&nbsp;das ist neu und begr\u00fc\u00dfenswert! 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