{"id":1540,"date":"2014-11-26T12:00:06","date_gmt":"2014-11-26T11:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=1540"},"modified":"2014-11-26T15:02:03","modified_gmt":"2014-11-26T14:02:03","slug":"ehemaliger-mossad-chef-fuerchtet-um-die-zukunft-des-zionismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=1540","title":{"rendered":"Ehemaliger Mossad-Chef f\u00fcrchtet um die Zukunft des Zionismus"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Q2vMCCpV8Kg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/14-11-25-shabtei-shavit.jpg\" width=\"200\" height=\"121\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Ex-Mossad-Chef Shabtei Shavit auf der Herzliya Conference v. 10.06.14 auf youtube<\/p><\/div>\n<p>Immer mehr hohe israelische Milit\u00e4rs und Angeh\u00f6rige der Geheimdienste gehen auf Distanz zu Netanyahus Politik gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern. Die Kritik kommt also aus der Mitte des Zionismus und des politischen Establishments, und sie richtet sich immer mehr gegen den zunehmenden Einfluss der religi\u00f6sen Siedlerbewegung auf die offizielle Politik. Erst am 3. November 2014 hatten sich 106 ehemalige IDF-Gener\u00e4le und Mossad-Chefs \u00f6ffentlich zu Wort gemeldet (<a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=1476\" target=\"_blank\">wir berichteten<\/a>) und eine &#8222;Diplomatie f\u00fcr den Frieden&#8220; gefordert.<!--more--> Jetzt meldet sich (<a href=\"http:\/\/www.haaretz.com\/opinion\/.premium-1.628038\" target=\"_blank\">Ha&#8217;aretz v. 24.11.14)<\/a> Shabtai Shavit mit einem langen und ins Grunds\u00e4tzliche gehenden Artikel zu Wort. Shavit hat eine typische Karriere im israelischen Milit\u00e4r- und Sicherheitsapparat gemacht: von 1958 bis 1959 war er Milit\u00e4rgouverneur der IDF im Abschnitt S\u00fcd und dann ab 1964 beim Mossad, dem israelischen Au\u00dfengeheimdienst, wo er bis zum Generaldirektor aufstieg. Nach seiner Pensionierung war seine Karriere nicht zuende. Er war bzw. ist noch CEO der Maccabi Health Services Group, Chairman des Institute for Counter-Terrorism sowie Berater des Israel National Security Council, des Kommittees der Knesset f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten und f\u00fcr National Security (nach Wikipedia).<\/p>\n<p>Er w\u00e4re, schreibt Shavit, sehr besorgt \u00fcber die Zukunft des Zionismus&#8216;. Die Bedrohungen Israels w\u00fcrden immer dr\u00e4ngender, ebenso aber auch die Blindheit der Regierung, die politisch und strategisch wie gel\u00e4hmt erscheine. Die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten w\u00e4ren bei einem nie dagewesenen Tiefpunkt angelangt. Europa w\u00e4re Israel zunehmend &#8222;m\u00fcde&#8220; geworden und \u00fcberlege schon,\u00a0 gegen Israel Sanktionen zu verh\u00e4ngen. Russland wende sich immer mehr gegen Israel und f\u00f6rdere seine Feinde. Der Antisemitismus und der Hass gegen Israel h\u00e4tten Dimensionen erreicht wie seit der Zeit vor dem 2. Weltkrieg nicht mehr. &#8222;Unsere Diplomatie und unsere public relations&#8220;, schreibt Shavit, &#8222;sind kl\u00e4glich gescheitert, w\u00e4hrend die Pal\u00e4stinenser wichtige Erfolge erzielen konnten.&#8220;<\/p>\n<p>Bedrohlich w\u00e4re au\u00dferdem, dass Israel immer mehr an Unterst\u00fctzung in der akademischen Welt verlieren w\u00fcrde. Immer mehr j\u00fcdische Studenten w\u00fcrden sich von Israel abwenden. Im Gegenzug w\u00fcrde die globale BDS-Bewegung, die Israel delegitimiere und sogar von vielen Juden unterst\u00fctzt w\u00fcrde, an Gewicht gewinnen. Die in Israel so intensiv gef\u00fchrte Debatte \u00fcber die Preise von Milky Pudding Snacks schlie\u00dflich w\u00e4re nach Shavit ein deutliches Zeichen f\u00fcr <i>&#8222;eine Erosion der Solidarit\u00e4t, die eine notwendige Bedingung ist f\u00fcr die Existenz Israels.&#8220; Und: &#8222;Das Sicherheitsgef\u00fchl der Menschen in Israel ist in eine Krise geraten, was sich daran zeigt, dass immer Israelis sich einen ausl\u00e4ndischen Pass und damit eine zweite Staatsb\u00fcrgerschaft besorgen.&#8220; <\/i><\/p>\n<p>Shabtai Shavit beklagt sich \u00fcber die zunehmende Arroganz und \u00dcberheglichkeit der israelischen Regierung. Er kritisiert vor allem die Zunahme eines religi\u00f6s-messianischen Einflusses auf die Politik, was in der Konsequenz dazu f\u00fchre, dass der Konflikt mit den Pal\u00e4stinensern in einen heiligen Krieg (&#8222;a holy war&#8220;) verwandelt w\u00fcrde. Bislang h\u00e4tte es sich um einen lokalen, politischen Konflikt zwischen zwei kleinen Nationen um ein kleines St\u00fcck Land gehandelt. &#8222;Jetzt aber tun t\u00f6richterweise gro\u00dfe Teile der zionistischen Bewegung alles, um diesen Konflikt in einen schrecklichen Krieg zu verwandeln, in dem die gesamte islamische Welt sich gegen uns stellen wird.&#8220;<\/p>\n<p>Der Ex-Mossad-Chef scheut sich nicht, den gro\u00dfen historischen Vergleich zu ziehen. Der legend\u00e4re Bar Kochba h\u00e4tte einst einen heldenhaften, aber aussichtslosen Kampf gegen das R\u00f6mische Weltreich gek\u00e4mpft mit dem Ergebnis des schlie\u00dflich 2000 Jahre andauernden Exils f\u00fcr das j\u00fcdische Volk. Der vern\u00fcftige und liberale Teil in der israelischen Gesellschaft w\u00fcrde wissen, was Exil hei\u00dft: n\u00e4mlich die Zerst\u00f6rung Israels. Den religi\u00f6sen Sektor w\u00fcrde das wohl nicht weiter erschrecken. Er lebe nur aus Gr\u00fcnden der Zweckm\u00e4\u00dfigkeit in Israel. Den Haredim-Anh\u00e4ngern w\u00fcrde Israel und Brooklyn das gleiche bedeuten; sie w\u00fcrden weiterhin als Juden im Exil leben und geduldig auf die Ankunft des Messias warten. Die religi\u00f6se zionistische Bewegung glaube, dass die Juden das auserw\u00e4hlte Volk Gottes seien. F\u00fcr sie w\u00e4re das Land heilig, sie w\u00e4ren bereit, alles, selbst f\u00fcr den Preis des Scheiterns, daf\u00fcr zu opfern. Shavit erinnert an Menachim Begin, einem der V\u00e4ter der Vision von einem Gro\u00df-Israel (&#8222;Greater Israel&#8220;). Aber, als Begin die M\u00f6glichkeit f\u00fcr einen Frieden mit \u00c4gypten gesehen h\u00e4tte, h\u00e4tte er den Sinai aufgegeben. Der Frieden w\u00e4re ihm wichtiger als das Land gewesen.<\/p>\n<p>Was schl\u00e4gt Shavit vor? Israel sollte den archimedischen Punkt finden, um die bisherige und verh\u00e4ngnisvolle Entwicklung umzukehren. Israel sollte den Vorschlag der Arabischen Liga von 2002 aufzugreifen und zur Basis von umfassenden Gespr\u00e4chen machen. Als alter Geheimdienst-Mann setzt Shavit zuerst auf Geheimgespr\u00e4che: zuerst mit den USA, dann mit Saudi-Arabien. Nach einer Abkl\u00e4rung der Themen und der gegenseitigen Erwartungen, sollte Israel \u00f6ffentlich ank\u00fcndigen, dass es bereit w\u00e4re, Gespr\u00e4che auf der Grundlage des Dokuments der Arabischen Liga von 2002 zu beginnen. Shavit erhofft sich mit dieser Wende der israelischen Politik eine \u00e4hnlich Entwicklung wie nach den Oslo-Vereinbarungen . Fast jedes arabische Land h\u00e4tte angefangen, mit Israel zu sprechen und sich an vielen kooperativen Projekten auf \u00f6konomischen und anderen Gebieten zu beteiligen. Wenn sich gegenseitiges Vertrauen bilde, g\u00e4be es Chancen f\u00fcr eine Wende zum Besseren.<\/p>\n<p>Eine solche Initiative verlange allerdings &#8222;echte und mutige F\u00fchrerschaft&#8220;, schreibt Shavit. Vielleicht w\u00fcrde der Premierminister ja den Mut und die Entschlossenheit dazu finden. Er m\u00fcsste aber bereit sein, sich den &#8222;Aberwitz der gegenw\u00e4rtigen Politik&#8220; einzugestehen und zu erkennen, dass diejenigen, die Israel in diese bedrohliche Lage gebracht h\u00e4tten, der religi\u00f6se Zionismus und der rechte Fl\u00fcgel in Israels Politik w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Nicht ohne Pathos schreibt der Ex-Mossad-Chef am Schluss: <i>&#8222;Ich habe diesen Beitrag geschrieben, weil f\u00fchle, dass ich sie meinen Eltern, die ihr Leben dem Zionismus gewidmet haben, schuldig bin. Und meinen Kindern, Enkeln und dem Volk Israel, dem ich zwei Jahrzehnte gedient habe.&#8220; <\/i><i>(&#8222;I wrote the above statements because I feel that I owe them to my parents, who devoted their lives to the fulfillment of Zionism; to my children, my grandchildren and to the nation of Israel, which I served for decades.&#8220;) <\/i><\/p>\n<p><i>S\u00f6nke Hundt<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mehr hohe israelische Milit\u00e4rs und Angeh\u00f6rige der Geheimdienste gehen auf Distanz zu Netanyahus Politik gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern. 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