{"id":15726,"date":"2025-11-03T09:01:57","date_gmt":"2025-11-03T09:01:57","guid":{"rendered":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=15726"},"modified":"2025-11-03T09:01:57","modified_gmt":"2025-11-03T09:01:57","slug":"nicht-in-unserem-namen-erfahrungsberichte-juedischer-studierender-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=15726","title":{"rendered":"\u201eNicht in unserem Namen\u201c \u2013 Erfahrungsberichte j\u00fcdischer Studierender in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>PT. &#8222;Ich habe mich noch nie zuvor in Deutschland als J\u00fcdin und Ausl\u00e4nderin so bedroht gef\u00fchlt wie jetzt. Es ist das erste Mal in all den Jahren, die ich hier lebe, dass ich tats\u00e4chlich Bedenken habe, meine Meinung in der \u00d6ffentlichkeit zu \u00e4u\u00dfern, aus Angst, ich k\u00f6nnte das Recht verlieren, weiterhin zu leben, wo ich lebe. Der offizielle deutsche Diskurs, auch an der Universit\u00e4t, an der ich studiere, setzt Juden und J\u00fcdinnen mit Unterst\u00fctzer*innen Israels gleich und bestraft diejenigen, die sich dagegen aussprechen.<!--more--> Das Universit\u00e4tspr\u00e4sidium verschickte in den Wochen nach dem 7. Oktober E-Mails an alle, in denen es hie\u00df, dass j\u00fcdische Menschen in Gefahr seien und Grund zur Angst h\u00e4tten. Sie entschieden sich daf\u00fcr, anstatt anzuerkennen, dass ihre Studierenden unterschiedliche Hintergr\u00fcnde haben, und anstatt diesen Raum und diese Zeit als Gelegenheit zum Lernen oder zur gemeinsamen Reflexion zu nutzen. In diesen ungenauen Warn-E-Mails sehe ich die gr\u00f6\u00dfte Gefahr. Angesichts des Aufstiegs der extremen Rechten interpretiere ich diese Warnungen eher als Drohung denn als Schutzma\u00dfnahme.&#8220;<\/p>\n<p>Das ist eine \u00c4u\u00dferung aus einer Befragung, die das&nbsp;<strong>JSC (Jewish Solidarity Collective)<\/strong> vorgenommen hat. <em><strong>Das JSC<\/strong> ist eine Aktivist*innengruppe j\u00fcdischer antizionistischer Studierender und Universit\u00e4tsmitarbeitender aus Berlin, die sich solidarisch mit Pal\u00e4stina zeigt. Das <strong>JSC<\/strong> arbeitet auf der Grundlage eines intersektionalen Verst\u00e4ndnisses von Unterdr\u00fcckung und der gemeinsamen Erkenntnis, dass die Sicherheit j\u00fcdischer Menschen nicht durch die Unterdr\u00fcckung anderer Gruppen gew\u00e4hrleistet werden kann. Es kann erreicht werden <a href=\"mailto:mjscollective@protonmail.com\">per Mail<\/a> oder \u00fcber <a href=\"mailto:https:\/\/www.instagram.com\/jewishsolidaritycollective\">Instagram<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><strong>Das Jewish Solidarity Collective (JSC) reagiert auf den Forderungskatalog der JSUD (J\u00fcdische Studierendenunion Deutschlands)&nbsp;<\/strong><strong>mit einer eigenen Sammlung von Erfahrungsberichten j\u00fcdischer Studierender. Diese Stimmen widersprechen dem offiziellen Narrativ: Statt Schutz erfahren viele von ihnen Repression und politische Vereinnahmung. Die Replik kritisiert die Gleichsetzung von Antisemitismusbek\u00e4mpfung mit pro-israelischer Loyalit\u00e4t \u2013 und zeigt, wie deutsche Hochschulen j\u00fcdische Identit\u00e4t zur Legitimation autorit\u00e4rer Politik instrumentalisieren.<\/strong><\/p>\n<p>Am 15. Oktober 2025 legte die JSUD (J\u00fcdische Studierendenunion Deutschlands) den Wissenschaftsminister*innen der Bundesl\u00e4nder auf der Wissenschaftsministerkonferenz im Rahmen der Kultusministerkonferenz (KMK) einen Forderungskatalog mit dem Titel \u201e<a href=\"https:\/\/ugc.production.linktr.ee\/216474dd-6b01-4b6b-9b96-9a25907e9c73_Forderungskatalog-der-JSUD-gegen-Antisemitismus-an-Hochschulen.pdf\">Wissenschaftsfreiheit verteidigen hei\u00dft Antisemitismus bek\u00e4mpfen<\/a>!\u201c vor. Der Forderungskatalog d\u00fcrfte wohl in den kommenden Tagen auf der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) diskutiert werden, da er Forderungen enth\u00e4lt, die sich speziell an die HRK richten. Das Dokument der JSUD pr\u00e4sentiert au\u00dferdem die Ergebnisse einer Umfrage, in der studentische Erfahrungen mit Diskriminierung auf dem Campus beschrieben werden, darunter beunruhigende Berichte \u00fcber Antisemitismus.&nbsp;<\/p>\n<p>In den Abbildungen des Katalogs werden klare und verst\u00f6rende Beispiele f\u00fcr unbestreitbaren Antisemitismus neben \u00c4u\u00dferungen der Solidarit\u00e4t mit Pal\u00e4stinenser*innen platziert, ohne dass zwischen diesen Kategorien unterschieden wird. So wird beispielsweise ein Bild des Graffitis \u201eJuden -&gt; Auschwitz\u201c mit einem Graffiti mit dem Schriftzug \u201eFree Palestine\u201c collagiert, wodurch eine Verbindung oder sogar Bedeutungsgleichheit zwischen den beiden Aussagen suggeriert wird (S. 42). Viele der Textbeitr\u00e4ge in diesem Dokument vermitteln den Eindruck von Einseitigkeit und Voreingenommenheit. Die Auswahl der befragten Studierenden erfolgte nach dem \u201eSchneeballprinzip\u201c durch \u201edie Kan\u00e4le der J\u00fcdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD)\u201c und \u201e\u00fcber Netzwerke des Jungen Forums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft\u201c. (S. 23). Diese Methode der Datenerhebung kann leicht ein Bild von Einheitlichkeit erzeugen. Die in dem Bericht beschriebenen Erfahrungen spiegeln jedoch in keiner Weise die Erfahrungen unseres Alltags als j\u00fcdische Studierende wider. Unserer Ansicht nach leistet das Dokument lediglich Lippenbekenntnisse zur Achtung der Vielfalt des j\u00fcdischen Lebens, w\u00e4hrend alle relevanten j\u00fcdischen Perspektiven, die nicht mit der dargestellten Meinung \u00fcbereinstimmen, ausgeschlossen werden.&nbsp;<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Der ganze Artikel hier: <a href=\"https:\/\/etosmedia.de\/politik\/nicht-in-unserem-namen-erfahrungsberichte-juedischer-studierender-in-deutschland\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/etosmedia.de\/politik\/nicht-in-unserem-namen-erfahrungsberichte-juedischer-studierender-in-deutschland\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PT. &#8222;Ich habe mich noch nie zuvor in Deutschland als J\u00fcdin und Ausl\u00e4nderin so bedroht gef\u00fchlt wie jetzt. 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