{"id":16986,"date":"2026-08-24T18:27:07","date_gmt":"2026-08-24T18:27:07","guid":{"rendered":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=16986"},"modified":"2026-08-24T18:32:49","modified_gmt":"2026-08-24T18:32:49","slug":"ich-wuerde-auch-jetzt-wieder-auf-ein-schiff-steigen-interview-mit-dem-kuenstler-engin-dogan-ueber-seine-erfahrungen-bei-der-global-sumud-flotilla-und-isra","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=16986","title":{"rendered":"\u201eIch w\u00fcrde auch jetzt wieder auf ein Schiff steigen\u201c \u2013 Interview mit dem K\u00fcnstler Engin Dogan \u00fcber seine Erfahrungen bei der \u201eGlobal Sumud Flotilla\u201c und israelische Folter"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_16989\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/engin-neu-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16989\" class=\"wp-image-16989 size-medium\" src=\"http:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/engin-neu-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/engin-neu-300x300.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/engin-neu-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/engin-neu-768x768.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/engin-neu-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/engin-neu-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16989\" class=\"wp-caption-text\">Engin Dogan am 16.8. in Bremen<\/p><\/div>\n<p><em><strong>Vorbemerkung<\/strong>: Engin Dogan war am 16. August 2026 mit der Crew der &#8222;Handala II&#8220; nach Bremen gekommen, um hier \u00fcber die Erlebnisse zu informieren. <a href=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=16965\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wir berichteten ausf\u00fchrlich<\/a> mit einem Video auf weltnetz.tv. Hier nun ein sehr ausf\u00fchrliches Interview mit dem K\u00fcnstler auf den NachDenkSeiten. Wir bringen daraus einige Ausz\u00fcge. <\/em><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155263\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Der vollst\u00e4ndige Text hier.<\/em><\/a><\/p>\n<p>Der Aschaffenburger K\u00fcnstler <strong>Engin Dogan<\/strong> hat von April bis Mai 2026 an der Global Sumud Flotilla teilgenommen. Wie mehr als 400 weitere Aktivisten hat er versucht, per Segelboot \u00fcber das Mittelmeer nach Gaza zu gelangen, um dort Hilfsg\u00fcter zu verteilen. Die israelische Armee stoppte die Aktion jedoch auf hoher See und verschleppte die Aktivisten nach Israel. Im Mai l\u00f6ste ein Video des israelischen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir, in dem zu sehen ist, wie er Flotilla-Aktivisten dem\u00fctigt, weltweit Entr\u00fcstung aus. Das Interview f\u00fchrten <strong>Mawuena Martens<\/strong> und <strong>Dominik Wetzel<\/strong>.<!--more--><br \/>\n<strong>Martens\/Wetzel: Herr Dogan, Sie sind von der israelischen Armee entf\u00fchrt worden. Wie muss man sich das vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Engin Dogan<\/strong>: Es kamen links und rechts \u2013 zack, zack \u2013 zwei Drohnen an unser Segelboot heran. Am Horizont tauchte ein gro\u00dfes Kriegsschiff auf. Dann rasten zwei Schnellboote auf uns zu, mit je ungef\u00e4hr zehn Soldaten an Bord. Sie haben auch auf uns geschossen. Beim ersten Mal ein paar Stunden zuvor hatten wir Seile ins Meer geschmissen, damit sie sich in den Schiffsschrauben der Milit\u00e4rboote verheddern. Die Soldaten waren dementsprechend wohl etwas unentspannter. Als sie uns gekapert hatten, mussten wir uns bis auf Hose und T-Shirt ausziehen und sind so auf das Kriegsschiff gebracht worden. Dann hatten sie diesen deutschen Pass und wollten herausfinden, wer der Deutsche ist. Einer hat auch seine Knarre gestreichelt und sich f\u00fcr seine Waffe bei mir bedankt. Bei Deutschen sind sie immer ein bisschen kreativer geworden als bei den anderen.<\/p>\n<p><strong>War es eine deutsche Waffe?<\/strong><\/p>\n<p>Das wei\u00df ich nicht. Er hat es, glaube ich, gemacht, weil Deutschland einen gro\u00dfen Teil der Waffen Israels liefert. Mit kreativ meine ich, dass sie Deutsche entweder f\u00fcr die Vergangenheit \u201eabgefuckt\u201c haben oder aber so Sachen sagten wie: \u201eVielen Dank f\u00fcr deine Geschichte, jetzt k\u00f6nnen wir mit deinem Land so spielen wie im Fu\u00dfball.\u201c Das habe ich selbst erlebt. Drei Mal kamen sie auch mit der Hitlernummer.<\/p>\n<p><strong>Noch einmal einen Schritt zur\u00fcck. Wie kam es \u00fcberhaupt zu Ihrer Teilnahme an der Flotilla?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben vergangenes Jahr schon eine Gaza-Demo in Aschaffenburg organisiert. Dabei hat Zohar Regev eine Rede gehalten. Sie ist eine von denjenigen, die schon seit Jahren bei der Global Sumud Flotilla mitsegelt. Sie ist jedes Jahr dabei und hat f\u00fcr mich ein gutes Wort bei den Organisatoren eingelegt. Drei Tage bevor das Training in Sizilien losging, habe ich dann eine Nachricht bekommen. Das war echt spontan. Aber ich habe mich direkt auf den Weg gemacht.<\/p>\n<p><strong>Es fahren also jedes Jahr Boote in Richtung Gaza? Bekannt war bisher ja eigentlich nur die Mavi Marmara von 2010, als zehn Aktivisten von israelischen Soldaten get\u00f6tet wurden.*<\/strong><\/p>\n<p>Ja, jedes Jahr. Das ist keine Demonstration, das ist Widerstand, der geleistet wird. Wir h\u00f6ren nicht auf. Es w\u00e4re ja voll daneben, wenn wir aufh\u00f6ren w\u00fcrden, nur weil wir etwas abgekriegt haben. Ganz im Gegenteil, die Bewegung wird immer gr\u00f6\u00dfer. Sollen die Israelis sch\u00f6n weitermachen \u2013 wir n\u00e4mlich auch. Und wir gehen ihnen gerade m\u00e4chtig gegen den Strich. Sie haben ganz sch\u00f6n Probleme und m\u00fcssen Abstriche machen wegen uns. Unsere M\u00fchen sind nicht umsonst.<\/p>\n<p><strong>Weil eure Aktionen das israelische Milit\u00e4r binden?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, aber auch auf politischer Ebene. Einige der faschistischen Minister d\u00fcrfen jetzt in zehn L\u00e4ndern nicht mehr einreisen. Weltweit wurden israelische Botschafter einberufen und zurechtgewiesen. Selbst der Premier Benjamin Netanjahu ist mal ganz kurz zur\u00fcckgerudert. Das hat er allerdings nur wegen des Videos von Polizeiminister Ben-Gvir. Mit dem Video hat Ben-Gvir uns allerdings einen riesigen Gefallen getan und sich selbst in die Kniescheibe geschossen. Unz\u00e4hlig mehr Leute haben darauf reagiert, viel mehr, als wenn unsere Organisation das Video ver\u00f6ffentlicht h\u00e4tte. Und im vergangenen Herbst sind auch wegen der Flotilla Tausende in Italien auf die Stra\u00dfen gegangen.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie mitgekriegt, wie das Video aufgenommen wurde?<\/strong><\/p>\n<p>Nein. Erst als ich aus Israel herauskam, war ich, wie viele andere von uns, total verbl\u00fcfft \u2013 besonders \u00fcber die Resonanz.<\/p>\n<p><strong>Wenn Sie nichts von der Anwesenheit von Ben-Gvir gemerkt haben, woran k\u00f6nnen Sie sich dann erinnern?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe die ganze Zeit eigentlich nur den Boden angeglotzt und die Schwei\u00dfperlen gez\u00e4hlt, die von meiner Nasenspitze getropft sind. Das war meine einzige Besch\u00e4ftigung. Man hat auch nicht von der Stressposition hochgeschaut, weil man sonst direkt bestraft worden ist. Irgendwann habe ich mich jedoch hingesetzt, weil mein Fu\u00df am Explodieren war. Die Haut war schon gerissen, das war ein unfassbarer Schmerz.<\/p>\n<p><strong>Was war mit Ihrem Fu\u00df passiert?<\/strong><\/p>\n<p>Am besten, ich fange von vorne an: Als wir in Sizilien losgesegelt sind, haben die Israelis uns schon nach drei Tagen attackiert. Wir waren total vor den Kopf gesto\u00dfen, weil wir nicht damit gerechnet hatten, dass sie so weit hinausgehen w\u00fcrden. Das war ja in internationalen Gew\u00e4ssern.<\/p>\n<p><strong>Wie wurdet ihr angegriffen? Mit Drohnen?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, mit Kriegsschiffen und Speedbooten, das volle Programm. Die Israelis haben Leute von einem Teil der Boote geholt, haben die Motoren kaputtgeschlagen und Segel zerschnitten. Bei einem Boot, das finde ich besonders krass, haben sie die Besatzung man\u00f6vrierunf\u00e4hig auf dem Meer zur\u00fcckgelassen \u2013 obwohl ein Sturm aufzog. Ich habe Gott sei Dank zu den Gl\u00fccklichen geh\u00f6rt, die im Morgengrauen bei einer griechischen Insel ankamen. Ein Boot unserer Flottille konnte die Leute von dem kaputten Boot retten. \u00dcber das, was die Israelis da gemacht haben, redet keiner, obwohl es versuchter Mord ist. Nach diesem Vorfall waren wir relativ lange auf Kreta, weil wir auf diejenigen gewartet haben, die auf einem Kriegsschiff gefangen waren und irgendwann nach Kreta gebracht wurden. Ein paar wurden dann gezwungen, nach Hause zu fliegen, ein paar haben es geschafft, haben sich nicht n\u00f6tigen lassen und sind auf die Boote zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Der vollst\u00e4ndige Text hier: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155263\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155263<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung: Engin Dogan war am 16. August 2026 mit der Crew der &#8222;Handala II&#8220; nach Bremen gekommen, um hier \u00fcber die Erlebnisse zu informieren. Wir berichteten ausf\u00fchrlich mit einem Video auf weltnetz.tv. 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