{"id":176,"date":"2014-04-14T06:47:42","date_gmt":"2014-04-14T06:47:42","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=176"},"modified":"2014-04-15T06:00:59","modified_gmt":"2014-04-15T06:00:59","slug":"24h-jerusalem-eine-durchaus-interessante-sendung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=176","title":{"rendered":"&#8222;24h Jerusalem&#8220; &#8211; eine durchaus interessante Sendung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/14-04-13-arte-jerusalem-bild3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-179\" alt=\"14-04-13 arte jerusalem bild3\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/14-04-13-arte-jerusalem-bild3-200x150.jpg\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a>Araber k\u00f6nnen gut erz\u00e4hlen. Diese Geschichte oder dieses Gleichnis \u00fcber die Juden und die Pal\u00e4stinenser erz\u00e4hlte <em>Dr. Mahdi Abdul Hadi<\/em> in der letzten Viertelstunde der Sendung kurz vor Mitternacht:\u00a0 &#8222;Einer springt aus einem brennenden Haus und st\u00fcrzt auf einen Fu\u00dfg\u00e4nger, dem er dabei das Gnick bricht. Der beschwert sich: &#8218;Du hast mir das Genick gebrochen&#8216; . Da f\u00e4ngt der eine an, ihm auch noch alle Knochen zu brechen. Und er hat Angst davor, damit aufzuh\u00f6ren. Sagt der andere: &#8218;Du hast mein Genick nicht absichtlich gebrochen. Aber du musst jeden Knochen verantworten, den du jetzt brichst.&#8216; <!--more-->Der eine aber ignoriert den anderen und behauptet sogar, er habe niemandem das Genick gebrochen. So ist die tats\u00e4chliche Situation heute. Als sie aus Europa und anderen Teilen der Welt hierher gekommen sind, haben sie unser Genick gebrochen. Jetzt k\u00f6nnen sie uns nicht noch alle Knochen brechen!&#8220;<\/p>\n<p><em>Dr. Mahdi Abdul Hadi<\/em> ist pal\u00e4stinensischer Historiker und lebt im armenischen Viertel der Jerusalemer Altstadt. Er gr\u00fcndete 1987 die &#8222;Palestinian Academic Society for the Study of International Affairs (PASSIA)&#8220;.<\/p>\n<h2>Zur Sendung<\/h2>\n<p>In der Sendung &#8222;24h Jerusalem&#8220;, die am 12. April 2014 von Arte und dem Bayrischen Rundfunk von morgens 6 Uhr bis Mitternacht nonstop ausgestrahlt wurde, kamen nach Angaben von Arte 90 vollkommen unterschiedliche Bewohner Jerusalems zu Wort und ins Bild. Es ist ja an sich eine faszinierende Idee, die Menschen und ihren Alltag in einer Stadt zu zeigen. Und diese Idee hat der Berliner Filmemacher <em>Volker Heise<\/em> mit einem gigantischen finanziellen und logistischen Aufwand in Szene gesetzt: 70 unterschiedliche Kamerateams mit mehr als 200 Filmschaffenden, darunter viele bekannte Regisseure, haben an einem Tag 24 Stunden lang unz\u00e4hlige Menschen in Jerusalem begleitet und gefilmt und aus insgesamt 500 Stunden Filmaterial eine Sendung zusammengestellt, die an einem einzigen Tag gesendet wurde.<\/p>\n<p>Vordergr\u00fcndig war &#8222;24h Jerusalem&#8220; zwar eine Sendung f\u00fcr die Zuschauer. Aber sie k\u00f6nnen wohl nicht gemeint gewesen sein, weil sich niemand von morgens bis abends vor die Glotze setzen kann und wird. Wichtiger und ausschlaggebend f\u00fcr den Erfolg war dagegen die riesige und einzigartige Medienstory, die mit dem Konzept erz\u00e4hlt werden konnte. Und von (fast) allen Medien auch wiedererz\u00e4hlt wurde.<\/p>\n<p>Zum Inhalt der Sendung \u00fcber eine so politische und problematische und alte Stadt in einem Brennpunkt der Weltgeschichte und -politik l\u00e4sst sich schwer etwas sagen. Zu lang war die Sendung, und zu kaleidoskopartig, und aus vielen kurzen optischen und akustischen Informationsschnipseln war sie zusammengesetzt.<\/p>\n<h2>Konflikte um die Sendung<\/h2>\n<p>Im Vorfeld hatte es Konflikte um die Ausgewogenheit dieses Projektes gegeben. Er h\u00e4tte zwar, so <em>Thomas Kufus,<\/em> Chef der Produktionsfirma Zero One 24, von Anfang an ein &#8222;System penibler Parit\u00e4t&#8220; verfolgt aber wohl doch die Brisanz untersch\u00e4tzt. Der Vorwurf an das Projekt (so Welt-online v. 11.04.14), die Dokumentation ergreife einseitig Partei f\u00fcr Israel und normalisiere die israelische Besatzung, h\u00e4tte sogar zum Abbruch der Dreharbeiten gef\u00fchrt. &#8222;Wir haben die Explosivkraft dieses Projekts und dessen politische Bedeutung in der Stadt trotz f\u00fcr gut empfundener Planung untersch\u00e4tzt und sind offen in den Boykott gerannt&#8220;, so <em>Thomas Kufus.<\/em> Fast w\u00e4re das gesamte Filmprojekt gescheitert &#8222;an den politischen Konflikten in Jerusalem und an der Blau\u00e4ugigkeit seiner Macher, die nicht mit der hartn\u00e4ckigen Obstruktionspolitik pal\u00e4stinensischer Aktivisten gerechnet hatten. Nach zwei Jahren Vorbereitungszeit sollte am 6. September gedreht werden. Doch kurz vor Drehbeginn riefen pal\u00e4stinensische Aktivisten die pal\u00e4stinensischen Filmteams und Protagonisten zum Boykott auf. Einzelne wurden direkt unter Druck gesetzt.&#8220; Nach einem neuen Anlauf wurde &#8222;separiert&#8220;. Je 20 pal\u00e4stinensische, israelische und europ\u00e4ische Teams begleiteten die ebenso parit\u00e4tisch zusammengesetzten 90 Protagonisten durch den Tag. Zehn Teams waren f\u00fcr Sonderaufgaben vorgesehen, zum Beispiel Luftaufnahmen.&#8220;<\/p>\n<h2>&#8222;Ausgewogenheit&#8220;? &#8211; israelische Propaganda?<\/h2>\n<p>Wurde nun die gew\u00fcnschte &#8222;Ausgewogenheit&#8220; der Sendung erreicht, und konnte sie auch vom Zuschauer sogar verstanden werden? Die Frage kann, wie gesagt, schon wegen der schieren L\u00e4nge der Sendung und wegen ihres Puzzle- und Schnipsel-Charakters nicht beantwortet werden. Aber trotzdem: ein Hoch auf den deutschen \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk! Es ist wirklich keine Sendung produziert worden, die konform ging mit der \u00fcblichen israelischen Propaganda!<\/p>\n<p><em>Ulrich W. Sahm<\/em>, bekannter Nahost-Korrespondent, der u.a. den Weserkurier, die Hannoversche Allgemeine, die Neue Ruhr Zeitung, die Sender n-tv und viele andere Medien mit Artikeln aus Jerusalem versorgt und der Politik der israelischen Regierung und der Ideologie der Siedlerbewegung nahestehend, hatte an &#8222;24h Jerusalem&#8220; viel auszusetzen und fand fast alles falsch oder wenigstens schief dargestellt. &#8222;Dank Arte&#8220;, so Sahm im <a href=\"http:\/\/heplev.wordpress.com\/2014\/04\/13\/23630\/\">WordPress-Blog &#8222;heplev&#8220; <\/a>am 13.04.14, &#8222;erf\u00e4hrt man, dass fast alle Juden in der Stadt fromm bis ultraorthodox sind oder Uniform tragen und Pal\u00e4stinenser kontrollieren, mit Pferden niedertrampeln oder schikanieren.&#8220; Die betont hervorgehobene graue Beton-\u201eMauer\u201c verliefe zwar laut Landkarte \u00fcberwiegend am Stadtrand, aber wie von Arte dargestellt, ziehe sie mitten durch die Stadt. Unter den Juden g\u00e4be es in der Sendung \u00fcberwiegend \u201eExtremisten\u201c, \u201eradikale Siedler\u201c, \u201eschikanierende Polizisten\u201c und vergleichsweise viele linke Aktivisten mit scharfer Kritik an der israelischen Regierung. &#8222;Herausgekommen ist&#8220;, so Sahm am Schluss seiner Arte-Beschimpfung, &#8222;eine einseitige pro-pal\u00e4stinensische oder eher anti-israelische Propaganda-Show, auch wenn sie in den Nachtstunden mit langen Interviews uralten Holocaust\u00fcberlebenden und der j\u00fcdischen Seite mehr Gewicht gegeben haben.&#8220;<br \/>\n<em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Araber k\u00f6nnen gut erz\u00e4hlen. 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