{"id":198,"date":"2014-04-16T10:11:43","date_gmt":"2014-04-16T10:11:43","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=198"},"modified":"2014-04-22T08:38:07","modified_gmt":"2014-04-22T08:38:07","slug":"hauszerstoerung-zerstoerung-des-friedens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=198","title":{"rendered":"Hauszerst\u00f6rung \u2013 Zerst\u00f6rung des Friedens"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_201\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/14-03-03-03.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-201\" class=\" wp-image-201\" alt=\"14-03-03 03\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/14-03-03-03-200x150.jpg\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-201\" class=\"wp-caption-text\">Jeff Halper, Anthropologe und Friedensaktivist<\/p><\/div>\n<p>Von <em>Jeff Halper<\/em> (Direktor des israelischen Komittees gegen Hauszerst\u00f6rungen, ICAHD)<\/p>\n<p>Die Judaisierung Jerusalems und der West Bank schreitet z\u00fcgig weiter voran, trotz (und tats\u00e4chlich wegen) der sogenannten Kerry-Initiative. W\u00e4hrend der vergangenen Monate hat die israelische Regierung ihre Kampagne der Zerst\u00f6rungen in Jerusalem, in der strategisch wichtigen E1 Zone zwischen Jerusalem und der Siedlung Maale Adumin, in den H\u00fcgeln s\u00fcdlich von Hebron und im Jordantal intensiviert. <!--more--><\/p>\n<p>Nach Zahlenmaterial der UN wurden in den ersten zwei Monaten des Jahres 2014 231 Pal\u00e4stinenser aus ihren H\u00e4usern vertrieben. In diesem Zeitraum wurden\u00a0 132 Geb\u00e4ude zerst\u00f6rt &#8211; eine klare Steigerung gegen\u00fcber dem Jahr 2013, in dem insgesamt 1103 Geb\u00e4ude zerst\u00f6rt und 663 Menschen vertrieben wurden. Das war bis dahin, bezogen auf die vorangegangenen Jahre, ein Rekord. Neben Wohnh\u00e4usern bezieht sich der Begriff \u2018Geb\u00e4ude\u2019 sowohl auf St\u00e4lle und eingez\u00e4unte Bereiche als auch auf Wasserspeicher und sogar auf \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude, wie etwa Schulen, allesamt essentiell f\u00fcr das \u00dcberleben und das Gemeindeleben der Pal\u00e4stinenser. Insgesamt sch\u00e4tzt das Israelische Kommitee gegen Hauszerst\u00f6rungen, dass seit 1967 ca 29000 Wohnh\u00e4user und Nutzgeb\u00e4ude von Pal\u00e4stinensern in den Besetzten Gebieten zerst\u00f6rt worden sind. Dabei ist die fortw\u00e4hrende Zerst\u00f6rung von H\u00e4usern und Unterk\u00fcnften von pal\u00e4stinensischen B\u00fcrgern und von Beduinen innerhalb Israels selbst nicht mitgez\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Gleichzeitig hat die israelische Regierung nat\u00fcrlich den Bau von Tausenden von neuen H\u00e4usern und Projekten der Infrastruktur in den Siedlungen der West Bank und Ost-Jerusalems angek\u00fcndigt. W\u00e4hrend sie also weitere 1500 Wohneinheiten in der illegalen Siedlung Ramat Shlomo, sowie weitere 558 Wohneinheiten in anderen Siedlungen in Ost-Jerusalem und 3500 weitere in der West Bank genehmigt hat, erteilte sie Abrissbefehle f\u00fcr 2000 Wohneinheiten im nahegelegenen Ras al-Kharmis und im Fl\u00fcchtlingslager von Shuafat.<\/p>\n<p>\u2018Hauszerst\u00f6rungen\u2019 sind nat\u00fcrlich nur der sichtbare Teil des Problems. Vertreibung durch die Verweigerung des Zugangs zu Wasser oder zu landwirtschaftlicher Nutzfl\u00e4che oder durch die Enteignung von Land, das f\u00fcr die Fortf\u00fchrung des pal\u00e4stinensischen Gemeindelebens notwendig ist, ist das eigentliche Ziel der Zerst\u00f6rungspolitik. In Ost-Jerusalem errichtet die israelische Regierung einen \u2018Nationalpark\u2019 auf dem Land der Issawiya und der al Tur im Nordosten der Altstadt. Hierdurch werden ostjerusalemer Gemeinden fragmentiert, w\u00e4hrend gleichzeitig eine \u2018Br\u00fccke\u2019 entsteht zwischen dem israelischen Jerusalem und Maale Adumin. Auf diese Weise wird ein sogenanntes \u2018Gro\u00df-Jerusalem\u2019 geschaffen, das die West Bank halbiert und damit faktisch jegliche Aussicht auf einen zusammenh\u00e4ngenden pal\u00e4stinensischen Staat beendet.<\/p>\n<p>Infolge eines Prozesses, den Israel offiziell als \u2018Judaisierung\u2019 bezeichnet, leben nun 40% der j\u00fcdischen Bewohner Jerusalems im pal\u00e4stinensischen Teil der Stadt, und zwar in ausgedehnten Siedlungen, die die Pal\u00e4stinenser in kleine Ghettos zusammendr\u00e4ngen. Der pal\u00e4stinensische Stadtteil Sheikh Jarrah wird entv\u00f6lkert, die Bewohner durch israelische Juden ersetzt; k\u00fcrzlich verk\u00fcndete die Gemeindeverwaltung den Bau eines 12st\u00f6ckigen Geb\u00e4udes mit Schlafs\u00e4len und Klassenr\u00e4umen f\u00fcr j\u00fcdische Yeshiva Studenten im Herzen des Stadtteils. Silwan ist ebenfalls im Begriff, von der Landkarte gel\u00f6scht zu werden: Es ist bereits in \u2018Davidstadt\u2019 umgetauft worden, zu einem israelischen Nationalpark gemacht und von Dutzenden von Siedlerfamilien \u2018judaisiert\u2019 worden. Die Regierung plant, 88 pal\u00e4stinensische H\u00e4user hier zu zerst\u00f6ren um Platz zu machen f\u00fcr Parkpl\u00e4tze und Parkeinrichtungen.<\/p>\n<p>In anderen Stadtteilen Jerusalems, in al Tuzr z. B. oder in Jabal Mukkaber, Sur Baher und Beit Hanina, finden Zerst\u00f6rungen langsamer, aber stetig statt. Das geschieht sozusagen \u2018unterhalb des Radars\u2019, um internationale Kritik zu vermeiden, aber dennoch pal\u00e4stinensische Familien wirksam daran zu hindern, ihren Lebensstandard zu verbessern. Hier ist die Botschaft das Gegenst\u00fcck zu \u2018Judaisierung\u2019: \u2018de-Arabisierung\u2019. Die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung Jerusalems \u2013 immerhin ein Drittel der Einwohner \u2013 zu zwingen, unter miserablen Bedingungen zu leben (man muss nur einmal die Infrastruktur von Ost- und West-Jerusalem vergleichen) ist nur ein weiterer Teil der Strategie der Vertreibung.<\/p>\n<p>Diese Strategie beinhaltet noch einen weiteren Trick: Israel praktiziert eine erkl\u00e4rterma\u00dfen\u00a0 rassistische Politik, die darin besteht, \u00a0eine 72% Mehrheit von Juden gegen\u00fcber Arabern in Jerusalem erreichen und halten zu wollen. Wie erreicht man das? Nun, es geschieht durch die duale Politik der Hauszerst\u00f6rungen in Kombination mit der Vorenthaltung von Baugenehmigungen f\u00fcr Pal\u00e4stinenser. Dies hat zu einem Mangel von 25000 Wohneinheiten im pal\u00e4stinensischen Sektor gef\u00fchrt, was wiederum die Preise f\u00fcr das knappe Wohnungsangebot, das Pal\u00e4stinensern zur Verf\u00fcgung steht, in die H\u00f6he getrieben und Tausende \u2013 70% der Pal\u00e4stinenser Ost-Jerusalems leben unterhalb der Armutsgrenze \u2013 dazu gezwungen hat, preiswerte Wohnungen in den arabischen Nachbarschaften jenseits der manipulierten Grenzen Jerusalems, z. B. in Bir Naballah, al-Ram, al Eizariya oder Abu Dis zu suchen.<\/p>\n<p>Indem sie aber nun ihren \u2018Lebensmittelpunkt\u2019 dorthin verlegen, verlieren diese ungl\u00fcckseligen Pal\u00e4stinenser, die keine B\u00fcrger Israels, sondern nur \u2018Dauerbewohner Jerusalems\u2019 sind, ihre Wohnrechte und werden dadurch daran gehindert, Jerusalem wieder zu betreten, selbst, wenn sie dort ihre Arbeitsstelle haben. HaMoked hat das Innenministerium dazu gezwungen, offenzulegen, dass seit 1967 14309 Pal\u00e4stinenser ihr Wohnrecht in Jerusalem verloren haben. So wird der Prozess der \u2018Judaisierung\u2018 der Stadt erfolgreich vorangetrieben.<\/p>\n<p>Dieselbe Politik der Vertreibung, der de-Arabisierung und der Judaisierung findet in der West Bank statt. Israel hat die West Bank\u00a0 nahezu vollst\u00e4ndig in \u2018landwirtschaftliche Zonen\u2019 aufgeteilt. Dies liefert die formale Begr\u00fcndung f\u00fcr die Verweigerung von Baugenehmigungen f\u00fcr Pal\u00e4stinenser und f\u00fcr die Zerst\u00f6rung aller Arten von Geb\u00e4uden, die sie dort errichten. Im Jordantal und in den H\u00fcgeln s\u00fcdlich von Hebron werden die Bewohner ganzer D\u00f6rfer vertrieben. (Es versteht sich von selbst, dass Israel anschliessend eine Umwidmung des Landes vornimmt, sodass der anschlie\u00dfende Siedlungsbau dort legal ist). Im Jahre 1967 lebten ca. 32000 Pal\u00e4stinenser im Jordantal; heute sind es noch ca. 55000, von denen jedoch nur 15 000 in der C-Zone (einem Gebiet das 30% der West Bank umfasst) au\u00dferhalb von Jericho leben. Die H\u00e4lfte von ihnen sind Beduinen.<\/p>\n<p>Die Gemeinden in der C-Zone stehen unter enormem Druck der Hauszerst\u00f6rungen. 94% der landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4che d\u00fcrfen sie nicht betreten. Die Zerst\u00f6rung pal\u00e4stinensischer H\u00e4user findet jedoch nicht nur in den Besetzten Gebieten statt. Das gesamte Land wird judaisiert. Pal\u00e4stina wird umgeformt in das Land Israel. Innerhalb der letzten Jahre hat die israelische Regierung dreimal mehr H\u00e4user innerhalb Israels zerst\u00f6rt, als in den Besetzten Gebieten.<\/p>\n<p>Die beduinisch-pal\u00e4stinensische Gemeinde von\u00a0 al-Araqib, deren Bewohner israelische Staatsb\u00fcrger sind, ist bereits 61 Mal vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt worden (und jedesmal von ihren Einwohnern und Unterst\u00fctzern wieder aufgebaut worden.)<\/p>\n<p>Israelische Offizielle sagen:\u2019Wir haben 1948 nie vollendet.\u2019 Das bedeutet nicht, dass sie aufgegeben haben, es zu versuchen.<\/p>\n<p>Die Ansichten, die in diesem Artikel vertreten werden, spiegeln nicht notwendigerweise die Politik der Ma\u2019an News Agency wider.<\/p>\n<p>All Rights Reserved \u00a9 Ma&#8217;an News Agency 2005 &#8211; 2014<br \/>\nMontag\u00a0 07\/04\/2014,\u00a0 18:29\u00a0\u00a0 (Jerusalem)<br \/>\nAnalysis: Demolishing homes, demolishing peace<br \/>\nPublished Wednesday 26\/03\/2014 (updated) 04\/04\/2014 21:47<br \/>\n(MaanImages\/File)<br \/>\n\u00dcbersetzung: Doris Flack<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Jeff Halper (Direktor des israelischen Komittees gegen Hauszerst\u00f6rungen, ICAHD) Die Judaisierung Jerusalems und der West Bank schreitet z\u00fcgig weiter voran, trotz (und tats\u00e4chlich wegen) der sogenannten Kerry-Initiative. 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