{"id":2038,"date":"2015-05-11T10:03:22","date_gmt":"2015-05-11T08:03:22","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=2038"},"modified":"2015-05-13T22:37:38","modified_gmt":"2015-05-13T20:37:38","slug":"zum-50-jahrestag-der-aufnahme-diplomatischer-beziehungen-ist-eine-offene-kritik-an-israel-noetig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=2038","title":{"rendered":"Zum 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen: eine offene Kritik an Israel ist n\u00f6tig!"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/15-05-10-Avraham_Burg_by_David_Shankbone.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" \" alt=\"\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/15-05-10-Avraham_Burg_by_David_Shankbone.jpg\" width=\"200\" height=\"176\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Avraham Burg.<br \/>Foto by David Shankbone, wikimedia commons<\/p><\/div>\n<p>Am 12. Mai werden die Regierungen Deutschlands und Israels die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen vor 50 Jahren als gro\u00dfes Jubil\u00e4um feiern. In Bremen organisieren die Senatskanzlei, die J\u00fcdische Gemeinde und die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) einen Israel-Tag auf dem Bremer Marktplatz &#8222;mit Essen und Trinken, Musik und Reden&#8220;. Begleitet wird das Jubil\u00e4um mit 14 Veranstaltungen an verschiedenen Orten. Folklore und Kultur stehen im Vordergrund. Politisches, Kritisches und Nachdenkliches werden eher ausgeblendet.<\/p>\n<p>Sehr nachdenklich \u00e4u\u00dferte sich zu diesem Jubil\u00e4um im Deutschlandfunk Avraham Burg. Der bekannte israelische Politiker und Autor war in f\u00fchrenden Funktionen in der israelischen Arbeitspartei<!--more--> und neben anderen prominenten \u00c4mten von 1999 bis Anfang 2003 Parlamentspr\u00e4sident der Knesset. Burg hat im Januar 2015 seinen Beitritt zum linken Parteienb\u00fcndnis Chadasch bekannt gegeben. In seinem 2009 auch auf deutsch erschienenen Buch &#8222;Hitler besiegen. Warum Israel sich endlich vom Holocaust l\u00f6sen muss&#8220; stellt er eine Reihe von Kernthesen des Zionismus in Frage.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/ex-knesset-praesident-burg-offene-kritik-an-israel-gefordert.868.de.html?dram:article_id=319403\" target=\"_blank\">Im Interview der Woche des Deutschlandfunks vom 10. Mai 2015<\/a> fordert Avraham Burg Deutschland und Europa zu offener Kritik an der israelischen Politik auf. Aus dem langen Interview hier zwei besonders aufschlussreiche Passagen:<\/p>\n<ul>\n<li>&#8222;Das kann so nicht weitergehen. Solange sich Deutschland f\u00fcrchtet, seine Meinung \u00f6ffentlich zu \u00e4u\u00dfern &#8211; Merkel hat es im vergangenen Jahr h\u00f6flich formuliert &#8211; und solange Deutschland denkt, dass unter moralischen Beziehungen zwischen den V\u00f6lkern die Lieferung von U-Booten zu verstehen ist, kann sich nichts \u00e4ndern. Es geht hier um Europa insgesamt, aber im Herzen Europas ist Deutschland &#8211; in jeder Hinsicht. Solange es nicht in der Lage ist, offen und laut seine Meinung zu sagen &#8211; es hat drei schreckliche Komplexe: Den Komplex des Postkolonialismus gegen\u00fcber dem Nahen Osten insgesamt, den Komplex der Nach-Schoahh gegen\u00fcber den Juden und den Minderwertigkeitskomplex gegen\u00fcber Amerika -, dann ist Europa kein politischer Player. Und wenn Europa kein politischer Player ist, kann Israel tun, was es will.&#8220;<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>&#8222;Das Israel von 2015 ist nicht das Israel von 1950 oder 1960, sowohl im Blick auf seine F\u00fchrung als auch im Blick auf seinen existenziellen Inhalt. In welcher Hinsicht? Deutschland ging aus dem Krieg als eine geschlossene Gesellschaft hervor, hin zu einer offenen Gesellschaft. Deutschland ist heute ein sehr offenes Land. Der Begriff &#8222;Volk&#8220; meint heute die B\u00fcrger, nicht die Nation. Er wird viel weiter verstanden. Und ich rede hier nicht nur \u00fcber die Menschen aus der DDR, sondern \u00fcber Menschen aus der T\u00fcrkei, aus Afrika und Nordafrika und so weiter. Ein sehr offener Staat, der sich heute durch die Nationalit\u00e4t der B\u00fcrger und die Kultur des Ortes auszeichnet. Israel ist geschlossen und schlie\u00dft sich mit der Zeit weiter ab. Und wogegen schlie\u00dfen wir uns ab? Die Israelis sind zutiefst \u00fcberzeugt &#8211; das ist nat\u00fcrlich eine ungenaue Verallgemeinerung -, dass erstens die ganze Welt gegen sie ist, zweitens Europa vom Antisemitismus getrieben ist und drittens die zweite Schoah vor der T\u00fcr steht. Alle diese Dinge sind aus meiner Sicht &#8211; ich formuliere es vorsichtig &#8211; Unsinn. Aber wir wissen es nicht: Es gibt eine Indoktrination auf der politischen Ebene. Die Schoah ist die nationale Strategie, oder besser: Das Trauma ist die nationale Strategie, die F\u00fchrung f\u00f6rdert das Trauma, denn das erm\u00f6glicht viele Dinge, zu denen ein intakter Staat und eine intakte Gesellschaft nicht bereit w\u00e4ren.&#8220;<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 12. Mai werden die Regierungen Deutschlands und Israels die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen vor 50 Jahren als gro\u00dfes Jubil\u00e4um feiern. 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