{"id":216,"date":"2014-04-20T08:53:02","date_gmt":"2014-04-20T08:53:02","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=216"},"modified":"2014-04-20T09:57:41","modified_gmt":"2014-04-20T09:57:41","slug":"ostermarsch-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=216","title":{"rendered":"Ostermarsch 2014"},"content":{"rendered":"<p>ngg_shortcode_0_placeholderVom 17. bis 21. April fanden in Deutschland in vielen St\u00e4dten wieder die traditionellen Osterm\u00e4rsche statt. Mit Demonstrationen, Kundgebungen, Fahrradtouren, Wanderungen und Friedensfesten stellen sich die Friedensgruppen der R\u00fcstungs- und Interventionspolitik der Gro\u00dfen Koalition mit immer mehr Auslandseins\u00e4tzen der Bundeswehr, neuerdings wieder verst\u00e4rkt in Afrika, entgegen.<!--more--><\/p>\n<p>\u00dcberall war die drohende Eskalation des Ukraine\/Russland-Konflikts ein wichtiges aktuelles Thema. Aber viele anderen Konflikte in der Welt sind weiterhin ungel\u00f6st: Irak, Afghanistan, Lybien und &#8211; seit vielen Jahrzehnten &#8211; Nahost.<\/p>\n<p>Der traditionelle Ostermarsch 2014 wurde wieder vom Bremer Friedensforum vorbereitet und organisiert. Er begann mit einer Kundgebung um 11 Uhr am Ziegenmarkt setzte sich danach in Richtung in einen (langsamen) Marsch in Richtung Bremer Marktplatz.<\/p>\n<p>Hauptredner auf dem Marktplatz war <em>Rudolph Bauer.<\/em> Er formulierte genau, artikulierte sorgf\u00e4ltig und eindringlich: &#8222;Die pazifistische Mehrheit in der Bundesrepublik wird \u00fcber den Ernst der Lage get\u00e4uscht. Die Menschen werden in den Glauben versetzt, dass sie den Politikern vertrauen k\u00f6nnen. Auch dann, wenn es um Krieg und Frieden geht. Die Aufmerksamkeit der politisch interessierten Menschen unseres Landes wird gegenw\u00e4rtig auf die Jahre 1914 und 1939 gelenkt. Wir bekommen ein bestimmtes Bild vom Ersten und vom Zweiten Weltkrieg vermittelt: warum diese Kriege vor 100 bzw. 75 Jahren begonnen haben, wie sie begonnen haben, wie sie verlaufen sind. Wenn wir uns heute jedoch nur an jenen geschichtlichen Umst\u00e4nden orientieren, die damals zum Krieg gef\u00fchrt haben, dann wird unser Blick auf die Gegenwart unscharf, dann werden wir von der Realit\u00e4t abgelenkt. Die Bev\u00f6lkerung wird get\u00e4uscht und eingeschl\u00e4fert, betrogen.&#8220;<\/p>\n<p>Am Schluss seiner Rede widmete sich <em>Rudolph Bauer<\/em> u.a. auch den Exporten der deutschen R\u00fcstungsindustrie in Spannungsgebiete. &#8222;Wie selbstverst\u00e4ndlich werden aus der Bundesrepublik auch Waffen und Kriegsger\u00e4te in das Spannungsgebiet des Nahen Ostens geliefert. Vor zwei Jahren erfolgte die Lieferung des sechsten einer Serie von U-Booten nach Israel&#8230; Das Stichwort \u201aIsrael\u2019 verweist auf noch einen weiteren Aspekt der neuen Milit\u00e4rstrategie. Im 2. Weltkrieg war die deutsche Wehrmacht aktiv beteiligt an der Deportation und T\u00f6tung von Juden in ganz Europa. Anders herum hat es sich beim v\u00f6lkerrechtswidrigen \u00dcberfall auf Jugoslawien verhalten. Diese v\u00f6lkerrechtswidrige Milit\u00e4rintervention wurde von deutscher Seite mit der Propagandaparole &#8218;Nie wieder Auschwitz!&#8216; begr\u00fcndet. Auf diese Weise wird das heuchlerische Bekenntnis der Schuld an einem alten, historischen Unrecht demagogisch umgem\u00fcnzt in ein Argument zur Begr\u00fcndung des neuen Unrechts milit\u00e4rischer \u00dcberf\u00e4lle durch deutsche Soldaten.<\/p>\n<p>Auf die historische Schuld am Holocaust beruft sich die Bundesregierung auch, wenn es gilt, die milit\u00e4rische Besetzung der pal\u00e4stinensischen Territorien durch Israel sowie den illegalen Bau von Wehrd\u00f6rfern zu tolerieren. Vor dem Hintergrund der historischen Schuld ist auch bei vielen Menschen in der Bundesrepublik, besonders aber bei den Politikern und in der Massenpresse, jegliche Sensibilit\u00e4t f\u00fcr das verloren gegangen, was rechtens und was Unrecht ist. Wenn es um Israel geht, ist so gut wie alles erlaubt. Und so werden wir auf die Normalit\u00e4t von kriegerischem Unrecht eingestimmt &#8211; und das mit h\u00f6chst moralischer Geste. <a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/14-04-19-rede-rudolph-bauer-ostermarsch.doc\">Die ganze Rede hier<\/a>.<\/p>\n<p><em>Christine Buchholz<\/em> (sie ist seit 2009 Mitglied des Bundestages und Friedenspolitische Sprecherin der Linken, au\u00dferdem Mitglied im Verteidigungsausschuss und stellvertretendes Mitglied im Ausw\u00e4rtigen Ausschuss)wurde von Barbara Heller als &#8222;verl\u00e4ssliche Partnerin der Friedensbewegung&#8220; angek\u00fcndigt &#8211; eine deutliche Anspielung auf die Auseinandersetzungen in der Bundestagsfraktion anl\u00e4sslich der Entsendung einer Fregatte der Bundeswehr auf einen neuen Einsatz im Mittelmeer.<\/p>\n<p>In ihrer Rede ging Christine Buchholz auch darauf ein. Auch sie bezog sich auf die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz im Februar 2014, wo sowohl der Bundespr\u00e4sident als auch die Verteidigungsministerin von der Leyen die au\u00dfenpolitische Marschrichtung der Gro\u00dfen Koalition vorgab: Deutschland solle sich &#8222;fr\u00fcher, entschiedener und substantieller\u201c engagieren. Deutschland sei zu gro\u00df, das Weltgeschehen nur \u201evon der Seitenlinie aus\u201c zu kommentieren. Den Worten w\u00fcrden auch schnell Taten folgen: Fast im Wochentakt seien in den letzten Monaten neue Auslandseins\u00e4tze beschlossen worden.<\/p>\n<p>&#8222;Ich halte es f\u00fcr v\u00f6llig inakzeptabel&#8220;, so Christine Buchholz, &#8222;von Deutscher Verantwortung zu reden und damit Milit\u00e4reins\u00e4tze zu rechtfertigen. Ausgerechnet 100 Jahre nach Beginn des ersten Weltkrieges! Wir erinnern uns an die Zerst\u00f6rungswut des Imperialismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts und wir stellen uns dem Imperialismus von heute. Das tun wir an diesem Wochenende hier auf dem Ostermarsch in Bremen und in vielen St\u00e4dten in Deutschland das ganze Wochenende \u00fcber!<br \/>\n<a href=\"http:\/\/christinebuchholz.de\/2014\/04\/19\/internationale-solidaritaet-statt-drohgebaerden-und-krieg\/\" target=\"_blank\">Ihre ganze Rede hier. <\/a><\/p>\n<p><em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 17. bis 21. April fanden in Deutschland in vielen St\u00e4dten wieder die traditionellen Osterm\u00e4rsche statt. 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