{"id":2173,"date":"2015-07-02T08:04:21","date_gmt":"2015-07-02T06:04:21","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=2173"},"modified":"2015-07-02T08:13:12","modified_gmt":"2015-07-02T06:13:12","slug":"neue-beweise-enthuellen-israelische-greueltaten-im-krieg-von-1967","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=2173","title":{"rendered":"Neue Beweise enth\u00fcllen israelische Greueltaten im Krieg von 1967"},"content":{"rendered":"<p><em>von Ilan Pappe<\/em><br \/>\n<a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" alt=\"\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/02.jpg\" width=\"200\" height=\"113\" \/><\/a>&#8222;Bei der Operation hatten wir die Einwohner zu vertreiben. Dieses Herausreissen eines Dorfbewohners, der in seinem Dorf verwurzelt ist und ihn zu einem Fl\u00fcchtling zu machen, indem man ihn einfach vertreibt, und nicht einen, zwei oder drei von ihnen, sondern eine richtige Vertreibung. Und wenn du siehst, wie ein ganzes Dorf wie L\u00e4mmer zum Schl\u00e4chter gef\u00fchrt wird, ohne jeden Widerstand, dann wei\u00dft du, was der Holocaust ist.&#8220; &#8211; Zeugenaussage eines israelischen Soldaten im Dokumentarfilm &#8222;Censored Voices&#8220; der Regisseurin Mor Loushi (2015).<!--more--><\/p>\n<p>In der Folge des Krieges von Juni 1967 verglich der israelische Schriftsteller Amos Oz, damals Reservesoldat in der israelischen Armee, gemeinsam mit einem Freund Interwievs mit israelischen Soldaten, die an dem Krieg teilgenommen hatten und fragte sie \u00fcber die Gef\u00fchle, die das K\u00e4mpfen in ihnen ausgel\u00f6st hat. Die Interwievs wurden in einem Buch mit dem Titel &#8222;Conversations with Soldiers&#8220; ver\u00f6ffentlicht, das zu dieser Zeit bei den Soldaten bekannter war als Buch vom &#8222;Schiessen und Weinen&#8220;.<\/p>\n<p>Der Milit\u00e4rzensor (ein Amt, das es noch heute gibt, und das der derzeitige Kulturminister Miri Regev inne hatte) nahm 70% der Zeugenaussagen aus dem Buch heraus, weil er behauptete, sie w\u00fcrden dem internationalen Ansehen Israels schaden.<\/p>\n<p>In diesem Monat zeigt die flei\u00dfige Filmemacherin Mor Loushi ihren neuen Dokumentarfilm, der auf dem Gro\u00dfteil des herausgenommenen Materials basiert.<\/p>\n<p>Zu den Gr\u00e4ueltaten, von denen die Soldaten berichteten, geh\u00f6ren Vertreibungen wie die oben angef\u00fchrte, anschauliche Beschreibungen summarischer Exekutionen von Kriegsgefangenen und Hinweise auf Massaker an unschuldigen Dorfbewohnern.<\/p>\n<p>Ein b\u00f6ses Repertoire &#8211; Diese Erinnerung an 1948 im Krieg von 1967 fiel mit dem 67. Jahrestag der Nakba zusammen, der ethnischen S\u00e4uberung Pal\u00e4stinas vor und nach der Gr\u00fcndung Israels 1948. Dabei gibt es mehr als einen symbolischen Zusammenhang. Das b\u00f6se Repertoire der Zeugenaussagen der Soldaten in diesem neuen Film erinnert an die 67 Jahre zuvor ver\u00fcbten Gr\u00e4ueltaten in einem viel gr\u00f6\u00dferen, wenn auch \u00e4hnlich schrecklichem Ausma\u00df.<\/p>\n<p>Die Gr\u00e4ueltaten von 1948 wurden von der internationalen Gemeinschaft ignoriert, f\u00fcr lange Zeit wurde die ganze Nakba verleugnet, da die Erinnerung an den Holocaust Israel einen Freibrief f\u00fcr die Fortsetzung der ethnischen S\u00e4uberung Pal\u00e4stinas zu geben schien.<\/p>\n<p>Kein Wunder also, dass als Israel seinen Territorialhunger mit der Besetzung des gesamten historischen Pal\u00e4stina sowie gro\u00dfen Landstrichen \u00c4gyptens und Syriens stillte, es dies mit Hilfe \u00e4hnlich unmenschlicher Operationen der ethnischen S\u00e4uberung wie Vertreibung und Massakern zustande brachte.<\/p>\n<p>Einen Unterschied gab es zwischen den in den beiden Kriegen begangenen Gr\u00e4ueltaten. 1967 war sich Israel weniger sicher, dass seine grausamen Methoden vor Ort global und auch von amerikanischer Seite hingenommen w\u00fcrden und versuchte deshalb, sie vor neugierigen Augen zu verbergen. Die von Israel errichtete Mauer der Geheimhaltung brach aber doch beinahe ein, als das US-Kriegsschiff USS Liberty in die Kommunikation am 8. Juni 1967 zwischen den Truppen im Gazastreifen hineinhorchte, was ihnen vermutlich die summarische Exekution \u00e4gyptischer Kriegsgefangener und pal\u00e4stinensischer Zivilisten verriet. Das Schiff wurde noch am selben Tag von der israelischen Luftwaffe aus der Luft zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter wurden nach damaligen Berichten von CNN diese Gr\u00e4ueltaten von Augenzeugen belegt und gerieten 1995 ins Blickfeld, als im Gebiet von El Arish im Sinai Massengr\u00e4ber ge\u00f6ffnet wurden und die Beziehungen \u00c4gyptens zu Israel belasteten.<\/p>\n<p>Der Sender interviewte (damals) zum ersten Mal Angeh\u00f6rige und \u00dcberlebende dieser Kriegsverbrechen, die sich an die Massaker an hunderten Menschen erinnerten. Der Zusammenhang zwischen dem nicht provozierten Angriff auf die USS Liberty und den Wunsch die Massaker und Exekutionen zu verheimlichen, wurde von James Bamford in seinem Buch Body of Secrets 2001 eingehend untersucht.<\/p>\n<p>Die k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Tonb\u00e4nder erh\u00e4rten nun die bereits bekannten Gr\u00e4ueltaten, die von den Opfern berichtet wurden (in diesem Fall auch von 34 Personen der Belegschaft des US-Marineschiffs). Ebenso erh\u00e4rteten die von Israel in den 1980ern freigegebenen Dokumente die Oral History der Pal\u00e4stinenser und die Zeugenaussagen zur Nakba.<\/p>\n<p><strong>Reinwaschen der T\u00e4ter\u00a0 &#8211;<\/strong> In beiden F\u00e4llen dauerte es eine Weile, bis die Version der Opfer respektiert (geehrt) wurde, nachdem sie von den westlichen Universit\u00e4ten und Medien als eine Erfindung orientalischer Phantasie abgetan worden war.<\/p>\n<p>Die israelischen Augenzeugen in dem neuen Film erw\u00e4hnen keine Namen von Orten oder Zeitangaben, noch wissen wir, wer die pal\u00e4stinensischen oder die \u00e4gyptischen Opfer waren. Den Namen zu nehmen und Entmenschlichen sind zwei Seiten derselben Medaille und so werden die ersch\u00fctternden Zeugenaussagen vorsichtig eher als ein Akt des Reinwaschens der T\u00e4ter als eine Ehrung der Opfer pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Es ist ein weiterer Fall von &#8222;Schiessen und Weinen&#8220;: das Problem ist nicht ein M\u00e4dchen, das ein Auge verloren hat, das Haus eines Mannes, das zerst\u00f6rt worden ist oder ein unbewaffneter Kriegsgefangener, der exekutiert worden ist. Der Zweck ist es, die gequ\u00e4lte Seele des T\u00e4ters zu reinigen, es gibt nichts Besseres als ein gutes Gest\u00e4ndnis, um alles abzuhaken (to make it all go away).<\/p>\n<p>Namen und Zeitangaben und noch mehr die realen Menschen verlangen nicht nur ein Eingest\u00e4ndnis, sondern auch Rechenschaft. Und so werden seit 1967 Jahr um Jahr Pal\u00e4stinenser mit Gesichtern und Namen noch immer vertrieben, eingekerkert ohne Prozess und get\u00f6tet.<\/p>\n<p><strong>Permanente Realit\u00e4t &#8211;<\/strong> Dieser neue Film gibt eine Vorstellung davon, dass diese Verbrechen das unvermeidliche Ergebnis des Kriegs vom Juni 1967 sind. Aber tats\u00e4chlich waren die nach dem Krieg begangenen Verbrechen in jeder Hinsicht viel schlimmer. Die Gr\u00e4ueltaten waren nicht das Ergebnis der Krieges, sondern Teil der Mittel, die Israel benutzte, um das Dilemma des f\u00fcr den J\u00fcdischen Staat vollendeten neuen Territoriums zu l\u00f6sen: er einverleibte sich 1967 fast ebenso viele Pal\u00e4stinenser wie er 1948 vertrieben hatte.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg wurden auf der Suche nach einer L\u00f6sung des Dilemmas andere Methoden angewendet: der Zweck war immer derselbe: so viel von Pal\u00e4stina wie m\u00f6glich und so wenig Pal\u00e4stinenser darin wie m\u00f6glich zu haben. Die neue Strategie nach dem Krieg basierte auf der Logik, dass, wenn du ein Volk nicht entwurzeln kannst, du es noch tiefer verwurzelt in seinen Lebensraum verwurzelst ohne dass\u00a0 es weggeht (without any outlet) und ohne leichten Zugang zur Welt um sie herum (zu haben).<\/p>\n<p>Seit 1967 werden die Pal\u00e4stinenser in ganz Pal\u00e4stina in kleine Enklaven eingesperrt, die von j\u00fcdischen Siedlungen (Kolonien), Milit\u00e4rbasen und No-Go-Areas umgeben sind und sie geografisch zweiteilen. In den besetzten Gebieten schuf Israel eine Matrix der Kontrolle, die viele F\u00fchrer des African National Congress als viel schlimmer ansehen als das Schlimmste der Apartheid S\u00fcdafrikas. Die Israelis verkauften diese Methode der Welt als zeitweilige und notwendige Ma\u00dfnahme, um ihre Herrschaft in den &#8222;umstrittenen&#8220; Gebieten aufrechtzuerhalten. Die &#8222;zeitweiligen&#8220; Ma\u00dfnahmen wurden zu einer Lebensform und einer permanenten Realit\u00e4t vor Ort, wof\u00fcr Israel mit den Oslovertr\u00e4gen von 1993 internationale Legitimierung suchte \u2013 und beinahe auch bekam.<\/p>\n<p>Wenn wir in diesem Monat den 48. Jahrestag des 1967er Krieges begehen (commemorate), sollten wir uns wieder daran erinnern, dass dies ein Kapitel in der Geschichte der Enteignung, ethnischer S\u00e4uberung und gelegentlichem Genozid an den Pal\u00e4stinensern war.<\/p>\n<p>Der &#8222;Friedensprozess&#8220;, der vor mehr als zwei Jahrzehnten begann, basierte auf der Annahme, dass der &#8222;Konflikt&#8220; 1967 begann und mit dem R\u00fcckzug Israels aus der Westbank und dem Gazastreifen enden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat der Konflikt 1948, wenn nicht fr\u00fcher, begonnen und das Schlimmste daran war nicht die milit\u00e4rische Besetzung der Teile von Pal\u00e4stina, die Israel 1948 nicht einnehmen konnte, sondern eher in der internationalen Immunit\u00e4t (Gew\u00e4hrung der Straflosigkeit) f\u00fcr diese Verbrechen, die bis heute andauert.<\/p>\n<p>Man kann nur hoffen, dass die, die Macht haben eine Ver\u00e4nderung in der Welt zu bewirken, verstehen werden, so wie der Soldat zu Anfang des St\u00fcckes sagte, dass es da mehr als einen Holocaust gegeben hat, und dass jeder, ungeachtet seiner Religion oder Nationalit\u00e4t (dessen) Opfer oder T\u00e4ter sein kann.<\/p>\n<p>Quelle: https:\/\/electronicintifada.net\/content\/new-evidence-1967-war-reveals-israeli-atrocities\/14635<\/p>\n<p>\u00dcbersetzung: K. Nebauer<\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigung): <a href=\"http:\/\/www.palaestina-portal.eu\/\" target=\"_blank\">Pal\u00e4stina-Portal<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ilan Pappe &#8222;Bei der Operation hatten wir die Einwohner zu vertreiben. 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