{"id":2264,"date":"2015-09-03T09:49:28","date_gmt":"2015-09-03T07:49:28","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=2264"},"modified":"2015-09-03T09:52:40","modified_gmt":"2015-09-03T07:52:40","slug":"antisemitismus-kampagne-gegen-links-ein-politischer-rufmord","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=2264","title":{"rendered":"Antisemitismus-Kampagne gegen links: ein politischer Rufmord"},"content":{"rendered":"<p><b>von Ludwig Watzal<\/b><\/p>\n<p>Die Partei DIE LINKE hat kein Antisemitismus-Problem, was die Denunzianten aus Wissenschaft, Politik und \u00f6ffentlichen Meinungsmachern auch wissen, die bestimmen, wer \u201cAntisemit\u201d ist. Um den vermeintlichen Antisemitismus in der Linkspartei geht es den Verleumdern auch gar nicht. Gleichwohl befindet sich die Linkspartei seit diesen grundlosen Behauptungen in der Defensive.<!--more--><\/p>\n<p>Um es gleich vorweg zu sagen, der \u201cAntisemitismus\u201d-Vorwurf wird von den politischen Gegner allein deshalb gegen die Linkspartei erhoben, um ihre Kritik am Kapitalismus, Faschismus und Neonazismus in Deutschland zu diskreditieren und die Partei auf Nato-Kriegskurs zu bringen, damit sie von ihrer berechtigten Kritik an den Verbrechen des US-Imperiums und Israels abl\u00e4sst. Dieser Kriegsbazillus hat sich schon tief in die Linkspartei hineingefressen. Bei der augenblicklichen rechtsextremen Politik der Netanyahu-Regierung ist Israelkritik mehr als berechtigt, dass Antizionismus als Antisemitismus diskreditiert wird, zeigt, wie verzweifelt die zionistische Lobby und ihrer deutschen Helfershelfer (Sayanim) sind.<\/p>\n<p>Gegen den Vorwurf des \u201cAntisemitismus\u201d kann man sich schwerlich verteidigen, wie das \u2013 trotz redlichen Bem\u00fchens \u2013 die Ausf\u00fchrungen von Wolfgang Gehrcke zeigen, weil es sich um irregeleitete Meinungs\u00e4u\u00dferungen handelt, die in diesem Fall ausschlie\u00dflich parteipolitisch und taktisch motiviert sind. Je vehementer man meint, sich dagegen verteidigen zum m\u00fcssen, desto \u201cglaubhafter\u201d erscheinen diese Vorw\u00fcrfe. Folglich h\u00e4tten die Abgeordneten der Linkspartei nicht zu dem als \u00f6ffentlichen \u201cSchauprozess\u201d initiierten Schmierentheater, der Autor nennt es \u201cKetzergericht\u201d, im Deutschen Bundestag erscheinen sollen, als die Hirnis der anderen Parteien in einer \u201caktuellen Stunde\u201d meinten, ihren Linksparteikollegen \u201cAntisemitismus\u201d vorwerfen zu m\u00fcssen. Leere B\u00e4nke h\u00e4tten am besten demonstriert, dass diese Gespensterdebatte mit der Linkspartei nichts zu tun hat.<\/p>\n<p>Die Grundlage dieser Vorw\u00fcrfe bildete ein Pamphlet von Samuel Salzborn und Sebastian Voigt, die mit Hilfe des Kampangenjournalisten Jan-Philipp Hein von der \u201cFrankfurter Rundschau\u201d diese Kampagne gegen die Linkspartei losgetreten haben. Der \u201cAntisemitismus\u201d-Vorwurf, der dort zelebriert worden ist, scheint eher ein Problem der Philosemiten zu sein.<\/p>\n<p>In sechs Kapitel taucht Gehrcke tief in die Geschichte des Antisemitismus (=Rassismus) ein, eigentlich handelt es sich um Antijudaismus, der vereinzelt auch in der linken Bewegung auftaucht. Dies wird auch gar nicht vom Autor geleugnet. Dieser zitiert eine Untersuchung des \u201cZentrums f\u00fcr Antisemitismusforschung\u201d in Berlin, die links eingestellten Personen die niedrigsten Werte f\u00fcr antisemitische Vorurteile attestiert. V\u00f6llig zu Recht weist Gehrcke auf die zahlreichen Nazis hin, die nach dem Krieg unter dem Dach von CDU und FDP Unterschlupf gefunden haben. Heute gerieren sich deren Parteienvertreter als politische \u201cSauberm\u00e4nner\u201d. Gehrcke zeigt auch, dass sich die Vertreter von linken Bewegungen historisch immer schon gegen den Antisemitismus ausgesprochen und diesen politisch bek\u00e4mpft haben.<\/p>\n<p>Besonders aufschlussreich ist die Beschreibung der exzellenten Vernetzung der politischen Klasse, wenn es darum geht, \u201cAntisemitismus\u201d-Kampagnen gegen Linke oder so genannte Israelkritiker loszutreten. Dabei tun sich besonders einige Mitglieder der Linkspartei hervor, die aus Karrieregr\u00fcnden ihre \u201cParteifreunde\u201d ans politische Messer liefern, was von den Medien besonders goutiert wird. In gro\u00dfen Teilen ist die Linkspartei von Sayanims unterwandert.<\/p>\n<p>Was ist zum Beispiel \u201cantisemitisch\u201d an der Tatsache, dass sich einige linke Abgeordnete an der Gaza-Flottille beteiligt haben, die die v\u00f6lkerrechtswidrige Blockade des besetzten Gaza-Streifens durch Israel durchbrechen wollte und die von der israelischen Armee in einem Akt von Piraterie in internationalen Gew\u00e4ssern \u00fcberfallen worden ist, wobei neun t\u00fcrkische Teilnehmer erschossen worden sind? Was ist \u201cantisemitisch\u201d, wenn sich einige linke Abgeordnete f\u00fcr einen Dialog mit Hamas einsetzen, den Israel bereits insgeheim selber f\u00fchrt? Wo ist der \u201cAntisemitismus\u201d, wenn man der MdB-Abgeordneten Inge H\u00f6ger auf einer \u201cPal\u00e4stina-Konferenz\u201d einen Schal umh\u00e4ngt, auf dem das historische Pal\u00e4stina abgebildet ist? Dass die israelische Besatzungsmacht seit \u00fcber 40 Jahren auf ihren Stra\u00dfenkarten oder Schulb\u00fcchern nur Israel, inklusive der Besetzten Gebieten zeigen, scheint f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/der-semit.de\/die-sayanim-schattenkrieger-des-mossad\/\">Sayanims<\/a> (IMs des Mossad) kein Problem darzustellen. Was hat die Bef\u00fcrwortung der BDS-Kampagne mit \u201cAntisemitismus\u201d zu tun? Wo ist der \u201cAntisemitismus\u201d bei dem Protest von drei MdBs (Wagenknecht, Buchholz und Dagdelen) versteckt, die sich geweigert haben, bei der Rede des ehemaligen israelischen Pr\u00e4sidenten Shimon Peres im Deutschen Bundestag zum Applaus zu erheben? Diese wenigen Beispiele zeigen, dass der \u201cAntisemitismus\u201d-Vorwurf gegen die Linkspartei konstruiert und politisch motiviert ist.<\/p>\n<p>Die zahlreichen Beispiele, die der Autor nennt, stellen der politischen Klasse in Deutschland ein Armutszeugnis aus, da sie vorbehaltlos Partei f\u00fcr die israelischen Unterdr\u00fccker ergreift, und diejenigen, die f\u00fcr die Rechte der unterdr\u00fcckten Pal\u00e4stinenser k\u00e4mpfen, mit dem Todschlagargument \u201cAntisemitismus\u201d verleumdet. Was ebenfalls wieder zunehmend zu gelingen scheint, ist die Gleichsetzung von \u201cAntizionismus\u201d mit \u201cAntisemitismus\u201d. Bei ersterem handelt es sich die Kritik an einer rassistischen und nationalistischen Ideologie, und zwar des Zionismus, bei letzterem um das Vorurteil gegen\u00fcber Juden. \u201cDie Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus hatte im Kalten Krieg auch den Vorteil, die realsozialistischen Staaten der Seite der Holocaust-Verbrecher zuschlagen zu k\u00f6nnen.\u201d<\/p>\n<p>Der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrcke hat ein sehr mutiges und aufkl\u00e4rerisches Buch \u00fcber die Machenschaften der etablierten politischen Klasse in Deutschland geschrieben, das zeigt, wie der Linkspartei anhand eines konstruierten \u201cAntisemitismus\u201d-Vorwurfs der politische Todessto\u00df verpasst und die Partei auf Nato-Kriegskurs gebracht werden soll.. Das Buch ist \u00fcberaus lesens- und empfehlenswert.<\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigung): der Semit v. 28.08.15 (<a href=\"http:\/\/der-semit.de\/antisemitismus-kampagne-gegen-links-ein-politischer-rufmord\/#more-846\">http:\/\/der-semit.de\/antisemitismus-kampagne-gegen-links-ein-politischer-rufmord\/#more-846<\/a>)<\/p>\n<h1><b>Erg\u00e4nzung<\/b><\/h1>\n<p>Schon am 03.08.15 war in der &#8222;jungen Welt&#8220; v. 03.08.15 (<a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2015\/08-03\/015.php?sstr=wolfgang|gehrcke\">http:\/\/www.jungewelt.de\/2015\/08-03\/015.php?sstr=wolfgang|gehrcke<\/a>) eine ziemlich h\u00e4ssliche Rezension von Daniel Bratanovic erschienen. Der Autor h\u00e4lt Gehrckes Versuch einer Auseinandersetzung f\u00fcr &#8222;gescheitert&#8220;. Was Watzal besonders lobt <em>(&#8222;Besonders aufschlussreich ist die Beschreibung der exzellenten Vernetzung der politischen Klasse, wenn es darum geht, \u201cAntisemitismus\u201d-Kampagnen gegen Linke oder so genannte Israelkritiker loszutreten.&#8220;)<\/em> wird in der Besprechung der &#8222;jungen Welt&#8220; gerade angeprangert: Gehrcke unterstelle die Existenz einer <em>&#8222;zentral geplanten und gesteuerten Kampagne&#8220;<\/em>, bei <em>&#8222;noch der letzte antideutsche Fu\u00dftrupp seine Order erhalten haben soll, um Rufmord an der Linken (&#8230;) zu begehen.&#8220;<\/em> Daran, so die &#8222;jW&#8220;, w\u00e4re empirisch nichts beweisbar, es zeige <em>&#8222;allemal&#8220;<\/em> ein unterkomplexes Verst\u00e4ndnis bestimmter Vorg\u00e4nge und w\u00e4re au\u00dferdem ein Klischee. Dabei hat sich Gehrcke in seinem 5. Kapitel besondere M\u00fche gegeben, darauf hinzuweisen, dass er Zusammenh\u00e4nge in verschiedenen Netzwerken beschreibt, wie sie gewesen sein <em>k\u00f6nnten<\/em>, wie sie <em>plausibel<\/em> sind und wie sie beispielsweise in den &#8222;NachDenkseiten&#8220;, in der Untersuchung von Uwe Kr\u00fcger (Der Einfluss der Eliten auf deutsche Journalisten und Medien) und h\u00e4ufig auch in der &#8222;jungen Welt&#8220; analysiert wurden.<\/p>\n<p>Wolfgang Gehrcke hat in einem Leserbrief, abgedruckt am 03.08.15 (<a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2015\/08-03\/015.php?sstr=wolfgang%7Cgehrcke\">http:\/\/www.jungewelt.de\/2015\/08-03\/015.php?sstr=wolfgang%7Cgehrcke<\/a>), seiner Entt\u00e4uschung \u00fcber diese Art von Buchbesprechung Ausdruck gegeben.<\/p>\n<address><strong>Unverdienter Verriss<\/strong><\/address>\n<address>Zu jW vom 3.8., \u00bbAus der Defensive\u00ab<br \/>\nDank, dass die jW eine Rezension zu meinem Buch \u00bbRufmord\u00ab ver\u00f6ffentlicht hat. Ich kenne den Autor leider nicht, aber die Art, wie er mit dem Buch umgeht, ist eigentlich emp\u00f6rend. Statt sich mit meinen Texten wirklich auseinanderzusetzen, werden mir Zitate vorgehalten, die \u2013 so wird behauptet \u2013 von Diether Dehm und Ken Jebsen stammen sollen. (\u2026) Der einzige Punkt direkt aus meinem Buch, \u00fcber den dann der Autor sehr abf\u00e4llig schreibt, ist die Wirkungsweise und der Zusammenhang von Medien, Politik und Stiftungen \u2013 eben \u00fcber die Netzwerke. Gerade eine Zeitung, die nicht zu Unrecht mit der Losung wirbt \u00bbSie l\u00fcgen wie gedruckt, wir drucken, wie sie l\u00fcgen\u00ab und die immer wieder den Zusammenhang von Medien, Politik, Stiftungen und Thinktanks aufdeckt, m\u00fcsste doch froh sein, wenn das auch in meinem Buch eine Rolle spielt. (&#8230;)<\/address>\n<address>Wolfgang Gehrcke, per E-Mail<\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ludwig Watzal Die Partei DIE LINKE hat kein Antisemitismus-Problem, was die Denunzianten aus Wissenschaft, Politik und \u00f6ffentlichen Meinungsmachern auch wissen, die bestimmen, wer \u201cAntisemit\u201d ist. 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