{"id":2587,"date":"2015-11-29T08:27:32","date_gmt":"2015-11-29T07:27:32","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=2587"},"modified":"2015-12-06T09:34:10","modified_gmt":"2015-12-06T08:34:10","slug":"solidaritaet-ist-unsere-staerke-50-solidaritaetsbasar-in-der-zionsgemeinde-in-der-neustadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=2587","title":{"rendered":"&#8222;100 Stunden Verhandlungen sind immer besser als eine Stunde Krieg\u201c &#8211; Karin Leukefeld auf dem 50. Solidarit\u00e4tsbasar in der Zionsgemeinde in der Neustadt"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: left; margin: 0 15px 5px 0;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/rrKpPJ0Yskw\" height=\"200\" width=\"300\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/div>\n<div>&#8222;Solidarit\u00e4t ist unsere St\u00e4rke&#8220; &#8211; so hie\u00df es am 27. November 2015 wieder zum 50. Solidarit\u00e4tsbasar. Es ist deprimierend, aber die Welt ist heute nicht weniger kriegerisch als vor 50 Jahren. Niemals gab es mehr Fl\u00fcchtlinge als heute, und 60 Millionen sind auf der Flucht, weil ihr Leben bedroht ist. Der Solidarit\u00e4tsbasar fand wieder kurz vor dem Weihnachtskonsumrummel statt, aber dieses Mal an einem neuen Ort, in der Zions-Gemeinde in der Neustadt. Rd. 200 Menschen, um viele alte und neue Bekannte zu treffen und ihre Solidarit\u00e4t zu bekunden und zu spenden. Es gab &#8211; wie es schon Tradition in der Stephani-Gemeinde \u00fcber all die Jahre gewesen ist &#8211; einen bunten Basar mit B\u00fcchern, Kunsthandwerk, Gekochtem, Gestricktem, Gebackenem u.a.m. sowie mit Essen und Trinken.<!--more--><b>ngg_shortcode_0_placeholderPolitische Unterhaltungsmusik<\/b><\/div>\n<div><\/div>\n<div>Und es gab am Anfang richtig gute politische Unterhaltungsmusik, lebendig und mitrei\u00dfend. Die Gruppe ist bekannt und beliebt, sie hei\u00dft das &#8222;Rote Krokodil&#8220;, besteht aus 10 Leuten, die singen und alle ein Instrument spielen, und deren Bandleader Jochen Str\u00f6h ist, genannt Quetschi, weil er so inspirierend das Akkordeon spielt. Unter viel Beifall haben sie (nat\u00fcrlich!) die f\u00fcr sie vorgesehene Zeit \u00fcberzogen, so dass sich die Begr\u00fc\u00dfungsrednerin Eva B\u00f6ller vom Organisationskomitee und Thomas Lieberum, der Pastor der gastgebenden Gemeinde, etwas k\u00fcrzer fassen mussten.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<div style=\"float: left; margin: 0 15px 5px 0;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/TwoNX5Lu7KM\" height=\"200\" width=\"300\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/div>\n<p><b>Begr\u00fc\u00dfungen<\/b><\/p>\n<p>Das Organisationskomitee, so Eva B\u00f6ller als seine Sprecherin, sei der Gemeinde \u00fcberaus dankbar, dass der Basar nach all den Jahren in der Stephani-Gemeinde hier in der Neustadt nun eine neue Bleibe gefunden habe und so herzlich aufgenommen worden sei. Thomas Lieberum malte mit einem sehr leichten Pinselstrich und in Anlehnung an die Johannes-Offenbarung aus dem Alten Testament ein Bild von einem christlichen Gott, der nicht in einem Palast oder einer Kathedrale wohne, sondern in einer H\u00fctte oder einem Zelt als Nachbar der Menschen. Und der, wenn es einem der Nachbarn schlecht ginge, vorbeik\u00e4me und die Tr\u00e4nen abwische. Am 1. Advent werde auch bestimmt wieder &#8222;Macht hoch die Tor macht weit&#8220; aus dem 24. Psalm gesungen. &#8222;Und das&#8220;, so Thomas Lieberum, &#8222;ist unser Auftrag, die T\u00fcr weit aufzumachen und hereinzulassen diejenigen, denen es schlecht geht.&#8220; Bei den vielen Fl\u00fcchtlingen, die zu uns k\u00e4men, sage die Kirche jetzt nicht &#8222;oh, wir sind schon zu viele hier und das Boot ist voll&#8220;, sondern sie frage: &#8222;Wie schlecht geht es den Leuten, wo ist die Not, und wie k\u00f6nnen wir ihnen helfen.&#8220; Viel Beifall f\u00fcr eine kurze und herzliche Begr\u00fc\u00dfung!<\/p>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div><b>Karin Leukefeld: Die Lage in Syrien<\/b><\/div>\n<div><\/div>\n<div>Karin Leukefeld war eingeladen, \u00fcber Syrien zu berichten. Sie ist als Journalistin in Syrien von der Regierung akkreditiert und informiert seit vielen Jahren schon (meistens in &#8222;Junge Welt&#8220; aber zunehmend auch in anderen Medien) \u00fcber die Kriege im Nahen Osten und \u00fcber die immer weiter gehenden Zerst\u00f6rungen in Syrien. Sie hat dort gelebt, kennt dort viele Menschen aus vielen Gruppierungen und Schichten, auch aus unterschiedlichen Religionen, und sie f\u00e4hrt auch jetzt regelm\u00e4\u00dfig und trotz der Kriegsverh\u00e4ltnisse in dieses Land. Die Referentin \u00fcberzeugte durch ihre ruhige und v\u00f6llig unaufgeregte Art zu reden. Weil sie nur \u00fcber das berichtete, was sie aus eigener Anschauung kannte, wirkte ihr Bericht so v\u00f6llig authentisch. Auch sie \u00fcberzog die f\u00fcr sie vorgesehen Redezeit, aber im Saal konnte man die gespannte Aufmerksamkeit sp\u00fcren, mit der ihr Bericht aufgenommen wurde.<\/div>\n<div>\n<p>Als Bashar Al-Assad als junger Pr\u00e4sident Syriens an die Macht gekommen sei &#8211; nicht durch demokratische Wahlen \u00fcbrigens -, habe er eine F\u00fclle von politischen und sozialen Problemen vorgefunden und habe versucht, sie durch eine Reformpolitik zu l\u00f6sen. Viele w\u00e4ren ihm am Anfang auf diesem Kurs gefolgt, vor allem die jungen Leute, die die Modernisierung des Landes und eine \u00d6ffnung zum Westen hin begr\u00fc\u00dften. Karin Leukefeld hat in dieser Zeit in Syrien gelebt und gemerkt, wie auch f\u00fcr sie w\u00e4hrend dieser Zeit der ersten gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen das Leben immer einfacher geworden sei. Eine Politik der \u00d6ffnung, ein besseres Miteinander der Staaten des mittleren Ostens nach dem Vorbild der Europ\u00e4ischen Union, das hatte der junge Pr\u00e4sident gewollt, und das hatten sich viele in Syrien erhofft.<\/p>\n<p>Andererseits aber h\u00e4tte die \u00d6ffnung nach Westen und die Liberalisierung der M\u00e4rkte auch dazu gef\u00fchrt, dass immer mehr Investitionen und Produkte vor allem aus der T\u00fcrkei \u00fcber die vielen neu geschaffenen Grenz\u00fcberg\u00e4nge in das Land gekommen seien und damit viele Familienbetriebe in Syrien in der (kleinen) Industrie, im Handwerk und in der Landwirtschaft in gro\u00dfe Schwierigkeiten und auch in den Ruin getrieben habe. &#8222;Das sch\u00fcrte den Zorn bei vielen auf diese neue Politik. Und mit dem Beginn des arabischen Fr\u00fchlings gab es auch zunehmend Proteste in Syrien, die nun in relativ kurzer Zeit in Gewalt und in eine allgemeine Militarisierung der Konflikte umschlugen.&#8220;Im Jahr 2011 w\u00e4re dann die Entwicklung schnell eskaliert. Sehr fr\u00fch sei von den umliegenden Staaten, also von Jordanien, Saudi-Arabien, von der T\u00fcrkei aus und aus den westlichen L\u00e4ndern Einfluss auf diese Protestbewegung genommen worden. Schon im Juni 2011 habe es dann eine erste gro\u00dfe Konferenz mit \u00fcber 150 Teilnehmern der syrischen Opposition in Damaskus gegeben (woran Karin Leukefeld teilgenommen hat), von der ein klares Signal ausgegangen sei: sie wollten mit der Regierung reden, aber es d\u00fcrfe keine Gewalt geben.<\/p>\n<p>Die Regierung solle alle politischen Gefangenen freilassen und mit den oppositionellen Gruppen in Syrien in einen Dialogprozess eintreten.Au\u00dferhalb Syriens, in der T\u00fcrkei, w\u00e4re in dieser Situation die &#8222;Freie syrische Armee&#8220; gegr\u00fcndet worden, die diesen Prozess des Dialogs frontal angegriffen und medial unglaublich heftig diffamiert habe. Diese &#8222;FSA&#8220; sei umgehend von den westlichen L\u00e4ndern beraten und medial und finanziell unterst\u00fctzt worden. Drei Monate nach der Konferenz im Juni 2011 sei die Situation schon v\u00f6llig eskaliert und eine Flugverbotszone und der Milit\u00e4reinsatz der NATO zum Sturz der syrischen Regierung gefordert.Wie sch\u00e4tzt Karin Leukefeld die Situation jetzt ein? Sie ist davon \u00fcberzeugt, dass Krieg immer vermieden werden muss. Und stimmt darin Helmut Schmidt zu, der mal gesagt habe, 100 Stunden Verhandlungen seien immer besser als eine Stunde Krieg. Deshalb auch m\u00fcsse man den j\u00fcngsten Beschluss des Sicherheitskabinetts der Bundesregierung, jetzt die Bundeswehr in Syrien einzusetzen, ein entschlossenes NEIN! entgegen setzen. &#8222;F\u00fcr mich ist klar&#8220;, sagte sie, &#8222;es ist in Syrien kein B\u00fcrgerkrieg, es ist ein Stellvertreterkrieg.&#8220; Es existiere in diesem Land immer noch der &#8222;gewebte Teppich&#8220;, der die syrische Gesellschaft repr\u00e4sentiere und der nach wie aus vielen Gruppen, Schichten, V\u00f6lkern und Religionen best\u00fcnde. Sie wisse von vielen Vers\u00f6hnungskomitees, die schon \u00fcber 40 lokale Waffenstillst\u00e4nde h\u00e4tten aushandeln und den Krieg in ihrem Gebiet stoppen k\u00f6nnen. Diese Art von gesellschaftlicher Vers\u00f6hung w\u00e4re ein gro\u00dfes Hoffnungszeichen. Ein Vertreter der Vereinten Nationen habe ihr in einem Gespr\u00e4ch best\u00e4tigt, dass, wenn die Syrer unter sich gelassen w\u00fcrden, ein Frieden schnell erreicht werden k\u00f6nnte, weil alle vom Krieg m\u00fcde und ersch\u00f6pft seien. Wer an einem Frieden \u00fcberhaupt kein Interesse h\u00e4tte, das w\u00e4ren die vielen bewaffneten K\u00e4mpfer, die als S\u00f6ldner kein Interesse an Waffenstillst\u00e4nden oder \u00c4hnlichem h\u00e4tten, weil sie, sollte der Krieg aufh\u00f6ren, ihren Job und ihren hohen Lohn verlieren w\u00fcrden. Wer den Frieden verhindere, das w\u00e4ren die ausl\u00e4ndischen und geostrategischen Interessen, die den Krieg weiterhin mit Geld und Waffen befeuern w\u00fcrden. Hier in Deutschland m\u00fcssten wir die Bundesregierung auffordern, nicht noch mehr Milit\u00e4r und Waffen in die Region zu schicken, sondern die Botschaft in Damaskus wieder aufzumachen, mit der Regierung Kontakt aufzunehmen und friedliche Entwicklungsprojekte zu unterst\u00fctzen. Karin Leukefeld erhielt viel und langanhaltenden Beifall.<\/p>\n<p>Ihr Referat diente auch nebenbei der Werbung f\u00fcr die neue Auflage ihres Buches &#8222;Fl\u00e4chenbrand: Syrien, Irak, die Arabische Welt und der Islamische Staat&#8220;, das an dem Abend verkauft und von der Autorin signiert wurde. Es ging rei\u00dfend weg, weil viele sich gr\u00fcndlicher und \u00fcber das Geh\u00f6rte hinaus informieren wollten.<\/p>\n<p><b>Solidarit\u00e4tsfoto f\u00fcr Venezela<\/b><\/p>\n<p>Nach dem Referat von Karin Leukefeld wurde noch eine kleine Solidarit\u00e4tsaktion organisiert. Weil am 9. M\u00e4rz 2016 Wahlen in Venezela stattfinden, hatte ein Genosse aus diesem Land zwei gro\u00dfe Fotos mitgebracht, eins mit dem jetzigen Pr\u00e4sidenten Nicolas Maduro und eins von seinem Vorg\u00e4nger Hugo Chavez. Es formierte sich eine gro\u00dfe Gruppe um diese Fotos, man machte davon unter viel Hallo wieder ein Foto und schickte dann das ganze als Solidarit\u00e4tsadresse nach Venezuela.<br \/>\n<i>S\u00f6nke Hundt<\/i><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bremerfriedensforum.de\/\" target=\"_blank\">der Artikel auch im Bremer Friedesforum<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Solidarit\u00e4t ist unsere St\u00e4rke&#8220; &#8211; so hie\u00df es am 27. November 2015 wieder zum 50. Solidarit\u00e4tsbasar. Es ist deprimierend, aber die Welt ist heute nicht weniger kriegerisch als vor 50 Jahren. 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