{"id":2612,"date":"2015-12-10T07:10:21","date_gmt":"2015-12-10T06:10:21","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=2612"},"modified":"2015-12-10T09:14:43","modified_gmt":"2015-12-10T08:14:43","slug":"rufmord-am-weser-kurier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=2612","title":{"rendered":"Rufmord am Weser-Kurier"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/weserkurier.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" alt=\"\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/weserkurier.jpg\" width=\"200\" \/><\/a>Der Weser-Kurier wollte keine Israel-Propaganda. Der auch deswegen gefeuerte Redakteur spielt sich jetzt als Opfer auf<\/strong><\/p>\n<p>Daniel Killy stammt aus einer j\u00fcdischen Familie und hat nahe Angeh\u00f6rige durch den Holocaust verloren. Er war fr\u00fcher Ressortleiter bei Bild und arbeitete ab Januar 2014 als Chef vom Dienst (CvD) bei der Bremer Tageszeitung Weser-Kurier. Schon zum 30. Juni 2015 wurde ihm aber wieder gek\u00fcndigt. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr seinen Rausschmiss schilderte er am 4. November 2015 in einem langen Interview auf dem israelischen Internetportal <a href=\"http:\/\/www.israelnationalnews.com\/Articles\/Article.aspx\/17824#.VmiMwl57OgU\" target=\"_blank\">Arutz Sheva<\/a>, das in der Westbank von rechts-religi\u00f6sen Siedlern betrieben wird. Bremen sei, so Killy, \u00bbein Bollwerk der Bewegung Boykott-Divestions-Sanctions (BDS), was es praktisch f\u00fcr eine Zeitung unm\u00f6glich macht, sich f\u00fcr Israel auszusprechen.\u00ab Er selbst habe zwar versucht, das zu \u00e4ndern, habe aber intern immer mehr Schwierigkeiten bekommen, und seine Artikel seien zunehmend als voreingenommen kritisiert worden.<!--more--><\/p>\n<p>Im Sommer 2014, w\u00e4hrend des Gaza-Krieges und der Demonstrationen gegen Israels Politik, seien die Dinge eskaliert. Er habe im Weser Kurier einen Essay mit dem Titel \u00bbWankende Werte \u2013 \u00fcber neuen und alten Antisemitismus in Deutschland\u00ab (26. Juli 2014) geschrieben und darin geschildert, wie es sich anf\u00fchle, inmitten \u00bbantisemitischer Exzesse\u00ab ein deutscher Jude zu sein. Zitat: \u00bbOffen wird gegen Juden gehetzt, werden Juden hierzulande angegriffen.\u00ab Und: \u00bbEine Volksfront von ganz rechts bis ganz links tobt ihren Antisemitismus g\u00e4nzlich unverhohlen an Israel und dessen vorgeblichen Platzhaltern hierzulande aus.\u00ab Die Verlagsleitung, so Killy weiter, habe ihm danach quasi Schreibverbot erteilt, ihm sei untersagt worden, sich in der Zeitung zu j\u00fcdischen Themen und zu Israel zu \u00e4u\u00dfern. Killy war, so seine Schilderung in Arutz Sheva, emp\u00f6rt. \u00bbEinem Journalisten, der sich f\u00fcr j\u00fcdische Themen einsetzt, das Schreiben zu verbieten \u2013 das ist blanker Antisemitismus und mit dem Neutralit\u00e4tsgebot von Medien nicht zu begr\u00fcnden.\u00ab Er habe beschlossen, die Anweisung der Verlagsleitung zu ignorieren und sich weiterhin im Weser-Kurier zu Nahost-Themen und zum Antisemitismus zu \u00e4u\u00dfern. Was er auch tat.<\/p>\n<p>Im Dezember 2014, so Killy weiter, habe ihm die Chefredaktion per E-Mail eine R\u00fcge wegen \u00bbmangelnder journalistischer Unabh\u00e4ngigkeit\u00ab erteilt. Zwar habe noch der Versuch eines kl\u00e4renden Gespr\u00e4chs mit der Verlagsleitung stattgefunden, aber sechs Wochen sp\u00e4ter sei er dann gek\u00fcndigt worden.<\/p>\n<p>Es war klar, dass dieses Interview f\u00fcr ein israelisches und internationales Publikum bei Arutz Sheva \u00fcber das Schicksal eines j\u00fcdischen Redakteurs in einer deutschen Tageszeitung f\u00fcr Furore sorgen w\u00fcrde &#8211; und sorgen sollte. Entsprechend dann auch einige Blog-Kommentare. Aus Boston: \u00bbNot surprising from the land of the third reich.\u00ab Aus Toronto: \u00bbHave a hard time understanding why jews would want to live in Germany.\u00ab Aus Moskau: \u00bbWhy do Jews live in Germany anyway?\u00ab<\/p>\n<p>Wie reagierten Chefredaktion und Verlagsleitung des Weser-Kurier auf diese Antisemitismus-Anschuldigungen? In einer ersten knappen Stellungnahme lie\u00df der Verlag verlauten: \u00bbDie Entlassung hatte einen v\u00f6llig anderen Grund.\u00ab Weser-Kurier und Killy h\u00e4tten au\u00dferdem arbeitsgerichtlich vereinbart, sich im beiderseitigen Einvernehmen zu trennen.<\/p>\n<p>Am 20. November 2015 dann berichtete der <a href=\"http:\/\/meedia.de\/2015\/11\/20\/eine-kuendigung-und-ihre-gruende-weser-kurier-wehrt-sich-gegen-antisemitismus-vorwurf\/\" target=\"_blank\">Branchendienst Meedia.de <\/a>ausf\u00fchrlich \u00fcber die Hintergr\u00fcnde der K\u00fcndigung, die inzwischen eine Aff\u00e4re geworden war. Demnach habe es von Seiten des Verlages zwei Gr\u00fcnde f\u00fcr die K\u00fcndigung gegeben: Erstens habe Killy in seiner T\u00e4tigkeit f\u00fcr den Weser-Kurier wegen seiner gleichzeitigen T\u00e4tigkeit als Pressesprecher f\u00fcr die J\u00fcdische Gemeinde Hamburg die notwendige journalistische Unabh\u00e4ngigkeit vermissen lassen. Der Verlag habe ihm diese T\u00e4tigkeit deshalb f\u00f6rmlich untersagt, zumal er keine \u2013 wie im Anstellungsvertrag vorgesehen \u2013 schriftliche Genehmigung f\u00fcr diese Nebent\u00e4tigkeit eingeholt habe.<\/p>\n<p>Zweitens habe es Meinungsverschiedenheiten \u00fcber die Qualit\u00e4t seiner Arbeit gegeben: Verlags- und Redaktionsleitung h\u00e4tten ihm vorgeworfen, seinen Job nicht ordentlich zu machen. Chefredakteur Moritz D\u00f6bler w\u00f6rtlich: \u00bbWir haben st\u00e4ndig Konflikte \u00fcber die Ausrichtung des Blattes gehabt.\u00ab Killys ehemalige Kolleginnen und Kollegen in Redaktion und Verlag unterst\u00fctzten dem Bericht zufolge die Verlagsleitung und reagierten emp\u00f6rt auf die Antisemitismus-Vorw\u00fcrfe. Ruth Gerbracht, Vorsitzende des Betriebsrates der Bremer Tageszeitungen AG, war \u00bbentsetzt dar\u00fcber, wie Killy unsere Zeitung besch\u00e4digt.\u00ab<\/p>\n<p>Der Vorwurf des Antisemitismus wiegt schwer, und Killy hatte diese Anschuldigung bislang mit Vorliebe gegen Pal\u00e4stinenser, Linke und Friedensbewegte gerichtet, sobald sie es wagten, Israels Politik zu kritisieren. Nun erhob er \u00f6ffentlich den gleichen Vorwurf gegen Verlag und Redaktion der gr\u00f6\u00dften und allgemein als seri\u00f6s und konservativ geltenden Bremer Tageszeitung \u2013 in eigener Sache. Merke: Nicht jede Kritik an Israel ist gleich antisemitisch. Und die K\u00fcndigung eines dem j\u00fcdischen Glauben anh\u00e4ngenden Redakteurs hat nicht automatisch einen antisemitischen Hintergrund.<br \/>\n<em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigung): <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2015\/12-10\/055.php\" target=\"_blank\">junge Welt v. 10.12.2015<\/a><\/p>\n<p>siehe auch:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=2565\" rel=\"bookmark\">Die Entlassung des Journalisten Killy und seine \u201eAntisemitischen Verschw\u00f6rungstheorien\u201c \u2013 und was wir daraus lernen k\u00f6nnen &#8211; v. 26.11.5 <\/a><br \/>\nvon Detlef Griesche<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Weser-Kurier wollte keine Israel-Propaganda. Der auch deswegen gefeuerte Redakteur spielt sich jetzt als Opfer auf Daniel Killy stammt aus einer j\u00fcdischen Familie und hat nahe Angeh\u00f6rige durch den Holocaust verloren. 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