{"id":2683,"date":"2016-01-15T09:23:54","date_gmt":"2016-01-15T08:23:54","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=2683"},"modified":"2016-01-15T09:27:24","modified_gmt":"2016-01-15T08:27:24","slug":"tair-kaminer-warum-ich-verweigere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=2683","title":{"rendered":"Tair Kaminer: &#8222;Warum ich verweigere&#8220;"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/kaminer-tahier.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"  \" alt=\"\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/kaminer-tahier.jpg\" width=\"200\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Ausriss aus: +972 Magazine<\/p><\/div>\n<p>Die Israelin Tair Kaminer, die im November zusammen mit Yaron Kaplan in Bremen war, ist jetzt nach ihrer Einberufung wegen ihrer Verweigerung des Kriegsdienstes inhaftiert worden. Es wird erwartet, dass sie zu einem Monat Haft verurteilt wird. Der Kommentar von Tair Kaminer: &#8222;Vor dem Milit\u00e4rgef\u00e4ngnis f\u00fcrchte ich mich weniger als vor unserer Gesellschaft, die ihre Menschlichkeit verliert.&#8220; Ungef\u00e4hr 40 Demonstranten begleiteten die Kriegsdienstverweigerin am Sonntag zur Tel Hashomer Milit\u00e4rbasis, wo sie verurteilt werden soll.<\/p>\n<p>In Israel gibt es keinen zivilen Ersatzdienst, weswegen alle Verweigerer inhaftiert werden.<br \/>\nMan kann auch einen Protestbrief an den israelischen Verteidigungsminister Moshe Ya&#8217;alon schicken: &lt;<a href=\"http:\/\/www.connection-ev.de\/israel-refuser-form\" target=\"_blank\">http:\/\/www.connection-ev.de\/israel-refuser-form<\/a>&gt; oder ein Unterst\u00fctzungsschreiben an Tair selbst (ebendort).<!--more--><\/p>\n<p>Die Gruppe \u00bbJ\u00fcdische Stimme f\u00fcr gerechten Frieden in Nahost\u00ab dokumentiert auf ihrer Webseite die Erkl\u00e4rung Kaminers in einer \u00dcbersetzung von Rolf Verleger:<\/p>\n<p>&#8222;Ich hei\u00dfe Tair Kaminer, ich bin 19. Vor kurzem haben ich mein freiwilliges Jahr bei den Pfadfindern in Sderot beendet. In ein paar Tagen werde ich wohl ins Gef\u00e4ngnis kommen. Ein ganzes Jahr war ich als Freiwillige in Sderot, ich habe mit Kindern gearbeitet, die im Kriegsgebiet leben, und dort habe ich mich entschlossen, den Dienst im israelischen Milit\u00e4r zu verweigern.<\/p>\n<p>Ich verweigere, weil ich f\u00fcr meine Gesellschaft einen Beitrag leisten und sie verbessern m\u00f6chte, als Teil eines langwierigen Kampfes f\u00fcr Frieden und Gleichberechtigung. Die Kinder, mit denen ich gearbeitet hatte, wuchsen im Herzen des Konflikts auf und hatten von klein auf schockierende Erlebnisse \u2013 Erfahrungen, durch die viele von ihnen gro\u00dfen Hass ausbildeten; man kann das verstehen, besonders bei so kleinen Kindern. Wie sie lernen viele Kinder, die \u2013 in noch schwierigerer Lage \u2013 in Gaza oder den Gebieten [im Westjordanland, jW] aufwachsen, die andere Seite zu hassen. Auch ihnen kann man daf\u00fcr nicht die Schuld geben. Wenn ich all diese Kinder gemeinsam betrachte, die kommenden Generationen beider Seiten und die Umst\u00e4nde, unter denen sie aufwachsen, dann sehe ich eine Kette von Trauma und Schmerz. Und ich sage: Es reicht!<\/p>\n<p>Seit Jahren gibt es keine Aussicht auf politischen Fortschritt, es gibt keinen Versuch mehr, Frieden nach Gaza und Sderot zu bringen. Aber solange der milit\u00e4rische, gewaltsame Weg weiter beschritten wird, produzieren wir auf beiden Seiten Generationen voll Hass, die die Lage weiter verschlimmern werden. Man muss damit aufh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Ich verweigere, um keine aktive Rolle bei der Besatzung der pal\u00e4stinensischen Gebiete zu spielen und beim Unrecht, das dem pal\u00e4stinensischen Volk unter der Besatzung zugef\u00fcgt wird. Um nicht teilzuhaben am Kreislauf des Hasses in Gaza und Sderot. (\u2026)<\/p>\n<p>In Gespr\u00e4chen haben mich mir nahestehende Menschen beschuldigt, dass ich der Demokratie schade, wenn ich nicht die Gesetze des Staates einhalte. Aber die Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten leben unter der Herrschaft der israelischen Regierung, obwohl sie sie nicht gew\u00e4hlt haben. Solange Israel ein Besatzerstaat bleibt, wird es sich weiter davon entfernen, ein demokratischer Staat zu sein. Daher ist die Verweigerung Teil des Kampfes um Demokratie und kein Akt gegen die Demokratie.<\/p>\n<p>Man sagt mir, dass ich mich der Verantwortung f\u00fcr die Sicherheit des Staates Israel entziehe. Aber mir, als einer Frau, die alle Menschen als gleich betrachtet und deren Leben f\u00fcr gleich wichtig h\u00e4lt, f\u00e4llt es schwer, an das Sicherheitsargument zu glauben, solange es einzig und allein f\u00fcr die Juden gelten soll. Besonders jetzt, wo die Terrorwelle weiter w\u00e4chst, wird klar, dass das Milit\u00e4r nicht einmal die Juden sch\u00fctzen kann, denn es gibt keinen Weg zur Sicherheit inmitten des Besatzungszustands. Wirkliche Sicherheit wird dann entstehen, wenn das pal\u00e4stinensische Volk in W\u00fcrde und Freiheit in einem unabh\u00e4ngigen Staat Seite an Seite mit Israel leben wird. (\u2026)<\/p>\n<p>Das Milit\u00e4rgef\u00e4ngnis macht mir weniger Angst als der Verlust der Humanit\u00e4t in unserer Gesellschaft. Ich m\u00f6chte nicht Dinge tun, hinter denen ich nicht stehen kann, und dann im nachhinein das Schweigen brechen. Ich verweigere, und auch ihr solltet dar\u00fcber nachdenken.<\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigung): <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/2016\/01-15\/038.php\" target=\"_blank\">junge Welt v. 15.01.16<\/a><\/p>\n<p><em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Israelin Tair Kaminer, die im November zusammen mit Yaron Kaplan in Bremen war, ist jetzt nach ihrer Einberufung wegen ihrer Verweigerung des Kriegsdienstes inhaftiert worden. Es wird erwartet, dass sie zu einem Monat Haft verurteilt wird. 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