{"id":2730,"date":"2016-02-04T06:23:18","date_gmt":"2016-02-04T05:23:18","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=2730"},"modified":"2016-02-06T20:32:55","modified_gmt":"2016-02-06T19:32:55","slug":"im-system-der-schattenbanken-oekonomen-diskutierten-in-bremen-ueber-finanzmaerkte-und-geopolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=2730","title":{"rendered":"Im System der Schattenbanken &#8211; \u00d6konomen diskutierten in Bremen \u00fcber Finanzm\u00e4rkte und Geopolitik"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: left; margin: 0 15px 5px 0;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/k90lOkmqwGA\" height=\"169\" width=\"300\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/div>\n<div>\n<p>Mehr als 200 Menschen dr\u00e4ngten sich am Dienstag im gro\u00dfen Saal der Zionsgemeinde in der Bremer Neustadt, um einer Diskussion zum Thema \u00bbFinanzm\u00e4rkte, Geopolitik, Kriege\u00ab zu folgen. Die Vereinigte Evangelische Gemeinde Bremen-Neustadt, das Bremer Friedensforum, ATTAC und andere Organisationen hatten zwei angesehene \u00d6konomen f\u00fcr das Gespr\u00e4ch gewinnen k\u00f6nnen. Folker Hellmeyer ist Chefanalyst der Bremer Landesbank<!--more--> und ein ausgewiesener Praktiker des Bankgesch\u00e4fts. Seine Analysen und Prognosen werden in der Finanzszene viel beachtet. Er ist pr\u00e4sent in Medien und diversen Internetplattformen. Bekannt geworden ist er vor allem durch die in seinem Buch \u00bbEndlich Klartext!\u00ab vorgelegte Analyse der Finanzkrise von 2007\/2008 und eine f\u00fcr einen Banker au\u00dfergew\u00f6hnlich schonungslose Kritik an ihren Ursachen. Schlie\u00dflich widerstand \u00bbseine\u00ab Bremer Landesbank den Verlockungen hoher Renditen durch dubiose Finanzprodukte und kam deswegen \u2013 im Gegensatz zu den anderen Landesbanken \u2013 ohne gro\u00dfe Blessuren durch die Krise. Rudolf Hickel ist ein nicht weniger bekannter und in den Medien sehr pr\u00e4senter Wirtschaftswissenschaftler, Mitbegr\u00fcnder der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Finanzm\u00e4rkte: ihre Struktur, die auf ihnen gehandelten Volumina, die wichtigsten Akteure und ihr unkontrollierter Einfluss auf die US-amerikanische, europ\u00e4ische und deutsche Politik. Obwohl man 2008 in den Abgrund einer Weltwirtschaftskrise geblickt hatte und von allen Seiten der Politik eine strikte Re-Regulierung der vorher deregulierten Finanzm\u00e4rkte gefordert und versprochen worden war, sei im Grunde, darin stimmten beide Referenten \u00fcberein, nicht allzuviel erreicht worden. Die Gefahr einer neuen Finanzkrise sei nicht gebannt. Die vorgenommenen Regulierungsma\u00dfnahmen h\u00e4tten eher dazu gef\u00fchrt, dass der \u00bbdunkle Bereich\u00ab der \u00d6konomie, das System der Schattenbanken, an Volumen und an Einfluss zugenommen habe.<\/p>\n<p>Folker Hellmeyer erl\u00e4uterte in diesem Zusammenhang einen ungewollten Nebeneffekt der vorgenommenen Regulierungen. Was jetzt reguliert und erschwert w\u00fcrde, sei das klassische Kreditgesch\u00e4ft, welches aber gar nicht das Problem gewesen sei. Die Sparkassen und Volksbanken und einige Landesbanken in Deutschland h\u00e4tten w\u00e4hrend der Finanzkrise antizyklisch gegenzusteuern versucht. \u00bbWir haben weiterhin Kredite rausgegeben, um die Unternehmen \u00fcber Wasser zu halten. Jetzt werden wir in unserer Kreditvergabe als Folge der Regulatorik eingeschr\u00e4nkt. Das Absurde daran ist, dass die T\u00e4ter mit ihrem Gesch\u00e4ftsmodell \u2013 dem Investmentbanking \u2013 dadurch sozusagen noch einmal subventioniert werden. Wir k\u00f6nnen jetzt weniger Kredite vergeben, wodurch immer mehr Unternehmen, vor allem Mittelst\u00e4ndler, an den Kapitalmarkt und damit zu den Investmentbanken gezwungen werden.\u00ab Hellmeyer kommentierte mit bitterer Ironie: \u00bbMan muss anerkennen: Das war gute Lobbyarbeit.\u00ab<br \/>\njW-Probeabo<\/p>\n<p>Rudolf Hickel referierte unter anderem \u00fcber erschreckende Aspekte des R\u00fcstungsgesch\u00e4fts, in das die Bremer Industrie ja \u00fcberdurchschnittlich stark involviert ist. Er sei im Aufsichtsrat eines U-Boote bauenden R\u00fcstungsunternehmens, dessen Namen er nicht nennen wollte, dabeigewesen, als vor ungef\u00e4hr vier Jahren die Verk\u00e4ufe von je zwei U-Booten an Griechenland und an die T\u00fcrkei auf den Weg und durch den Genehmigungsprozess gebracht worden waren. Seine Warnung vor diesen Gesch\u00e4ften habe nicht nur nicht gefruchtet. Die Situation sei seitdem nur noch schlimmer geworden. \u00bbWas mich so \u00e4rgert\u00ab, schloss er seine mit viel Beifall begleiteten Erl\u00e4uterungen, \u00bbes ist offensichtlich geworden, dass der gleichzeitige Export von Waffen, von Maschinengewehren, Panzern und all dem Zeugs unmittelbar gerade in die Regionen geht, in denen der Krieg tobt.\u00ab<\/p>\n<p>Der Einfluss der Finanzm\u00e4rkte auf die Geopolitik und auf die Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten und Afrika war dann noch ebenso Thema wie die Osterweiterung der NATO und das Erstarken der BRICS-Staaten.<br \/>\n<em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigung): <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/2016\/02-04\/016.php\" target=\"_blank\">junge Welt v. 04.02.16<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als 200 Menschen dr\u00e4ngten sich am Dienstag im gro\u00dfen Saal der Zionsgemeinde in der Bremer Neustadt, um einer Diskussion zum Thema \u00bbFinanzm\u00e4rkte, Geopolitik, Kriege\u00ab zu folgen. 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