{"id":2842,"date":"2016-03-09T16:32:57","date_gmt":"2016-03-09T15:32:57","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=2842"},"modified":"2016-03-09T16:37:15","modified_gmt":"2016-03-09T15:37:15","slug":"hierzulande-wird-die-propaganda-geschluckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=2842","title":{"rendered":"\u00bbHierzulande wird die Propaganda geschluckt\u00ab"},"content":{"rendered":"<p><strong>Am Freitag protestierten \u00bbAntideutsche\u00ab gegen die Premiere eines israelischen Filmes. <\/strong><em>Von Wladek Flakin<\/em><\/p>\n<p><strong>Am Freitag war in Berlin die Deutschlandpremiere Ihres neuen Dokumentarfilms. Doch in der Berichterstattung geht es nicht um dessen Inhalt, sondern um einen gezeigten Hitlergru\u00df und antisemitische Spr\u00fcche. Was ist vor dem Kino passiert? <strong>Gespr\u00e4ch mit Dror Dayan. <!--more--><\/strong><\/strong><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<div>\n<p>Mein Film \u00bbEven Though My Land Is Burning\u00ab wurde am Freitag abend im Kino Moviemento in Kreuzberg aufgef\u00fchrt. Die Premiere wollte ich mit der \u00bbIsraeli Apartheid Week\u00ab verkn\u00fcpfen. Bei dieser globalen Aktionswoche geht es um die Forderung nach Boykott, Deinvestition und Sanktionen, BDS, gegen den israelischen Staat, bis dieser die Besatzung beendet. Ich wollte nicht mit Sekt feiern, sondern eine politische Veranstaltung. Denn in meinem Film geht es um einen einzigen demokratischen Staat im historischen Pal\u00e4stina, in dem Juden und Pal\u00e4stinenser mit gleichen Rechten leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Und dagegen gab es Protest?<\/strong><\/p>\n<p>Drei Wochen vorher haben antipal\u00e4stinensische Gruppen, meistens aus den Kreisen der sogenannten Antideutschen, zu einer Protestaktion aufgerufen. Sie nannten uns Antisemiten und haben das Kino mit Drohungen terrorisiert. Den Betreibern haben sie vorhergesagt: Wenn der Film gezeigt wird, wird das Kino auf ewig als antisemitischer Ort gebrandmarkt. Das versuchen sie jetzt umzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Wie lief diese Gegenkundgebung?<\/strong><\/p>\n<p>Rund 40 Menschen \u2013 meiner Ansicht nach in erster Linie wei\u00dfe Deutsche \u2013 haben sich versammelt und mit Israel-Fahnen und lauter Musik versucht, die Nachbarn zu provozieren. Manche der Filmbesucher hatten pal\u00e4stinensische Fahnen dabei. Ich habe \u00bbFree Palestine!\u00ab und \u00bbBoycott Israel!\u00ab gerufen. Ich wei\u00df nicht, wer die Demonstranten auf der zionistischen Seite genau waren. Aber definitiv kann ich sagen, dass mehr j\u00fcdische Menschen im Kino waren als der Gegenkundgebung. Mehrere schrieben sp\u00e4ter auf Facebook, dass sie vor dem Kino auf hebr\u00e4isch sprachen oder Kippas trugen, und sich dabei sicher und willkommen f\u00fchlten.<\/p>\n<p><strong>Wer waren die M\u00e4nner, die den Hitlergru\u00df gezeigt haben?<\/strong><\/p>\n<p>Die Fotos von drei M\u00e4nnern unter schwarzen Kapuzen und mit Sonnenbrillen, die eine Ecke weiter den Hitlergru\u00df zeigen, erschienen erst etwas sp\u00e4ter online. Das wurde unserer Veranstaltung zugerechnet, war aber eindeutig nicht vor dem Kino. Wer diese Menschen sind, wei\u00df ich nicht. Klar ist nur, dass sie an der Veranstaltung selbst nicht teilgenommen haben.<\/p>\n<p><strong>Wie erleben Sie die Diskussion um Israel in Deutschland?<\/strong><\/p>\n<p>Hier wird die Propaganda kritiklos geschluckt, dass Zionismus und Judentum das gleiche seien. Mir wurde schon oft Antisemitismus vorgeworfen, oder ich wurde gewarnt, dass ich mich mit b\u00f6sen Antisemiten bewege. Das ist Teil des deutschen Diskurses: Ich bin als Jude kein politisches Subjekt, sondern muss dann von Deutschen vor Antisemiten gesch\u00fctzt werden. Ich hoffe, dass die Filmpremiere endlich Menschen in diesem Land dazu bringt, kritisch dar\u00fcber zu reflektieren, dass antizionistische Stimmen zum Schweigen gebracht werden.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie noch kurz von Ihrem Film erz\u00e4hlen?<\/strong><\/p>\n<p>Im Film geht es um Solidarit\u00e4tsarbeit von j\u00fcdischen Antizionisten in Israel mit dem gewaltfreien Widerstand der Pal\u00e4stinenser. Daf\u00fcr habe ich vier Jahre lang einen jungen Aktivisten aus Tel Aviv begleitet, der jede Woche an den Demos im Dorf Nabi Saleh teilnimmt. Ich wollte sehen, was diese solidarische Zusammenarbeit hervorbringen kann. K\u00f6nnen wir einen demokratischen Staat f\u00fcr alle erk\u00e4mpfen, unabh\u00e4ngig von Ethnie und Religion?<\/p>\n<p>Eine weitere Protagonistin des Filmes, Manal Tamimi, wurde vorgestern nacht in ihrem Haus verhaftet. Aktuell wird sie ohne Anklage in einem israelischen Milit\u00e4rgef\u00e4ngnis festgehalten. Es ist kein Zufall, dass das in der Nacht zum Frauentag passiert ist, denn Manal ist Frauenrechtsaktivistin, und als Feministin k\u00e4mpft sie gegen die Besatzung. Ich muss meine Zeit mit Diskussionen \u00fcber den Hitlergru\u00df vergeuden\u00a0\u2013 die wahren Aktivisten werden nachts von Soldaten verschleppt.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"Infobox\">\n<p>Dror Dayan ist ein Filmemacher aus Jerusalem, der in Berlin lebt.<\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigung): <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2016\/03-09\/036.php\" target=\"_blank\">junge Welt v. 09.03.2016<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Freitag protestierten \u00bbAntideutsche\u00ab gegen die Premiere eines israelischen Filmes. Von Wladek Flakin Am Freitag war in Berlin die Deutschlandpremiere Ihres neuen Dokumentarfilms. 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