{"id":2890,"date":"2016-04-23T09:54:26","date_gmt":"2016-04-23T07:54:26","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=2890"},"modified":"2016-04-23T10:01:46","modified_gmt":"2016-04-23T08:01:46","slug":"toetet-sie-alle-nach-der-hinrichtung-eines-wehrlosen-palaestinensers-israels-rechte-solidarisieren-sich-mit-soldaten-elor-asaria","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=2890","title":{"rendered":"\u00bbT\u00f6tet sie alle\u00ab. Nach der Hinrichtung eines wehrlosen Pal\u00e4stinensers: Israels Rechte solidarisieren sich mit Soldaten Elor Asaria"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: left; margin: 0 15px 5px 0;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/q9H2KDYPptg\" height=\"169\" width=\"300\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/div>\n<div>\nBenjamin Netanjahus Rechtsregierung in Israel bekommt Druck von rechts. Mehrere tausend Israelis haben am Dienstag im Zentrum von Tel Aviv mit rassistischen Parolen und jeder Menge blau-wei\u00dfer Landesfahnen ihre Solidarit\u00e4t mit dem Soldaten Elor Asaria bekundet. Der 19j\u00e4hrige Armeesanit\u00e4ter hatte am 24. M\u00e4rz in Hebron im Westjordanland den verletzt und wehrlos am Boden liegenden Pal\u00e4stinenser Abd Al-Fatah Scharif nach einer Messerattacke auf einen anderen Soldaten gezielt mit einem Kopfschuss ermordet (jW berichtete). Problem f\u00fcr die Besatzungstruppen: Die Hinrichtung war per Video dokumentiert und von der israelischen Menschenrechtsorganisation B\u2019Tselem ver\u00f6ffentlicht worden. Der Film sorgte f\u00fcr Furore in Israel und internationales Entsetzen. Die Besatzungstruppen sahen sich gezwungen, rechtliche Schritte in die Wege zu leiten und den Soldaten zu verhaften \u2013 wogegen nun nicht wenige Israelis mobil machen.<!--more--><\/p>\n<p>Mit einigem Erfolg. Der Mordvorwurf gegen Asaria ist vom Tisch. Am Montag erhob ein Milit\u00e4rgericht Anklage wegen Totschlags. Der Soldat habe gegen die milit\u00e4rischen Vorschriften versto\u00dfen, zitierte die israelische Zeitung Haaretz am Montag aus der Anklage. Es habe sich nicht wie behauptet um Selbstverteidigung gehandelt, weil der Angreifer keine Gefahr mehr dargestellt habe, als er erschossen wurde. Laut Anklage hat Asaria unmittelbar nach dem Kopfschuss seine Selbstjustiz mit den Worten begr\u00fcndet: \u00bbEr verdient zu sterben.\u00ab<\/p>\n<p>Eine Sicht, die auf der Solidarit\u00e4tskundgebung in Tel Aviv am Dienstag abend durchaus geteilt wurde. \u00bbLasst den Soldaten frei\u00ab, \u00bbEr ist ein Held\u00ab, riefen laut Haaretz die Demonstranten. Sie attackierten Verteidigungsminister Mosche Jaalon, weil der die Exekution in Hebron kritisiert hatte. Auf einem Protestschild war die Order f\u00fcr andere Armeeangeh\u00f6rige in den besetzten Gebieten zu lesen: \u00bbT\u00f6tet sie alle\u00ab. Wie die israelische Menschenrechtsaktivistin Elisabeth Tsurkow dokumentierte, waren aber auch rechte Slogans wie das SS-Motto \u00bbMeine Ehre hei\u00dft Treue\u00ab, \u00bbLasst die israelische Armee gewinnen, schei\u00df auf die Araber\u00ab und \u00bbHoffentlich brennt dein Dorf ab\u00ab auf dem Platz zu finden, der nach dem Friedensnobelpreistr\u00e4ger und von einem rechten Israeli ermordeten Premier Jitzchak Rabin benannt ist.<\/p>\n<p>Der rechte Spukabend war von der Familie des angeklagten Soldaten und von dem fr\u00fcheren Knesset-Abgeordneten Scharon Gal von der Partei \u00bbIsrael Beitenu\u00ab organisiert worden. Die Kundgebung galt offiziell als \u00bbunpolitische Veranstaltung\u00ab.<\/p>\n<p>Aufruf zum Mord: Eine Demonstrantin h\u00e4lt am Dienstag in Tel Aviv ein Schild mit der Aufschrift \u00bbT\u00f6tet sie alle\u00ab<\/p>\n<p>Zwar ist die Zahl der Teilnehmer weit hinter den Erwartungen der Veranstalter und der Polizei zur\u00fcckgeblieben. Doch bedeutsamer ist, dass die Rechtsextremisten in der Sache den Regierungschef hinter sich wissen. Hatte Netanjahu in einer ersten Reaktion die Hinrichtung noch deutlich kritisiert, warnte er angesichts wachsender Sympathien in der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den angeklagten Soldaten davor, \u00bbdie Moral der israelischen Armee anzuzweifeln\u00ab. Dies sei \u00bbunversch\u00e4mt und inakzeptabel\u00ab.<\/p>\n<p>Am Dienstag schlie\u00dflich erkl\u00e4rte der Premier: \u00bbAls Vater eines Soldaten und als Premierminister m\u00f6chte ich wiederholen: Die Armee steht hinter ihren Soldaten.\u00ab Er sei davon \u00fcberzeugt, so Netanjahu, dass die Untersuchungen des Falls verantwortlich gef\u00fchrt w\u00fcrden und das Gericht alle Umst\u00e4nde ber\u00fccksichtigen werde. Israels Erziehungsminister Naftali Bennett von der radikalen Siedlerpartei \u00bbJ\u00fcdisches Heim\u00ab hat indes unverhohlen bekundet, dass er f\u00fcr die Festnahme und Anklage des Todessch\u00fctzen keinerlei Verst\u00e4ndnis hat. Man habe offenbar vergessen, \u00bbwer die Guten und wer die B\u00f6sen sind\u00ab, so das Kabinettsmitglied.<\/p>\n<p>Einer in der vergangenen Woche ver\u00f6ffentlichen Umfrage der regierungsnahen Zeitung Israel Hayom zufolge sind junge Israelis \u00bbmehrheitlich rechts orientiert\u00ab. Rund 59 Prozent der befragten Sch\u00fcler bezeichnen sich so. Sechs von zehn Befragten bekundeten zudem, dass der Soldat Elor Asaria nicht vor Gericht gestellt werden sollte. Rund 82 Prozent sehen eine minimale oder gar keine M\u00f6glichkeit, sich mit den Pal\u00e4stinensern im Nahostkonflikt zu einigen.<\/p>\n<p>Der Schriftsteller Nir Baram kommt in seinem aktuellen Buch \u00bbIm Land der Verzweiflung. Ein Israeli reist in die besetzten Gebiete\u00ab zum n\u00fcchternen Ergebnis: \u00bbDie meisten Israelis und vielleicht auch die meisten Menschen auf der Welt sind inzwischen zu dem Schluss gelangt, dass keine Aussicht mehr auf eine L\u00f6sung des Konflikts besteht.\u00ab Einer seiner israelischen Gespr\u00e4chspartner habe ihm erkl\u00e4rt, \u00bbes sei kein Fortschritt zu erzielen, weil die Israelis nicht verzweifelt, sondern gleichg\u00fcltig seien und die Pal\u00e4stinenser nicht gleichg\u00fcltig, aber verzweifelt\u00ab.<\/p>\n<p><em>R\u00fcdiger G\u00f6bel<\/em><\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigung): <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/2016\/04-22\/073.php?sstr=T%C3%B6tet|sie|alle\" target=\"_blank\">junge Welt v. 22.04.16<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Benjamin Netanjahus Rechtsregierung in Israel bekommt Druck von rechts. 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