{"id":2953,"date":"2016-05-12T08:35:01","date_gmt":"2016-05-12T06:35:01","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=2953"},"modified":"2016-05-13T19:26:37","modified_gmt":"2016-05-13T17:26:37","slug":"2953","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=2953","title":{"rendered":"Atef Abu Saif zur Lesung im Bremer \u00dcberseemuseum"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/DSC04205_ji.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"   \" alt=\"\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/DSC04205_ji.jpg\" width=\"300\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">von rechts nach links: Atef Abu Saif, Claus Walischewski, Doris Flack, Detlef Griesche<\/p><\/div>\n<p>Am 7. Juli 2014 begann der bisher letzte der vielen Angriffe der israelischen Armee auf den Gazastreifen. Inmitten aller Pressestimmen zum Geschehen tauchten in den f\u00fchrenden Zeitungen der Welt Tagebuchtexte auf. Ihr Autor: Atef Abu Saif, ein in der arabischen Welt bekannter Romancier. Er hielt fest, was um ihn herum geschah. Wie er mit seiner Frau den Alltag bew\u00e4ltigte. Wie er seinen Kindern zu erkl\u00e4ren versuchte, warum sie nicht mehr auf die Stra\u00dfe d\u00fcrfen. Wie er mit der Angst k\u00e4mpfte, wenn vor dem Fenster die Drohne sirrte.<!--more--><\/p>\n<p>In 51 Tagebucheintr\u00e4gen, vom ersten bis zum letzten Tag des Krieges, erz\u00e4hlt Atef Abu Saif das Unvorstellbare.<\/p>\n<div style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/cover-vom-buch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  \" alt=\"\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/cover-vom-buch.jpg\" width=\"150\" height=\"250\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">256 Seiten, ISBN 978-3-293-00492-4, \u20ac 19.95, Unionsverlag<\/p><\/div>\n<p>Abu Saif hat mit diesen Geschichten aus den 51 Tagen, die der letzte Gaza-Krieg dauerte, einen gro\u00dfen internationalen Erfolg gelandet. &#8222;Fr\u00fchst\u00fcck mit der Drohne&#8220; hei\u00dft sein Buch; und er schildert darin v\u00f6llig unpathetisch und ganz pr\u00e4zise, mit all den scheinbar so unwichtigen Einzelheiten, wie er, seine Frau und seine f\u00fcnf Kinder alles tun, um zu \u00fcberleben. Er erz\u00e4hlt von den Stra\u00dfen, den M\u00e4rkten, vom Hunger und von den Schwierigkeiten, bei den vielen Stromsperren Vorr\u00e4te in den K\u00fchlschr\u00e4nken zu lagern, vom gemeinsamen Fernsehen, wenn die Spiele der Fu\u00dfballweltmeisterschaft aus Brasilien \u00fcbertragen werden, vom Shisha-Rauchen in den Cafes, von den vielen Fluchten und Umz\u00fcgen aus den zerst\u00f6rten H\u00e4usern und Wohnungen&#8230; Und von den Bombardierungen und Raketenangriffen durch israelische Kriegsschiffe, F16-Kampfjets, Drohnen und Panzern.<\/p>\n<p>Am 10. Mai 2016 kam Atef Abu Saif ins \u00dcberseemuseum und erz\u00e4hlte von seinen Erlebnissen und von seinen Versuchen, sie zu Papier zu bringen. Doris Flack und Claus Walischewski wechselten sich ab bei der \u00dcbersetzung. Auch arabisch wurde an dem Abend gesprochen, als der Autor einen kleinen Abschnitt seines Buches in der Originalsprache vorlas.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/bremen-kultur-freizeit_artikel,-Fruehstueck-mit-der-Drohne-_arid,1375018.html\" target=\"_blank\">Der Weserkurier vom 12.05.2016 hat \u00fcber den Abend ausf\u00fchrlich berichtet.<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Das Funkhaus Europa hat schon am 10.05.2016 ein ausf\u00fchrliches Interview mit Zozan M\u00f6nch gesendet. Die audio-Datei mit freundlicher Genehmigung des Senders hier:<\/li>\n<\/ul>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-2953-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/16-05-10-mitschnitt-Interview-FunkhausEuropa.mp3?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/16-05-10-mitschnitt-Interview-FunkhausEuropa.mp3\">http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/16-05-10-mitschnitt-Interview-FunkhausEuropa.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholderNiemand wird an dem Abend vergessen, wie Abu Saif vom Sirren der Drohnen erz\u00e4hlte, die in diesem Krieg offenbar allgegenw\u00e4rtig waren. &#8222;Unser Schicksal liegt in den H\u00e4nden eines Drohnenpiloten, der irgendwo jenseits der israelischen Grenze in einem Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt sitzt. Dieser Pilot blickt auf Gaza wie ein freches Kind auf ein Computerspiel. Er dr\u00fcck eine Taste und vernichtet einen ganzen Stra\u00dfenzug. Er kann \u00fcber Leben und Tod eines Passanten entscheiden oder einen Baum auf einer Plantage entwurzeln, der noch nicht einmal Fr\u00fcchte getragen hat. Der Pilot w\u00e4hlt Ziele nach eigenem Ermessen aus, angetrieben durch das Vertrauen und die Macht, die seine Vorgesetzten in seine H\u00e4nde gelegt haben. [&#8230;] Gaza auf dem Monitor &#8211; Tausende Bilder, die von einer umherrasenden Drohne festgehalten und auf einen Computer weitergeleitet wurden. Die Bilder k\u00f6nnen sehr detailgetreu sein. Eins zeigt Hanna und mich auf unserem blauen Sofa, wie wir die Finsternis im Auge behalten. Auf einem anderen, im richtigen Winkel durch das Badezimmerfenster aufgenommen, sind unsere im Flur schlafenden Kinder zu sehen. Ich stelle es mir sehr unterhaltsam f\u00fcr die Soldaten vor, uns auf ihren Bildschirmen zu beobachten. Das beste Videospiel aller Zeiten. Bestimmt losen sie oft aus, wer als Erster schie\u00dfen darf.&#8220; (aus &#8222;Fr\u00fchst\u00fcck mit der Drohne&#8220;, S. 33)<\/p>\n<p>\u00dcber das Leben von Familien mit Kindern mitten im Krieg in Gaza hatte Abu Saif angefangen zu schreiben, weil ihn sein Verleger in London gefragt hatte, wie es ihm inmitten des Krieges denn so ginge. Die Berichte im Tagebuchstil wurden in London ins Netz gestellt, fanden immer mehr Follower bei Facebook und wurden im &#8222;Guardian&#8220;,\u00a0 in der &#8222;Sunday Times&#8220; und vielen anderen Zeitungen abgedruckt.<\/p>\n<p>In vielen Besprechungen des Buches &#8222;Fr\u00fchst\u00fcck mit der Drohne&#8220; hei\u00dft es, dass es seinem Autor nicht um politische Analysen und Schuldzuweisungen gegangen w\u00e4re. Das Gegenteil ist der Fall: gerade indem er die Wirklichkeit eines asymmetrischen Krieges als ein t\u00e4gliches Leben und \u00dcberleben schildert, macht er die Folgen der Politik erst wirklich begreifbar; wenn er \u00fcber die Angriffe berichtet, werden in einer Fu\u00dfnote wie f\u00fcr ein sp\u00e4teres Archiv die Namen und das Alter der Get\u00f6teten angegeben. In seinem Buch stellt er u.a. diese Fragen: &#8222;Wer kann diese israelische Generation davon \u00fcberzeugen, dass das, was sie diesen Sommer getan haben, ein Verbrechen ist? Wer kann den Piloten davon \u00fcberzeugen, dass seine Mission keine Mission f\u00fcr, sondern gegen sein eigenes Volk ist? Wer bringt ihm bei, dass Leben nicht auf den Tr\u00fcmmern anderen Lebens erbaut werden kann? [&#8230;] Wer kann den Drohnenpiloten davon \u00fcberzeugen, dass die H\u00e4user, die er auf dem Bildschirm sieht, keine virtuellen Bilder sind, sondern das Zuhause von Menschen mit Wohnzimmern, K\u00fcchen, B\u00e4dern und Bettchen, in denen Kinder unter Mobiles schlafen, mit Zimmern, in denen Teddyb\u00e4ren und Spielzeugdinosaurier auf dem Boden liegen und Poster die W\u00e4nde schm\u00fccken?&#8220; (aus &#8222;Fr\u00fchst\u00fcck mit der Drohne&#8220;, S. 71)<\/p>\n<p>Die Veranstaltung im \u00dcberseemuseum wurde organisiert und getragen von: Arbeitskreis Nah-Ost, biz &#8211; Bremer Informationszentrum f\u00fcr Menschenrechte und Enwicklung, Deutsch-Pal\u00e4stinensische Gesellschaft Bremen (DPG), Bremer Friedensforum, ICAHD &#8211; Israeli Comittee Against House Demolitions Bremen und Nahost-Forum Bremen.<br \/>\n<em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 7. 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