{"id":3064,"date":"2016-06-15T08:08:55","date_gmt":"2016-06-15T06:08:55","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=3064"},"modified":"2016-06-15T10:12:45","modified_gmt":"2016-06-15T08:12:45","slug":"kleine-diskussion-mit-hermann-kuhn-dig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=3064","title":{"rendered":"Kleine Diskussion mit Hermann Kuhn (DIG) &#8211; Fortsetzung"},"content":{"rendered":"<p>In der Fortsetzung des kleinen email-Wechsels (v. 6. Juni 2016) mit Hermann Kuhn, dem Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) in Bremen geht es um diesen meinen Satz (unten nachzulesen): &#8222;Im Sinne einer notwendigen und freien Diskussion gerade auch \u00fcber die Probleme im Nahen Osten ist es v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich, dass die DIG in der j\u00fcngsten Vergangenheit<!--more--> in Bremen wiederholt und massiv interveniert hat, damit dem Nahost-Forum oder dem AK Nahost R\u00e4ume f\u00fcr ihre Veranstaltungen nicht zur Verf\u00fcgung gestellt werden.&#8220;<\/p>\n<p>In einer neuen mail (v. 13.06.2016) an mich erwidert Hermann Kuhn: &#8222;Die DIG hat nicht versucht, die Ausstellung in der Stadtbibliothek zu verhindern, sondern hat darauf gedrungen, dass auch der Standpunkt der DIG (auf einem Achtel der Fl\u00e4che) dargestellt werden kann. Die DIG hat sich weder \u00f6ffentlich noch nicht-\u00f6ffentlich zur Veranstaltung am 26. Januar in den Weserterrassen ge\u00e4u\u00dfert, hat in keiner Weise versucht Einfluss zu nehmen. Und wenn Sie das wahrheitswidrig immer wieder behaupten, dann nennen Sie endlich Ihre Beweise. Was Sie machen, ist Verleumdung. Die DIG hat in einem Brief an das \u00dcberseemuseum darauf hingewiesen, dass die Veranstaltung im M\u00e4rz der Propagierung des Israelboykotts diene, und dass diese Bewegung das Existentrecht Israels in Frage stelle. Diesen Brief kennen Sie. Wir werden auch weiterhin daf\u00fcr eintreten, dass Senat und B\u00fcrgeschaft sich klar von der BDS-Bewegung distanzieren.&#8220;<\/p>\n<p>Nachdem ich mich noch einmal schlau gemacht habe, habe ich Kuhn geantwortet, dass ich uneingeschr\u00e4nkt dabei bleibe, dass diese Interventionen stattgefunden haben.<\/p>\n<p><strong>Beweise?<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Im Fall der Nakba-Ausstellung wurde in einer Deputationssitzung der B\u00fcrgerschaft aus den Fragen der CDU und aus der Antwort des B\u00fcrgermeisters (damals Jens B\u00f6hrnsen) deutlich, dass die Ausstellung verhindert werden sollte. Als Kompromiss, um die Ausstellung zu retten und um unterschriebene Vertr\u00e4ge nicht zu verletzen, erhielt dann die DIG von den Ausstellungsmachern die M\u00f6glichkeit, in der Ausstellung eigene Informationstafeln aufzustellen, ihre eigene Anti-Nakba-Brosch\u00fcre auszulegen und f\u00fcr eine Podiumsdiskussion zwei eigene Telnehmer zu stellen. Wenn dieser Kompromiss mit der DIG gefunden wurde &#8211; wer war es dann, der interveniert hat?<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Im Fall des \u00dcberseemuseums hat Kuhn, wie er selber schreibt, als Vorsitzender der DIG einen Brief an die Direktorin geschrieben und darauf &#8222;hingewiesen&#8220;, dass die Veranstaltung die BDS-Kampagne propagiere, die &#8222;das Existenzrecht Israels in Frage stelle&#8220;. Ist das keine Intervention?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich m\u00f6chte den kleinen e-mail-Wechsel zum Anlass nehmen, positiv in die Zukunft zu schauen. Aus meiner Antwort-mail an Kuhn: &#8222;Sie bestreiten, dass Sie und die DIG interveniert haben, um Veranstaltungen zu verhindern. Wir wissen alle, dass \u00fcber den Nahost-Konflikt seit Jahren \u00e4u\u00dferst heftig und \u00e4u\u00dferst kontrovers diskutiert wird. \u00dcbrigens auch in den Gruppierungen, die die letzten Diskussionen dar\u00fcber organisiert haben! Wichtig ist doch allein, dass diese Diskussionen fortgesetzt werden!<\/p>\n<p><strong>Deshalb zum Schluss zwei Fragen:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>K\u00f6nnen wir uns f\u00fcr die Zukunft evtl. mit der DIG darauf verst\u00e4ndigen, dass diese Diskussionen weitergehen m\u00fcssen und dass administrative Verhinderungsversuche in einer Demokratie v\u00f6llig fehl am Platze sind?<\/li>\n<\/ol>\n<ol>\n<li>Und dass wir mal eine Veranstaltung versuchen zu organisieren, auf der &#8211; um nicht nur &#8222;im eigenen Saft zu schmoren&#8220; &#8211; kontrovers diskutiert wird? W\u00e4hrend der Nakba-Ausstellung hat es ja schon so etwas gegeben. Wie w\u00e4rs mit einem zweiten (oder dritten und vierten)\u00a0 Versuch?&#8220;<\/li>\n<\/ol>\n<p>\u00dcbrigens: Dass die BDS-Kampagne das Existenzrecht Israels in Frage stelle und damit antisemitisch sei, ist eine Behauptung, die von Netanyahu aufgestellt und auch von der israelischen Botschaft in Deutschland wiederholt wird. Sie ist trotzdem nicht richtig. Richtig ist, dass diese Kampagne in all ihren verschiedenen Varianten immer erkl\u00e4rt, dass sie gewaltfrei ist. So wie es auch die Boykott-Bewegung gegen die s\u00fcdafrikanische Apartheid-Regierung war. Mehr dar\u00fcber in einem recht guten (und ausgewogenen, beide Seiten zu Wort kommen lassenden) \u00dcberblicksartikel in der <a href=\"https:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=1&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0ahUKEwidx8OfyqnNAhUjDJoKHeOuBb4QFggcMAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.sueddeutsche.de%2Fpolitik%2Fisrael-angst-vor-der-isolierung-1.1892659&amp;usg=AFQjCNEpjInpSkYrwfUELQxttM-tb8P6Og&amp;sig2=IDga04-_KC-dinbrlbuhgw&amp;bvm=bv.124272578,d.bGs\" target=\"_blank\">S\u00fcddeutschen vom 19. Februar 2014 dem Titel: &#8222;Angst vor der Isolierung&#8220;.<\/a><br \/>\n<em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n<p>___________________________________________________________________________<\/p>\n<h2>Hier der Beitrag &#8222;Kleine Diskussion mit Hermann Kuhn (DIG)&#8220; vom 8. Juni 2016<\/h2>\n<p>In einer e-mail (v. 6. Juni 2016) bittet Hermann Kuhn, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) in Bremen, um die Korrektur einiger &#8222;Falschmeldungen&#8220; in meinem <a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=3025\" target=\"_blank\">Bericht<\/a> \u00fcber die\u00a0Veranstaltung mit dem Titel &#8222;Zur Kritik Bremer Zust\u00e4nde. Israel-Obsessionen am Beispiel Arn Strohmeyer&#8220;. Der Bitte kommt die Redaktion gern nach, zumal dankenswerterweise Kuhn auch sein Redemanuskript (<a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/16-06-01-kuhn-\u00fcber-strohmeyer.docx\" target=\"_blank\">nachzulesen hier<\/a>) zur Verf\u00fcgung stellt.<\/p>\n<ul>\n<li>\u00a0Es ist richtig, dass der Veranstalter an dem Abend die antideutsche Gruppe &#8222;Aktion Zaungast&#8220; war. Die DIG war Gast und Kuhn entsprechend der Gastredner.<\/li>\n<li>Es ist auch richtig, dass Kuhn in der Diskussion gesagt hat, dass es in Bremen mit dem Nahost-Forum und den BDS-Aktivit\u00e4ten eine Gruppe besonders lauter und aktiver Israel-Kritiker g\u00e4be.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Schwierig mit einer Korrektur wird es bei dem folgenden Satz. Ich hatte geschrieben: &#8222;Fehler in der Wiedergabe der historischen Fakten [bei Strohmeyer] konnte er [Kuhn] nicht entdecken&#8220;). Kuhn findet diesen Satz <i>haarstr\u00e4ubend<\/i>, weil er doch in seinem Referat in zehn Punkten gerade Strohmeyer viele &#8222;Fehler&#8220; nachgewiesen habe.<\/p>\n<p>Nun ist es bekanntlich nicht so einfach festzustellen, was &#8222;Fehler&#8220; und was &#8222;Fakten&#8220; sind. Und ob Kuhn \u00fcber die &#8222;Fakten&#8220; verf\u00fcgt und Strohmeyer die &#8222;Fehler&#8220; macht.\u00a0 Ob z.B. Pal\u00e4stina vor dem Beginn der j\u00fcdischen Einwanderung im 19. Jahrhundert schon voll bewohnt war (wie Strohmeyer schreibt), oder ein leeres Land war mit W\u00fcsten und S\u00fcmpfen (wie es das zionistische Narrativ behauptet), ist kein einfaches &#8222;Faktum&#8220;, sondern ein gro\u00dfer Streitpunkt unter Historikern. Ebenso kontrovers wird die Frage diskutiert, ob Israels Schicksal im 1948er Krieg tats\u00e4chlich &#8222;am seidenen Faden&#8220; hing (wie Kuhn und viele andere schreiben) oder ob der Krieg zum Zweck der Landnahme und Vertreibung der Pal\u00e4stinenser ausgenutzt wurde (wie es von den &#8222;neuen Historikern&#8220; behauptet wird). Schlie\u00dflich der &#8222;Plan Dalet&#8220;. Hier liegt die Kontroverse offen zu Tage und kann gut nachvollzogen werden. F\u00fcr Benny Morris, der von Kuhn bevorzugte israelische Historiker, dienten die Vertreibungen und Zerst\u00f6rungen im Zusammenhang mit dem &#8222;Plan D&#8220; ausschlie\u00dflich milit\u00e4rischen Zwecken. F\u00fcr Ilan Pappe war das eigentliche Ziel des &#8222;Plans D&#8220; schlimmer, n\u00e4mlich die &#8222;ethnische S\u00e4uberung&#8220;. Morris rechtfertigt die Geschehnisse (&#8222;F\u00fcr ein Omelett m\u00fcssen Eier zerbrochen werden&#8220;), Pappe kritisiert sie als moralisch und v\u00f6lkerrechtlich unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Allerdings: die Vertreibungen und Zerst\u00f6rungen (&#8222;Nakba&#8220;) sind f\u00fcr beide Autoren nicht strittig, und war es auch f\u00fcr Kuhn nicht. Er bezog sich vielmehr explizit in seinem Vortrag auf die Ergebnisse der &#8222;neuen Historiker&#8220;. Und das galt es festzuhalten, weil diese Sichtweise in Israel alles andere als selbstverst\u00e4ndlich ist.<\/p>\n<p>Lange Rede kurzer Sinn: die &#8222;Fakten&#8220;, die Kuhn aufz\u00e4hlt, sind keine einfachen &#8222;Tatsachen&#8220;, sondern Gegenstand von in der Geschichtswissenschaft teilweise sehr kontroversen Debatten. Was die Wahrheit ist, kann nur in Diskussionen herausgefunden werden, die idealerweise frei und ohne Pressionen ablaufen sollten, was im Prinzip seit dem Zeitalter der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung im 17. und 18. Jahrundert unstrittig ist.<\/p>\n<p>Dieses Ideal ist aber h\u00e4ufig nicht die Wirklichkeit. Auch in Bremen nicht. Im Sinne einer notwendigen und freien Diskussion gerade auch \u00fcber die Probleme im Nahen Osten ist es v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich, dass die DIG in der j\u00fcngsten Vergangenheit in Bremen wiederholt und massiv interveniert hat, damit dem Nahost-Forum oder dem AK Nahost R\u00e4ume f\u00fcr ihre Veranstaltungen nicht zur Verf\u00fcgung gestellt werden.\u00a0 Z. B. in den Weserterrassen (<a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=2872\" target=\"_blank\">wir berichteten<\/a>), im \u00dcberseemuseum oder im Wallsaal der Zentralbibliothek (<a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=1961\" target=\"_blank\">wir berichteten<\/a>) anl\u00e4sslich der Nakba-Ausstellung. Allerdings waren die Verantwortlichen bislang nicht bereit, diesem Druck, dem sich dann meistens noch die J\u00fcdische Gemeinde in Bremen anschloss, nachzugeben.<br \/>\n<em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Fortsetzung des kleinen email-Wechsels (v. 6. Juni 2016) mit Hermann Kuhn, dem Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) in Bremen geht es um diesen meinen Satz (unten nachzulesen): &#8222;Im Sinne einer notwendigen und freien Diskussion gerade auch \u00fcber die &hellip; <a href=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=3064\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-3064","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3064","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3064"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3064\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3123,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3064\/revisions\/3123"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3064"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3064"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3064"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}