{"id":3354,"date":"2016-09-06T08:36:41","date_gmt":"2016-09-06T06:36:41","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=3354"},"modified":"2017-11-28T14:38:05","modified_gmt":"2017-11-28T14:38:05","slug":"deutschland-israels-groesster-waffenlieferant","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=3354","title":{"rendered":"Deutschland: Israels gr\u00f6\u00dfter Waffenlieferant"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/IDF-Matador-02.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\" \" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/IDF-Matador-02.jpg\" alt=\"\" width=\"200\"><\/a><p class=\"wp-caption-text\">IDF-Soldier with Matador-MP. Multi-purpose weapon with a warhead effective against a wide variety of ground targets. Lizenz: flickr commons<\/p><\/div>\n<p>Die enge milit\u00e4rische Kooperation zwischen der BRD und Israel war bereits 8 Jahre alt, als die Bundesrepublik und Israel 1965 diplomatische Beziehungen aufnahmen. Beide Staaten hatten ein Interesse an einem nachhaltigen Aufbau ihrer Armeen und ihrer R\u00fcstungsindustrie. Der Bundesrepublik aber war nach dem Krieg das Bauen schwerer Waffen verboten \u2013 und an einer offensiven Aufr\u00fcstung Israels hatten die USA, Gro\u00dfbritannien und Frankreich wegen der angedrohten Anerkennung der DDR durch die arabischen Staaten(1) vorerst kein Interesse.<\/p>\n<p>Das R\u00fcckgrat der sp\u00e4teren israelischen Armee Tsahal bildeten die vielf\u00e4ltigen milit\u00e4rischen Organisationen(2), die vor 1948 die britische Besatzungsmacht und vor allem die Pal\u00e4stinenser bek\u00e4mpften. F\u00fcr die Versorgung dieser Gruppen<!--more--> begann schon 1933 der Aufbau einer eigenen israelischen R\u00fcstungsindustrie(3). Der Erfolg dieser Gruppen im Krieg um die Erweiterung des israelischen Staatsgebietes 1948 und bei der damit verbundenen Vertreibung von mehr als 700.000 Pal\u00e4stinensern belegte deren milit\u00e4rische St\u00e4rke \u2013 vor allem im Vergleich zu den umgebenden arabischen Staaten, die Gro\u00dfbritannien und Frankreich im Sykes-Picot-Abkommen am Rei\u00dfbrett entworfen hatten.<\/p>\n<p>Durch viele geheime und nicht so geheime Waffenlieferungen aus aller Welt und die Reste der Infrastruktur der britischen Besatzungsarmee war Israel milit\u00e4risch gut \u2013 aber nach eigenen Ma\u00dfst\u00e4ben nicht gut genug \u2013 ausgestattet. Der weitere Aufbau einer Armee, die auch technisch in der Lage sein sollte, Israel zu einer zentralen Rolle f\u00fcr die ganze Region zu verhelfen, war jedoch eine Priorit\u00e4t f\u00fcr die israelischen Regierungen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/kultur\/suezkrise-1956-das-ende-des-britischen-imperiums\/\">1956 griff Israel \u00c4gypten<\/a> f\u00fcr die Verstaatlichung des Suezkanals an und holte stellvertretend f\u00fcr den Westen die Kastanien aus dem Feuer. Damit bewies es seine milit\u00e4rische Tauglichkeit. Direkte israelische Importe von Waffen aus z.B. den USA oder Frankreich blieben schwierig. Die Bundesrepublik half aus und verschiffte amerikanische, franz\u00f6sische und andere Waffen aus Bundeswehrbest\u00e4nden weiter an Israel \u2013 angeblich ohne das Wissen der urspr\u00fcnglichen Lieferanten.<\/p>\n<p>Schon das Luxemburger Abkommen(4) 1952 beinhaltete R\u00fcstungsg\u00fcter als Teil der Entsch\u00e4digungszahlungen an Israel. Israel trat als staatliche Einheit quasi als kollektiver Adressat f\u00fcr die deutsche Schuld des Holocaust auf. Ab 1955 baute die Burmester-Werft zwei Patroullienboote f\u00fcr Israel(5). Aufgrund der R\u00fcstungsbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr die BRD musste der Bau in England stattfinden. Die Umgehung unbequemer Exportrichtlinien durch die Verlagerung von Produktion oder Zusammenbau ins Ausland war ein immer wiederkehrendes Muster.<\/p>\n<p>1957 trafen sich der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Strau\u00df und der Generaldirektor im israelischen Aussenministerium Shimon Peres heimlich zum ersten Mal und legten den Grundstein f\u00fcr die vor jeglicher demokratischer Kontrolle verborgenen R\u00fcstungskooperation. Es ging den Israelis damals darum, einen m\u00f6glichst diskreten und \u2013 Devisen waren immer knapp \u2013 billigen Weg zur Beschaffung von Waffensystemen zu finden. Peres und seine Begleiter w\u00fcnschten sich u.a. Transportflugzeuge, Hubschrauber, Artillerie und Panzerabwehrraketen. Diese Waffen im Wert von rund 300 Mio. DM sollten aus Wehrmachtsbest\u00e4nden sowie aus Best\u00e4nden stammen, die von den USA an die Bundeswehr geliefert wurden. Andere wurden gleich aus Bundeswehrdepots gestohlen, wie Strau\u00df stolz zugab(6), oder mit deutschen Pl\u00e4nen im Ausland produziert.<\/p>\n<p>Durch die \u00dcbernahme der Kosten durch die BRD wurde der deutschen R\u00fcstungsindustrie eine Anschubfinanzierung f\u00fcr Bau und Entwicklung von Waffen am Verteidigungshaushalt vorbei garantiert. Das gilt bis hin zu den aktuell an Israel gelieferten Dolphin-U-Booten(7): Die Bundesrepublik zahlt Israel seine Waffenk\u00e4ufe in Milliardenh\u00f6he und die deutsche Verteidigungsindustrie profitiert davon, weil Kunden und Umsatz politisch garantiert werden und die Entwicklung neuer Waffensysteme damit finanziert wird.<\/p>\n<p>Die zweite Motivation f\u00fcr die Bundesrepublik, besondere R\u00fcstungsbeziehungen zu Israel aufzunehmen, ist die Schuld an der Ermordung von mehr als 6 Mio. j\u00fcdischen Menschen. Die Aufarbeitung des Holocaust wurde zum Abfallprodukt der milit\u00e4rischen Kooperation. Wer Waffen an Israel liefert, muss nicht mehr \u00fcber Antisemitismus reden. Eine \u00e4hnliche Funktion hatte auch der Auftakt zum Import der brandneuen Uzi-Maschinenpistole in den 50er Jahren, die dem Waffennarr Strau\u00df besonders am Herzen lag. \u00bbDie Uzi in der Hand deutscher Soldaten ist sicher besser als alle Brosch\u00fcren gegen Antisemitismus.\u00ab(8), soll der Journalist Rolf Vogel , der als Israel-Beauftragter Adenauers galt und regelm\u00e4\u00dfig zwischen beiden Staaten hin und her reiste. Er \u00fcberbrachte Strau\u00df 1956 eine geschmuggelte Uzi als Geschenk, um die Gespr\u00e4che in Gang zu bringen. Tats\u00e4chlich wurde die Uzi unter dem Namen MP2 eine Standardwaffe der Bundeswehr. Ein sp\u00e4terer Au\u00dfenminister Israels, Jigal Allon, erkannte die Beweggr\u00fcnde des deutschen Interesses an israelischen Waffen: \u201eDie Deutschen haben diese Waffen nicht gekauft, weil sie gut sind, sondern weil sie von Juden stammen. Die Deutschen wollen sich unbedingt rehabilitieren\u201c.(9) Insgesamt wurden mehr als 80.000 St\u00fcck f\u00fcr die Bundeswehr eigekauft.<\/p>\n<p>Sogar die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten 1965 war aufgeflogenen R\u00fcstungsgesch\u00e4ften zu verdanken. Ab 1960 hatten Ben Gurion und Adenauer in mehreren Treffen die Lieferung von Waffen im Wert von mind. 240 Mio. DM(10) vereinbart. Nachdem das den arabischen Staaten bekannt wurde, und Israel fast gleichzeitig feststellte, dass sich auch in \u00c4gypten Deutsche an der Entwicklung von Waffen beteiligten, ver\u00f6ffentlichte die Bundesregierung eine Richtlinie, nach der Exporte von R\u00fcstungsg\u00fctern in die Krisengebiete des Nahen Ostens zu unterbleiben h\u00e4tten. Die geplanten Exporte nach Israel wurden gestoppt \u2013 bis auf den Bau der sechs Korvetten der L\u00fcrssen-Werft in Frankreich, der unter der Hand weiter lief, und die Lieferung von 110 US-amerikanischen M-48-Panzern, die eigentlich aus deutschen Best\u00e4nden kommen sollten. Nun wurden diese Panzer, die einen entscheidenden Beitrag zum israelischen Sieg im Sechstagekrieg leisteten, von den USA direkt geliefert und von Deutschland bezahlt. Letzterer Vorgang war der erste gr\u00f6\u00dfere Export US-amerikanischer Waffen an Israel und gilt als der Auftakt der US-R\u00fcstungsexporte nach Israel. Zus\u00e4tzlich erhielt Israel eine finanzielle Kompensation von 140 Mio. DM. Nicht zuletzt erkl\u00e4rte sich die Bundesrepublik zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen bereit, auch wenn das bedeutete, dass die arabischen Staaten ihre Kontakte zur Bundesrepublik vorerst abbrachen.<\/p>\n<p>Die Richtlinie \u00fcber das Verbot von Waffenlieferungen in Krisengebiete, die in der Folge der aufgeflogenen, wenn auch nicht gescheiterten Waffendeals in Kraft gesetzt wurde, wurde auch in der Folge nie eingehalten. Der in den 60ern vereinbarte Bau von drei Gal-U-Booten wurde von deutschen Ingenieuren in den 70ern in Frankreich fertig gestellt, die L\u00fcrssen-Werft baute in Frankreich weiter, milit\u00e4rische G\u00fcter wie die Motoren von MTU wurden als zivil eingestuft. Im Allgemeinen konzentrierte man sich danach aber mehr auf den Export von sogenannten Dual-Use-G\u00fctern und technischer Komponenten.<\/p>\n<p><strong>Aspekte deutsch-israelischer R\u00fcstungskooperation<\/strong><\/p>\n<p>Zwar begann die Kooperation mit dem Export deutscher Waffen an Israel, beschr\u00e4nkte sich jedoch schon bald nicht mehr darauf. Heute umfasst R\u00fcstungskooperation auch die Felder der R\u00fcstungsforschung und -entwicklung sowie den Bau von Waffensystemen(11) sowie auch Ausbildungskooperationen zwischen den Armeen. Der industrielle Schwerpunkt ist die Integration von israelischer bzw. deutsch-israelischer Hightech in gr\u00f6\u00dfere \u2013 gerne deutsche \u2013 Waffensysteme und die anschlie\u00dfende gemeinsame Vermarktung.<\/p>\n<p>Die Bundesrepublik war in der Vergangenheit immer sehr interessiert an sowjetischer Waffentechnik, da man im Kalten Krieg davon ausging, dass sich die Auseinandersetzung zwischen den Bl\u00f6cken in der Mitte Europas, in Deutschland abspielen w\u00fcrde. Die Bewaffnung der Bundeswehr und die Agenda der NATO in Europa waren damals auf Panzerschlachten in der Mitte Europas ausgerichtet. Israel hatte privilegierten Zugang zu sowjetischer Kampftechnik: Seit den 50er Jahren waren z.B. die Armeen Syriens und \u00c4gyptens von sowjetischer Seite mit Flugzeugen, Panzern und anderen Waffen ausgestattet worden. Wann immer in den verschiedenen Kriegen sowjetische Waffen in die H\u00e4nde der israelischen Armee fielen, waren deutsche Ingenieure eingeladen, diese zur Entwicklung neuer Panzerungen, Abwehrsysteme und Waffen zu nutzen. Das fand entweder vor Ort statt oder aber in der Bundesrepublik, wohin das Ger\u00e4t zu diesem Zwecke transportiert wurde.<\/p>\n<p>Besonders profitiert hat davon der Bau des Leopard-Panzers und des in gro\u00dfen Teilen baugleichen israelischen Merkava-Panzers. Der Merkava ist voll mit deutscher Technik: Die sogenannte Glattrohrkanone stammt von Rheinmetall, die Panzerung wurde \u2013 vor dem Hintergrund der Analyse der Ausstattung sowjetischer Beutepanzer \u2013 von DB Deisenroth entwickelt, das Getriebe von der Renk-AG, der Motor kommt von MTU und die Turmstabilisierung \u2013 mit der auch aus voller Fahrt gezielt geschossen werden kann \u2013 stammen von AEG.<\/p>\n<p>Eine besonders nachhaltige Zusammenarbeit entwickelte sich auf dem Gebiet der \u00dcberwachungstechnik. Die Spezialisierung der israelischen Industrie auf den Bereich der Hochtechnologie m\u00fcndet heute in der Produktion moderner Killerdrohnen wie der Heron TP und vor allem derer \u00dcberwachungstechnik. In den 70er Jahren wurde von deutschen und israelischen Ingenieuren an einem auf die Tornado-Kampfflugzeuge ausgelegten System zur St\u00f6rung feindlicher Radarsysteme gearbeitet \u2013 eine wichtige Voraussetzung zur Zerst\u00f6rung feindlicher Flugzeugflotten wie 1973 im Yom-Kippur-Krieg wie auch im Krieg der NATO gegen Jugoslawien in den 90er Jahren. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte die deutsche Zeiss gemeinsam mit der israelischen Firma Rafael das \u00dcberwachungssystem Recce Lite zur Zielerfassung und den Litening Pod zur Steuerung der Raketen. Diese Systeme dienen auch den Drohnen zur Orientierung.<\/p>\n<p><strong>Gegenseitige milit\u00e4rische Entwicklungshilfe<\/strong><\/p>\n<p>Die israelische wie auch die deutsche R\u00fcstungsindustrie sind in einem besonders hohen Ma\u00dfe exportabh\u00e4ngig. So wie deutsche Waffen durch israelische Weiterverk\u00e4ufe leichter ihren Weg auf Waffenm\u00e4rkte \u2013 z.B nach Indien, Sri Lanka, in die T\u00fcrkei oder nach Georgien \u2013 finden konnten, erweiterte die Integration israelischer Technik in gr\u00f6\u00dfere Waffen und die Gr\u00fcndung von Joint-Ventures zwischen deutschen und israelischen Firmen den Marktzugang f\u00fcr die israelische Industrie \u2013 die Waffen gelten dann sozusagen als deutsche Produkte. Dass die im Einsatz gegen die Menschen Gazas erprobte Drohne Heron TP vom Bundesverteidigungsministerium als \u201eZwischenl\u00f6sung\u201c ausgew\u00e4hlt wurde, war z.B. kein Zufall. Die Luftwaffe h\u00e4tte n\u00e4mlich gern die US-Drohne Reaper gekauft (was nat\u00fcrlich ethisch keinen Deut besser ist). Bereits seit 2008 gibt es jedoch eine Kooperationsvereinbarung zwischen Rheinmetall und dem israelischen Hersteller IAI. Das Konsortium hat daf\u00fcr gesorgt, das die Heron TP \u2013 deren Vorg\u00e4nger die Bundeswehr bereits f\u00fcr Afghanistan und nun f\u00fcr Mali geleast hat \u2013 Wettbewerbsvorteile hat. Die Bundesregierung hat ihre Auswahlentscheidung f\u00fcr die Killerdrohne Heron TP damit begr\u00fcndet, dass das \u201evertragliche Konstrukt\u201c und damit auch das Zulassungsverfahren weiter voran geschritten sei, als bei den Mitbewerbern (Kooperation IAI und Rheinmetall). Au\u00dferdem w\u00fcrde \u201e\u2026das bereits aufgebaute und bew\u00e4hrte Kooperationspotential mit Israel und der industrielle Kompetenzaufbau mit Blick auf die EURODROHNE als zentrale Vorteile der HERON TP L\u00f6sung bewertet\u201c.(12) Politisch priorit\u00e4r ist also die Kooperation mit der israelischen Verteidigungsindustrie und die deutsche Beteiligung an der Entwicklung von \u201ezukunftsweisender\u201c Waffentechnologie.<\/p>\n<p>Ein weiteres Produkt soll an dieser Stelle der Vollst\u00e4ndigkeit halber Erw\u00e4hnung finden: Die Firma Dynamit Nobel Defense(13) vertreibt die \u201cr\u00fccksto\u00dffreie\u201d Panzerfaust (3), das RGW 90. Die Panzerfaust kann aus geschlossenen R\u00e4umen abgefeuert werden und ihre Ladung explodiert nicht bei Aufprall, sondern im dahinter liegenden Raum. Das pr\u00e4destiniert diese Waffen besonders f\u00fcr den Einsatz im \u201curbanen Raum\u201d- also in zivilen Gebieten. Unter dem Namen \u201cMatador\u201d wurde die Waffe zuerst 2009 von der israelischen Armee beim \u00dcberfall auf Gaza eingesetzt. Die Bundeswehr hat sie seit 2012.<\/p>\n<p><strong>Gemeinsame Ausbildung <\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn es keinen massenhaften Austausch von Soldaten zur wechselseitigen Ausbildung gibt, sind die Fortbildungen an den verschiedenen Waffen immer Teil von Waffenexporten. \u00dcber die 1961 einsetzenden Flugabwehrausbildung israelischer Soldaten in Rendsburg berichtete auch schon Uri Avnery, der dem Ganzen sogar positive Aspekte abgewinnen konnte(14). Ebenfalls in den 60er Jahren reisten erstmals Bundeswehroffiziere nach Israel. An der Nordsee wurden die israelischen Crews f\u00fcr die exportierten Hightech-U-Boote ausgebildet. Die Sondereinsatztruppe der Polizei GSG 9 wurde nach dem Attentat auf die M\u00fcnchener Olympiade 1972 nach israelischem Vorbild aufgebaut. Deutsche Soldaten besuchten erstmals 2010 Lehrg\u00e4nge in Israel: Die deutschen Piloten f\u00fcr die israelischen Heron-Drohnen in Afghanistan lernten die Bedienung der Waffen dort von Angestellten der Firma IAI. Im St\u00fctzpunkt Tze\u2019elim im Negev gab es 2015 als Teil der eines bilateralen Ausbildungsprogrammes Trainingseinheiten f\u00fcr \u00fcber 100 Bundeswehrsoldaten im Urban Warfare Training Center(15). Es gibt gemeinsame Kabinettstreffen der deutschen und der israelischen Regierung und im Rahmen der NATO schon seit langem gemeinsame Teilnahmen an Man\u00f6vern.<\/p>\n<p>Die NATO, die Europ\u00e4ische Union und die Bundesrepublik selbst haben ein gro\u00dfes Interesse an stabilen Beziehungen zu Israel. Israel wiederum hat ein gro\u00dfes Eigeninteresse, an einer milit\u00e4rischen Dominanz in der Region. Die Partner daf\u00fcr sind f\u00fcr Israel Verhandlungssache. Gegen Waffen aus Russland oder Kooperationen mit Indien sperrt sich die israelische Regierung keineswegs \u2013 genauso wenig wie aktuell gegen die vorsichtige Aufnahme von Beziehungen zur anderen gro\u00dfen Milit\u00e4rmacht der Region \u2013 Saudi Arabien.<\/p>\n<p>Die Bundesrepublik spielte besonders in den Jahrzehnten nach der Gr\u00fcndung Israels eine bedeutende Rolle als Katalysator f\u00fcr die Weiterbewaffnung des Landes. Beide L\u00e4nder hatten gemeinsam das Interesse an einem Aufbau ihrer milit\u00e4rischen St\u00e4rke. Die Bundesrepublik bildete bis 1989 die Ostflanke der NATO; Israel war sozusagen der Vorposten des Westens in der \u00f6stlichen Mittelmeerregion. Israel hat 1956 im Krieg gegen \u00c4gypten und 1967 seine politische Bedeutung unter Beweis gestellt. Die arabischen Regime als St\u00fctze f\u00fcr die Hegemonialinteressen des Westens waren immer unverzichtbare, aber auch unsichere Partner, wie die Revolutionen 2011 eindr\u00fccklich gezeigt haben. Die Bewaffnung Israels und die enge milit\u00e4rische und politische Kooperation der Bundesrepublik und anderer mit Israel sind geschieht aus politischen und \u00f6konomischen Gr\u00fcnden und sind nicht einfach nur Fehler der bundesdeutschen Politik.<\/p>\n<p>Dass trotz der jahrzehntelangen Besatzung der Westbank und Gazas, trotz der Vertreibung von 700.000 Menschen aus Pal\u00e4stina als Fundament der Staatsgr\u00fcndung, trotz der immer wiederkehrenden Massaker in Gaza, trotz des \u00dcberfalls auf die humanit\u00e4ren Konvois zu Lande und zu Wasser es niemals zu ernsthaften Tr\u00fcbungen der Beziehungen kommt, liegt in beiderseitigem Interesse. In Deutschland nennt man das ein wenig versch\u00e4mt \u201cStaatsr\u00e4son\u201d. Die Unterst\u00fctzung Israels ist herrschender Konsens von SPD und CDU \u00fcber den BND und die Bundeswehr, bis in die Spitzen der Oppositionsparteien \u2013 wobei es wenigstens in der LINKEN eine wahrnehmbare Debatte dar\u00fcber gibt, ob die Solidarisierung mit einem hochger\u00fcsteten Siedlerkolonialismus wirklich etwas mit der Aufarbeitung von Vergangenheit zu tun hat. Die milit\u00e4rischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel als Grundlage f\u00fcr die diplomatischen Kontakte wurden u.a. von ehemaligen Nazis und Wehrmachtssoldaten im BND, der als \u201cOrganisation Gehlen\u201d gegr\u00fcndet worden war, gekn\u00fcpft. Davon profitierten vor allem die, die auch von den beiden Weltkriegen am meisten gehabt haben: Deutsche R\u00fcstungskonzerne von Thyssen-Krupp bis Rheinmetall. Und das soll etwas mit der Aufarbeitung von Antisemitismus und Holocaust zu tun haben?<\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/deutschland-und-israel-waffenexporte-fuer-die-besetzung-palaestinas\/#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a><sup>\u0002<\/sup> Hallstein-Doktrin<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/deutschland-und-israel-waffenexporte-fuer-die-besetzung-palaestinas\/#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a><sup>\u0002<\/sup> Z.B. Hagana, Stern-Gang, Irgun. Die Gruppen bildeten das sp\u00e4tere R\u00fcckgrat der Israelischen Armee Tsahal. Vor der Staatsgr\u00fcndung Israels war das Hauptziel dieser Organisationen die Terrorisierung und Vertreibung der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung und Anschl\u00e4ge auf die britische Kolonialmacht.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/deutschland-und-israel-waffenexporte-fuer-die-besetzung-palaestinas\/#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Israel_Military_Industries\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Israel_Military_Industries<\/a><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/deutschland-und-israel-waffenexporte-fuer-die-besetzung-palaestinas\/#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a><sup>\u0002<\/sup> Mit Hermann Josef Abs hatte Adenauer den Mann mit dem Aushandeln des Abkommens betraut, der einst der Chefarisierer der Deutschen Bank gewesen war.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/deutschland-und-israel-waffenexporte-fuer-die-besetzung-palaestinas\/#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a><sup>\u0002<\/sup> Wahrscheinlich als Teil der im Luxemburger Weidergutmachungsabkommen von 1952 vereinbarten Sachleistungen. <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Luxemburger_Abkommen\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Luxemburger_Abkommen<\/a><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/deutschland-und-israel-waffenexporte-fuer-die-besetzung-palaestinas\/#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"http:\/\/magazin.spiegel.de\/EpubDelivery\/spiegel\/pdf\/13497093\">http:\/\/magazin.spiegel.de\/EpubDelivery\/spiegel\/pdf\/13497093<\/a><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/deutschland-und-israel-waffenexporte-fuer-die-besetzung-palaestinas\/#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a><sup>\u0002<\/sup> Diese U-Boote sind ein Game-Changer: Dank au\u00dfenluftunabh\u00e4nger Motorisierung k\u00f6nnen sie tausende Seemeilen unentdeckt unter Wasser bleiben. Ihre technische Ausstattung erlaubt au\u00dferdem eine Bewaffnung mit Raketen, die auch Atomsprengk\u00f6pfe tragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/deutschland-und-israel-waffenexporte-fuer-die-besetzung-palaestinas\/#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"http:\/\/www.allitera.de\/dbfiles\/leseproben\/9783869067469.pdf\">http:\/\/www.allitera.de\/dbfiles\/leseproben\/9783869067469.pdf<\/a><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/deutschland-und-israel-waffenexporte-fuer-die-besetzung-palaestinas\/#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a><sup>\u0002<\/sup> Sonne, Werner: \u201eStaatsr\u00e4son?\u201c, Propyl\u00e4n-Verlag 2013, S.47.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/deutschland-und-israel-waffenexporte-fuer-die-besetzung-palaestinas\/#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a><sup>\u0002<\/sup> Es ging zwischen 1960 und 1962 z.B. um 150 M-48-Panzer, 3 U-Boote, 6 Schnellboote, Hubschrauber, Transportflugzeuge, Haubitzen, Flak-Gesch\u00fctze \u2026 in: Sonne, W., S.50 ff.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/deutschland-und-israel-waffenexporte-fuer-die-besetzung-palaestinas\/#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a><sup>\u0002<\/sup> Waffensysteme oder auch \u201ePlattformen\u201c sind komplette R\u00fcstungsg\u00fcter, also Panzer, Schiffe, Hubschrauber etc.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/deutschland-und-israel-waffenexporte-fuer-die-besetzung-palaestinas\/#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a><sup>\u0002<\/sup> Aus der Begr\u00fcndung zur Auswahlentscheidung MALE UAS durch das BMVg, 26.01.2016.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\">\n<p align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/deutschland-und-israel-waffenexporte-fuer-die-besetzung-palaestinas\/#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a><sup>\u0002<\/sup> Die Firma mit Sitz in Burbach geh\u00f6rt seit 2004 zum israelischen R\u00fcstungskonzern Rafael. u.a. in Wikipedia: <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/h3gcqfq\">http:\/\/tinyurl.com\/h3gcqfq<\/a><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\">\n<p align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/deutschland-und-israel-waffenexporte-fuer-die-besetzung-palaestinas\/#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a><sup>\u0002<\/sup> Avnery, Uri, in \u201eIsraelis und Deutsche. Das Magazin\u201c,Hg. Deutsch-Israelische Gesellschaft DIG 2015; S. 29: \u201e(\u2026) wenn ein deutsches Schiff im Rahmen de Wiedergutmachung Israel gegeben wurde, musste eine Mannschaft ausgebildet werden. (\u2026) Die Mannschaft musste nat\u00fcrlich nach Hamburg kommen und einige Monate in Hamburg leben, um zu lernen wie man das Schiff benutzt. (\u2026) Und langsam, ohne dass es jemand \u00fcberhaupt merkte, und dass jemand irgendwelche offiziellen Zugest\u00e4ndnisse machte, waren pl\u00f6tzlich Deutsche in Israel, Israelis in Deutschland, hatten menschliche Beziehungen.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\">\n<p align=\"LEFT\"><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/deutschland-und-israel-waffenexporte-fuer-die-besetzung-palaestinas\/#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a><sup>\u0002<\/sup> \u201cJ\u00e4gerbataillon 1: Herausfordernde Ausbildung unter besonderen klimatischen Bedingungen in Israel\u201d, auf <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"http:\/\/deutschesheer.de\">deutschesheer.de<\/a><\/span>, <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/zje86lt\">http:\/\/tinyurl.com\/zje86lt<\/a><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>Paul Grasse (wiss. Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten Inge H\u00f6ger)<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Dieser Artikel ist in etwas gek\u00fcrzter Fassung auf der Website <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/deutschland-und-israel-waffenexporte-fuer-die-besetzung-palaestinas\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diefreiheitsliebe.de v. 26.08.2016 <\/a>erschienen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die enge milit\u00e4rische Kooperation zwischen der BRD und Israel war bereits 8 Jahre alt, als die Bundesrepublik und Israel 1965 diplomatische Beziehungen aufnahmen. Beide Staaten hatten ein Interesse an einem nachhaltigen Aufbau ihrer Armeen und ihrer R\u00fcstungsindustrie. Der Bundesrepublik aber &hellip; <a href=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=3354\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-3354","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3354","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3354"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3354\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5639,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3354\/revisions\/5639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3354"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3354"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3354"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}