{"id":3541,"date":"2016-10-01T07:40:39","date_gmt":"2016-10-01T05:40:39","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=3541"},"modified":"2016-10-01T07:44:27","modified_gmt":"2016-10-01T05:44:27","slug":"zwei-briefe-aus-muenchen-gegen-die-verunglimpfung-israelkritischer-stimmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=3541","title":{"rendered":"Zwei Briefe aus M\u00fcnchen: gegen die Verunglimpfung israelkritischer Stimmen!"},"content":{"rendered":"<p>In Bremen findet am 9. November 2016 die Debatte in der B\u00fcrgerschaft \u00fcber die Gro\u00dfe Anfrage der Gr\u00fcnen und der SPD zum Thema &#8222;Ist Bremen antisemitisch?&#8220; und die Antwort des Senats statt. Auch hier wurde ein Teil der Debatte ausgel\u00f6st durch den Jerusalem-Post-Journalisten Benjamin Weinthal, wenn auch die Reaktionen in der Stadt l\u00e4ngst nicht den Grad an Hysterie erreicht haben wie in M\u00fcnchen. Hier zwei Briefe zu den dortigen Vorf\u00e4llen aus der <a href=\"http:\/\/der-semit.de\/\" target=\"_blank\">online-Zeitung &#8222;Der Semit&#8220;: <!--more--><\/a><\/p>\n<h2><strong>1. Brief von Franz Piwonka an den Oberb\u00fcrgermeister von M\u00fcnchen <\/strong><\/h2>\n<p>Sehr geehrter Herr Oberb\u00fcrgermeister,<\/p>\n<p>ich bin entsetzt und emp\u00f6rt dar\u00fcber, da\u00df es in einer Demokratie m\u00f6glich ist, da\u00df durch Denunziation und Verunglimpfung alle israelkritischen Stimmen in der \u00d6ffentlichkeit zum Schweigen\u00a0 gebracht werden k\u00f6nnen. Ich bin noch viel mehr dar\u00fcber entsetzt, da\u00df jene,\u00a0 die sich dieser denunziatorischen Praktiken bedienen, nicht einen einzigen Beleg f\u00fcr Ihre schwerwiegenden\u00a0 Behauptungen vorweisen k\u00f6nnen, weder Herr K\u00fcppers, weder Frau Knobloch, weder Frau Meros, noch Herr Quaas. Ich empfehle Ihnen dringend, alle diese Schreiben unter diesem Blickwinkel noch einmal zu lesen. Die hemmungslose Denunziation, mit der\u00a0 systematisch Emotionen gesch\u00fcrt werden, soll dieses erb\u00e4rmliche Vakuum gezielt kompensieren.<\/p>\n<p>Diese Praktiken funktionieren normalerweise nur in totalit\u00e4ren System, wo bereits das Aussprechen des Vorwurfs, wie z.B. \u201eVolksverr\u00e4ter\u201c\u00a0 oder \u201eKonterrevolution\u00e4r\u201c zum Ausschalten des Denunzierten f\u00fchrt. Das funktionale Aquivalent dazu ist das denunziatorische Zauberwort\u201eAntisemitismus\u201c , das in aller Regel unverz\u00fcglich zur Vernebelung eines rationalen Blicks f\u00fchrt. Dieses Wort ist zu einem Fetisch degeneriert, welches\u00a0 augenblicklich das limbische System\u00a0 in Alarmbereitschaft versetzt. Sobald die israelische Politik kritisiert wird, erschallt der Vorwurf wie ein Pawlowscher Reflex. So schreibt der SZ- Journalist Hilmar Klute: \u201e Der Antisemitismus-Vorwurf funktioniert wie ein Bewegungsmelder. Jemand muss nur ein paar Reizw\u00f6rter kombinieren, schon bekommt er ihn frei Haus geliefert. Geht es eigentlich \u00fcberhaupt noch um Israel? Oder geht es vielmehr darum, das b\u00f6se alte Lieblingstier der Deut-schen an der Kette durch den Argumentationspark zu f\u00fchren: eben jenen Antisemitismus, von dem ein Gro\u00dfteil der Publizisten, die derzeit das Vorgehen Israels verteidigen, mit der gewohnten K\u00fcchenpsychologie annimmt, dass er in jedem Deutschen schlummert und nur Anl\u00e4sse wie den gegenw\u00e4rtigen braucht, um sich loszurei\u00dfen und auff\u00e4llig zu werden\u201c ( 13.8. 2014, S. 10).<\/p>\n<p>Erst vor einigen Tagen habe ich einem sog. Israelfreund geschrieben: \u201eDas spezifische dieses denunziantentums besteht hier darin, da\u00df die rechtm\u00e4\u00dfigkeit des\u00a0 antisemitismusvorwurfs sich keineswegs aus seiner richtigkeit speist, sondern vielmehr aus seiner blo\u00dfen schwere. Aus diesem grund hat \u00fcbrigens adorno, den die antideutschen mi\u00dfbrauchen, an einen \u00e4u\u00dferst sparsamen gebrauch des vorwurfs gemahnt. Qua ausruf legitimiert er sich selbst\u201c.\u00a0 Vor dem Hintergrund unserer Geschichte l\u00f6st er solche enorm starke emotionale Reaktionen aus, die es quasi \u00fcberfl\u00fcssig machen, ihn \u00fcberhaupt auf seine Richtigkeit hin zu \u00fcberpr\u00fcfen. Die hemmungslose Inflation von Antisemitsmusvorw\u00fcrfen tr\u00e4gt aus diesem Grund mittlerweile totalit\u00e4re Z\u00fcge.<\/p>\n<p>Ich engagiere mich\u00a0 seit sechs Jahren f\u00fcr das Recht auf Leben und W\u00fcrde von Pal\u00e4stinensern, seitdem ich zum ersten Mal\u00a0 mit dem schreienden Unrecht konfrontiert wurde, das Pal\u00e4stinenser tagt\u00e4glich erleiden m\u00fcssen. Da\u00df ich davon 54 Jahre lang nichts erfahren habe, hat mich so erbost, da\u00df ich mich f\u00fcr den Rest meines Lebens f\u00fcr diese Menschen einsetzen werde. Ich habe einen Vortrag von einem im Westjordanland t\u00e4tigen Rechtsanwalt geh\u00f6rt, der pal\u00e4stinensische Kinder und Jugendliche vertritt und betreut, die in israelischen Gef\u00e4ngnissen systematisch mi\u00dfhandelt und sogar gefoltert werden. Dazu gibt es auch einen Bericht der Organisation \u201cDefence for Children International\u201d, der von der EU gef\u00f6rdert wurde.<\/p>\n<p>Das vor einigen Jahren erschienene Buch: Breaking the Silence: Israelische Soldaten berichten von ihrem Einsatz in den besetzten Gebieten\u201c gibt einen grauenhaften Einblick in den seit Jahrzehnten betriebenen systematischen Terror gegen die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung. Abraham Melzer, der in der israelischen Armee gedient hat, berichtete mir, da\u00df auch er als Soldat diese Ma\u00dfnahmen durchf\u00fchren mu\u00dfte. Auf die Frage an seinen Vorgesetzten, warum er das tun solle, antwortete dieser: \u201e damit sie endlich verschwinden\u201c. Schauen Sie sich bitte <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=G7xlov098U4&amp;feature=youtu.be\" target=\"_blank\">das folgende Video <\/a>an, das f\u00fcr dieses Grauen stellvertretend steht:\u00a0 damit Sie wissen, da\u00df der Vorwurf der\u201eantiisraelischen Hetze\u201c selbst eine aus Fanatismus geborene Denunziation und Verschleierung israelischer Realit\u00e4ten darstellt.<\/p>\n<p>Ich habe mit vielen Pal\u00e4stinensern gesprochen. Sie haben mich und meine Freunde angefleht, das unaufh\u00f6rliche Unrecht, das sie erleiden m\u00fcssen, \u201e in die Welt hinauszuschreien, weil die Welt uns vergessen hat\u201c. Diesem Auftrag f\u00fchle ich mich verpflichtet. Vor dem Hintergrund, da\u00df die Meinungsfreiheit zu den elementarsten Rechten eines jeden B\u00fcrgers geh\u00f6rt, vor dem Hintergrund der Tatsache, da\u00df die fragw\u00fcrdigen Freunde Israels nicht einen einzigen Beleg f\u00fcr Ihre Vow\u00fcrfe\u00a0 vorlegen k\u00f6nnen und vor dem Hintergund des unbeschreiblichen\u00a0 Leids der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung\u00a0 bitte ich Sie inst\u00e4ndig darum, diesem fortgesetzten denunziatorischen\u00a0 und inquisitorischen Treiben endlich ein Ende zu bereiten.<\/p>\n<p>Ich beende mein Schreiben mit einem Zitat der j\u00fcdischen Menschenrechtsaktivistin und Gr\u00fcnderin der Menschenrechtsorganisation Machsom Watch, Frau Dr. Roni Hammermann: \u201eAls Juedin habe ich ein historisches Gedaechtnis. Die\u00a0 Lehren aus dem Holocaust sind nicht nur eine Verpflichtung den Opfern des Nazismus gegenueber, es ist eine Verpflichtung zu einer Reihe von universalen ethischen Werten, in deren Namen wir den Antisemitismus ablehnen. Und einer dieser Werte ist die Verpflichtung nicht zu schweigen, wenn wir in unserem Umfeld Unrecht sichten. Angesichts von Unterdrueckung und Entrechtung darf ein moralischer Mensch nicht die Augen schliessen und schweigen. Und da ich 20 Minuten entfernt von dem Ort lebe, an dem\u00a0 taeglich und stuendlich Verletzungen von Menschenrechten stattfinden, darf ich nicht schweigen\u201d. ( Auszug aus einem Vortrag, den sie mir zuschickte).<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nFranz Piwonka<\/p>\n<h2>2. Tabuisierung von Meinungs\u00e4u\u00dferung<\/h2>\n<p><em>Ein offener Brief zur Auseinandersetzung zwischen dem j\u00fcdischen Publizisten Abi Melzer und der Pr\u00e4sidentin der j\u00fcdischen Kultusgemeinde in M\u00fcnchen, Charlotte Knobloch. Ver\u00f6ffentlicht am 30. September 2016 von Abi Melzer<\/em><\/p>\n<p>Sehr geehrte Frau Pr\u00e4sidentin,<\/p>\n<p>Sie wagen es, mich einen \u201cf\u00fcr seine antisemitischen \u00c4u\u00dferungen regelrecht ber\u00fcchtigten Referenten\u201c zu bezeichnen. Nennen Sie mir einen einzigen Satz von mir, der antisemitisch ist, einen einzigen Satz.<\/p>\n<p>Sie sch\u00e4men sich nicht, die b\u00f6se Beleidigung von Henryk M. Broder zu benutzen: \u201eAbi Melzer und Hajo Meyer machen den Adolf\u201c. Zu Hajo Meyer schrieb Broder er sei ein \u201eBerufs\u00fcberlebender\u201c weil er es gewagt hat Auschwitz zu \u00fcberleben und kein Zionist zu werden.<\/p>\n<p>Broder macht uns allen seit Jahren den Joseph, und da dieser nicht so bekannt ist wie Adolf, muss man schon hinzuf\u00fcgen, den Joseph Goebbels. Das scheint Sie aber nicht zu ber\u00fchren. Ein zionistischer Jude, der den Goebbels macht, ist f\u00fcr Sie allemal sympathischer, als ein aufrechter Jude, der Unrecht anprangert.<\/p>\n<p>Und warum mache ich den Adolf? Weil ich Israels Politik kritisiere! Wie oft haben Sie schon gesagt, dass Kritik an Israel erlaubt sei. Gott sei Dank ben\u00f6tige ich Ihre Erlaubnis nicht. Das Grundgesetz erlaubt es mir. Sie w\u00fcrden es mir nie erlauben. Wie oft haben die Siedler, die Sie unterst\u00fctzen, behauptet, dass die Regierung Israels \u201enicht legitim\u201c sei? Das freilich sage ich auch, nachdem die Regierung die Kontrolle \u00fcber diese nationalistischen, rassistischen und kolonialistischen Siedler verloren hat. Ich darf an die Worte von Itzchak Rabin erinnern, der gesagt hat: \u201eWir geben Milliarden von Dollar aus f\u00fcr die Sicherheit von Siedlungen, die uns keine Sicherheit geben\u201c. Die Illegalit\u00e4t wurde institutionalisiert, wie es die stellvertretende Generalstaatsanw\u00e4ltin Sasson gesagt hat.<\/p>\n<p>Wo waren Sie, als die Siedler von Gusch Katif 2005 durch die Armee aus dem Gazastreifen vertrieben wurden und ihre illegalen Siedlungen mit gelben Judensternen verlie\u00dfen? War das nicht auch eine Delegitimierung und Verh\u00f6hnung des Holocaust? Dazu haben Sie geschwiegen, aber zu meiner Kritik springen Sie wie von der Tarantel gestochen auf und behaupten, ich sei ein Antisemit.<\/p>\n<p>Wer sind Sie, dass Sie so etwas sagen d\u00fcrfen? Eine ehemalige Pr\u00e4sidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, nicht mehr und nicht weniger, die ohne Herz und Seele hier lebt, denn ihr Herz ist ja in Israel, wie sie oft genug beteuert haben. Sie sind keine deutsche J\u00fcdin, sondern eine J\u00fcdin in Deutschland, die ihre j\u00fcdische Identit\u00e4t hervorhebt und die deutsche versteckt. Das wei\u00df jeder.\u00a0 Es ist h\u00f6chste Zeit f\u00fcr Sie, als Vorsitzende der j\u00fcdischen Gemeinde in M\u00fcnchen, zur\u00fcckzutreten, immerhin sind Sie schon mehr als 30 Jahre auf diesem Stuhl. Das ist kein Zeichen von Demokratie, wobei es wohl bei vielen j\u00fcdischen Gemeinden so ist, dass der Vorsitzende die Gemeinde als sein Eigentum betrachtet. Wollen Sie im Stuhl sterben und dann in Israel beerdigt werden?<\/p>\n<p>Ja, ich stehe dazu: Der Antisemitismusvorwurf ist dank Ihnen und Broder zu Banalit\u00e4t degeneriert. Sie haben meinen Vortrag noch nicht geh\u00f6rt und wissen schon, \u201edass die Grenzen zwischen legitimer, sachlicher und inhaltlicher Kritik an Israels Politik eindeutig \u00fcberschritten sind\u201c. Sie verurteilen meinen Vortrag als \u201eAgitation\u201c, ohne zu wissen, was ich sagen wollte. Solches Vorgehen sind wir in der Regel von diktatorischen Regimen gew\u00f6hnt und als ich vor vielen Jahren dasselbe \u00fcber einen Ihrer Vorg\u00e4nger, Heinz Galinski, schrieb, hat er mich verklagt. Sein Pech war, dass das Gericht die Klage nicht annahm mit der Begr\u00fcndung: \u201eMan muss nicht Melzers Meinung sein, aber er hat das Recht, seine Meinung zu sagen\u201c. Es gibt doch noch anst\u00e4ndige Richter in Deutschland.<\/p>\n<p>Im aktuellen Webster\u00b4s Third New International Dictionary liest man \u00fcber Antisemitismus: Antisemitismus sei \u201ceinst eine Ideologie\u201c, die als \u201cRassismus\u201d bezeichnet wurde. Heute wird er definiert als \u201cOpposition zum Zionismus \u2013 Sympathie mit Gegnern des Staates Israel.\u201d Das ist aus dem Antisemitismus geworden \u2013 dank ihnen und ihresgleichen.<\/p>\n<p>Der Antisemitismus war einst ein Herrschaftsinstrument, m\u00e4chtig und gef\u00fcrchtet.Heute reicht er gerade noch f\u00fcr drittklassige Witze, wie sie Broder gerne erz\u00e4hlt: \u201eDie Meinungen \u00fcber Antisemitismus, sagt Moishe, sind wie die Meinungen dar\u00fcber, wie gut meine Frau im Bett ist \u2013 die einen sagen so, die anderen sagen so.\u201c Damit ist der Antisemitismus endg\u00fcltig auf dem Misthaufen der Geschichte gelandet.<\/p>\n<p>Aber wer k\u00fcmmert sich noch um solche Greise wie Sie: Eitel, zynisch und selbstgef\u00e4llig. Die jungen Leute heute haben andere Sorgen und Fragen, und Antisemitismus interessiert sie nicht so sehr. Gott sei Dank. Und neuere Untersuchungen ergeben, dass es unter den jungen Menschen zwischen 20 und 30 weniger Antisemitismus gibt. Antisemitismus ist etwas f\u00fcr Leute zwischen 60 und 70 und dar\u00fcber. Also Ihre Generation.<\/p>\n<p>Ein anderer j\u00fcdischer Greis, Claude Lanzmann, beschuldigte das Kempinski-Hotel in Berlin, antisemitisch zu sein, weil die Vorwahl von Israel nicht im Telefonverzeichnis des Hotels war. \u201eDie Auferstehung des Nationalsozialismus bis hin zu Auschwitz\u201c, schien ihm wieder m\u00f6glich und Broder meinte dazu, dass Kempinski \u201cdas Pal\u00e4stina Referat des Reichsicherheitshauptamts\u201c sei. Es sei eben eine \u201eSchweinerei, das in einem der wichtigsten Hotels in Berlin Israel ausgemerzt wird\u201d. Dabei war allenfalls der \u201eRechner\u201c des Hotels antisemitisch, denn er hat ausgerechnet, dass die Vorwahl Israels weniger nachgefragt wird als die der andren 26 Staaten, die man aufgenommen hatte, weil man nicht alle 176 Vorwahlen in die Liste aufnehmen konnte. Der Rechner ist also ein Antisemit! Man m\u00f6chte lachen, aber das Lachen bleibt einem im Halse stecken. Auch angesichts des Unsinns, den Sie verzapfen.<\/p>\n<p>Claude Lanzmann \u00e4u\u00dferte sich in der FAZ und beim Lesen hatte man den Eindruck, dass man die Hauszeitschrift eines Irrenhauses in der Hand h\u00e4lt. Das ist das von Ihnen repr\u00e4sentierte Niveau des Antisemitismus heute, und dar\u00fcber wird man noch reden d\u00fcrfen, oder bestimmen Sie, wer reden darf und wer nicht? Eigentlich m\u00fcssten Sie an vorderster Front stehen und f\u00fcr meine Rechte k\u00e4mpfen. Aber Sie reden von \u201eDelegitimierung Israels\u201c.<\/p>\n<p>Hat Thomas Mann Deutschland delegitimiert, als er seine geharnischte Kritik an den Nazis im Radio verbreitet hatte? Hat Carl von Ossietzky Deutschland delegitimiert, als er die Nazis in der Weltb\u00fchne scharf angriff und deshalb von ihnen sp\u00e4ter ermordet wurde? Hat Emil Zola Frankreich delegitimiert, als er seinen ber\u00fchmten Aufruf \u201eJaccuse!\u201c zur Verteidigung von Alfred Dreifuss ver\u00f6ffentlichte? Haben in diesen Tagen unz\u00e4hlige t\u00fcrkische Intellektuelle, Journalisten und Autoren die T\u00fcrkei delegitimiert, weil sie Erdogan kritisierten? Letztere haben daf\u00fcr den Alternativen Nobelpreis erhalten, wie \u00fcbrigens auch Felicia Langer. Delegitimieren Uri Avnery, Gideon Levy, Noam Chomsky, Erich Fried, G\u00fcnther Grass und andere Israel, wenn sie \u00fcber Israels falsche Politik schreiben? F\u00fcr Sie ist diese Politik eine \u201eHeilige Kuh\u201d, \u00fcber die man nicht reden darf und die immer richtig ist. Sie m\u00fcssen endlich akzeptieren, dass es Menschen gibt, die anders denken, und es sind nicht immer die Schlechtesten.<\/p>\n<p>Warum soll eine Kritik an Benjamin Netanjahu anders bewertet werden, als eine Kritik am t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Erdogan? Warum ist eine solche Kritik ein Zeichen von Antisemitismus? Es gibt darauf eine sehr einfache Antwort: weil der Antisemitismus der Zwillingsbruder des Zionismus ist. Sie sind wie Yin und Yang und erg\u00e4nzen sich ideal. So wie f\u00fcr Erdogan der Putsch im August ein \u201eGeschenk des Himmels\u201c war, so ist der Antisemitismus f\u00fcr Netanjahu und den Zionismus eine willkommene Hilfe f\u00fcr das Ziel, Juden nach Israel zu \u201evertreiben\u201c. Nein, sie werden nicht vertrieben, aber ihre eigenen Vorst\u00e4nde und Pr\u00e4sidenten machen ihnen so viel Angst, dass sie von selbst kommen. Es ist eine vergleichbare\u00a0\u00a0 Angst, wie sie 1947\/1948 Pal\u00e4stinenser dazu gebracht hat, vor der zionistischen Aggression zu fliehen. In der zionistischen Propaganda hei\u00dft es: \u201eSie sind von selbst geflohen!\u201c<\/p>\n<p>Sie behaupten, ich sei ein Antisemit und unterstellen damit, dass ich mich selbst hasse, da ich Jude bin und Antisemitismus Judenhass bedeutet. Warum soll ich mich selbst hassen? Weil ich Israels Politik kritisiere? Oder kritisiere ich Israels Politik, weil ich mich selbst hasse?<\/p>\n<p>Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen von Juden stehen dem Staat Israels und\/oder seiner Politik kritisch bis feindlich gegen\u00fcber. Es sind besonders religi\u00f6s-orthodoxe Juden, Chassidim, wie die Sattmers, die offen bekennen, anti-zionistisch zu sein, und auch liberale, linke Juden \u2013 alles Antisemiten? Oder vielleicht Ilan Pappe, Leiter des \u201eEuropean Centre for Palestine Studies\u201c an der Universit\u00e4t von Exeter, der ebenfalls Schwierigkeiten hatte, in M\u00fcnchen seinen Vortrag zu halten? Ist Pappe auch ein Antisemit?<\/p>\n<p>Einst, gegen Ende des 19. Jahrhunderts war es umgekehrt. Da versuchte Theodor Herzl seinen ersten Zionistenkongress in M\u00fcnchen stattfinden zu lassen und die M\u00fcnchner Juden verweigerten ihm die R\u00e4umlichkeit. Damals waren gerade einmal 1 Prozent der deutschen Juden Zionisten. Das es sp\u00e4ter mehr wurden, darf man Adolf Hitler danken und der zumeist diskret verschwiegenen Tatsache, dass die zionistischen Juden keine Scheu hatten, mit den Nazis einen Vertrag abzuschlie\u00dfen \u00fcber die \u00dcberf\u00fchrung j\u00fcdischen Kapitals und j\u00fcdischen Verm\u00f6gens, Fabriken etc. nach Pal\u00e4stina. Der Vertrag hie\u00df \u201eHaavara\u201c und wurde gleich nach der Macht\u00fcbernahme der Nazis ausgehandelt, als ob die Zionisten auf diese Macht\u00fcbernahme gewartet h\u00e4tten. Anl\u00e4sslich der Unterzeichnung durch Juden und Nazis wurde eine Medaille in Gold gepr\u00e4gt, die auf der einen Seite einen Hakenkreuz und auf der anderen Seite einen Davidstern tr\u00e4gt. Juden, die in ein anderes Land auswandern wollten, durften ihr Verm\u00f6gen nicht mitnehmen. Der Zionismus hat schon immer nicht-zionistische Juden benachteiligt und zum Teil ihren Tod, ihre Vernichtung billigend in Kauf genommen. Hanna Arendt hat dar\u00fcber in Ihrem Buch \u201eEichmann in Jerusalem \u2013 Die Banalit\u00e4t des B\u00f6sen\u201c geschrieben und wurde, wer h\u00e4tte das gedacht, als j\u00fcdische Selbsthasserin diffamiert.<\/p>\n<p>Ich bin in Israel aufgewachsen, habe dort die Schule besucht und in der Armee gedient. Haben Sie Vergleichbares f\u00fcr Israel getan? K\u00f6nnen Sie \u00c4hnliches vorweisen? Dass ich heute lebe, ist Gl\u00fcck oder Zufall, ich k\u00f6nnte auch tot sein, \u201egefallen\u201c wie manche meiner Freunde im Dienste der israelischen Aggression.<\/p>\n<p>Ich spreche Hebr\u00e4isch, eine Sprache, die Ihnen unbekannt ist. Wie kommen Sie dazu, mich in \u00fcbelster Weise zu beleidigen und zu verleumden, nur weil ich bez\u00fcglich der Politik Israels, meines Staates \u2013 noch bin ich auch Israeli -, eine andere Meinung habe? Kennen Sie Israel \u00fcberhaupt, wissen Sie wirklich, was dort vor sich geht? Ich meine nicht die Berichte, die Ihnen die israelische Propaganda zufl\u00fcstert und nicht den Blick auf Israel aus einem Zimmer im Luxus-Hotel. Ich bin in meiner Schulzeit und sp\u00e4ter in der Armee kreuz und quer durch das Land gewandert und gereist. Nicht in einem Touristenbus und mit einem Reisef\u00fchrer, der von der \u201eHasbara\u201c geschult wurde. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, welches Unrecht man den Pal\u00e4stinensern angetan hat und noch immer t\u00e4glich antut.<\/p>\n<p>Wieso nennen Sie Pal\u00e4stinenser, die gewaltsam \u2013 ja, das d\u00fcrfen sie nach dem V\u00f6lkerrecht -, die gewaltsam um ihre Freiheit k\u00e4mpfen, Terroristen? Waren denn die K\u00e4mpfer im Warschauer Ghetto auch Terroristen? Auch sie k\u00e4mpften um ihre Freiheit. Die K\u00e4mpfer des Irgun, der Organisation von Menachem Begin, waren Terroristen, zumindest in den Augen der Briten, aber f\u00fcr die Israelis waren und sind sie Helden, so wie die K\u00e4mpfer der Hamas und der Fatah f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser und alle anderen Araber Helden sind. So gesehen sind sie f\u00fcr sehr viel mehr Menschen Helden, als die Irgun-Terroristen.<\/p>\n<p>Sie wollen verhindern, dass uns R\u00e4ume \u00fcberlassen werden. St\u00e4dtische R\u00e4ume, die uns allen geh\u00f6ren, und jedem B\u00fcrger dieses Staates zur Verf\u00fcgung stehen sollten. Sie werden selbst der AfD ge\u00f6ffnet, denn immerhin gilt in diesem Land noch das Grundgesetz, oder sind Sie schon auf die israelische Verfassung eingeschworen, sodass Ihnen unser Grundgesetz gleichg\u00fcltig ist. Ihre grundgesetzwidrige Verhinderung meines Vortrags und der vorauseilende Gehorsam (des Kulturreferats) der Stadt M\u00fcnchen best\u00e4rken mich in meiner Erfahrung, dass\u00a0\u00a0 Deutschland eine Demokratie ohne Demokraten zu werden droht. Das kommt zum Ausdruck durch obrigkeitsstaatliche Beeinflussung der Medien, Absagen von Veranstaltungen, die nicht der merkelschen Staatsr\u00e4son genehm sind \u2013 kurzum Behinderung der Meinungsfreiheit!<\/p>\n<p>Geradezu peinlich sind die Unterw\u00fcrfigkeit und der vorauseilende Gehorsam von Amtspersonen, Politikern und Medienleitern gegen\u00fcber der in Deutschland sehr aktiv und massiv auftretenden Israel-Lobby und ihrer wahllosen und zynischen Instrumentalisierung des Antisemitismus-Vorwurfs.<\/p>\n<p>Es ist nach wie vor so, dass viele Deutsche sich nicht zu Israel \u00e4u\u00dfern trauen, weil sie Angst haben, von Zionisten wie Ihnen diffamiert und diskreditiert zu werden. Ich finde das schockierend, und eigentlich sollten auch Sie dagegen protestieren. Ich finde im Gegenteil, dass Deutsche, die nichts zu tun haben mit der deutschen Vergangenheit, au\u00dfer der Verantwortung daf\u00fcr, dass sich so etwas nie wiederholen darf \u2013 dass solche Deutsche \u00fcberall f\u00fcr die Einhaltung von Menschen- und V\u00f6lkerrecht eintreten m\u00fcssen. Sie werden sofort erwidern, dass sie es d\u00fcrfen. Ja, Sie haben Recht, aber wenn sie es machen, dann kommen Leute wie Sie, wie Broder und Ihresgleichen und schwingen die \u201eAntisemitismus-Keule\u201c. Ich finde das unertr\u00e4glich. Ich habe immer gegen Antisemitismus gek\u00e4mpft, und ich werde es immer tun! Aber Israelkritik per se mit Antisemitismus gleichzusetzen, das ist falsch und f\u00fchrt in die Irre. Da mache ich nicht mit.<\/p>\n<p>Alfred Grosser schrieb unl\u00e4ngst: \u201eDie Anklage des Antisemitismus gegen den verstorbenen Rupert Neudeck, der in seinem Buch das Schicksal der Pal\u00e4stinenser thematisiert hat (\u201eIch will nicht mehr schweigen \u2013 \u00dcber Recht und Gerechtigkeit in Pal\u00e4stina\u201c \u2013 Melzer Verlag 2005) ist skandal\u00f6s.\u201c Finden Sie nicht auch, dass er Recht hat?<\/p>\n<p>Als Prof. Ted Hondrich 2003 in seinem \u201eumstrittenen\u201c Buch den pal\u00e4stinensischen \u201eTerror\u201c als moralisch berechtigten Widerstand bezeichnete, forderte der zionistische, j\u00fcdische Religionsphilosoph Prof. Micha Brumlik, das Verbot des Buch. Es sei \u2013 na klar \u2013 \u201eantisemitisch\u201c! Der Suhrkamp-Verlag folgte dieser Forderung innerhalb von 24 Stunden. Daraufhin habe ich das Buch neu \u00fcbersetzen lassen, da Suhrkamp auf Druck der j\u00fcdischen Gemeinde nicht bereit war, mir die \u00dcbersetzung zu \u00fcberlassen, und verlegt. Der Bayerische Rundfunk meinte dazu: \u201eDas Verdienst des Buches besteht darin, dass es wichtige Fragen aufwirft, \u00fcber die diskutiert werden muss. Abi Melzer hat sich um die Aufhebung der Zensur in Deutschland verdient gemacht. Ihm geb\u00fchrt unser Respekt.\u201c Solange es solche Stimmen in Deutschland gibt\/nicht mehr geben sollte, werde ich meine Kritik an der israelischen Politik \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>Letztendlich meine ich, dass wir beide zu unseren Quellen zur\u00fcckkehren sollten. Ich, zu meinen j\u00fcdischen Quellen, zum alten Rabbi Hillel und Sie zu ihren christlich-katholischen Quellen. Die Tatsache, dass Sie schon Jahrzehnte einer j\u00fcdischen Gemeinde vorstehen, besagt ja nicht, dass sie Ahnung vom Judentum haben. Das was ich als Kind von meiner Mutter und meinem Vater an j\u00fcdischem Wissen, j\u00fcdischer Bildung, mitbekommen habe, werden Sie kaum nachholen k\u00f6nnen. Auch ihr Partner im Geiste, Henryk Broder, hat neulich in einem Interview Abraham mit Hiob verwechselt, was ein Licht auf seine j\u00fcdische Bildung warf. [In einem Artikel \u00fcber Michel Friedman gebrauchte er auch die jiddisch-hebr\u00e4ische Redewendung \u201eBe Esrat Ha-Schem\u201c, nur wieder falsch, weil er offensichtlich die Redewendung nicht wirklich kennt. Be Esrat Ha-Schem bedeutet \u201emit der Hilfe Gottes\u201c und nicht, wie Broder schrieb: Im Esrat Ha-Schem. So macht es keinen Sinn.]<\/p>\n<p>In einem aber hat Broder Recht gehabt, als er \u00fcber Sie schrieb, dass Sie eine \u201e\u00fcberforderte Pr\u00e4sidentin\u201c seien und den Zustand des Zentralrats unter Ihnen als \u201eerb\u00e4rmlich\u201c bezeichnete. Der Zustand der j\u00fcdischen Gemeinde in M\u00fcnchen ist, wie man h\u00f6rt, auch erb\u00e4rmlich, da Sie wie ein absoluter Sonnenk\u00f6nig schalten und walten und sich obsessiv um unwichtige Sachen k\u00fcmmern, aber wichtige, brennende Probleme liegen lassen. Immerhin haben Sie die Zeit gefunden, am Freitag, den 23. 9. 2016, noch eine infame und b\u00f6sartige, zwei Seiten lange Mail an den Generalvikar Dr. Peter Beer im Erzbistum M\u00fcnchen und Freising zu schreiben und ihn (unter dem gewaltigen Druck ihrer Person und Ihrer Funktion dazu zu bringen) \u2013 mit dem Hinweis, dass der einladende Verein \u201eSalam Shalom\u201c \u201eantizionistisch\u201c sei \u2013 davon zu \u201e\u00fcberzeugen\u201c, die am Tag zuvor von der Leitung des KKV-Hansa-Haus zugesagten R\u00e4ume zu stornieren.<\/p>\n<p>Aber selbst wenn, ist das ein Grund, gegen Artikel 5 des Grundgesetzes zu versto\u00dfen bzw. die Kirche zu\u00a0 einem solchen Versto\u00df zu bewegen? J\u00fcrgen Gansel, Mdl, schrieb: \u201eAm 19. Juli 1950 wurde die wahrscheinlich m\u00e4chtigste, in jedem Fall aber verbal-aggressivste \u201eInstitution\u201c der jungen Bundesrepublik gegr\u00fcndet: der Zentralrat der Juden in Deutschland\u201c. Im Namen war schon die Trennung zwischen Juden und Deutschen manifestiert, ansonsten w\u00fcrde die Institution \u201eZentralrat der j\u00fcdischen Deutschen\u201c hei\u00dfen, oder zumindest \u201eZentralrat der deutschen Juden\u201c. Schon damals hat sich der Zentralrat als verbohrter Verteidiger des israelischen Staates, als Dauerankl\u00e4ger der Deutschen verstanden. Die Anklage der Deutschen hat nachgelassen, aber bornierter Verteidiger israelischer Interessen ist der Zentralrat auch heute noch.<\/p>\n<p>Rabbi Hillel sagte vor 2000 Jahren: \u201eTue deinem N\u00e4chsten nicht das an, was du nicht willst, dass man dir antut.\u201c Das ist das Wesen des Judentums. Dar\u00fcber hat Rabbiner Leo Baeck ein Buch geschrieben, das nach dem Krieg im Verlag meines Vaters erschienen ist. Das ist mein Verst\u00e4ndnis von Judentum.<\/p>\n<p>Als ich vor vielen Jahren einmal Ihren Vorg\u00e4nger Heinz Galinski kritisierte, meinte sein unmittelbarer Nachfolger, Ignaz Bubis, ich h\u00e4tte nicht das Recht, Galinski zu kritisieren, denn, fragte er: \u201eWas haben Sie schon f\u00fcr das Judentum getan?\u201cDie Frage hat mich \u00fcberrascht. Ich fand sie einigerma\u00dfen l\u00e4cherlich. Ben\u00f6tigt man eine besondere Erlaubnis, um Politiker zu kritisieren, selbst wenn sie \u201eJuden\u201c sind?<\/p>\n<p>Das Judentum ist gepr\u00e4gt durch seine Propheten. Und was waren die Propheten anderes als Kritiker. F\u00fcr mich bedeutet Judentum auch: alles zu hinterfragen und sich auf die Seite des Rechts und der Gerechtigkeit zu stellen. F\u00fcr mich bedeutet Judentum: Kritik. Mein Vater und ich haben keine H\u00e4user im Westend gebaut oder mit Grundst\u00fccken spekuliert. Mein Vater verlegte Martin Bubers \u201eJ\u00fcdische Schriften\u201c, und ich verlegte den \u201eUN-Goldstone-Report\u201c und daneben noch eine Reihe j\u00fcdischer und israelischer Autoren wie Uri Avnery, Gideon Levy, Israel Shahak, Erich Fried u.v.a. Es ist mir aber bekannt, dass das bei den j\u00fcdischen Verb\u00e4nden und besonders beim Zentralrat der Juden nicht z\u00e4hlt. Das Volk des Buches h\u00e4lt nichts von B\u00fcchern. Als mein Vater finanzielle Schwierigkeiten wegen seines Mammut-Projektes der Herausgabe s\u00e4mtlicher Schriften von Ludwig B\u00f6rne hatte, bat er den Zentralrat um Hilfe und schlug vor, dass der Zentralrat 100 Einheiten des f\u00fcnfb\u00e4ndigen Werkes f\u00fcr j\u00fcdische Gemeinden in Deutschland kauft. Der Zentralrat hat aber nicht einen Finger gekr\u00fcmmt, um zu helfen. Wenn der Zentralrat f\u00fcr jede Gemeinde eine einzige Kassette des 7000 Seiten Werkes gekauft h\u00e4tte, w\u00e4re meinem Vater schon geholfen gewesen. Aber nicht einmal f\u00fcr die Bibliothek des Zentralrats wurde ein Exemplar bestellt. Geholfen hat damals die Stadt Frankfurt. Wie soll ich vor Leuten Respekt haben, die nicht wussten, wer L\u00f6w Baruch, genannt Ludwig B\u00f6rne, war. Werner Nachmann, der damals ihr Vorg\u00e4nger war, wurde kurz darauf gefeuert, weil er viele Millionen unterschlagen und gestohlen hat.<\/p>\n<p>Sie diffamieren und beleidigen mich und sagen ich sei ein Antisemit, also ein Rassist. Was w\u00fcrden Sie davon halten, wenn ich dasselbe von Ihnen sagen w\u00fcrde. Sie sind vielleicht keine Antisemitin, aber offensichtlich eine Rassistin. Sie hassen keine Juden, Sie hassen Araber, also andere Semiten, n\u00e4mlich Pal\u00e4stinenser. Und wer Pal\u00e4stinenser hasst, kann auch Juden hassen. Ich sehe da keinen Unterschied, zumal die Pal\u00e4stinenser die echten Semiten und auch die echten Juden sind, sie sind moslemische und zum Teil christliche Juden. Die v. a. europ\u00e4ischen Juden (ihrerseits) sind ja keine Semiten, sondern Nachkommen der Khasaren, und Sie sind ganz sicher keine Semitin, sondern eine Urbayerin aus katholischem Geschlecht. Sie sollten deshalb vorsichtiger mit all diesen ethnischen, religi\u00f6sen und nationalen Begriffen umgehen und sie nicht rufm\u00f6rderisch gegen andere Menschen\u00a0 instrumentalisieren.<\/p>\n<p>Sie beleidigen nicht nur mich, sondern auch eine Unzahl braver deutscher B\u00fcrger, die sich f\u00fcr die Rechte der Pal\u00e4stinenser einsetzen. Mit welchem Recht tun Sie das? Etwa weil die Bundeskanzlerin Angela Merkel das ungl\u00fccklich falsche Wort gepr\u00e4gt hat, dass die Sicherheit Israels deutsche \u201eStaatsr\u00e4son\u201c sei? Altkanzler Schmidt nannte das \u201et\u00f6richt\u201c! Wenn nur die Sicherheit Israels Deutschland angeht, bedeutet das im Umkehrschluss, dass die Sicherheit der Pal\u00e4stinenser die Deutschen anscheinend nichts angeht. Gottseidank gibt es in diesem Land genug Menschen, die das anders sehen. Mit diesem verungl\u00fcckten Satz hat sie nur noch mehr \u00d6l ins Feuer gegossen, und Leute wie Sie freuen sich offensichtlich, wenn im n\u00e4chsten Krieg \u201eunsere Soldaten\u201c wieder siegen.<\/p>\n<p>Warum fordern Sie Angela Merkel nicht auf, endlich den Satz zu korrigieren und zu sagen: \u201eEin gerechter Frieden im Nahen Osten ist deutsche Staatsr\u00e4son.\u201c<\/p>\n<p>Merkel hat sich vorbildlich um die Fl\u00fcchtlinge bem\u00fcht und ihre Aussage: \u201eWir schaffen das!\u201c wird in die Geschichtsb\u00fccher eingehen. Im Nahostkonflikt allerdings hat sie eine historische Chance verpasst, vermittelnd einzugreifen und beide Seiten zur \u201eR\u00e4son\u201c zu bringen.<\/p>\n<p>Und was macht Ihr Nachfolger im Amt des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster? Er gie\u00dft gleichfalls \u00d6l ins Feuer und warnt vor den moslemischen Fl\u00fcchtlingen, weil sie seiner Meinung nach den \u201earabischen\u201c Antisemitismus nach Deutschland mitbringen. Er fordert von den Fl\u00fcchtlingen den \u201eNachweis\u201c, dass sie keine Antisemiten sind und Israel respektieren. [L\u00e4cherlicher kann sich der Zentralrat nicht mehr zeigen. Das erinnert an den Witz: \u201eJankele wird vorgeworfen, dass seine Schwester eine Hure ist. Er beteuert, dass er keine Schwester hat. Es hilft nicht. Die Schwester, die er nicht hat, ist eine Hure\u201c.]<\/p>\n<p>Die Obsession mit der Sie gegen B\u00fcrgerrechte, gegen das Grundgesetz und f\u00fcr eine umstrittene Politik des rechtsnationalen Ministerpr\u00e4sidenten Benjamin Netanjahu eintreten, ist unertr\u00e4glich und im Grunde genommen dumm, denn damit gewinnen Sie gewiss keine Freunde. Sie behaupten mein Vortrag sei eine \u201eoffensichtlich antij\u00fcdische Propaganda-Veranstaltung\u201c und eine \u201eSt\u00e4rkung des Antisemitismus in M\u00fcnchen\u201c. Ich frage mich warum Sie nicht die Wahrheit sagen, dass ich n\u00e4mlich ein gnadenloser und unerbittlicher Gegner der israelischen Politik bin. Man muss kein Antisemit sein, um Israels Politik zu kritisieren. Es reichen ein gesunder Menschenverstand und eine liberale demokratische Gesinnung. Warum Sie immer die Antisemitismus-Keule schwingen, um jeden Kritiker niederzumachen, ist mir unbegreiflich. Warum wollen Sie nicht eine offene und ehrliche Debatte zulassen. Das ist allerdings eine rhetorische Frage, denn die Antwort liegt auf der Hand: Sie und alle, die hinter Ihnen stehen, bis hin zu Benjamin Netanjahu haben Angst vor einer ehrlichen und offenen Debatte,\u00a0 vor einer offenen Aussprache, haben Angst vor der Wahrheit, denn Sie wissen sehr genau, dass Israel dem pal\u00e4stinensischen Volk gro\u00dfes Unrecht angetan hat, indem es den Pal\u00e4stinensern ihre Heimat gestohlen hat. Selbst David Ben-Gurion wusste das und schrieb in seinen Memoiren, dass die Pal\u00e4stinenser \u201euns das nie verzeihen und vergessen werden\u201c. Deshalb haben Sie sich gegen die Nakba-Ausstellung gewehrt und, Gott sei Dank, verloren. Im Inneren ihres Herzens wissen auch die Israelis, dass sie den Pal\u00e4stinensern Unrecht getan haben, und dieses Wissen, dieses schlechte Gewissen, kann Verst\u00e4ndnis und Reue hervorrufen, es kann aber auch Hass und Abwehr erzeugen. Wie sagte es Ihr Proteg\u00e9 Henryk M. Broder: \u201eDie Deutschen werden den Juden den Holocaust nie verzeihen\u201c. Und zum Nahost-Konflikt schrieb er in der J\u00fcdischen Allgemeine, als Sie Vorsitzende waren und somit Herausgeberin dieses omin\u00f6sen Blattes: \u201eEs stimmt, Israelis sind T\u00e4ter. Aber T\u00e4ter sein macht Spa\u00df\u201c.\u00a0 Die Israelis werden den Pal\u00e4stinensern nie verzeihen, dass sie T\u00e4ter werden mussten.<\/p>\n<p>Ich habe mich schon vor langer Zeit auf die Seite des Rechts und der Gerechtigkeit geschlagen. Sie m\u00fcssen weiter damit leben, dass Sie Unrecht rechtfertigen und verteidigen.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nAbi Melzer<br \/>\nEin nicht-zionistischer Jude<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Bremen findet am 9. November 2016 die Debatte in der B\u00fcrgerschaft \u00fcber die Gro\u00dfe Anfrage der Gr\u00fcnen und der SPD zum Thema &#8222;Ist Bremen antisemitisch?&#8220; und die Antwort des Senats statt. 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