{"id":3589,"date":"2016-10-15T08:28:08","date_gmt":"2016-10-15T06:28:08","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=3589"},"modified":"2016-10-15T08:29:17","modified_gmt":"2016-10-15T06:29:17","slug":"antisemitismus-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=3589","title":{"rendered":"Antisemitismus heute"},"content":{"rendered":"<p>Dass Juden ein traumatisches Verh\u00e4ltnis zum Begriff Antisemitismus haben, ist mir besonders deutlich geworden, als ich die Buchvorstellung des russisch-j\u00fcdischen Autors Dimitrij Belkin besucht habe und im Verlauf des Abends, ein Zuh\u00f6rer von irgend einem j\u00fcdischen Intendanten erz\u00e4hlte, <!--more-->der gesagt haben soll, dass er als Jude alles sagen k\u00f6nne und d\u00fcrfe. Es klang fast so, als ob er als Jude in diesem Land Narrenfreiheit h\u00e4tte. Ich erlaubte mir einen Zwischenruf: \u201eWenn das so war, dann zeigt es nur, dass es auch dumme Juden gibt-\u201c Eine blonde, russische J\u00fcdin, die vor mir sa\u00df, drehte sich um und zischte giftig: \u201eEs gibt auch Antisemiten-\u201c Worauf ich \u00fcberrascht und instinktiv antwortete: \u201eAntisemiten sind nicht das Gegenteil von dumme Juden. Dann eher kluge Juden.\u201c<\/p>\n<p>Mir wurde klar, dass manche Leute so sehr traumatisiert sind, dass sie f\u00fcr jede Unsicherheit, f\u00fcr alles, was sie nicht verstehen oder nicht billigen, den Antisemitismus verantwortlich machen, ohne zu bemerken, dass es gar nichts mit Antisemitismus zu tun hat. Dumme Juden darf es nicht geben, das empfand man als pers\u00f6nliche Beleidigung und deshalb eine solche \u201edumme\u201c Reaktion, aus der nicht klar war, ob sie nicht am Ende mich meinte, weil ich es gewagt habe zu behaupten, dass es auch dumme Juden gibt. Wer einen Juden dumm nennt, auch wenn es objektiv stimmt, ist ein Antisemit. Das zeigt wo wir mit dem Vorwurf des Antisemitismus inzwischen gelandet sind, beim absolut Absurden. Antisemitismus heute hat mit Judenhass, mit dem Wunsch nach \u201eJuda verrecke!\u201c, mit dem Plan alle Juden zu vernichten, nichts mehr zu tun. Man benutzt diese ungeheure und heute fast schon existenzbedrohende Verleumdung inflation\u00e4r bei Nichtigkeiten und gew\u00f6hnlichen Streitigkeiten. Antisemit ist fast schon jeder, der, wie gesagt, einen Juden dumm nennt.<\/p>\n<p>Daneben kommt nat\u00fcrlich auch die politische Komponente, dass man jeden, der Israels Politik kritisiert, berechtigt oder unberechtigt, einen Antisemit nennt. Jede auch noch so harmlose Kritik wird als \u201eDelegitimierung\u201c Israels interpretiert, und es n\u00fctzt nichts. das zu dementieren. Dabei ist aber leider auch die Vertretung der Juden, der Zentralrat, mitverantwortlich, der einerseits nicht m\u00fcde wird, bei jeder Kritik Israels und jeder Demonstration von protestierenden B\u00fcrger gegen israelische Aggression in Gaza von Antisemitismus zu reden und andererseits immer wieder beteuert, dass man fest und aufrecht hinter Israel stehe und die Augen vor Unrecht israelischer Politik verschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Der Antisemitismus ist keine statische Gr\u00f6\u00dfe, die seit Jahrhunderten unver\u00e4ndert geblieben ist. Selbst die chinesische Mauer zerbr\u00f6ckelt und wenn sie nicht restauriert w\u00fcrde, w\u00fcrde sie eines Tages verschwinden. Der Antisemitismus wandelt sich und ver\u00e4ndert sich. Er passt sich der Mode und dem Zeitgeist an und nat\u00fcrlich den politisch herrschenden M\u00e4chten. Gleichwohl ist es heute nicht mehr vorstellbar, dass es wieder eine antisemitische Eruption geben k\u00f6nnte wie 1933, als die Nazis die Macht \u00fcbernommen haben. Deutschland ist heute ein Teil des vereinigten Europas, der Europ\u00e4ischen Union, und ein totaler Schwenk der Politik nach rechts, ist kaum m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Dadurch, dass man an der Bezeichnung \u201eZentralrat der Juden in Deutschland\u201c weiter festh\u00e4lt, unterst\u00fctzt man die Haltung der Juden in den j\u00fcdischen Gemeinden und auch der von prominenten j\u00fcdischen Intellektuellen, die Dimitrij Belkin in seinem Buch wie folgt beschreibt: \u201eNie, nie, nie w\u00fcrde sich ein Jude mit diesem Land identifizieren. Denkt doch an die Nazis und ihre Kinder und Enkelkinder! Denkt doch an den latenten Antisemitismus in Deutschland.\u201c Und da sind wir wieder beim Antisemitismus, den es in Wirklichkeit schon lange nicht mehr so gibt, wie es Zentralrat und j\u00fcdische Intellektuelle manipulativ von sich geben.<\/p>\n<p>In diesem Deutschland, das seine Juden ausgerottet hatte, w\u00e4chst wieder eine neue j\u00fcdische Gemeinschaft, die auf dem Weg ist ein neues deutsches Judentum zu werden. Es ist endlich an der Zeit, dass auch der Zentralrat der Juden das zur Kenntnis nimmt und sich voll und ganz in diesem Land integriert, bevor er das von den neuen Migranten und Fl\u00fcchtlingen verlangt. Es ist doch leider noch so, dass zwanzig Jahre nach der Aufnahme von mehr als 200 000 Kontingent-Juden aus der Sowjetunion, in manchen Gemeinden immer noch nur russisch gesprochen wird und alle Schilder im Gemeindehaus bis zum Hinweis auf die Toiletten nur auf Russisch sind. Das ist ein Vers\u00e4umnis an Integration, scheinbar vom Zentralrat gewollt.<\/p>\n<p>Man pflegt die Stimmen, die davon ausgehen, dass wir gar keine Deutschen sind und merkt nicht, dass man damit die AfD und andere rechte Stimmen im Land unterst\u00fctzt. Man lebt hier und fragt sich, was man mit diesem Deutschland gemein hat, wobei man aber unter gar keinen Umst\u00e4nden nach Israel gehen will. Die Fleischt\u00f6pfe hier sind angenehm, riechen gut und s\u00e4ttigen. So bleiben die Juden in Deutschland weiterhin ein fragiles Provisorium, wie zur Zeit der Neugr\u00fcndung. Man will scheinbar kein neues deutsches Judentum, sondern begn\u00fcgt sich damit \u201eJuden in Deutschland\u201c zu sein. Deshalb wird auch die Tradition des liberalen deutschen Judentums nicht fortgesetzt. Seit Jahrzehnten wird an einer Normalisierung der Beziehungen zwischen Juden und Nicht-Juden gearbeitet, die aufgrund der Geschichte belastet ist. Die Kommunikation gestaltet sich schwierig, zumal von j\u00fcdischer Seite nichts unternommen wird, um die Diskrepanz zu beseitigen. Man h\u00e4ngt in den Gemeindeh\u00e4usern israelische Fahnen und Portraits israelischer Pr\u00e4sidenten und bei jeder unpassenden Gelegenheit betont man die Loyalit\u00e4t zu Israel und nicht zu Deutschland. Das geht so weit, dass man in den Synagogen im Gottesdienst f\u00fcr das Wohl der israelischen Armee betet.<\/p>\n<p>Es ist richtig, dass die meisten in Deutschland lebenden Juden keine \u201edeutsche\u201c Juden oder j\u00fcdische \u201eDeutsche\u201c sind. Die Mehrheit stammt aus der Sowjetunion, und es ist nicht einmal sicher, ob sie alle Juden sind. Aber wenn sie in einem Verband integriert sind, der sich \u201eJuden in Deutschland\u201c nennt, dann haben sie auch keine Chance sich zu integrieren. Sie bleiben \u201eJuden in Deutschland\u201c, Juden im Ghetto mit einem \u201eJudenrat\u201c, der sich Zentralrat nennt.<\/p>\n<p>Die Juden f\u00fchren in Deutschland das Leben einer privilegierten Minderheit. Etwas mehr als hunderttausend Juden haben mehr Macht und Privilegien als vier Millionen Moslems und zuweilen m\u00f6chte man glauben, mehr als die Mehrheit der Deutschen. Das zeigt sich, wenn j\u00fcdische Funktion\u00e4re, wie zum Beispiel Charlotte Knobloch, es mit einem einzigen Telefonanruf oder einer verleumderischen Mail, die eine Drohung und den Vorwurf des Antisemitismus enth\u00e4lt schafft, B\u00fcrgermeister, Kulturreferenten und sogar Bisch\u00f6fe auf die Knien zu zwingen und sie dazu zu bringen R\u00e4ume f\u00fcr Israel kritische Vortr\u00e4ge und Veranstaltungen zu verweigern, und dabei nicht einmal vor j\u00fcdischen Referenten halt macht. So schrieb sie an den Generalvikar von M\u00fcnchen, Dr. Peter Beer: \u201eSpeziell der Haupt-Referent Abi Melzer ist f\u00fcr seine antisemitischen \u00c4u\u00dferungen regelrecht ber\u00fcchtigt.\u201c Anl\u00e4sslich eines Vortrages \u00fcber \u201eAntisemitismus heute\u201c, der auf Betreiben von Frau Knobloch in letzter Minute von der Stadtverwaltung untersagt wurde, schrieb Frau Knobloch: \u201e\u2026dass es Melzer nicht um den Kampf gegen Antisemitismus in der Gesellschaft geht, sondern darum, israelbezogenen Antisemitismus noch salonf\u00e4higer zu machen, als es ohnedies bereits der Fall ist. Der Vorwurf des Antisemitismus soll als \u201ehysterisiert\u201c entkr\u00e4ftet und verunglimpft werden\u201c.<\/p>\n<p>Daraufhin f\u00fchlte sich der Kulturreferent der Stadt M\u00fcnchen, Dr. Hans-Georg K\u00fcppers, verpflichtet, die Benutzung des st\u00e4dtischen Raumes zu untersagen mit der Begr\u00fcndung: \u201eDie Veranstaltungsank\u00fcndigung enth\u00e4lt Formulierungen, die in Richtung einer Delegitimierung Israels gehen. Dies legt nahe, dass in der Veranstaltung die Grenze zwischen Israelkritik und Antisemitismus \u00fcberschritten wird.\u201c Ein Paradebeispiel f\u00fcr vorauseilenden Gehorsam, ein Beweis, dass der Druck und die Erpressung ihre Wirkung haben. Aus einem sachlichen Vortrag mit dem Titel \u201eAntisemitismus heute\u201c ist f\u00fcr die Stadt eine Agitation gegen Israel geworden. Geradezu peinlich ist die Unterw\u00fcrfigkeit und der vorauseilende Gehorsam von Amtspersonen, Politikern und Kirchen Oberh\u00e4upter gegen\u00fcber der in Deutschland sehr aktiven Israellobby und ihrer wahllosen und unverantwortlichen Anwendung des Antisemitismus-Vorwurfs.<br \/>\n<em>Abi Melzer<\/em><\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigung: <a href=\"http:\/\/der-semit.de\/antisemitismus-heute\/\" target=\"_blank\">Der Semit v. 10.10.2016<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass Juden ein traumatisches Verh\u00e4ltnis zum Begriff Antisemitismus haben, ist mir besonders deutlich geworden, als ich die Buchvorstellung des russisch-j\u00fcdischen Autors Dimitrij Belkin besucht habe und im Verlauf des Abends, ein Zuh\u00f6rer von irgend einem j\u00fcdischen Intendanten erz\u00e4hlte,<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-3589","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3589","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3589"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3589\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3592,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3589\/revisions\/3592"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3589"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3589"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3589"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}