{"id":3860,"date":"2016-12-08T09:13:15","date_gmt":"2016-12-08T08:13:15","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=3860"},"modified":"2016-12-08T09:18:12","modified_gmt":"2016-12-08T08:18:12","slug":"bank-boykottiert-juden-widerlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=3860","title":{"rendered":"\u00bbBank boykottiert Juden &#8211; widerlich!\u00ab"},"content":{"rendered":"<p><strong>Einer j\u00fcdischen Vereinigung wurde das Konto gek\u00fcndigt. Begr\u00fcndung: Kritik an Israel. Ein Gespr\u00e4ch mit Iris Hefets<\/strong><br \/>\n<em>Peter Wolter<\/em><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<strong>Die Bank f\u00fcr Sozialwirtschaft, BFS, hat Ihrem Verein \u00bbEine j\u00fcdische Stimme f\u00fcr Gerechtigkeit in Nahost\u00ab das Konto gek\u00fcndigt. Mit welcher Begr\u00fcndung?<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wurde uns einfach gek\u00fcndigt, ohne jede Begr\u00fcndung. Dann haben vor allem unsere Unterst\u00fctzer bei der Bank Druck gemacht, es gab ein Treffen, nachdem die Sprecherin des Instituts von Protesten \u00fcberflutet worden war. Uns wurde dabei klar gesagt, dass der BFS unsere Unterst\u00fctzung f\u00fcr die BDS-Kampagne (Boycott, Divestment and Sanctions, dabei geht es wegen der Pal\u00e4stinapolitik um wirtschaftlichen Druck auf Israel, jW) nicht passt. Ansto\u00df war die Beschwerde eines Mitarbeiters der Jerusalem Post. Der Vorstandsvorsitzende der Bank sagte, wir stellten damit das Existenzrecht Israels in Frage.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<strong>Ihnen als j\u00fcdischer Vereinigung so etwas vorzuwerfen, klingt ein wenig bizarr \u2026<\/strong><br \/>\nWir waren dar\u00fcber auch sehr verwundert. Bei dem Gespr\u00e4ch sa\u00dfen auf unserer Seite zwei Israelis &#8211; uns gegen\u00fcber zwei Deutsche, nichtj\u00fcdisch. Und die beiden warfen uns vor, gegen das Existenzrecht Israels zu sein! Ich bitte Sie: Ich habe 36 Jahre dort gelebt, meine ganze Familie ist dort! Wie kann ich gegen Israel sein? Ich habe dann nachgefragt, ob sie mir erkl\u00e4ren k\u00f6nnten, wie diese Argumentationskette von BDS bis zur Vernichtung Israels \u00fcberhaupt entstanden ist. Sie konnten es nicht erkl\u00e4ren, sondern behaupteten einfach, sie h\u00e4tten es so recherchiert, Ziel der BDS-Kampagne sei die Destabilisierung Israels. Als ich ihnen vorwarf, ihre Argumente seien doch rein politisch motiviert, stritten sie das ab.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<strong>Ist eine solche K\u00fcndigung nach deutschem Recht denn m\u00f6glich? Gehen Sie juristisch dagegen vor?<\/strong><br \/>\nSie ist m\u00f6glich, die BFS ist ja eine Privatbank und hat einen entsprechenden Passus in den Allgemeinen Gesch\u00e4ftsbedingungen. Es m\u00fcssen f\u00fcr eine K\u00fcndigung keine Gr\u00fcnde angegeben werden &#8211; gleichwohl ist ein solches Verhalten eine Diskriminierung, ein Angriff auf die Meinungsfreiheit. Vielleicht k\u00f6nnte man das juristisch anfechten, es geht uns aber um die politische Arbeit, und daf\u00fcr ist die K\u00fcndigung auch eine Steilvorlage: Viele Menschen, die von der BDS-Kampagne bis heute nichts wussten, wissen es jetzt. Politisch hat uns die Bank auch geholfen: Wir k\u00f6nnen sagen, eine deutsche Bank boykottiert Juden, und das ist widerlich und darf nicht sein. Es ist einfach ein Unding, dass eine deutsche Bank in Deutschland einer j\u00fcdischen Organisation mit dem Vorwurf, sie sei antisemitisch, das Konto verweigert. Unversch\u00e4mt! Wir rufen dagegen zum Boykott israelischen Waren und Institutionen auf. Die von der Besatzung und Unterdr\u00fcckung der Pal\u00e4stinenser profitieren, die sollen boykottiert werden.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<strong>Von der BFS hat bisher kaum jemand geh\u00f6rt &#8211; wer ist denn diese Bank? Wer sind ihre Aktion\u00e4re oder Gr\u00fcnder?<\/strong><br \/>\n(lacht) Dass die junge Welt von dieser Bank noch nichts geh\u00f6rt hat, wundert mich nicht: Sie wird n\u00e4mlich im wesentlichen von Kirchen, Sozialorganisationen usw. getragen. Die Wohlfahrtsorganisation des Zentralrats der Juden ist mit 0,7 Prozent beteiligt.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<strong>Die Aktivit\u00e4ten Ihres Vereins sind der israelischen Regierung und ihren hierzulande t\u00e4tigen Lobbygruppen sicherlich ein Dorn im Auge. Ist Ihnen schon mal \u00c4hnliches widerfahren?<\/strong><br \/>\nNat\u00fcrlich wissen wir, dass unsere kritische Position zur Besatzungspolitik der israelischen Regierung und ihren Parteig\u00e4ngern nicht genehm ist. Das \u00e4u\u00dfert sich darin, dass wir zu bestimmten Veranstaltungen gar nicht erst eingeladen oder von der G\u00e4steliste gestrichen werden. Wir werden offen attackiert.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<strong>Bekommen Sie Unterst\u00fctzung?<\/strong><br \/>\nSehr viel und teilweise sehr \u00fcberraschend. Immer wieder bekommen wir Zuspruch mit dem Hinweis: Ihr als Juden d\u00fcrft das sagen, wir als Deutsche nicht. Wir hatten zum Beispiel 2009, als Israel das Gaza-Gebiet angriff, eine Zeitungsanzeige geschaltet &#8211; daraufhin haben wir auch Spenden von Juden bekommen, die aus Angst vor den Reaktionen ihrer j\u00fcdischen Gemeinde lieber anonym bleiben wollten. F\u00fcr manchen aus unserer Mitte ist diese Gemeinde n\u00e4mlich auch gleichzeitig Arbeitgeber.<\/p>\n<p>Iris Hefets ist Vorsitzende des gemeinn\u00fctzigen Vereins \u00bbEine j\u00fcdische Stimme f\u00fcr Gerechtigkeit in Nahost\u00ab. Sie war am 23. November 2016 in Bremen zu einem sehr interessanten Vortrag in der Villa Ichon. <a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=3800#more-3800\" target=\"_blank\">Bericht hier<\/a>.<\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigung): <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/2016\/12-08\/037.php\" target=\"_blank\">junge Welt v. 08.12.2016<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer j\u00fcdischen Vereinigung wurde das Konto gek\u00fcndigt. Begr\u00fcndung: Kritik an Israel. Ein Gespr\u00e4ch mit Iris Hefets Peter Wolter &nbsp; Die Bank f\u00fcr Sozialwirtschaft, BFS, hat Ihrem Verein \u00bbEine j\u00fcdische Stimme f\u00fcr Gerechtigkeit in Nahost\u00ab das Konto gek\u00fcndigt. 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