{"id":4097,"date":"2016-12-16T09:24:09","date_gmt":"2016-12-16T08:24:09","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=4097"},"modified":"2016-12-16T15:16:57","modified_gmt":"2016-12-16T14:16:57","slug":"denk-an-naboth-uri-avnerys-kolumne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=4097","title":{"rendered":"&#8222;Denk&#8216; an Naboth!&#8220; &#8211; Uri Avnerys Kolumne"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcBER EIN UNGLAUBLICHES St\u00fcck von Gesetzgebung wird jetzt in Jerusalem debattiert. Das Land besch\u00e4ftigt sich mit einer Siedlung, die Amona hei\u00dft. Tief in den besetzten Gebieten haben&nbsp; ein paar Dutzend j\u00fcdischer Familien eine illegale Siedlung errichtet. Illegal sogar nach israelischem Gesetz und erst recht nach internationalem Gesetz.<!--more--><\/p>\n<p>Das Problem ist, sie machten sich nicht die M\u00fche, herauszufinden, wem das Land geh\u00f6rt, auf dem sie siedelten. Als es herauskam, geh\u00f6rt es tats\u00e4chlich privaten&nbsp; arabischen Farmern .Das israelische Oberste Gericht befahl den Siedlern, das Land zu&nbsp; evakuieren.<\/p>\n<p>Juden evakuieren? Undenkbar! Die Amoniter schworen, \u201epassiven\u201c Widerstand zu leiten. Dies bedeutet, zehn Tausende von Siedlern&nbsp; aus&nbsp; allen besetzten Gebieten aufzurufen, an den Ort zu eilen. Das bedeutet schreiende Babies, kreischende M\u00e4dchen, gewaltt\u00e4tige Jungs,&nbsp; die perplexe Soldaten sto\u00dfen (Viele von ihnen sind selbst Siedler), M\u00e4nner, die den gelben Stern aus der Nazizeit tragen, Frauen, die ihre vielen weinenden Kinder an sich dr\u00fccken. Kameras in H\u00fclle und F\u00fclle. Schrecklich!<br \/>\nAls das Datum&nbsp; f\u00fcr die Evakuierung&nbsp; n\u00e4her kam und das Gericht sich weigerte, eine Verschiebung zu gew\u00e4hren \u2013 nach Jahren legaler Spiele&nbsp; \u2013 fand die Regierung einen Ausweg: die Amona-Siedler werden 100 Meter weiter siedeln, auf Land , das auf dem selben H\u00fcgel liegt, das offiziell aber nicht privaten Personen&nbsp; geh\u00f6rt. Als Gegenleistung f\u00fcr diese Gunst, verspricht die Regierung den Siedlern ein \u201eLegalsierung-Gesetz\u201c, eine Erfindung eines fast legalistischem Genies. Es sagt, dass an vielen Dutzenden von Pl\u00e4tzen der ganzen Westbank, wo andere Siedlungen auf privatem pal\u00e4stinensischem Besitz errichtet wurden, das Land einfach enteignet wird, und die rechtm\u00e4\u00dfigen Besitzer mit einer Entsch\u00e4digung bezahlt wird. Kurz gesagt: ein gigantischer Akt des Raubes von Besitz privater Personen, die zuf\u00e4llig pal\u00e4stinensische Araber sind, um die Siedlungen von fanatischen ultra-rechten Juden zu \u201elegitimieren\u201c.<\/p>\n<p>ALS ICH den Text des vorgeschlagenen Gesetzentwurfes las, wurde ich an einen Satz in der Bibel erinnert, der mich immer schon verbl\u00fcfft hat.<br \/>\nEr steht in Exodus(12). Als Pharaoh den Kindern von Israel endlich erlaubte, nach den zehn schrecklichen Plagen, \u00c4gypten zu verlassen, taten sie etwas Ungew\u00f6hnliches. &#8222;Und die Kinder von Israel\u2026.borgten sich von den \u00c4gyptern Juwelen aus Silber und Juwelen aus Gold und Kleidung \u2026 und&nbsp; nahmen es den \u00c4gypter weg.\u201c Da die Kinder von Israel f\u00fcr immer weggingen, bedeutet hier \u201eborgen\u201c stehlen.&nbsp; Nicht vom Pharao und dem Staat, sondern von ganz gew\u00f6hnlichen Leuten, ihren Nachbarn.<\/p>\n<p>Man stimmt jetzt gew\u00f6hnlich unter Experten darin \u00fcberein, dass der Exodus nie wirklich geschehen ist, und dass die Geschichte etwa tausend Jahre nach dem berichteten Ereignis aufgeschrieben wurde. Aber warum w\u00fcrde ein Schreiber \u00fcber ein solch ekelhaftes Verhalten seiner Vorfahren berichten? Besonders da es sich niemals ereignete?<\/p>\n<p>Die einzige Antwort, die ich mir vorstellen kann, ist, dass die Schreiber und Editoren zu ihrer Zeit diese Geschichte nicht so ekelhaft fanden. Das Betr\u00fcgen und Pl\u00fcndern von Nicht-Israeliten war OK. Und so ist es jetzt auch f\u00fcr die Siedler und die Regierung von Israel in Ordnung.<\/p>\n<p>(Nebenbei: woher wissen wir eigentlich, dass die Exodus-Geschichte zu einem viel sp\u00e4teren Zeitpunkt erfunden wurde? Weil die \u00e4gyptischen Orte, die in der Geschichte erw\u00e4hnt werden , zu der Zeit des imagin\u00e4ren Moses noch gar nicht existierten. Es gab sie erst viele Jahrhunderte sp\u00e4ter, in der Zeit der Makkb\u00e4er, als der Text aufgeschrieben wurde.)<\/p>\n<p>EIN ANDERES Kapitel der Bibel ist sogar den gegenw\u00e4rtigen Geschehnissen noch angemessener. Es ist ein Text, den jedes israelische Schulkind&nbsp; in seinen fr\u00fchen Jahren&nbsp; auswendig&nbsp; lernt. Im hebr\u00e4ischen Original ist es von au\u00dferordentlich literarischer Sch\u00f6nheit, abgesehen von seiner \u00fcberw\u00e4ltigenden moralischen Kraft.<\/p>\n<p><strong>Es berichtet( 1. K\u00f6nige, 21)<\/strong><br \/>\n\u201e Nabot der Jesreeliter, hatte einen Weinberg beim Palast von Ahab, K\u00f6nig von Samaria. Und Ahab redete mit Naboth und sprach: Gib mir Deinen Weinberg, ich will mir einen Kohlgarten daraus machen, weil er so nahe bei meinem Haus liegt. Ich will dir einen besseren Weinberg daf\u00fcr geben, oder wenn es dir gef\u00e4llt, will ich dir Geld daf\u00fcr geben, so viel wie er wert ist.<br \/>\nUnd Naboth sagte zu Ahab: Das lasse der Herr ferne von mir sein, dass ich dir&nbsp; meiner V\u00e4ter Erbe sollte geben.<\/p>\n<p>Da kam Ahab&nbsp; voll Unmut und zornig heim. &#8222;Da kam Isebel, seine Frau, zu ihm und redete mit ihm: &#8222;warum ist dein Geist so voller Unmut?&#8220;<br \/>\nDie Frau nahm die Sache in ihre H\u00e4nde und befahl den \u00c4ltesten von Samaria, Naboth&nbsp; wegen falscher Aussagen vor Gericht zu bringen. Er wurde zu Tode gesteinigt.<\/p>\n<p>Gott der Allm\u00e4chtige liebte dies gar nicht. Er sandte seinen Propheten Elia, der zu Ahab herantrat und zu ihm sagte: &#8222;Hast du get\u00f6tet und auch in Besitz genommen? \u2026Wo Hunde das Blut von Naboth leckten,&nbsp; sollen Hunde Dein Blut lecken\u201c. Und so geschah es. Ahab starb den Tod eines Helden in der Schlacht, er fiel durch einen Pfeil, der zuf\u00e4llig abgeschossen war. Die Hunde leckten sein Blut vom Wagen. Sie fra\u00dfen auch das Fleisch von Isebel, seiner Frau.<\/p>\n<p>Im Hebr\u00e4ischen klingt die Geschichte unendlich sch\u00f6ner als in der \u00dcbersetzung.&nbsp; Auch unreligi\u00f6se Leute k\u00f6nnen dies&nbsp; mit viel \u00e4stethischem&nbsp; Vergn\u00fcgen als religi\u00f6se lesen. FALLS GOTT heute existierte,&nbsp; w\u00fcrde er sicher einen seiner&nbsp; diensthabenden Propheten zu Benjamin Netanjahu (ein netter biblisch klingender Name) senden und ihm \u00fcber die heutigen Blut leckenden Hunde erz\u00e4hlen ( Journalisten? Reporter).<\/p>\n<p>Die vorgeschlagene &#8222;Legalisierung\u201c&nbsp; und die Rede von privatem arabischen Besitz, egal unter welchen Bedingungen, ist reiner Diebstahl. Jeder arabische Landbesitzer w\u00fcrde Naboth&nbsp; zitieren. &#8222;Das lasse Allah fern von mir sein\u2026\u201c<\/p>\n<p>Netanjahu muss seiner Frau keine Probleme machen. Sarah\u2018le hat ihre eigenen Probleme mit dem Gesetz. Anstelle von Isabel hat er die Knesset und den General-Anwalt. Doch die vorgeschlagene L\u00f6sung&nbsp; &#8211; die Siedler ein paar&nbsp; Meter weiter zum Regierungsbesitz umzusiedeln \u2013 ist nicht besser als Ahabs Vorschlag an Naboth. Er ist tats\u00e4chlich viel schlimmer.<\/p>\n<p>K\u00f6nig Bibi bietet wie K\u00f6nig Ahab Geld als Entsch\u00e4digung an, aber bietet kein anderes \u2013 und besseres \u2013 Land. In der Tat erwartet er, dass die Araber das Geld nehmen und damit nach Brasilien oder Schweden auswandern.<\/p>\n<p>Das Angebot, die Siedler von Amona auf Regierungsland nahebei anzusiedeln, muss erkl\u00e4rt werden. Wie kommt es eigentlich, dass die israelische Regierung Land in der besetzten Westbank besitzt? ( Westbank im Unterschied zur Ostbank des Jordanflusses, das zum jordanischen K\u00f6nigreich geh\u00f6rt. Die Regierung und die Siedler selbst nennen das Gebiet \u201eSamaria\u201c wie in der Bibel).<\/p>\n<p>In den guten alten Tagen des ottomanischen Reichs verpachtete der Sultan, dem das Land geh\u00f6rte, das Land an die Bauern. Vor dem 1. Weltkrieg, als der Sultan &#8211; wie gew\u00f6hnlich \u2013 bankrott war, verkaufte er einiges Land an private , meistens reiche arabische Kaufleute in Jaffa, Beirut oder Monte Carlo. Sie waren&nbsp; abwesende Grundbesitzer und die Bauern auf dem Land wechselten nicht. Doch das meiste Land geh\u00f6rte weiter dem Sultan &#8211; bis zum Ende des 1. Weltkrieges, als die Regierung des neuen britischen Mandats Pal\u00e4stina \u00fcbernahm. Die einheimischen pal\u00e4stinensischen Bauern blieben nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>Dies war die Situation &#8211; als nach dem israelisch-arabischen Krieg von 1948 &#8211; die jordanische k\u00f6nigliche Regierung den Besitz des Landes \u00fcbernahm. Nichts hatte sich&nbsp; ver\u00e4ndert. Die Regierung von Jordanien nahm das Land in Besitz und die Bauern arbeiteten auf ihrem St\u00fcck Land, so wie sie es seit vielen Generationen getan hatten.<\/p>\n<p>Als Israel 1967 die Westbank eroberte, kam es zu einer v\u00f6llig anderen Situation. Anders als die T\u00fcrken, die Briten und die Jordanier hat die gegenw\u00e4rtige israelische Regierung andere Pl\u00e4ne mit dem Land. Sie w\u00fcnscht, dass es an j\u00fcdische Siedler geht, extreme Rechte, extrem Religi\u00f6se oder beides. Die legale Fiktion des \u201eregierungseigenen Landes\u201c wurde \u00fcber Nacht eine Realit\u00e4t. Gro\u00dfe Gebiete auf der Westbank geh\u00f6ren pl\u00f6tzlich&nbsp; der Regierung von Israel. Andere riesige Landfl\u00e4chen, die den Pal\u00e4stinensern geh\u00f6rten, die&nbsp; geflohen sind oder 1967&nbsp; vertrieben wurden, wurde zu sogenannten &#8222;Besitz von Abwesenden\u201c erkl\u00e4rt &#8211; und damit von der israelischen Regierung enteignet.<\/p>\n<p>All dies ist jetzt &#8222;Regierungsland\u201c, auf dem&nbsp; israelische Siedler frei nach dem israelischen Gesetz siedeln k\u00f6nnen.&nbsp; Es ist unn\u00f6tig zu sagen, dass all dies nach internationalem Gesetz, das B\u00fcrgern der \u201eBesatzungsmacht\u201c kategorisch verbietet, ihre&nbsp; Bev\u00f6lkerung in die besetzten Gebiete umzusiedeln. v\u00f6llig illegal ist.<\/p>\n<p>Dies ist also die Situation heute:&nbsp; israelische Siedler auf \u201eRegierungsland\u201c zu bringen, ist&nbsp; nach israelischem Gesetz legal, aber nach internationalem Gesetz absolut verboten. Siedler auf privatem pal\u00e4stinensischem Land&nbsp; anzusiedeln, ist&nbsp; nach internationalem sowie&nbsp; nach israelischem Gesetz verboten.<\/p>\n<p>Ab sofort&nbsp; werden die Amona-Siedler von der Regierung&nbsp; gebeten, zum nahen \u201eRegierungsland\u201c umzuziehen.&nbsp; Sie haben nun die Wahl zwischen Vertreibung oder Zustimmung, die hundert&nbsp; Meter zu ihrer neuen Wohnst\u00e4tte zu gehen.<\/p>\n<p>Was h\u00e4tte wohl der Prophet Elia zu all dem gesagt? Er war keine Person, die untertreibt. Die israelischen Hunde werden nicht das Blut von Netanjahu lecken. Noch werden sie das Fleisch von Sarah\u2019le fressen. Gott bewahre.<br \/>\nVor ein paar Tagen hat eine Studentin der K\u00fcnste in der Jerusalemer&nbsp; Bezalel- Kunstakademie ein Poster gemalt, das&nbsp; eine interessante&nbsp; \u00c4hnlichkeit mit Netanjahu hat, der sich gegen\u00fcber einer Schlinge&nbsp; eines Henkers befindet.&nbsp; Sie wurde wegen Aufwiegelung&nbsp; von der Polizei&nbsp; festgenommen und verh\u00f6rt. .<\/p>\n<p>Nicht einmal Ahab&nbsp; ging so weit.<br \/>\n(dt. Ellen Rohlfs, vom&nbsp; Verfasser autorisiert)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcBER EIN UNGLAUBLICHES St\u00fcck von Gesetzgebung wird jetzt in Jerusalem debattiert. Das Land besch\u00e4ftigt sich mit einer Siedlung, die Amona hei\u00dft. Tief in den besetzten Gebieten haben&nbsp; ein paar Dutzend j\u00fcdischer Familien eine illegale Siedlung errichtet. Illegal sogar nach israelischem &hellip; <a href=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=4097\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-4097","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4097","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4097"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4097\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4104,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4097\/revisions\/4104"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4097"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4097"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4097"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}