{"id":4128,"date":"2016-12-21T14:41:28","date_gmt":"2016-12-21T13:41:28","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=4128"},"modified":"2016-12-21T14:46:16","modified_gmt":"2016-12-21T13:46:16","slug":"mizrachi-palaestinensische-partnerschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=4128","title":{"rendered":"Mizrachi-pal\u00e4stinensische Partnerschaft?!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/mizrahipalestinianpartnership.wordpress.com\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/16-12-21-mizrachi-pal\u00e4stiensische-partnerschaft.jpg\" width=\"200\" height=\"178\"><\/a>Wie vom neuen <a href=\"http:\/\/www.rosalux.org.il\/\" target=\"_blank\">Newsletter (21.12.2016) der Rosa-Luxemburg-Stiftung Tel Aviv<\/a> berichtet, hat eine Gruppe von Mizrachi-AktivistInnen ein &#8222;Manifest gegen Rassismus und Diskriminierung&#8220; pr\u00e4sentiert, das sich gegen die Fortdauer der Besatzung und gegen die &#8222;Aush\u00f6hlung der israelischen Demokratie&#8220; richtet.<\/p>\n<p><strong>Das Manifest<\/strong><\/p>\n<p>Inspiriert von der Gemeinsamen Liste fand sich ein Kollektiv von Mizrachi-AktivistInnen zusammen und pr\u00e4sentierte ihr Manifest gegen Rassismus und Diskriminierung, das wir im Folgenden dokumentieren.<!--more--><\/p>\n<p>Inspiriert von der Gemeinsamen Liste, einer parlamentarischen Plattform, die sehr unterschiedliche politische Positionen \u2013 von sozialistischen bis zu liberalen und islamisch-konservativen \u2013 vereint, um die pal\u00e4stinensischen Staatsb\u00fcrgerInnen Israels zu repr\u00e4sentieren sowie gegen Rassismus, ein Ende der Besatzung und die Aush\u00f6hlung der israelischen Demokratie zu k\u00e4mpfen, fand sich im M\u00e4rz 2016 ein Kollektiv von Mizrachi-AktivistInnen zusammen und pr\u00e4sentierte ihr Manifest gegen Rassismus und Diskriminierung: \u201eDie Mizrachi-Pal\u00e4stinensische Partnerschaft\u201c. Die Gruppe schloss sich der Gemeinsamen Liste an, um den Kampf gegen die kulturelle und wirtschaftliche Diskriminierung der j\u00fcdischen B\u00fcrgerInnen, die aus Asien und Afrika stammen, mit dem pal\u00e4stinensischen Kampf f\u00fcr gleiche Rechte zu verbinden. In dem von rund 60 Unterst\u00fctzerInnen unterzeichneten Manifest ruft das Kollektiv alle unterdr\u00fcckten Gruppen in Israel dazu auf, sich zu einem B\u00fcndnis zusammenzuschlie\u00dfen und solidarisch gegen Separation und Diskriminierung zu k\u00e4mpfen.&nbsp;<\/p>\n<p>Angesichts eines Klimas das durch Angst, Diskriminierung, Segregation und Hetze gepr\u00e4gt ist haben wir uns zusammengeschlossen, um B\u00fcndnisse zu schmieden, Partnerschaften aufzubauen, die Grenzen von Gruppenzugeh\u00f6rigkeit, Ethnie, Gender und Staatsangeh\u00f6rigkeit zu \u00fcberwinden und um Hoffnung zu wecken. Die von uns angestrebte Partnerschaft ist keine einfache oder schnelle L\u00f6sung der \u00dcbel unserer Zeit. Sie erfordert Engagement und die Bereitschaft, Verantwortung auf dieser langen Reise zu \u00fcbernehmen \u2013 und zwar gemeinsam.<\/p>\n<p>Wir rufen alle unterdr\u00fcckten Gruppen in der israelischen Gesellschaft dazu auf, sich zusammenzuschlie\u00dfen und den Weg gemeinsam zu gehen: Pal\u00e4stinenserInnen, Mizrachim, EthiopierInnen, russischsprachige Personen, Menschen, die von Armut betroffen sind, all jene, die in die Peripherie der St\u00e4dte und an den Rand der Gesellschaft gedr\u00e4ngt werden, und alle, die f\u00fcr eine grundlegende Ver\u00e4nderung der Verh\u00e4ltnisse eintreten und sich gegen Unterdr\u00fcckung wehren wollen. Diese Gruppen sind h\u00e4ufig mit \u00e4hnlichen Problemen konfrontiert, obgleich nicht unbedingt in derselben Weise. Daher glauben wir, durch eine dauerhafte und respektvolle Partnerschaft diejenigen entmachten zu k\u00f6nnen, die uns trennen und gegeneinander aufhetzen wollen.<\/p>\n<p>\u201eMizrachim zu sein ist keine ethnische Zugeh\u00f6rigkeit, sondern eine Einstellung\u201c, sagte der verstorbene Eli Hamo, Aktivist und Mitbegr\u00fcnder der Initiative. Seiner Auffassung nach haben wir die Wahl; und diese Wahl ist f\u00fcr uns die Grundlage des von uns angestrebten B\u00fcndnisses. Die drei monotheistischen Religionen entstanden an der Mittelmeerk\u00fcste, Hebr\u00e4isch entwickelte sich im Nahen Osten. Und trotz aller Versuche, diese einfache Tatsache zu verschleiern: Israel geh\u00f6rt zum Nahen Osten. Wir sehen daher in der Mizrachi-Option eine neue Hoffnung daf\u00fcr, die israelische Gesellschaft in einem wirklich b\u00fcrgerrechtlichen und inklusiven Sinne voranzubringen. Wir sind der \u00dcberzeugung, dass eine pluralistische Mizrachi-Identit\u00e4t, gemeinsame Verantwortung und ein partnerschaftlich gef\u00fchrter Kampf gegen Ungerechtigkeit und Unterdr\u00fcckung die Grundlage f\u00fcr ein gemeinsames Leben und die Quelle f\u00fcr Inspiration und Verbesserung f\u00fcr alle BewohnerInnen dieses Landes sein k\u00f6nnen. Wir definieren uns daher als Mizrachim, unabh\u00e4ngig davon, ob wir in Familien hineingeboren wurden, die aus dem Nahen Osten oder Nordafrika stammen oder nicht, ob wir in den israelischen Schmelztiegel gezwungen wurden oder uns freiwillig dazu entschieden haben, ob wir die mannigfaltigen Formen der Unterdr\u00fcckung in dieser Gesellschaft erlebt haben oder nicht \u2013 von den obersten bis zu den untersten Klassen \u2013, Menschen mit Aufenthaltsstatus oder Gefl\u00fcchtete und Asylsuchende usw.<\/p>\n<p>Wir k\u00e4mpfen alle seit Jahren darum, die israelische Gesellschaft zu ver\u00e4ndern, und doch fehlt es uns bislang an einer politischen Heimat. Oft mussten wir uns zwischen zwei Optionen entscheiden: entweder Parteien zu w\u00e4hlen, die den Anschein erwecken, die Linke zu st\u00e4rken, die aber keine sinnvolle j\u00fcdisch-pal\u00e4stinensische Zusammenarbeit praktizieren und die Mizrachim und ihre Anliegen nicht vertreten, oder uns dem mizrachischen Wahlverhalten anzuschlie\u00dfen, was oft bedeutete, dass wir uns mit symbolischer Repr\u00e4sentation zufriedengeben und die Unterdr\u00fcckung der Pal\u00e4stinenserInnen unterst\u00fctzen. Vor diese Wahl gestellt, haben wir uns oft daf\u00fcr entschieden, solidarisch mit pal\u00e4stinensischen Parteien abzustimmen, selbst wenn diese nur selten auf die Anliegen der Mizrachim eingehen.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcndung der Gemeinsamen Liste war f\u00fcr uns eine historische Gelegenheit, eine Partnerschaft aufzubauen, bei der es nicht nur um eine taktische Zusammenarbeit aus Mangel an Alternativen geht, sondern um eine sinnvolle Entscheidung, die neue Inhalte hervorbringen kann.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcndung der Gemeinsamen Liste ist eine Einladung an alle, gemeinsam eine offene und inklusive Heimat im Nahen Osten zu ersinnen, die auf dem gemeinsamen Bestreben basiert, f\u00fcr eine gerechtere Gesellschaft einzutreten. Angesichts einer entmutigenden Realit\u00e4t von Belagerungszustand, Krieg, Rassismus und Unterdr\u00fcckung, rufen wir zur Bildung eines B\u00fcndnisses zwischen all jenen auf, die die neoliberale Gesellschaftsordnung und die antidemokratischen Kr\u00e4fte bek\u00e4mpfen wollen.<\/p>\n<p>Dieses B\u00fcndnis beruht auf der Annahme, dass Unterdr\u00fcckung und ihre Auswirkungen nicht von allen in gleicher Weise erfahren werden und bei verschiedenen Personengruppen unterschiedliche Spuren hinterlassen. Gleichzeitig f\u00fchrt jedoch jede Klassifizierung von Ungleichheit, Leid und Ungerechtigkeit zu weiterem Leid und Ungerechtigkeit. Die Schaffung einer Hierarchie der Formen von Unterdr\u00fcckung spielt nur der Unnachgiebigkeit israelischer Regierungen in die H\u00e4nde, die den Raum gewaltsam neu ordnen wollen.<\/p>\n<p>Als Menschen, die urspr\u00fcnglich aus dieser Region kommen, lehnen wir die koloniale Idee ab, sich in einer imaginierten \u201ewei\u00dfen Villa im dunklen Dschungel\u201c zu verschanzen. Wir m\u00fcssen den Mut aufbringen, uns gemeinsam diesem 1948 etablierten Regime entgegenzustellen, in dem einige als \u00fcberlegen und andere als minderwertig gelten und wir gegeneinander aufgehetzt werden. Diese Trennung zu bek\u00e4mpfen, ist unsere moralische Pflicht als Mizrachim, als J\u00fcdinnen und Juden und als diejenigen, die aus dieser Region stammen.<\/p>\n<p>Der Kampf gegen die Ungleichheit und Ungerechtigkeit, die Teile der Bev\u00f6lkerung in Israel auf Grundlage der Kategorien Gender, Staatsangeh\u00f6rigkeit und Ethnie erfahren, erfordert, dass manche von uns auf Privilegien verzichten. Es liegt jedoch in unserem und im Interesse jeder einzelnen Gruppe, weil dieser Verzicht zur Schaffung eines sicheren und erf\u00fcllteren Lebens aller beitragen wird, das nicht unter dem Schatten von Schlagb\u00e4umen und Checkpoints steht und uns alle gleicherma\u00dfen gef\u00e4hrdet. Der Faschismus vergiftet alle Beziehungen in allen gemeinsamen R\u00e4umen, ob sich diese nun in der Stadt oder an der Peripherie befinden, in den Nachbarschaften oder im Privaten, und h\u00e4ufig selbst die Familienbeziehungen. Seine Hauptopfer dabei sind Frauen und Kinder.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Jahre des Aufbaus eines j\u00fcdischen Staates hat der Zionismus eine hierarchische Gesellschaftsordnung geschaffen, die auf Enteignung und Vertreibung basiert, wo bestimmten Menschen Rechte verweigert und anderen Privilegien zugestanden werden. Der Zionismus hat uns als Mizrachim \u2013 politisch, wirtschaftlich und kulturell \u2013 unterdr\u00fcckt, uns aber gleichzeitig als J\u00fcdinnen und Juden auch auf Kosten der Pal\u00e4stinenserInnen mit Privilegien ausgestattet.<\/p>\n<p>Wir sind uns mehr als bewusst, dass in den vergangenen 68 Jahren, auch wenn im Namen des Zionismus Mizrachim in Israel ungerecht behandelt worden sind, die Mizrachi-\u00d6ffentlichkeit in das zionistische Projekt eingebunden wurde und gr\u00f6\u00dftenteils zu einer aktiven Partnerin geworden ist. Daher k\u00f6nnen wir unseren pal\u00e4stinensischen Br\u00fcdern und Schwestern nicht mit reinem Gewissen entgegentreten und behaupten, wir h\u00e4tten an den Ungerechtigkeiten des Zionismus keinen Anteil gehabt. Wir erkennen daher an, dass die Aufhebung dieses Unrechts untrennbar mit dem R\u00fcckkehrrecht der gefl\u00fcchteten Pal\u00e4stinenserInnen einhergeht, ohne dass es zu neuen Vertreibungen kommt, und die Tatsache anerkannt wird, dass eine ungerechte Situation nicht durch die Schaffung neuen Unrechts korrigiert werden kann.<\/p>\n<p>Die Dokumentarfilmerin Simone Bitton stellte nach der ersten feministischen Mizrachi-Konferenz 1996 fest: \u201eWir erkennen Unterdr\u00fcckung in all ihren Formen an, in ihrer ganzen Vielfalt. [\u2026] Daher sind wir erst an dem Tag in der Lage, Unterdr\u00fcckung richtig zu bek\u00e4mpfen, an dem wir sowohl die Unterdr\u00fcckung bek\u00e4mpfen, deren Opfer wir geworden sind, als auch diejenige, von der wir profitiert haben. [\u2026] Das w\u00e4re die progressivste oder revolution\u00e4rste Plattform in diesem Land.\u201c Wir k\u00e4mpfen nicht daf\u00fcr, unsere Kinder vor der Diskriminierung im israelischen Schulsystem zu bewahren, nur um ihre Zukunft als hervorragende BesatzerInnen sicherzustellen; wir k\u00f6nnen nicht erkl\u00e4ren, dass wir nicht l\u00e4nger unterdr\u00fcckt werden wollen, solange wir uns nicht verpflichten, auch andere nicht l\u00e4nger zu unterdr\u00fccken. Mehr denn je ist uns heute klar, dass keine Gesellschaft langfristig auf der Grundlage systematischer Unterdr\u00fcckung, Verweigerung von Rechten, Ausbeutung und Diskriminierung funktionieren kann.<\/p>\n<p>Vergangene Initiativen f\u00fcr eine Partnerschaft zwischen Mizrachim und Pal\u00e4stinenserInnen wurden h\u00e4ufig von beiden Seiten als unrealistisch und nicht authentisch abgelehnt. Im Zusammenleben von MuslimInnen sowie J\u00fcdinnen und Juden im Nahen Osten und Nordafrika hat es schwierige Momente der Abschottung und Dem\u00fctigung gegeben, es hat aber auch eine lange und reichhaltige Tradition der Partnerschaft und des Dialogs hervorgebracht \u2013 auf Grundlage des Appells f\u00fcr Frieden und Gerechtigkeit f\u00fcr alle Menschen, der sich in allen heiligen B\u00fcchern verankert findet. Wir verschlie\u00dfen keineswegs die Augen davor, dass die Thora heute zum Gesp\u00f6tt gemacht wird und die religi\u00f6se Sprache zu einem Hindernis beim Aufbau der Beziehungen zwischen Mizrachim und Pal\u00e4stinenserInnen geworden ist. Wir m\u00f6chten diese Partnerschaft jedoch nicht begr\u00fcnden, indem wir uns der Welt der Religion versperren, auf deren Basis die Gesellschaften in unserer Region entstanden sind. Nur, wenn wir die traditionell enge Beziehung zwischen Islam und Judentum anerkennen, k\u00f6nnen wir einen einzigartigen Beitrag f\u00fcr einen gemeinsamen Weg und die Ausbildung einer kritischen Perspektive leisten.<\/p>\n<p>Wir vergessen weder die j\u00fcdische Verbindung mit diesem Land noch die Tatsache, dass die Liebe f\u00fcr und das Streben nach Zion immer zentraler Teil der j\u00fcdischen Identit\u00e4t gewesen sind. Wir verweigern uns allerdings der Vorstellung, diese j\u00fcdische Bindung zum Land im Rahmen eines Regimes zu verankern, das auf einem System von Privilegien basiert, die einer ethnisch-nationalen-religi\u00f6sen Gruppe zulasten der einheimischen Menschen dieses Landes verliehen werden. Wir w\u00fcnschen uns, dass die j\u00fcdische religi\u00f6se Sprache die Fesseln des s\u00e4kularen zionistischen Denkens sprengt und sich des Konzepts einer exklusiven und starren nationalen Herrschaft entledigt. Auf Grundlage dieser Tradition m\u00f6chten wir in diesem Land nicht als Gutsherren, sondern als S\u00f6hne und T\u00f6chter in einem gemeinsamen Heim leben.<\/p>\n<p>Die furchtbare politische und soziale Realit\u00e4t zwingt uns, Mizrachim und Pal\u00e4stinenserInnen, dazu, eine gemeinsame Agenda zu erarbeiten. Es gibt viele dr\u00e4ngende und konkrete Themen, auf die wir uns konzentrieren k\u00f6nnten: die Ausweitung der Entscheidungskompetenzen der \u201eEntwicklungsst\u00e4dte\u201c und arabischen Siedlungen; der Kampf gegen die unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohe Zahl von Mizrachim sowie Pal\u00e4stinenserInnen in Gef\u00e4ngnissen; der Kampf gegen das diskriminierende Bildungssystem; der Kampf gegen die Ausl\u00f6schung unserer Kulturen und Geschichte; der Kampf gegen Polizeigewalt und Rassismus. Ebenso geht es um unsere Partnerschaft im Bereich der arabischen Sprache und Kultur und um die Erweiterung unserer M\u00f6glichkeiten, unsere Identit\u00e4t zu leben. Schlie\u00dflich sollten wir auch gemeinsame feministische Ans\u00e4tze zur Abwehr der staatlichen Diskriminierung gegen alleinerziehende M\u00fctter und die allt\u00e4gliche Gewalt gegen Frauen im Allgemeinen entwickeln, insbesondere in Bezug auf Frauen aus diskriminierten und marginalisierten Gruppen, und f\u00fcr die Bereitstellung diesbez\u00fcglicher Mittel sorgen. Uns schwebt ein gemeinsamer Kampf gegen die neoliberale Raumordnungspolitik vor, die einerseits den Prozess der Vertreibung und Verdr\u00e4ngung von Pal\u00e4stinenserInnen aus den St\u00e4dten bef\u00f6rdert und andererseits die Verdr\u00e4ngung armer Mizrachim (und anderer Personengruppen) aus ihren Vierteln unter dem Vorwand der \u201est\u00e4dtischen Erneuerung\u201c vorantreibt.<\/p>\n<p>Nur, wenn wir es schaffen, die Barrieren zu \u00fcberwinden, die der Zionismus zwischen uns errichtet hat, k\u00f6nnen wir unseren gemeinsamen Kampf beginnen. Diese Trennung zu \u00fcberwinden bedeutet nicht, unsere Identit\u00e4t oder die vielschichtige Geschichte unserer jeweiligen Gruppen zu ignorieren. Wir wollen sie stattdessen f\u00fcr die Umsetzung eines gemeinsamen Lebens und Handelns in gesellschaftlicher Solidarit\u00e4t zusammenf\u00fchren.<\/p>\n<p>Wir treten in die Fu\u00dfstapfen fr\u00fcherer Gruppen und Individuen, die zu verschiedenen Zeitpunkten versucht haben, ein B\u00fcndnis zwischen Mizrachim und Pal\u00e4stinenserInnen zu schmieden \u2013 ein B\u00fcndnis, auf der Grundlage der langen Geschichte des Miteinanders, der gegenseitigen Bereicherung und des Lernens zwischen J\u00fcdinnen, Juden und MuslimInnen sowie zwischen J\u00fcdinnen, Juden und AraberInnen. In den Worten des verstorbenen j\u00fcdisch-marokkanischen Poeten David Buzaglo in seiner Mimouna-Hymne \u201eIhr seid aus dem Westen\u201c: \u201eJuden und Araber sa\u00dfen beisammen \/ und w\u00e4rmten ihre Herzen mit Instrumenten und Musik \/ und die hebr\u00e4ische Frau kleidete sich wie die arabische Frau \/ und der hebr\u00e4ische Mann lie\u00df sich nicht von seinem arabischen Bruder unterscheiden \/ ob in der Stadt oder auf dem Land, der Geist von jedermann war bereit \/ die Grenzen zwischen Israel und den Nationen waren unscharf geworden \/ w\u00e4ren da nicht die Blutr\u00fcnstigen gewesen, die den Staat kontrollieren.\u201c Wir glauben, dass die Zeit reif ist, zu diesem gemeinsamen Ort zur\u00fcckzukehren, an dem der \u201eGeist von jedermann bereit war\u201c, um ein B\u00fcndnis aufzubauen, das die blutenden Wunden der BewohnerInnen dieses Landes heilen kann.<\/p>\n<p>Wir rufen zur Gr\u00fcndung eines breiten sozialen und zivilgesellschaftlichen B\u00fcndnisses auf, um die antidemokratischen Grundfeste des politischen und \u00f6konomischen Systems in Israel anzugreifen. Dieses zivilgesellschaftliche B\u00fcndnis hat das Potenzial, nach Jahrzehnten der Enteignung zu einer Umverteilung von Ressourcen und zu einem Ende von Besatzung und Unterdr\u00fcckung zu f\u00fchren. Auf diese Weise k\u00f6nnten wir die pal\u00e4stinensischen und Mizrachi-Kulturen von den Zw\u00e4ngen und uns auferlegten Beschr\u00e4nkungen befreien, die Mizrachim und Pal\u00e4stinenserInnen davon abhalten, in einen freien Dialog mit den Menschen aus der Region zu treten. Wir glauben, dass die Mizrachi-Gemeinschaft ein j\u00fcdisch-pal\u00e4stinensisches B\u00fcndnis hervorbringen k\u00f6nnte, das nicht auf einer Selbstwahrnehmung als Opfer beruht, sondern enorme Kraft aus der Gemeinschaft von M\u00e4nnern und Frauen aus dieser Region ziehen k\u00f6nnte, und zwar auf der Grundlage von Gleichheit und Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>Wir richten uns gegen die vierte Netanjahu-Regierung, eine Regierung des politischen, wirtschaftlichen, sozialen und menschlichen Kahlschlags, und bem\u00fchen uns, einen echten Vers\u00f6hnungsprozess zwischen verschiedenen Nationen, Kollektiven, Pal\u00e4stinenserInnen sowie J\u00fcdinnen und Juden zu beginnen, um hier eine gemeinsame Heimat aufzubauen. Gemeinsam werden wir den tiefen Wunden aller Opfer von Blutvergie\u00dfen, wirtschaftlicher Ausbeutung und geschlechtsspezifischer Gewalt Tribut zollen. In der Einleitung zu seinem Buch \u201eBelagerungszustand\u201c schrieb der Lyriker Mahmoud Darwish: \u201eWir werden Hoffnung s\u00e4en.\u201c Auch wir m\u00f6chten Hoffnung s\u00e4en, f\u00fcr die Gesellschaft als Ganzes, f\u00fcr unsere Kinder und f\u00fcr die kommenden Generationen.<\/p>\n<p>\u00dcbersetzung aus dem Hebr\u00e4ischen: Zach Smith<br \/>\n\u00dcbersetzung aus dem Englischen: Sebastian Landsberger und Kristina Vesper<\/p>\n<h2>Weiterf\u00fchrende Literatur<\/h2>\n<ul>\n<li>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.rosalux.org.il\/die-mizrachim\/\" target=\"_blank\">Zwischen Ost und West \u2013 Die Mizrachim<\/a>.<\/li>\n<li>&nbsp;\u201e<a href=\"http:\/\/www.rosalux.org.il\/gemeinsam-anders-die-gemeinsame-liste-und-progressive-politik-in-israel\/\" target=\"_blank\">Gemeinsam anders<\/a>\u201c \u2013 Die <span class=\"explanatory-dictionary-highlight\" data-definition=\"explanatory-dictionary-definition-74\" data-hasqtip=\"4\">Gemeinsame Liste<\/span> und progressive Politik in Israel<br \/>\nArtikel \u201eGemeinsam Anders.\u201c<\/li>\n<li>&nbsp;Dokumentiert: \u201e<a href=\"http:\/\/www.rosalux.org.il\/dokumentiert-das-programm-der-gemeinsame-liste\/\" target=\"_blank\">Das Programm der Gemeinsamen Liste<\/a>.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie vom neuen Newsletter (21.12.2016) der Rosa-Luxemburg-Stiftung Tel Aviv berichtet, hat eine Gruppe von Mizrachi-AktivistInnen ein &#8222;Manifest gegen Rassismus und Diskriminierung&#8220; pr\u00e4sentiert, das sich gegen die Fortdauer der Besatzung und gegen die &#8222;Aush\u00f6hlung der israelischen Demokratie&#8220; richtet. 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