{"id":4257,"date":"2017-01-23T13:54:18","date_gmt":"2017-01-23T12:54:18","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=4257"},"modified":"2017-01-24T08:02:48","modified_gmt":"2017-01-24T07:02:48","slug":"israelkritik-und-antisemitismus-abi-melzer-im-voellig-ueberfuellten-saal-des-gaestehauses-der-universitaet-bremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=4257","title":{"rendered":"&#8222;Israelkritik und Antisemitismus&#8220; &#8211; Abi Melzer im v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllten Saal des G\u00e4stehauses der Universit\u00e4t Bremen"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: left; margin: 0 15px 5px 0;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/lTsNEHv2Rqc?&amp;showinfo=0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\" width=\"400\" height=\"225\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/div>\n<p>Der Andrang zum Vortrag von Abi Melzer am 21. Januar 2017 im G\u00e4stehaus der Universit\u00e4t Bremen auf dem Teerhof war unerwartet gro\u00df. Der Saal war mit mehr als 150 Menschen \u00fcbervoll, einige setzten sich in den G\u00e4ngen auf den Fu\u00dfboden, einige versuchten vor dem Saaleingang, dem Geschehen zu folgen, und etliche sind wohl auch wieder gegangen. Es wurde spannend, zumal auch eine Gruppe aus der Szene der Antideutschen <!--more-->und der mit ihnen Sympathisierenden anwesend waren. Anwesend waren \u00fcbrigens auch Dr. Hermann Kuhn, der langj\u00e4hrige Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), und Benno Schirrmeister von der taz-Bremen (ein Bericht von ihm mit dem Titel <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Nord\/Bremen\/!p4652\/\" target=\"_blank\">&#8222;M\u00e4andern f\u00fcr Meinungsfreiheit&#8220; erschien am 24.01.2017 in der Bremen-Taz<\/a>)- beide in der Stadt daf\u00fcr bekannt, dass sie gerne mal Veranstaltungen und Referenten, die sich kritisch mit der Politik der israelischen Regierung auseinandersetzen, mit dem notorischen Antisemitismus-Vorwurf belegen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/P1090822_ji.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/P1090822_ji.jpg\" width=\"200\" height=\"113\"><\/a>Der Abend war also spannend, und die Diskussion war erw\u00fcnscht, und sie verlief im gro\u00dfen und ganzen auch in einem erfreulich ruhigen und sachlichen Rahmen. Johannes Feest, seines Zeichens emeritierter Professor f\u00fcr Strafrecht und Strafvollzug an der Universit\u00e4t Bremen, hatte den Abend organisiert, weil er sich dar\u00fcber ge\u00e4rgert hatte, dass man Abi Melzer, dem Referenten des Abends, in M\u00fcnchen so gro\u00dfe und administrative Schwierigkeiten bereitet hatte, seine Sicht auf den Nahost-Konflikt und die irgendwie typisch deutsche Antismitismus-Diskussion zu erl\u00e4utern. Am 27. September 2016 war Melzers geplanter Vortrag \u00fcber &#8222;Antisemitismus heute&#8220; nach Interventionen von interessierter Seite vom Kulturreferat der Stadt M\u00fcnchen kurzerhand abgesetzt worden. Begr\u00fcndung: dieser Vortrag sei geeignet, &#8222;die Grenze zwischen Israelkritik und Antisemitismus zu \u00fcberschreiten&#8220;. Auch gegen Christoph Glanz, Lehrer in Oldenburg, war interveniert worden, weil er sich in der BDS-Kampagne engagiert hatte. Zuvor schon hatte es die Pro-Israel-Lobby fast geschafft, den Vortrag des Bremer Autoren Arn Strohmeyer \u00fcber sein neues Buch (&#8222;Antisemitismus, Philosemitismus und der Pal\u00e4stinakonflikt&#8220;) in den Weserterrassen zu verhindern. Schlie\u00dflich &#8211; nach Diskussionen mit den Verantwortlichen &#8211; wurde der Vortrag dann doch genehmigt. Und &#8230; \u00e4hnliche Vorf\u00e4lle waren in den letzten Monaten in vielen deutschen St\u00e4dten (Bochum, G\u00f6ttingen, Kiel, K\u00f6ln, Leipzig, N\u00fcrnberg, Oldenburg etc.) bekannt worden.<\/p>\n<p>Man muss nicht alle Verleumdungen und Beleidigungen seitens der unbedingten Verteidiger der israelischen Politik hinnehmen. So hat jetzt Charlotte Knobloch, die langj\u00e4hrige Pr\u00e4sidentin der israelitischen Kultusgemeinde in M\u00fcnchen, den Zivilprozess gegen Abi Melzer verloren. Das Landgericht M\u00fcnchen hat ihr, nach einem in der \u00d6ffentlichkeit viel beachteten Prozess, am 30. November 2016 untersagt, weiterhin zu behaupten, dass Abi Melzer &#8222;f\u00fcr seine antisemitischen \u00c4u\u00dferungen regelrecht ber\u00fcchtigt&#8220; sei. F\u00fcr den Fall der Zuwiderhandlung hat das Gericht ein Ordnungsgeld in H\u00f6he von bis zu 250.000 Euro, ersatzweise 6 Monate Ordnungshaft, festgesetzt. Prozesse kosten viel Geld &#8211; die rechtliche Auseinandersetzung ist mit diesem Urteil noch nicht zuende -, weshalb auf der Veranstaltung gesammelt wurde.<\/p>\n<p>&#8222;Ich finde&#8220;, so Johannes Feest in seiner Einleitung, &#8222;dies ist eine erschreckende Entwicklung, die mich dazu gef\u00fchrt hat, Abi Melzer nach Bremen einzuladen, um ihm Gelegenheit zu geben, zu diesem wichtigen Thema zu sprechen, aber auch um herauszufinden, wie es um die Meinungsfreiheit in Bremen bestellt ist.&#8220; Auch gegen diese Veranstaltung sei interveniert worden, aber, so Feest, der Rektor der Universit\u00e4t sei standhaft geblieben &#8230; Geplant sei \u00fcber den heutigen Abend hinaus eine Veranstaltungsreihe zum Verfassungsgrundsatz der Meinungsfreiheit, in dem es bekanntlich in Art. 5 hei\u00dft: &#8222;Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu \u00e4u\u00dfern, zu verbreiten und sich aus allgemein zug\u00e4nglichen Quellen ungehindert zu informieren.&#8220; Diese Rechte seien jedoch nicht unbegrenzt, sie f\u00e4nden ihre Grenzen in den gesetzlichen Vorschriften zum Schutz der Jugend und dem Recht der pers\u00f6nlichen Ehre. Beleidigungen beispielsweise seien also von der Meinungsfreiheit nicht gesch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Abi Melzer erz\u00e4hlte und referierte in seinem spannenden Vortrag \u00fcber sein eigenes bewegtes Leben als in Samarkand (Usbekistan) geborener Jude, der als Kind direkt nach der Staatsgr\u00fcndung 1948 nach Israel einwanderte, das Land schon als zehnj\u00e4hriger mit seinen Eltern wieder verlie\u00df und in die Bundesrepublik Deutschland kam. Wie er schlie\u00dflich den Aufforderungen der Israelis, seinen Wehrdienst abzuleisten, nachkam, wie sich seine Ablehnung der israelischen Politik gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern verst\u00e4rkte, wie er den Zionismus lernte, immer grunds\u00e4tzlicher zu kritisieren und dass er trotzdem Israel liebe. Das Thema des Abends war nat\u00fcrlich der Antisemitismus und der immer merkw\u00fcrdiger werdende Gebrauch dieses Vorwurfs in Deutschland. &#8222;Ich gehe grunds\u00e4tzlich von der These aus&#8220;, sagte er, &#8222;dass der Antisemitismus heute als Volksbewegung nicht mehr vorhanden ist, auch wenn es noch ein paar Antisemiten gibt &#8211; so was wird es immer geben. Man hasst kaum noch Juden, weil sie Juden sind, aber man kritisiert immer mehr die v\u00f6lkerrechtswidrige Politik des Staates Israels. Israel und viele Juden nennen das Antisemitismus. Seit vielen Jahren versuchen zionistische Kreise in diesem Land, die Meinungshoheit \u00fcber Antisemitismus zu \u00fcbernehmen und nicht nur zu bestimmen, wer Antisemit ist und wer nicht, sondern grunds\u00e4tzlich auch zu bestimmen, was Antisemitismus ist und was nicht.&#8220; Das Grundproblem der gesamten Auseinandersetzungen bestehe schlie\u00dflich darin, dass die Akteure der Israellobby sich der Schw\u00e4che ihrer Argumente nur allzu bewusst seien. Also w\u00fcrden sie eine offene Diskussion lieber verhindern als sich daran zu beteiligen.<\/p>\n<p>Abi Melzers spannender Vortrag kann hier nicht weiter referiert werden &#8211; aber der Referent hat dankenswerterweise der Redaktion <a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/17-01-21-abi-melzer-Antisemitismus-Hysterie-in-Deutschland.odt\" target=\"_blank\">sein Manuskript (hier)<\/a> zur Verf\u00fcgung gestellt; au\u00dferdem kann seine Rede in dem <a href=\"https:\/\/youtu.be\/lTsNEHv2Rqc\" target=\"_blank\">Youtube-Video<\/a> (54 Minuten) hier nachgeh\u00f6rt werden.<br \/>\n<em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Andrang zum Vortrag von Abi Melzer am 21. Januar 2017 im G\u00e4stehaus der Universit\u00e4t Bremen auf dem Teerhof war unerwartet gro\u00df. 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