{"id":462,"date":"2014-05-26T17:29:12","date_gmt":"2014-05-26T17:29:12","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=462"},"modified":"2014-05-26T19:53:51","modified_gmt":"2014-05-26T19:53:51","slug":"zwei-briefe-zur-nakba-von-abu-sitta-und-uri-avnery-sowie-ein-widerspruch-von-arn-strohmeyer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=462","title":{"rendered":"Abu Sitta und Uri Avnery &#8211; zwei Briefe zur Nakba. Sowie ein &#8222;Widerspruch&#8220; von Arn Strohmeyer"},"content":{"rendered":"<p><em>Uri Avnery schildert sein Treffen mit dem jetzt wohlhabenden pal\u00e4stinensischen internationalen Bauunternehmer Abu Sitta. Sie haben sich sehr pers\u00f6nliche und bewegende Briefe geschrieben, die Avnery auf der Website von <a href=\"http:\/\/zope.gush-shalom.org\/home\/en\/channels\/avnery\/1400258684\/\" target=\"_blank\">Gush Shalom am 17.05.14<\/a> ver\u00f6ffentlichte. Avnery war als junger Soldat dabei, als die Pal\u00e4stinenser vertrieben wurden. Abu Sitta erz\u00e4hlt von der anderen Seite, wie er &#8222;ein Fl\u00fcchtling wurde, ohne je einen Juden gesehen zu haben,&#8220; und wie er Jahre verbrachte, um herauszufinden, wer es tat, den Namen, das Gesicht und das Bataillon. <!--more-->Mit der freundlichen Genehmigung von Ellen Rolfs drucken wir ihre \u00dcbersetzungen der Briefe.\u00a0 Arn Strohmeyer meldet Widerspruch an. Uri Avnery w\u00fcrde die Nakba relativieren.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<h2>Lieber Salman<\/h2>\n<p>Uri Avnery,\u00a0 17.5.14<br \/>\nVOR JAHREN war ich zu einer UN-Konferenz \u00fcber die pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlinge eingeladen. Ich sollte als Israeli mit der Debatte\u00a0 beginnen, nach dem der pal\u00e4stinensische Vertreter Salman Abu-Sitta aus einem Beduinenstamm im Negev als Pal\u00e4stinenser die Konferenz er\u00f6ffnet hatte.<\/p>\n<p>Vor der Debatte wurde ich gewarnt, Abu Sitta sei der extremste der Fl\u00fcchtlinge, ein ber\u00fcchtigter Israelhasser. Als ich an die Reihe kam, sagte ich, ich m\u00fcsse w\u00e4hlen zwischen\u00a0 einer m\u00fcndlichen Antwort oder dem Lesen meines vorbereiteten Textes.\u00a0 Ich entschied mich. meinen Text zu lesen und versprach ihm, ihn zu einem privaten Essen einzuladen und mit ihm seine Punkte zu diskutieren.<\/p>\n<p>Als ich meinen Text gelesen hatte, erinnerte mich Abu-Sitta an dieses Versprechen. Wir a\u00dfen in einem ruhigen Pariser Restaurant zu Mittag und ich fand, dass Abu-Sitta eine sehr sympathische Pers\u00f6nlichkeit ist. Rachel, meine Frau, war tief bewegt von dem Bericht\u00a0 seiner Flucht als Junge w\u00e4hrend der Nakba . Ich auch.<\/p>\n<p>Abu Sitta, jetzt ein sehr wohlhabender internationaler Bauunternehmer, hat sein Leben dem Elend der pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlinge gewidmet, und vielleicht ist er der beste Experte \u00fcber die Nakba in der Welt.. In dieser Woche erhielt ich von ihm einen Brief, bei dem ich die Notwendigkeit f\u00fchlte\u00a0 sie hier w\u00f6rtlich abzuschreiben:<\/p>\n<h2>Brief von Abu Sitta an Uri Avnery<\/h2>\n<p>LIEBER URI<br \/>\nIch las in Haaretz\u00a0 mit gro\u00dfem Interesse Dein Interview \u00fcber Dein so ereignisreiches Leben. Du h\u00e4ltst seit den fr\u00fchen F\u00fcnfzigern an Deinen\u00a0 Prinzipien fest, nachdem Du herausgefunden hattest, die alte Doktrin w\u00e4re nicht mehr durchf\u00fchrbar und nicht\u00a0 moralisch. Ich erinnere mich lebhaft an unser Gespr\u00e4ch beim Mittagessen in Paris mit Deiner lieben Frau Rachel \u2013 gesegnet sei ihre Seele.<\/p>\n<p>Du beschriebst Deine fr\u00fchen Jahre als junger Deutscher mit dem Namen Helmut; dass du dich sp\u00e4ter der Terrororganisation Irgun angeschlossen hast und\u00a0 ein Maschinengewehr\u00a0 auf einen\u00a0 H\u00fcgel bei Hulayqat getragen hast ( wo jetzt ein Denkmal steht, um die gefallenen Soldaten zu \u201eehren\u201c ) . wie du das Menschenmeer vertriebener Fl\u00fcchtlinge beobachtetest, die in Richtung Gaza\u00a0 entlang der\u00a0 K\u00fcste liefen. Ich erz\u00e4hlte Euch auch meine Geschichte: wie ich ein Fl\u00fcchtling wurde, ohne je einen Juden gesehen zu haben, und\u00a0 wie\u00a0 ich Jahre verbrachte, um herauszufinden, wer es tat, den Namen, das Gesicht und das Bataillon. Ich erinnere mich, wie ich Dich fragte \u201ew\u00e4rest du mit meiner R\u00fcckkehr in mein Haus, einverstanden, wenn es neben dem Deinigen st\u00fcnde?\u201c\u00a0 Du sagtest nachdr\u00fccklich NEIN. Ich schrieb das\u00a0 alles in meinen Memoiren, die in diesem Jahr in Europa und Amerika erscheinen werden. Ich erinnere mich an eine \u00e4hnliche Geschichte mit einem anderen Schluss. Ich spreche von\u00a0 Dr. Tikva Honig-Parnass (\u201eReflexionen einer\u00a0 Tochter der 48er-Generation\u201c).\u00a0 Es ist ein bewegender Bericht, wie Wahrheit und Realit\u00e4t sich ihr darboten, als Palmach-Soldatin mit der schwerwiegenden Ungerechtigkeit, die man den Pal\u00e4stinensern antat. Seitdem setzt\u00a0 sie ihre Energie ein um deren Rechte zu verteidigen, einschlie\u00dflich des R\u00fcckkehrrechtes.<\/p>\n<p>Ich sah weder\u00a0 Spur noch\u00a0 Hinweis auf einen R\u00fcckzieher in Deinem Interview, was ich gehofft hatte, n\u00e4mlich die Anerkennung des R\u00fcckkehrrechtes oder\u00a0 S\u00fchne und Heilung der gr\u00f6\u00dften S\u00fcnde: die ethnische S\u00e4uberung der Pal\u00e4stinenser.\u00a0 W\u00e4re\u00a0 es nicht die passende letzte Station eines langen Lebens\u00a0 (und ich w\u00fcnsche Dir ein l\u00e4ngeres), wenn du wieder auf der H\u00fcgelkuppe stehen und rufen w\u00fcrdest, dass es alle h\u00f6ren &#8211; Deine Lebenserfahrungen zusammen fassend: die Fl\u00fcchtlinge m\u00fcssen zur\u00fcckkehren, wir m\u00fcssen die S\u00fcnde der ethnischen S\u00e4uberung bereuen?<\/p>\n<p>Ist diese Frage an einen Mann mit Prinzipien, wie Du es bist, zu viel, dies zu tun? Ich frage\u00a0 dies jetzt nicht im Namen der Pal\u00e4stinenser, denn zweifellos WERDEN sie zur\u00fcckkehren.\u00a0 Ich hoffe, dass dies die Errungenschaften Deines Lebens im israelischen Milieu kr\u00f6nen w\u00fcrde. Wie ich wiederholt schrieb:\u00a0 die Geschichte der Juden wird nicht mehr von dem angeblichen T\u00f6ten Christi markiert noch\u00a0 von den Brutalit\u00e4ten der Nazis im 2. Weltkrieg, sondern\u00a0 wird unausl\u00f6schlich von dem\u00a0 markiert, was sie den Pal\u00e4stinensern absichtlich und dauernd angetan haben, ohne\u00a0 schlechtes Gewissen, Bedauern oder Rechtsmittel. Dies reflektiert jene Seite des menschlichen Geistes, der aus der Geschichte nichts lernt und der von seiner eigenen moralischen Haltung abl\u00e4sst.<br \/>\nMit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Salman Abu Sitta<\/p>\n<h2>Brief von Uri Avnery an Abu Sitta<\/h2>\n<p>LIEBER SALMAN<br \/>\nICH WAR von diesem Brief tief bewegt.\u00a0 Ich brauchte Tage, bis ich den Mut fand, auf diesen Brief zu antworten. Ich versuche es so ernsthaft wie m\u00f6glich. Als ich im Krieg 1948 verwundet wurde, entschied ich mich, meine Lebensaufgabe sollte der Frieden zwischen\u00a0 unsren beiden V\u00f6lkern sein. Ich hoffe, dass ich mein Versprechen gehalten habe. Nach einem so langen und bitteren Konflikt Frieden zu machen, ist\u00a0 eine moralische und\u00a0 politische Bem\u00fchung. Oft liegt da ein Widerspruch zwischen den beiden Aspekten.<\/p>\n<p>Ich habe gro\u00dfen Respekt vor den paar Leuten in Israel, die wie Tikva sich vollkommen\u00a0 der moralischen Seite der Fl\u00fcchtlingstrag\u00f6die widmen, egal, welche Folge dies f\u00fcr die Chance des Friedens hat. Meine eigene moralische\u00a0 Einstellung sagt mir, dass der Frieden das erste Ziel sein muss, vor und \u00fcber allem anderen.<br \/>\nIch erinnere mich auch lebhaft an unser Gespr\u00e4ch in Paris und schrieb dar\u00fcber im 2. Band meiner Memoiren, die im Laufe dieses Jahres auf Hebraeisch erscheinen werden. Es mag f\u00fcr Leser interessant sein, unsere beiden Beschreibungen desselben Gespr\u00e4chs zu vergleichen. \u00dcber die Szene in der N\u00e4he von Hulayqat habe ich im 1. Band geschrieben, der schon auf Hebr\u00e4isch herauskam.<\/p>\n<p>Der Krieg von 1948 war eine schreckliche menschliche Trag\u00f6die. Beide Seiten glaubten, es sei eine existentielle Schlacht, dass ihr\u00a0 Leben an einem Faden hing. Es wird oft vergessen, dass ethnische S\u00e4uberung (den Terminus gab es damals noch nicht) von beiden Seiten praktiziert wurde. Unsere Seite besetzte gro\u00dfe Gebiete und schuf so ein riesiges Fl\u00fcchtlingsproblem; w\u00e4hrend es\u00a0 der pal\u00e4stinensischen Seite gelang, nur ein kleines\u00a0 Gebiet zu besetzen, wie die Altstadt von Jerusalem und den j\u00fcdischen\u00a0 Ezion-Siedlungsblock bei Bethlehem. Aber kein einziger Jude\u00a0 blieb dort.<br \/>\nDer Krieg war, wie sp\u00e4ter der bosnische Krieg, ein ethnischer Krieg, in dem beide Seiten\u00a0 versuchten , ein gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliches St\u00fcck Land zu erobern \u2013 OHNE Bev\u00f6lkerung.<br \/>\nAls Augenzeuge und Teilnehmer kann ich die Tatsache\u00a0 bezeugen, dass die Urspr\u00fcnge des Fl\u00fcchtlingsproblems extrem kompliziert sind. W\u00e4hrend der ersten sieben Monate des Krieges waren die Angriffe auf die arabischen D\u00f6rfer\u00a0 milit\u00e4risch absolut notwendig. Zu dieser Zeit\u00a0 waren wir die schw\u00e4chere Seite. Nach einer Anzahl sehr grausamer Schlachten drehte sich das Rad, und ich glaube, dass eine absichtliche Politik der Vertreibung von der zionistischen F\u00fchrung\u00a0 ergriffen wurde.<br \/>\nAber die wirkliche Frage ist: Warum wurde den 750 000 Fl\u00fcchtlingen nach den Feindseligkeiten nicht erlaubt, nach Hause zur\u00fcckzukehren?<\/p>\n<p>MAN MUSS sich an die Situation erinnern. Es war drei Jahre, nachdem die\u00a0 rauchenden Kamine von Auschwitz und\u00a0 den anderen Lagern\u00a0 kalt geworden waren. Hunderttausende von elenden \u00dcberlebenden waren in \u00fcberf\u00fcllten Fl\u00fcchtlingslagern in Europa und\u00a0 wussten nicht wohin, au\u00dfer in das neue Israel. Sie wurden hierher gef\u00fchrt und eilig in die H\u00e4user der geflohenen Pal\u00e4stinenser gebracht. All dies l\u00f6schte unsere moralische Verpflichtung nicht aus, der schrecklichen Trag\u00f6die der pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlinge ein Ende zu bereiten. 1953 ver\u00f6ffentlichte ich in meinem Magazin Haolam Hazeh einen detaillierten Plan f\u00fcr die L\u00f6sung des Fl\u00fcchtlingsproblems.\u00a0 Es schloss (a) eine Entschuldigung bei den Fl\u00fcchtlingen ein und\u00a0 im Prinzip auch die Anerkennung\u00a0 des R\u00fcckkehrrechts, (b) die R\u00fcckkehr und Wiederansiedlung einer betr\u00e4chtlichen Zahl, (c)\u00a0 eine gro\u00dfz\u00fcgige Wiedergutmachung f\u00fcr den ganzen Rest. Da die israelische Regierung sich aber weigerte, die M\u00f6glichkeit der R\u00fcckkehr auch nur von einzelnen Individuen in Betracht zu ziehen, wurde der Plan nicht einmal diskutiert.<\/p>\n<p>WARUM\u00a0 STEHE ich nicht auf einer H\u00fcgelkuppe und rufe nach der R\u00fcckkehr aller Fl\u00fcchtlinge? Frieden wird zwischen\u00a0 Parteien gemacht, die beide bereit sind, einzuwilligen.\u00a0 Es gibt absolut keine Chance, dass die\u00a0 gro\u00dfe Mehrheit der Israelis mit der R\u00fcckkehr aller Fl\u00fcchtlinge und ihrer Nachkommen(6 oder 7 Millionen) einverstanden ist.\u00a0 Es w\u00e4re etwa dieselbe Anzahl wie\u00a0 die Anzahl von Israels j\u00fcdischen B\u00fcrgern. Dies w\u00e4re das Ende des \u201eJ\u00fcdischen Staates\u201c und der Beginn eines \u201ebi-nationalen Staates\u201c gegen den 99% der Israelis sind. Dies k\u00f6nnte nur durch Krieg erreicht werden, der\u00a0 augenblicklich wegen Israels unendlich milit\u00e4rischer \u00dcberlegenheit, einschlie\u00dflich Nuklearwaffen, unm\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Ich kann auf der H\u00fcgelkuppe stehen und rufen \u2013 aber das w\u00fcrde keinem den Frieden (und einer L\u00f6sung) nur einen Schritt n\u00e4her bringen. Meiner Ansicht nach ist das Warten auf eine L\u00f6sung in hundert Jahren, w\u00e4hrend der Konflikt und die Misere weitergehen, nicht wirklich moralisch.<\/p>\n<p>LIEBER SALMAN, ich habe aufmerksam Deiner Darlegung zugeh\u00f6rt. Du meinst, Israel\u00a0 k\u00f6nnte leicht all die Fl\u00fcchtlinge im Negev aufnehmen,\u00a0 der fast leer sei. Das stimmt. Die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der\u00a0 Israelis w\u00fcrde dies zur\u00fcckweisen, weil sie \u00e4u\u00dferst entschlossen ist, eine\u00a0 gro\u00dfe j\u00fcdische Mehrheit in Israel zu haben. Aber ich frage mich auch selbst: Was ist die Logik darin?<\/p>\n<p>Als ich\u00a0 mich w\u00e4hrend des Krieges 1982 mit\u00a0 Yassir Arafat in Beirut traf, besuchte ich auch mehrere pal\u00e4stinensische Fl\u00fcchtlingslager. Ich fragte viele Fl\u00fcchtlinge, ob sie nach Israel zur\u00fcck wollten. Die meisten sagten, sie wollten zur\u00fcck in ihre D\u00f6rfer (die\u00a0 aber seit langem\u00a0 zerst\u00f6rt sind), aber nicht irgendwohin\u00a0 in Israel. Welchen Sinn hat es, sie den harten Bedingungen der W\u00fcste auszusetzen \u2013 in einem zionistisch dominierten und hebr\u00e4isch sprechenden Land, weit weg von ihren urspr\u00fcnglichen Wohnst\u00e4tten? W\u00fcrden sie das wollen?<\/p>\n<p>Arafat und seine Nachfolger begrenzten und begrenzen\u00a0 ihr Ziel auf eine\u00a0 \u201egerechte und\u00a0 beiderseitig \u00fcbereinstimmende L\u00f6sung\u201c, die der israelischen Regierung ein Vetorecht gibt. Das bedeutet praktisch, h\u00f6chstens die R\u00fcckkehr einer symbolischen Anzahl. Mein letzter Vorschlag ist: der israelische Pr\u00e4sident m\u00f6ge sich entschuldigen und das tiefe Bedauern des israelischen Volkes zum Ausdruck bringen, f\u00fcr ihren Anteil an der Schaffung der Trag\u00f6die und ihrer Dauer.<\/p>\n<p>Die israelische Regierung muss das moralische Recht der R\u00fcckkehr der Fl\u00fcchtlinge anerkennen. Israel sollte jedes Jahr die R\u00fcckkehr von 50 000 Fl\u00fcchtlingen\u00a0 zehn Jahre lang\u00a0 anerkennen (Damit bin ich fast allein in Israel, der diese Anzahl verlangt. Die meisten Friedensgruppen w\u00fcrden dies auf 100 000 zusammen\u00a0 reduzieren).<br \/>\nAlle anderen Fl\u00fcchtlinge sollten Kompensationen erhalten, in etwa nach den Kompensationen, wie sie\u00a0 Deutschland\u00a0 j\u00fcdischen Opfern gezahlt hat. (nat\u00fcrlich kein Vergleich). Mit der Gr\u00fcndung des Staates Pal\u00e4stina w\u00fcrden alle Fl\u00fcchtlinge pal\u00e4stinensische P\u00e4sse erhalten und in der Lage sein, in ihrem Lande zu siedeln.<br \/>\nIn nicht zu weiter Zukunft, wenn die beiden Staaten, Israel und Pal\u00e4stina, Seite an Seite neben einander leben, mit offenen Grenzen und mit ihren Hauptst\u00e4dten in Jerusalem \u2013 vielleicht innerhalb des Rahmens einer regionalen Union\u00a0 \u2013 wird das Problem seinen Stachel verlieren.<\/p>\n<p>ES F\u00c4LLT mir schwer, diesen Brief zu schreiben. F\u00fcr mich sind die Fl\u00fcchtlinge kein abstraktes \u201eProblem\u201c, sondern\u00a0 menschliche Wesen mit menschlichen Gesichtern. Aber ich will Dich nicht anl\u00fcgen.<br \/>\nEs w\u00e4re mir eine Ehre, neben Dir\u00a0 (selbst in der Negev-W\u00fcste) zu leben.<br \/>\nSalamaat,\u00a0\u00a0 Uri<br \/>\n(Aus dem Englischen: Ellen Rohlfs, vom Verfasser autorisiert)<\/p>\n<p>++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++<\/p>\n<p><em>Arn Strohmeyer<\/em><\/p>\n<h2>Widerspruch! Uri Avnery relativiert die Nakba!<\/h2>\n<p>In seiner letzten Kolumne \u201eLieber Salman\u201c relativiert der sonst zumeist so famose Uri Avnery die Nakba in unverst\u00e4ndlicher und bedenklich Weise. Er schreibt da: \u201eDer Krieg von 1948 war eine schreckliche menschliche Trag\u00f6die. Beide Seiten glaubten, es sei eine existentielle Schlacht, dass ihr\u00a0 Leben an einem Faden hing. Es wird oft vergessen, dass ethnische S\u00e4uberung (den Terminus gab es damals noch nicht) von beiden Seiten praktiziert wurde. Unsere Seite besetzte gro\u00dfe Gebiete und schuf so ein riesiges Fl\u00fcchtlingsproblem; w\u00e4hrend es\u00a0 der pal\u00e4stinensischen Seite nur gelang, ein kleines\u00a0 Gebiet zu besetzen, wie die Altstadt von Jerusalem und den j\u00fcdischen Ezion-Siedlungsblock bei Bethlehem. Aber kein einziger Jude\u00a0 blieb dort.\u201c<\/p>\n<p>Und weiter: \u201eDer Krieg war, wie sp\u00e4ter der bosnische Krieg, ein ethnischer Krieg, in dem beide Seiten versuchten, ein gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliches St\u00fcck Land zu erobern &#8211; ohne Bev\u00f6lkerung. Als Augenzeuge und Teilnehmer kann ich die Tatsache\u00a0 bezeugen, dass die Urspr\u00fcnge des Fl\u00fcchtlingsproblems extrem kompliziert sind. W\u00e4hrend der ersten sieben Monate des Krieges waren die Angriffe auf die arabischen D\u00f6rfer\u00a0 milit\u00e4risch absolut notwendig. Zu dieser Zeit\u00a0 waren wir die schw\u00e4chere Seite. Nach einer Anzahl sehr grausamer Schlachten drehte sich das Rad, und ich glaube, dass eine absichtliche Politik der Vertreibung von der zionistischen F\u00fchrung ergriffen wurde.\u201c<br \/>\nAuch wenn Avnery selbst in diesem Krieg mitgek\u00e4mpft hat, seine Darstellung klingt sehr einseitig. Die Verfasser zweier Standardwerke dieses Abschnitts der israelischen Geschichte &#8211; die beiden Israelis Ilan Pappe und Simcha Flappan &#8211; schildern die Vorg\u00e4nge der Jahre 1947\/48 in ihren Werken \u201eDie ethnische S\u00e4uberung Pal\u00e4stinas\u201c und \u201eDie Geburt Israels\u201c ganz anders. Da finden sich nirgendwo Angaben, dass auch die pal\u00e4stinensische Seite \u201eethnisch ges\u00e4ubert\u201c habe. Das konnte sie auch gar nicht, weil sie au\u00dfer ein paar Guerillaverb\u00e4nden gar nicht \u00fcber eine ernstzunehmende Armee verf\u00fcgte wie die Zionisten. Die sogenannte \u201eArabische Befreiungsarmee\u201c &#8211; eine Truppe von Freiwilligen aus verschiedenen arabischen Staaten &#8211; war f\u00fcr die Hagana kein wirklicher Gegner.<\/p>\n<p>Die Zionisten schlugen schon bald nach dem UNO-Teilungsbeschluss im November 1947 los, um zus\u00e4tzliche Gebiete zu erobern und die Bildung eines pal\u00e4stinensischen Staates mit allen Mitteln zu verhindern. Die ethnische S\u00e4uberung war bestens vorbereitet und erfolgte nach dem Plan D (Dalet). Darin hie\u00df es: \u201eDie Operationen lassen sich folgenderma\u00dfen durchf\u00fchren: entweder durch die Zerst\u00f6rung von D\u00f6rfern (indem man sie in Brand setzt, sprengt und die Tr\u00fcmmer vermint) und insbesondere von Wohngebieten, die auf die Dauer schwer zu kontrollieren sind, oder durch Durchsuchungs- und Kontrolloperationen nach folgenden Richtlinien: Umstellen und Durchk\u00e4mmen der D\u00f6rfer. Im Fall von Widerstand sind die bewaffneten Kr\u00e4fte auszuschalten und \u00fcber die Landesgrenzen zu vertreiben.\u201c Diese Zitat stammt von Israel Pappe, der sich in seinem Buch immer wieder fragt, wie j\u00fcdische Soldaten drei Jahre nach dem Ende des Holocaust so gewaltt\u00e4tig gegen eine wehrlose Zivilbev\u00f6lkerung vorgehen konnten. Mit Massakern wie dem von Deir Yassin versuchten die Zionisten die Pal\u00e4stinenser in Panik zu versetzen und zur Flucht zu bewegen.<\/p>\n<p>Bis Ende M\u00e4rz 1948 konnten die zionistischen Verb\u00e4nde fast alle wichtigen pal\u00e4stinensischen St\u00e4dte erobern. Bis zum 15. Mai waren schon unz\u00e4hlige D\u00f6rfer zerst\u00f6rt und rund 250 000 Pal\u00e4stinenser vertrieben worden. Au\u00dferdem hatten die Zionisten ihr Ziel erreicht und gro\u00dfe Gebiete besetzt, die f\u00fcr den pal\u00e4stinensischen Staat vorgesehen waren &#8211; also noch vor der Gr\u00fcndung des Staates Israel am 18. Mai. Erst in dieser Situation beschlossen die arabischen Staaten, eine Armee nach Pal\u00e4stina zu schicken, die aber so schlecht ausger\u00fcstet war, nicht einmal \u00fcber ein gemeinsames Oberkommando und eine Koordination untereinander verf\u00fcgte, dass die Zionisten, die viel besser ausger\u00fcstet und motiviert waren, kein Problem mit diesem Gegner hatten. Zudem nahm die st\u00e4rkste arabische Armee &#8211; Jordaniens \u201eArabische Legion\u201c &#8211; an den K\u00e4mpfen nur am Rande teil, weil der jordanische K\u00f6nig Abdallah ein Geheimabkommen mit den Zionisten geschlossen hatte. Der Mufti von Jerusalem rief zum \u201eheiligen Krieg\u201c gegen die Zionisten auf, aber so gut wie niemand folgte ihm.<\/p>\n<p>Die Israelis f\u00fchlten sich in dieser Zeit milit\u00e4risch so stark, dass ihr Anf\u00fchrer und erster Ministerpr\u00e4sident Ben Gurion schon von weiteren Eroberungen arabischen Landes tr\u00e4umte. Die Pal\u00e4stinenser verhielten sich in den kriegerischen Auseinandersetzungen weitgehend passiv. Der israelische Geheimdienstmann Ezra Danin meldete: \u201eDie Dorfbewohner lassen keinen Kampfeswillen erkennen.\u201c Aus einer Sitzung von Ben Gurions Beratergruppe verlautete, \u201edass das l\u00e4ndliche Pal\u00e4stina keinerlei Kampfes- oder Angriffswillen zeigte und wehrlos war.\u201c Ben Gurion zog daraus die Schlussfolgerung; \u201edass es am\u00a0 besten sei, die l\u00e4ndlichen Gebiete weiter durch eine Serie von Offensiven zu terrorisieren, damit die gemeldete passive Stimmung anh\u00e4lt.\u201c Das Alles ist bei Simcha Flapan und Ilan Pappe gut belegt nachzulesen. Warum &#8211; so muss man Uri Avnery fragen &#8211; waren die Angriffe auf arabische D\u00f6rfer \u201eabsolut notwendig\u201c? Im Grunde rechtfertigt er hier die grausame Nakba.<\/p>\n<p>Der sonst so gesch\u00e4tzte Uri Avnery \u00fcbertreibt also ganz heftig, wenn er behauptet, dass auch die Pal\u00e4stinenser eine ethnische S\u00e4uberung durchzuf\u00fchren versuchten. Dazu waren sie milit\u00e4risch gar nicht in der Lage. Au\u00dferdem gibt es schlie\u00dflich noch einen kleinen Unterschied zwischen dem Vorgehen beider Seiten: Die Zionisten waren Eindringlinge, eroberten fremdes Land und vertrieben die Menschen daraus. Die Pal\u00e4stinenser wehrten sich mit schwachen Kr\u00e4ften, denn schlie\u00dflich verteidigten sie ihre Heimat. Das war ihr gutes Recht.<br \/>\n20.05.2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Uri Avnery schildert sein Treffen mit dem jetzt wohlhabenden pal\u00e4stinensischen internationalen Bauunternehmer Abu Sitta. Sie haben sich sehr pers\u00f6nliche und bewegende Briefe geschrieben, die Avnery auf der Website von Gush Shalom am 17.05.14 ver\u00f6ffentlichte. Avnery war als junger Soldat dabei, &hellip; <a href=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=462\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-462","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/462","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=462"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/462\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":470,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/462\/revisions\/470"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=462"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=462"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=462"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}