{"id":5008,"date":"2017-05-16T08:56:27","date_gmt":"2017-05-16T08:56:27","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=5008"},"modified":"2017-05-17T07:38:04","modified_gmt":"2017-05-17T07:38:04","slug":"susan-abulhawa-in-der-zentralbibliothek-in-bremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=5008","title":{"rendered":"Susan Abulhawa in der Zentralbibliothek in Bremen"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: left; margin: 0 15px 5px 0;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/DeK0DPL5MT8\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\" width=\"400\" height=\"225\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/div>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Susan Abulhawa hat Weltliteratur geschrieben. Pal\u00e4stinensische Weltliteratur. Ihr Deb\u00fct-Roman &#8222;W\u00e4hrend die Welt schlief&#8220; wurde in den USA sofort ein Bestseller und in fast 30 Sprachen \u00fcbersetzt. Die Autorin ist in Kuweit geboren, lebte nach der Trennung ihrer Eltern zuerst in Abulhawa in Kuweit, dann in Jordanien, kam nach Jerusalem in ein Waisenhaus <\/span><\/span><!--more--><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">und wurde im Alter von 13 Jahren als Pflegekind nach North Carolina in den USA vermittelt. Ihr erster Roman (&#8222;W\u00e4hrend die Welt schlief&#8220;) erschien im April 2012, ihr zweiter (&#8222;Als die Sonne im Meer verschwand&#8220;) im April 2016. Beide Roman standen in Deutschland monatelang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Ihr dritter Roman erscheint demn\u00e4chst. <\/span><\/span><\/p>\n<div style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/susan-.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/susan-.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"113\"><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Susan Abulhawa<\/p><\/div>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Die Autorin las und diskutierte am 9. Mai 2017 im vollen Wallsaal der Zentralbibliothek Bremen. Sie wurde begleitet von der Schauspielerin und Rezensentin Soraya Sala, geboren in Kairo, die geradezu kongenial einige Textpassagen aus der deutsche \u00dcbersetzung vorlas. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">An dem Abend folgten in bunter Reihenfolge Abschnitte aus ihren B\u00fcchern, die von Soraya Sala vorgelesen werden, sowie Fragen aus dem Publikum und ihre Antworten darauf. Sie wurden von Mirco Griesche einf\u00fchlsam \u00fcbersetzt. Auf Wunsch des Publikums las sie auch eine Passage auf arabisch. Am Schluss des Abends folgten zwei lange Gedichte. Es wurde ein gro\u00dfartiger Abend, das Publikum dankte mit gro\u00dfem Beifall.<\/span><\/span><\/p>\n<div style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/soraya.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"112\"><p class=\"wp-caption-text\">Soraya Sala<\/p><\/div>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Susan Abulhawa schreibt Literatur, die auch politisch ist. Sie ist Mitbegr\u00fcnderin der BDS-Kampagne und engagiert sich besonders f\u00fcr die NGO &#8222;Playgrounds for Palestine&#8220;. Gro\u00dfe Aufmerksamkeit erregten ihre Ausf\u00fchrungen zum Antisemitismus-Vorwurf, der in einigen Rezensionen ihrer B\u00fccher auch gegen sie erhoben worden war. Soraya Sala hatte einige Passagen aus einem e-mail-Verkehr \u00fcber diese Fragen \u00fcbersetzt. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Susan Abulhawa blickt sozusagen mit pal\u00e4stinensischen Augen, also vor dem Hintergrund ihrer Kultur und ihrer Geschichte auf diese komplizierte Diskussion. Antisemitismus w\u00e4re in Europa entstanden, die orientalischen V\u00f6lker und Kulturen h\u00e4tten damit wenig oder nichts zu tun. Die Europ\u00e4er und mit ihnen die Juden aus Europa und anderen westlichen L\u00e4ndern seien als Kolonialisten in ihr Land Pal\u00e4stina gekommen. Und das sei ein wichtiger Unterschied und ver\u00e4ndere die Sichtweise. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Die Crux an der Antisemitismus-Diskussion sei aus ihrer Sicht, so Susan Abulhawa, die Vernachl\u00e4ssigung der Dimension der Macht. &#8222;Antisemitismus und alle Formen von Rassismus ben\u00f6tigen ein Machtgef\u00e4lle, das in eine Richtung l\u00e4uft. Wenn z.B. Wei\u00dfe die Schwarzen hassen, aus einem Gef\u00fchl der \u00dcberlegenheit oder B\u00f6sartigkeit oder Ignoranz heraus, dann ist das Rassimsus. Wenn umgekehrt Schwarze Wei\u00dfen gegen\u00fcber Misstrauen, Argwohn, Abneigung oder sogar Hass versp\u00fcren, ist das kein Rassismus. Sondern vielmehr eine minimale menschliche Reaktion, die entsteht, wenn man jahrhundertelang von Wei\u00dfen verachtet, brutalisiert und terrorisiert worden ist.&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Das, was die meisten Deutschen, die sich arisch d\u00fcnkten, gegen\u00fcber den deutschen Juden gef\u00fchlt h\u00e4tten, sei Antisemitismus gewesen. Aber was die Juden &#8222;zur\u00fcckgef\u00fchlt&#8220; h\u00e4tten, n\u00e4mlich Hass, Misstrauen oder was auch immer, sei kein Rassismus gewesen, sondern eine nat\u00fcrliche Reaktion darauf, Opfer eines V\u00f6lkermordes zu sein. Auf die gleiche Weise w\u00fcrden Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenser f\u00fchlen. Wenn sie gegen\u00fcber Juden Misstrauen, Abneigung oder Hass versp\u00fcrten, sei das die nat\u00fcrliche Antwort auf Jahrzehnte von systematischer Unterdr\u00fcckung, Entrechtung, Terrorismus, st\u00e4ndiger Schikane, st\u00e4ndigen Diebstahls ihres Landes, ihrer H\u00e4user, n\u00e4chtlicher \u00dcberf\u00e4lle und Verhaftungen. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">&#8222;Wir sagen&#8220;, so Susan Abulhawa, &#8222;Juden, und es ist klar, wen wir damit meinen. Nicht die Juden allgemein, sondern diejenigen, die den Tod auf uns regnen lassen, die uns alles gestohlen haben und die unsere Herzen herausgerissen haben. Ich wei\u00df, dass diese Worte f\u00fcr Menschen, die ihre eigene Geschichte mit dem Antisemitismus haben, unbequem sind oder ihnen Unbehagen bereiten. Aber meine Arbeit besteht darin, eine Geschichte zu erz\u00e4hlen, die ehrlich und authentisch ist. Und ich kann nicht die Ehrlichkeit meiner Geschichten daf\u00fcr opfern, um einigen Lesern ein wenig Unbehagen zu ersparen.&#8220; Es sei n\u00f6tig gewesen, dieses Unbehagen zu hinterfragen. Und daf\u00fcr m\u00fcsse man die Bedeutung und die Wirkung von Machtstrukturen, also die Gef\u00fchle der Unterdr\u00fcckten gegen\u00fcber ihren Unterdr\u00fcckern bedenken. Eine in Deutschland lebende Frau solle nicht erwarten, dass ihre eigenen Gef\u00fchle und Sensibilit\u00e4ten auch die Gef\u00fchle einer Pal\u00e4stinenserin seien, die in einem Gef\u00e4ngnis am Meer, das man Gaza nenne, leben m\u00fcsse. <\/span><\/span><\/p>\n<p><strong>Mitschnitt aus der Veranstaltung am 09.05.2017<\/strong><\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-5008-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ueber-antisemitismus.mp3?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ueber-antisemitismus.mp3\">http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ueber-antisemitismus.mp3<\/a><\/audio>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Einige Ausschnitte aus diesem e-mail-Verkehr \u00fcber den Antisemitismus aus pal\u00e4stinensischer Sicht werden in dem Video \u00fcber den Abend gezeigt. Weil es aber bei diesem schwierigen Thema so sehr auf die Nuancen ankommt, hier noch mal die entsprechenden Ausf\u00fchrungen auf einer audio-Datei. Die Passagen werden von Soraya Sala, die selber von Geburt aus \u00c4gypterin ist und den Text selber \u00fcbersetzt hat, mit ihrem leichten Akzent vorgelesen. Der leichte Akzent half wahrscheinlich dabei, sich jedenfalls etwas in die Gef\u00fchle von Pal\u00e4stinensern und Arabern diesem Thema hineinf\u00fchlen zu k\u00f6nnen. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Der Abend wurde organisiert vom AK Nahost Bremen und unterst\u00fctzt von der Stiftung &#8222;die schwelle&#8220;, der Stadtbibliothek Bremen, dem LiteraturKontor Bremen, dem Bremer Friedensforum, der Deutsch-Pal\u00e4stinensischen Gesellschaft (DPG) Bremen, dem Israelischen Komitee gegen Hauszerst\u00f6rung Deutschland (ICAHD), der Humboldt Buchhandlung und dem Diana-Verlag. . <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Der Abend in Bremen war der Beginn der Deutschland-Tournee, die Susan Abulhawa nach Osnabr\u00fcck, Hannover, K\u00f6ln und Ulm f\u00fchrte.<\/span><\/span><br \/>\n<em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Susan Abulhawa hat Weltliteratur geschrieben. 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