{"id":5198,"date":"2017-06-16T07:13:32","date_gmt":"2017-06-16T07:13:32","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=5198"},"modified":"2017-06-16T07:14:22","modified_gmt":"2017-06-16T07:14:22","slug":"peter-ullrich-ueber-antisemitismus-und-antisemitismusdebatten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=5198","title":{"rendered":"Peter Ullrich \u00fcber Antisemitismus und Antisemitismusdebatten"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: left; margin: 0 15px 5px 0;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/sCipBBrvvTA\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\" width=\"400\" height=\"225\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/div>\n<p>Am 12. Juni 2017 fand im Konsul-Hackfeld-Haus die letzte Veranstaltung der Reihe &#8222;50 Jahre israelische Besatzung&#8220; statt. Der AK Nahost Bremen hatte Ullrich mit Bedacht eingeladen, steht der bekannte Antisemitismusforscher doch in dem Ruf, in dieser eigentlich immer heftiger und emotionaler werdenden Debatte f\u00fcr Differenzierung, f\u00fcr Versachlichung und f\u00fcr einen verst\u00e4ndnisvolleren Umgang miteinander zu werben. <!--more-->Ullrich ist bekannt daf\u00fcr, dass er sich mit diversen Antideutschen, dem American Jewish Committee und der Antonio-Amadeo-Stiftung schon regelrecht &#8222;gefetzt&#8220; hat, als sie seine&nbsp; Studie (zusammen mit Michael Kohlstruck) \u00fcber &#8222;Antisemitismus als Problem und Symbol&#8220; (Berlin 2015, 130 Seiten, <a href=\"https:\/\/depositonce.tu-berlin.de\/bitstream\/11303\/4866\/1\/kohlstruck_et-al.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier vollst\u00e4ndiger download<\/a>) heftig attackierten und er sich entsprechend gegen die diversen Vorw\u00fcrfe zur Wehr setzte.<\/p>\n<p>Ullrich konstatiert, dass Antisemitismusdebatten im \u00f6ffentlichen Diskurs hoch umstritten sind. Am einen Pol w\u00fcrden viele vor einer Bedrohung durch den Antisemitismus, der an Ausma\u00df und Intensit\u00e4t zun\u00e4hme, warnen. Am anderen Pol wiederum f\u00fchlten sich viele diffamiert von einem zu h\u00e4ufig und zu Unrecht ge\u00e4u\u00dferten Antisemitismus-Vorwurf. Wie Ullrich sich in diesem Streit positioniert, wie er versucht, die Debatten und die Debattenteilnehmer regelrecht nach ihren Voraussetzungen, nach den jeweiligen Rede-Situationen und nat\u00fcrlich dem ganzen Apparat von implizit vorhandenen Ideologien und Vorurteilen zu sezieren &#8211; das versuchte er, in seinem faszinierenden Vortrag deutlich zu machen. Ob ihm das immer gelungen ist, sei hier dahingestellt, bediente er sich doch eines sehr elaborierten um nicht zu sagen schwierigen Jargons, der an die Verst\u00e4ndnisf\u00e4higkeit des Publikums hohe Anforderungen stellte. Aber &#8211; einfacher sei eine Analyse, die bis in die kleinsten Ver\u00e4stelungen hinein differenziert, eben nicht zu haben.<\/p>\n<p>Seine Untersuchungs- und Befragungsmethoden sowie seine Interpretationen k\u00f6nnen hier nat\u00fcrlich nicht referiert, aber in der Video-Aufzeichnung (80 Minuten) gut nachvollzogen werden.<\/p>\n<p>Die etwa 40 Zuh\u00f6rer und Zuh\u00f6rerinnen warteten ungeduldig darauf, endlich in die Diskussion einsteigen zu k\u00f6nnen. Hier wurde deutlich, dass Peter Ullrich sozusagen an diesem Abend keinen gro\u00dfen Drang versp\u00fcrte, in die eher politischen Dimensionen der Anti-Antisemitismusdebatten einzusteigen: n\u00e4mlich der immer offensichtlicher werdenden Strategie der israelischen Regierung, jegliche Kritik an der Besatzung und der Besiedlung der pal\u00e4stinensischen Gebiete als antisemitisch zu diffamieren, oder an der Politik der hiesigen &#8222;unbedingten Israelfreunde&#8220;, der so notwendigen Diskussion auszuweichen und durch Verweigerung von R\u00e4umen bzw. K\u00fcndigung von schon abgeschlossenen Mietvertr\u00e4gen zu verhindern. Wir in Bremen k\u00f6nnen ja ein Lied davon singen.<\/p>\n<p>Wie politisch aufgeladen die Debatte ist, zeigt einmal mehr die gro\u00df angelegte Kampagne des Springer-Verlages, den bislang bei ARTE nicht gezeigten Film \u00fcber Antisemitismus in Europa am 13. Juni 2017 f\u00fcr 24 Stunden (ohne R\u00fccksicht auf Urheberrechte) auf ihrer online-Plattform zu zeigen. \u00dcber das Event wurde in (fast) allen Medien prominent berichtet und sich pflichtschuldig und mit viel Pathos \u00fcber diesen skandal\u00f6sen Fall von Einschr\u00e4nkung der Meinungsfreiheit emp\u00f6rt. Peter Ullrich \u00e4u\u00dferte \u00fcbrigens Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Entscheidung der ARTE-Redaktion. <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1054225.ein-kaum-zu-ueberbietendes-zerrbild-vom-nahostkonflikt.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mehr dar\u00fcber hier.<\/a><br \/>\n<em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 12. Juni 2017 fand im Konsul-Hackfeld-Haus die letzte Veranstaltung der Reihe &#8222;50 Jahre israelische Besatzung&#8220; statt. 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