{"id":5219,"date":"2017-06-25T15:55:37","date_gmt":"2017-06-25T15:55:37","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=5219"},"modified":"2017-06-25T15:56:23","modified_gmt":"2017-06-25T15:56:23","slug":"neu-jewish-antifa-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=5219","title":{"rendered":"Neu: Jewish Antifa Berlin"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Jewish Antifa Berlin organisiert Protest gegen die Besatzungspolitik und will der j\u00fcdischen Linken wieder Geh\u00f6r verschaffen. Ein Gespr\u00e4ch mit Sivan Berkman <\/strong>(Sivan Berkman stammt aus Haifa und ist Sprecherin der Jewish Antifa Berlin)<!--more--><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sie haben sich als dezidiert j\u00fcdische antifaschistische Gruppe in Deutschland gegr\u00fcndet. Was hat Sie dazu veranlasst?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind vor allem Israelis, stammen aber auch aus Deutschland oder den USA. Viele von uns sind zudem auch in anderen Gruppen aktiv. Wir hatten das Gef\u00fchl, dass wir uns als j\u00fcdische Gruppe organisieren sollten: zum einen, um den vielen Einwanderern aus Israel, die immer noch fremd in der hiesigen Linken sind, einen Anlaufpunkt f\u00fcr politische Arbeit zu bieten. Aber zum anderen auch, um Positionen der israelischen Linken gemeinsam in die deutsche Debatte tragen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>In Ihrem Gr\u00fcndungstext schreiben Sie, der \u00bbpal\u00e4stinensische Kampf f\u00fcr Befreiung, Freiheit und Gerechtigkeit\u00ab solle weltweit \u00bbim Zentrum linker Debatten\u00ab stehen. Das gelte speziell f\u00fcr Deutschland.<\/strong><\/p>\n<p>Der sogenannte Israel-Pal\u00e4stina-Konflikt steht ja schon im Zentrum linker Debatten. Nur wird die pal\u00e4stinensische Perspektive kaum beachtet. Die Debatte kreist rechthaberisch um den innerdeutschen Diskurs, ohne dass \u00fcber die Lebensrealit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung in Pal\u00e4stina nachgedacht wird. Darum erkl\u00e4ren wir uns auch solidarisch mit dem Aufruf zu \u00bbBoykott, Desinvestitionen und Sanktionen\u00ab, auch BDS genannt, gegen den Staat Israel. Wir haben zwar unterschiedliche Meinungen zu Inhalt und Effektivit\u00e4t der BDS-Kampagne. Dass die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung jedoch das Recht hat, gewaltfrei gegen eine unmenschliche Besatzung zu agieren, steht f\u00fcr uns au\u00dfer Frage.<\/p>\n<p><strong>Sie richten sich auch an deutsche Linke: Proisraelische Linke w\u00fcrden linke Juden attackieren, der israelischen Regierung helfen, sie mundtot zu machen, oder sogar die j\u00fcdische Identit\u00e4t f\u00fcr ihre Zwecke vereinnahmen. H\u00e4lt die hiesige Linke zuwenig dagegen?<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem bei sogenannten \u00bbAnti\u00addeutschen\u00ab beobachten wir ein Umdefinieren des Antisemitismusbegriffs. Der Vorwurf des Antisemitismus wird instrumentalisiert, um die repressive Politik des israelischen Staates zu rechtfertigen. Die Fetischisierung Israels als \u00bbJude unter den Staaten\u00ab durch deutsche Linke bezeugt nicht nur mangelnde Staats- und Nationalismuskritik. Sie tut auch den vielen Juden, die sich mit dem Nationalprojekt nicht identifizieren, gro\u00dfes Unrecht, ebenso und vor allem den Opfern der israelischen Politik!<\/p>\n<p><strong>Mitunter erleben wir, dass j\u00fcdische Nachkommen der Opfer von deutschen Nachfahren der T\u00e4ter des Antisemitismus bezichtigt werden \u2013 im Namen der Juden.<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Das zeigt, dass das Verst\u00e4ndnis von Antisemitismus in bestimmten Kreisen nichts mehr mit Juden zu tun hat. Es ist widerw\u00e4rtig und bizarr, dass sich die Enkel deutscher T\u00e4ter anma\u00dfen, in unserem Namen zu sprechen.<\/p>\n<p><strong>Gegen eine Konferenz in Frankfurt am Main, auf der j\u00fcngst pal\u00e4stinensische und israelische Kritiker der Besatzungspolitik sprachen, taten sich pro\u00adisraelische Linke und Rechte zusammen. Die Publizistin Jutta Ditfurth etwa mobilisierte gemeinsam mit Teilen der CDU und Unterst\u00fctzern der israelischen Rechtsregierung.<\/strong><\/p>\n<p>Querfronten f\u00fcr Israel oder gegen die Pal\u00e4stinenser sind kein neues Ph\u00e4nomen. Wir sind immer wieder erschrocken, wie Neonazis den Kampf der Pal\u00e4stinenser instrumentalisieren, um Antisemitismus zu verbreiten. Es ist alarmierend, dass Mitglieder der Linkspartei oder der Gr\u00fcnen sich mit fundamentalistischen Christen oder j\u00fcdischen Unterst\u00fctzern der Besatzung zusammentun, um deren Kritiker zum Schweigen zu bringen. Antisemitismus, Islamophobie und antiarabischen Rassismus gibt es auf allen gesellschaftlichen Ebenen.<\/p>\n<p><strong>Was m\u00fcsste passieren, damit eine linke j\u00fcdische Position wieder Geh\u00f6r findet?<\/strong><\/p>\n<p>Die Schw\u00e4che der Linken in Israel hat viel mit der Politik der Angst und der erfolgreichen Unterdr\u00fcckung einer emanzipatorischen Befreiungsbewegung in Pal\u00e4stina zu tun. Momentan sehen wir kaum M\u00f6glichkeiten der Ver\u00e4nderung, und das liegt auch an der starken Unterst\u00fctzung, die Israel aus dem Ausland erh\u00e4lt. Darum leben viele von uns ja hier in Berlin und nicht in Tel Aviv. Hier m\u00fcssen wir daf\u00fcr sorgen, dass Antisemitismus nicht gegen andere Formen von Rassismus und Unterdr\u00fcckung ausgespielt wird. Die Traumata und \u00c4ngste der j\u00fcdischen Community d\u00fcrfen nicht f\u00fcr das Sch\u00fcren von Hass gegen Araber und Muslime missbraucht werden!<\/p>\n<p>Interview: John L\u00fctten<br \/>\nQuelle (mit freundlicher Genehmigung): <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/312753.querfronten-f%C3%BCr-israel-sind-nichts-neues.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">junge Welt v. 20.06.2017<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Jewish Antifa Berlin organisiert Protest gegen die Besatzungspolitik und will der j\u00fcdischen Linken wieder Geh\u00f6r verschaffen. 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