{"id":5312,"date":"2017-07-26T05:46:53","date_gmt":"2017-07-26T05:46:53","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=5312"},"modified":"2017-08-29T05:49:10","modified_gmt":"2017-08-29T05:49:10","slug":"berlin-die-angst-der-juden-vor-den-judenfreunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=5312","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine j\u00fcdische Buchhandlung in Berlin muss unter dem Druck von Linken schlie\u00dfen. Die linke Israelverehrung verkehrt sich so in ihr Gegenteil.<\/strong><br \/>\n<strong> Ein Kommentar von Armin Langer<\/strong><\/p>\n<p><em>(Der Verf. gr\u00fcndete 2013 die &#8222;Saalam-Schalom-Initiative&#8220; im stellenweise arabisch gepr\u00e4gten Berlin-Neuk\u00f6lln)<\/em><\/p>\n<p>Ein paar Dutzend Menschen, einige von ihnen schwarz gekleidet, nehmen auf winzigen, unbequemen Hockern in einer Neuk\u00f6llner Buchhandlung Platz. Die uralte j\u00fcdische Schiwa-Tradition besagt, dass Trauernde niedrig sitzen sollen. Schon der Prophet Hiob trauerte auf diese Art.<!--more--><\/p>\n<p>Die meisten Besucher im Raum sind israelische Wahlberliner. Sie sind vor einigen Jahren in die deutsche Hauptstadt gezogen und haben ihren Frieden mit Deutschland geschlossen. Einige verlie\u00dfen ihre Heimat aus politischen Gr\u00fcnden und deshalb, weil sie ihre Hoffnung an eine offene israelische Gesellschaft verloren haben. Einige sind aus finanziellen Gr\u00fcnden nach Berlin gekommen: In Israel hat sich herumgesprochen, dass ein Becher Schokopudding in Berliner Discountern nur 19 Cent kostet. In Israel kosten Lebensmittel das Vielfache.<\/p>\n<p>Nun starren sich diese Israelis fassungslos auf deutschem Boden an, denn ihre von zwei Israelis betriebene Lieblingsbuchhandlung muss wegen Drohungen schlie\u00dfen. (&#8230;)<\/p>\n<p>Es ist deswegen an der Zeit, \u00fcber den destruktiven Philosemitismus in der deutschen Gesellschaft und besonders innerhalb der antideutschen Linken zu reden.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sse daf\u00fcr gab es in der j\u00fcngsten Vergangenheit genug: Der Linken-Abgeordnete Oliver H\u00f6finghoff griff im Sommer 2016 beim Berliner Christopher Street Day (CSD) zusammen mit einigen Genossen Mitglieder der Gruppe Berlin Against Pinkwashing an. Den Protest von israelischen Juden und einigen Arabern, die zusammen gegen den israelischen Botschafter demonstrieren wollten, konnte der Abgeordnete nicht aushalten, er musste zuschlagen. Ramin Rachel, Vorstandsmitglied der SPD Neuk\u00f6lln, drohte in einer Facebook-Diskussion zu diesen Protesten damit, einen jungen Israeli zu schlagen, falls er wieder gegen seine Regierung demonstrieren w\u00fcrde.<br \/>\n&#8222;Juden-Feeling&#8220; als Accessoire<\/p>\n<p>Ende 2016 unterstellte der Tagesspiegel-Journalist Johannes Bockenheimer den Teilnehmern eines pal\u00e4stinensischen Kulturfestivals pauschal Antisemitismus: Daraufhin verfassten mehr als hundert j\u00fcdische und israelische Kulturschaffende in Berlin einen offenen Brief, in dem sie ihre Solidarit\u00e4t mit dem Festival ausdr\u00fcckten. Der Tagesspiegel sah den publizistischen Fehler ein und entfernte den Artikel aus dem Internet. Den Unterzeichnenden wurde aber noch wochenlang sp\u00e4ter im Netz vorgeworfen, sie seien alle lediglich Kapos. Vor wenigen Monaten wurde die Jewish Anti Fascist Action Berlin gegr\u00fcndet, die heute eine der gr\u00f6\u00dften j\u00fcdischen B\u00fcrgerinitiativen in der Bundesrepublik ist und sich bereits an zahlreichen antirassistischen Demos beteiligt hat \u2013 und von meist biodeutschen Philosemiten immer und immer wieder als eine Ansammlung von &#8222;selbsthassenden Juden&#8220; diffamiert wird.<\/p>\n<p>Wir, die Nachfahren der Opfer der Schoah, die den besagten offenen Brief unterzeichnet haben, die die Topics-Buchhandlung er\u00f6ffnet oder allgemein kritische Diskussionen und Auseinandersetzungen mit Rechten bef\u00f6rdern, werden von den Nachfahren der T\u00e4ter d\u00e4monisiert, diffamiert und delegitimiert \u2013 mit dem Argument, dass sie sich gegen Nazismus einsetzen w\u00fcrden. Der Antisemitismus wird umdefiniert, aus den Opfern werden T\u00e4ter gemacht. Gleichzeitig kann man unter einigen Nachkommen der wahren T\u00e4ter eine gewisse Sehnsucht nach einem Opferstatus beobachten. Das &#8222;Juden-Feeling&#8220; ist \u00fcber die Jahre zum Accessoire f\u00fcr viele Linke in Deutschland geworden. Sie fahren mit einer Israelfahne an ihren Autos befestigt herum \u2013 aus Solidarit\u00e4t mit den Juden, sagen sie, obwohl diese Fahne kein j\u00fcdisches Symbol per se ist, sondern das Zeichen des Staates Israel.<\/p>\n<p>Besonders gerne tun sie das zu einer Zeit, in der der Nahostkonflikt eskaliert. Wenn sie dabei angefeindet werden, beklagen sie sich \u00fcber ihre Erfahrungen mit dem Antisemitismus. Die Erfahrungen echter Juden sind nicht mehr relevant. Und wenn die bei dieser Inszenierung nicht mitspielen wollen, bekommen sie es eben mit den Punks und ihren Hunden zu tun \u2013 und werden in Deutschland im Jahr 2017 boykottiert.<\/p>\n<p>Der vollst\u00e4ndige Artikel unter <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/amp\/gesellschaft\/2017-07\/topics-berlin-neukoelln-juden-israelischer-buchladen-schliessung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zeit-online v. 25.07.2017<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine j\u00fcdische Buchhandlung in Berlin muss unter dem Druck von Linken schlie\u00dfen. Die linke Israelverehrung verkehrt sich so in ihr Gegenteil. 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